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"Handy-Störsender wäre für die Menschen sehr ungesund&q

Verfasst: 16. Oktober 2005 14:52
von The FiB am Sonntag
Störsender funktionieren nicht richtig
Knastis haben weiterhin Natel-Empfang

http://www.blick.ch/news/schweiz/artikel26684

REGENSDORF ZH – Im Gefängnis sind Handys natürlich tabu. Doch in Wirklichkeit ist dieses Verbot kaum durchsetzbar – ohne anständigen Störsender.

Sinn und Zweck eines Gefängnisses ist unter anderem, die Insassen von der Aussenwelt abzuschneiden. Deshalb dürfen Telefongespräche auch nur in begrenztem Rahmen und ausschliesslich von speziellen Kabinen aus geführt werden. Mit der Erfindung des Mobiltelefons wurde die Überwachung der Häftlinge allerdings sehr viel schwieriger.

Zwar ist es verboten, im Knast ein Natel zu besitzen, doch es gibt immer wieder Gefangene, die trotzdem eines haben. Entweder weil ihnen jemand das Gerät über die Mauer geworfen hat oder weil sie es heimlich von einem Besucher bekommen haben. Die Häftlinge haben damit einen genialen Trumpf in der Hand. Sie können schalten und walten, wie sie wollen. Die Flucht organisieren, Drogengeschäfte abwickeln, Pläne für ein neues Verbrechen aushecken, ehemalige Opfer belästigen – alles kein Problem.

Für die Gefängnisleitung gibt es ein Mittel, diesem Problem Herr zu werden: Störsender müssen her, die verhindern, dass man in der Haftanstalt Empfang hat. Die Strafanstalten Pöschwies in Regensdorf ZH, Lenzburg AG und Champ-Dollon GE haben im Frühling erste Versuche mit solchen Sendern durchgeführt. Und es klappte: Laut dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) konnte so innerhalb der Anstalten nicht mehr telefoniert werden.

Allerdings wurde damit bereits wieder ein neues Problem geschaffen. Die Strafanstalt Pöschwies ist so modern gebaut, dass nur ein starker Störsender seinen Weg durch die dicken Mauern findet. Doch dieser wäre wiederum so stark, dass er gleich die ganze Umgebung stören würde. Ausserdem verletzte man auch die Verordnung über den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (NISV). Sprich: Der Mammut-Störsender wäre für die Menschen sehr ungesund.

Deshalb bräuchte man in Pöschwies viele, aber dafür schwache Sender. Dies ist aber laut Gefängnis-Direktor Ueli Graf einerseits technisch nicht machbar und andererseits kaum zu bezahlen. Zwischen 1,3 und 3 Millionen Franken müsste man dafür hinblättern. Der Unterhalt ist da noch nicht einmal einberechnet. Deshalb will man nun nicht auf das System setzen, das im Frühling getestet wurde. Es wird nach einem neuen Anbieter gesucht.

In der Strafanstalt Lenzburg war man dagegen zufrieden mit dem getesteten Gerät. Voraussichtlich ab nächstem Jahr werden dort Störsender installiert.

Re: "Handy-Störsender wäre für die Menschen sehr ungesund" (

Verfasst: 16. Oktober 2005 15:39
von Evi
Schon recht merkwürdig: Gefängnisdirektoren sind nicht imstande, Handybesitz bei den Gefangenen zu kontrollieren, Handys einzuziehen, notfalls unter zusätzlicher empfindlicher Strafandrohung im Übertretensfall. Statt dessen teure Störsender, noch dazu gesundheitsschädlich, denn sie müssen ja stärker strahlen als die Handys, damit die Störung überhaupt wirkt. Geldausgaben also auf Kosten der Steuerzahler?

Da wundert es niemanden mehr, wenn auch Schuldirektoren und Lehrer nicht mehr die nötige Autorität haben, Handys auf dem Schulareal zu verbieten, sie notfalls einzusammeln und zurückzubehalten, bis der Vater oder die Mutter sie abholt.

Schöne, neue Handywelt! Herrlich weit haben wir's gebracht. Von Handys ursprünglich für den Notfall bis zum gefährlichen Spielzeug, Unterstützung krimineller Energie - denn Handys wurden in jüngster Zeit ja auch zum Zünden von Bomben benützt, bis hin zur Planung neuer Straftaten, schon vom Gefängnis aus.

Ich halte das Ganze für eine Bankrotterklärung massgeblicher Stellen. Sie haben nicht über den Tellerrand hinausgeschaut, als sie dieser unausgegorenen Technologie den Weg bereitet haben.

"Die ich rief die Geister..." (nach Goethe's Zauberlehrling) fällt einem dazu nur noch ein.

Klar: Handytelefonieren ist gemäss Carsten Schloter, ja ein Menschenrecht - auch für Strafgefangene hinter Gefängnismauern? Davon steht offenbar noch nichts in den Richtlinien.

Da kommt unsereiner ins Sinnieren, ob er will oder nicht. Wäre interessant zu erfahren, was uns da die Verfechter dieser neuen Seuche zu entgegnen hätten und was die Behörden und die Industrie.

Evi

Handy-Störsender - Dauerstrahler oder nicht?

Verfasst: 16. Oktober 2005 17:53
von Elisabeth Buchs
Sind Störsender nun Dauerstrahler oder nicht? In einem früheren Artikel war zu lesen (http://www.swissinfo.org/sde/swissinfo. ... 6842790000):

Störsignale

Das ganze soll folgendermassen funktionieren: Versucht jemand aus dem Inneren der Anstalt einen Anruf mit dem Handy zu machen, schaltet sich automatisch eine Störanlage ein. Sie sendet während 30 Sekunden ein Störsignal aus, das den Anruf blockiert.

Das "intelligente" System zerstört nur Signale, die von GSM-Handys ausgehen (Global System for Mobile Communications). Der Funkverkehr des Anstaltspersonals bleibt unangetastet.

Nur geringe Strahlung

Ob die Mobiltelefonie in der unmittelbaren Nachbarschaft der Anstalten gestört wird, wird sich in den Versuchen weisen.

Von den Störanlagen geht laut Franziskakis kein Risiko für die Gesundheit aus. Die Signale seien schwächer als diejenigen normaler Telekommunikations-Antennen.