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Über die Rolle des Bundes bei Swisscom

Verfasst: 10. November 2005 19:28
von muriel
Gelesen in der Sonntagszeitung vom 6. November 04, Wirtschaftsteil: Wirtschaftsexperte Markus Gisler über die Rolle des Bundes bei Swisscom
Als Finanzminister Merz vorschlug, die Eidgenossenschaft solle ihr 66-Prozent-Aktienpaket an Swisscom ganz oder grösstenteils verkaufen, erntete er Schelte von links, beispielsweise von Publizist Frank A. Meyer und dessen Freund Helmut Hubacher. Diese sehen den Verkauf als Verscherbelung von Tafelsilber. Dumm nur, dass eine Vergangenheitsbetrachtung nicht taugt, um die Zukunft zu beurteilen. Das Tafelsilber wird nämlich bald niemand mehr haben wollen.
Die Swisscom-Aktie wird sinken, weil das Unternehmen die stolzen Einnahmen in Zukunft nicht halten kann. Die Letzte Meile wird fallen, die Preise rauschen in den Keller, die Konkurrenz drängt ins Geschäft, und neue Technologien bedrohen das Businessmodell. Klar, fragt sich ein umsichtiger Finanzminister, wie er das goldene Ei los werden kann, bevor es zu Blei mutiert.
SEIT DONNERSTAG WISSEN WIR, DASS ER DIE AKTIEN nicht schnell genug abstossen kann. Microsoft hat eben die junge Zürcher Software-Firma Media-Streams gekauft, mit deren Programm sich kinderleicht mit dem Computer telefonieren lässt. Das Feature wird bereits in die nächste Office-Generation eingebaut, die in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommt. Der Computer wird zur Telefonzentrale und erlaubt es, mit einem Klick ein Gespräch mit jedem gewünschten Kontakt herzustellen. Einerlei, ob ich mit Schaan oder Shanghai telefoniere, ob ich eine Mail nach Cham oder China sende. Alles abgedeckt durch den ADSL-Einheitstarif. Das künftige Office-Paket wird bei den Unternehmen reissenden Absatz finden, weil es die Telefonkosten dramatisch senkt. Der Swisscom aber brechen die Festnetz-Einnahmen weg. Haustelefonzentralen werden überflüssig.
Die Swisscom-Aktien werden an Wert verlieren. Der Bundesrat will noch dieses Jahr entscheiden, was mit dem Paket geschehen soll. Wenn er umsichtig handelt, schlägt er eine Gesetzesänderung vor, die es dem Bund ermöglicht, die Mehrheit an der Swisscom zu veräussern. Es mit Microsoft aufnehmen zu wollen, wäre töricht.