Weitere Tote im Jaun (FR): Matthias (9) starb an Leukämie. C
Verfasst: 31. Oktober 2005 13:02
© Berner Zeitung; 31.10.2005; Seite 25
BZ-Region Bern
Matthias (9) starb an Leukämie
War Elektrosmog mitschuldig?
Könizer Bürger fordern, dass die BKW ihre Hochspannungsleitungen versenke. Sie stützen sich dabei unter anderem auf einen Fall im Freiburgischen. Dort starb ein Neunjähriger an Leukämie.
«Er war ein läbiger, gesunder Bub. Das änderte sich von einem Tag auf den anderen»: Die 41-jährige Bäuerin Eliane Schuwey erzählt von ihrem Sohn Matthias, der am 19. Januar 2001 um 23 Uhr in seinem Geburtshaus im freiburgischen Jaun starb. Matthias hatte Leukämie. Dies wusste er erst seit einen Monat.
«Im Dezember hatte Matthias nach einem Schwingfest über Kopfschmerzen geklagt», erinnert sich seine Mutter. In den folgenden Tagen wurde der Neunjährige immer müder, der Schmerz wurde zum Dauerschmerz. Also fuhren Schuweys ihren jüngsten Sohn zur Blutuntersuchung nach Freiburg und von dort gleich ins Inselspital. Die niederschmetternde Diagnose erhielten sie noch am selben Tag.
36 Meter neben dem Haus
Von da an ging es Matthias immer schlechter. Vor seiner zweiten Chemotherapie durfte er das Inselspital verlassen und ein paar Tage auf dem elterlichen Hof in Jaun verbringen. «Früher hatte er die Natur über alles geliebt. Aber da war er schon zu schwach für Spaziergänge», sagt Eliane Schuwey. Vor seiner Rückkehr ins Spital hatte er einen Blutsturz und starb.
36 Meter neben dem Hof führt eine Hochspannungsleitung der BKW vorbei. «Wir können das stete Brummen vom Haus aus hören», sagt die Eliane Schuwey. Die ansonsten bodenständige Bäuerin ist überzeugt: «Diese Leitung ist mitverantwortlich am Tod unseres Buben.» Sie leide selber oft unter Kopfweh. Nicht aber im Sommer, den Schuweys auf der Alp, weit weg vom Heimetli und der Stromleitung verbringen. Auch der 73-jährige Onkel habe fast täglich Kopfschmerzen, erzählt Eliane Schuwey. «Ich denke jeden Tag an Matthias, und mache mir jedes Mal Sorgen, wenn eines der anderen Kinder über Schmerzen klagt. Selbst wenn es bloss Bräschte sind.»
Es gab weitere Tote
Matthias’ Geschwister Tobias und Karin sind heute 18 und 16 Jahre alt. Tobias will später den Hof übernehmen - trotz der Zweifel. «Wir können nicht einfach wegziehen. Der Hof ist seit Generationen in Familienbesitz», sagt Eliane Schuwey. Zusammen mit anderen Leuten aus dem Dorf sammelt sie nun Unterschriften: Die BKW solle die vor 50 Jahren gebaute Leitung verschieben und damit den Abstand zu den Häusern vergrössern. Es herrscht Unruhe in Jaun. Denn in den letzten fünf Jahrzehnten seien entlang der Leitung mehrere Kinder und junge Leute an Krebs erkrankt.
BKW-Pressesprecher Antonio Sommavilla kann noch nicht sagen, ob die Firma auf die Forderung aus Jaun eingehen wird. Er zeigt Verständnis für die Menschen dort, betont aber auch: «Wir halten die gesetzlichen Grenzwerte streng ein.»
Katharina Merkle
BZ-Region Bern
Matthias (9) starb an Leukämie
War Elektrosmog mitschuldig?
Könizer Bürger fordern, dass die BKW ihre Hochspannungsleitungen versenke. Sie stützen sich dabei unter anderem auf einen Fall im Freiburgischen. Dort starb ein Neunjähriger an Leukämie.
«Er war ein läbiger, gesunder Bub. Das änderte sich von einem Tag auf den anderen»: Die 41-jährige Bäuerin Eliane Schuwey erzählt von ihrem Sohn Matthias, der am 19. Januar 2001 um 23 Uhr in seinem Geburtshaus im freiburgischen Jaun starb. Matthias hatte Leukämie. Dies wusste er erst seit einen Monat.
«Im Dezember hatte Matthias nach einem Schwingfest über Kopfschmerzen geklagt», erinnert sich seine Mutter. In den folgenden Tagen wurde der Neunjährige immer müder, der Schmerz wurde zum Dauerschmerz. Also fuhren Schuweys ihren jüngsten Sohn zur Blutuntersuchung nach Freiburg und von dort gleich ins Inselspital. Die niederschmetternde Diagnose erhielten sie noch am selben Tag.
36 Meter neben dem Haus
Von da an ging es Matthias immer schlechter. Vor seiner zweiten Chemotherapie durfte er das Inselspital verlassen und ein paar Tage auf dem elterlichen Hof in Jaun verbringen. «Früher hatte er die Natur über alles geliebt. Aber da war er schon zu schwach für Spaziergänge», sagt Eliane Schuwey. Vor seiner Rückkehr ins Spital hatte er einen Blutsturz und starb.
36 Meter neben dem Hof führt eine Hochspannungsleitung der BKW vorbei. «Wir können das stete Brummen vom Haus aus hören», sagt die Eliane Schuwey. Die ansonsten bodenständige Bäuerin ist überzeugt: «Diese Leitung ist mitverantwortlich am Tod unseres Buben.» Sie leide selber oft unter Kopfweh. Nicht aber im Sommer, den Schuweys auf der Alp, weit weg vom Heimetli und der Stromleitung verbringen. Auch der 73-jährige Onkel habe fast täglich Kopfschmerzen, erzählt Eliane Schuwey. «Ich denke jeden Tag an Matthias, und mache mir jedes Mal Sorgen, wenn eines der anderen Kinder über Schmerzen klagt. Selbst wenn es bloss Bräschte sind.»
Es gab weitere Tote
Matthias’ Geschwister Tobias und Karin sind heute 18 und 16 Jahre alt. Tobias will später den Hof übernehmen - trotz der Zweifel. «Wir können nicht einfach wegziehen. Der Hof ist seit Generationen in Familienbesitz», sagt Eliane Schuwey. Zusammen mit anderen Leuten aus dem Dorf sammelt sie nun Unterschriften: Die BKW solle die vor 50 Jahren gebaute Leitung verschieben und damit den Abstand zu den Häusern vergrössern. Es herrscht Unruhe in Jaun. Denn in den letzten fünf Jahrzehnten seien entlang der Leitung mehrere Kinder und junge Leute an Krebs erkrankt.
BKW-Pressesprecher Antonio Sommavilla kann noch nicht sagen, ob die Firma auf die Forderung aus Jaun eingehen wird. Er zeigt Verständnis für die Menschen dort, betont aber auch: «Wir halten die gesetzlichen Grenzwerte streng ein.»
Katharina Merkle