Hospitäler für Handyverbot
Verfasst: 13. Januar 2006 22:27
© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 12. Januar 2006
Hospitäler für Handyverbot
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/14609.html
Droht den teuren Telefonaten aus den Krankenhäusern das Aus? Nachdem die Medizinische Hochschule in Hannover in den meisten Bereichen des Hauses Handytelefonate gestattet hat, stehen auch hiesige Hospitäler unter Zugzwang. Die LVZ klingelte an und fragte nach.
"Wir halten das Verbot aufrecht", sagt Peter Bensch. "Es gibt ja viele verschiedene Meinungen drüber, ob von den Geräten eine Gefahr für die Technik ausgeht oder nicht. So lange dies aber nicht auszuschließen ist, sollte das Verbot weiter bestehen", so Bensch, der im St. Elisabeth-Krankenhaus Herr über die Medizintechnik ist. "Wer bei uns telefonieren möchte, der kann ein Gerät ans Bett bekommen."
Ähnlich wird das in Leipzigs Unikliniken gehandhabt. "Handys sind bei uns verboten. Und ich denke auch nicht, dass man davon abgehen wird", sagt Rainer Lobenstein. Angesichts der geringen Sendeleistung heutiger Geräte hätte der Leiter der Betriebstechnik aber "keine Bedenken bei einen Einsatz auf den Stationen. Da könnte man das Verbot aufheben. Technik wird da nicht beeinträchtigt", so Lobenstein.
Bauchschmerzen bereiten ihm allerdings die dann zu erwartenden Unterbrechungen des Betriebsablaufes, klingelt erst einer der elektronischen Racker. "Egal ob beim Gespräch zwischen Arzt und Patienten, der Massage oder der Physiotherapie - es stört." Das gilt erst recht für den OP, diagnostische Bereiche sowie Wachstationen. Und weil Patienten - und erst recht Besucher - nur schwer entscheiden könnten, ob sie nun schwatzen dürfen oder nicht, müssen sie generell ausschalten. "Und das gilt weniger aus kommerziellen Gründen", versucht Lobenstein den weit verbreiteten Vorwurf zu entkräften, Mobiltelefone seien heute in Kliniken nur noch verboten, um den meist externen Betreibern der Krankenhaustelefone die Einnahmen aus den Patientengesprächen zu sichern.
Zu Debatten über Sinn oder Unsinn des Verbotes kommt es, seit die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ihren Patienten das Sprechen per Mobilgerät erlaubt hat. Für die Harmlosigkeit heutiger Handys spricht auch, dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein europäisches Forschungsprojekt gestartet hat, um künftig auch in Flugzeugen Mobilfunktelefonate zu ermöglichen. 2004 fand bereits ein Testflug mit einem Airbus statt. "Nach Meinung unserer Spezialisten ist der Einfluss der Handys auf medizinische Geräte zu vernachlässigen", begründet MHH-Sprecher Stefan Zorn die Lockerung in seinem Hause. "Es gibt keine Studien, die aussagen, dass davon eine Gefahr ausgeht." Das mag bei den klobigen Uraltapparaten der ersten Generation anders gewesen sein. Moderne Mobiltelefone hätten aber nicht deren "extreme Strahlung", dürfen darum auf den normalen MHH-Stationen benutzt werden. "Es gab bisher keine Zwischenfälle", so Zorn. Als reine Vorsichtsmaßnahme werde in Hannover aber in der Intensivmedizin sowie auf sensiblen Stationen weiter auf Einhaltung des Verbots gepocht.
Ähnlich differenziert wird in Leipzigs Städtischem Klinikum St. Georg mit dem heißen Eisen umgegangen. Seit 1997 hält man sich hier an eine Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit. "Mobilfunktelefone nach dem gebräuchlichen GSM-Standard können wegen der betriebsbedingten Abstrahlung elektromagnetischer Wellen nachweislich die Funktion medizintechnischer Geräte beeinflussen", sagt Gert Wehde, Chef der Medizintechnik. Bei Abständen unter 50 Zentimetern kann eine gefährliche Beeinflussung nicht ausgeschlossen werden. "Eigene Versuche mit Infusionsgeräten bestätigen das", so Gert Wehde. Da eine solche Störung zu akuten Gefährdungen von Patienten führen kann, sind im St. Georg in OP, ITS und in Behandlungsräumen Handys verboten. Anders in Patientenzimmern: Hier gibt es keine hochgezüchtete Medizintechnik. Darum wird jetzt im St. Georg ein Abrücken vom prinzipiellen Verbot erwogen. Die Anweisung von 1997 soll "überarbeitet und aktualisiert" werden. Wer nicht bis dahin warten will, kann sich weiterhin ein hauseigenes Gerät ausleihen.
So auch im Evangelisch-Lutherischen Diakonissenhaus, dessen Patiententelefone von einem externen Dienstleister betrieben werden. "Bei uns gilt weiterhin ein Handyverbot", sagt Dieter Jende. "Wir ermahnen unsere Gäste, ihre Geräte möglichst außerhalb der Gebäude zu benutzen", sagt der Betriebsdirektor, beklagt aber zugleich, dass die Situation speziell in der Notaufnahme mitunter "nicht mehr zu bändigen ist".
Ingolf Rosendahl
Hospitäler für Handyverbot
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/14609.html
Droht den teuren Telefonaten aus den Krankenhäusern das Aus? Nachdem die Medizinische Hochschule in Hannover in den meisten Bereichen des Hauses Handytelefonate gestattet hat, stehen auch hiesige Hospitäler unter Zugzwang. Die LVZ klingelte an und fragte nach.
"Wir halten das Verbot aufrecht", sagt Peter Bensch. "Es gibt ja viele verschiedene Meinungen drüber, ob von den Geräten eine Gefahr für die Technik ausgeht oder nicht. So lange dies aber nicht auszuschließen ist, sollte das Verbot weiter bestehen", so Bensch, der im St. Elisabeth-Krankenhaus Herr über die Medizintechnik ist. "Wer bei uns telefonieren möchte, der kann ein Gerät ans Bett bekommen."
Ähnlich wird das in Leipzigs Unikliniken gehandhabt. "Handys sind bei uns verboten. Und ich denke auch nicht, dass man davon abgehen wird", sagt Rainer Lobenstein. Angesichts der geringen Sendeleistung heutiger Geräte hätte der Leiter der Betriebstechnik aber "keine Bedenken bei einen Einsatz auf den Stationen. Da könnte man das Verbot aufheben. Technik wird da nicht beeinträchtigt", so Lobenstein.
Bauchschmerzen bereiten ihm allerdings die dann zu erwartenden Unterbrechungen des Betriebsablaufes, klingelt erst einer der elektronischen Racker. "Egal ob beim Gespräch zwischen Arzt und Patienten, der Massage oder der Physiotherapie - es stört." Das gilt erst recht für den OP, diagnostische Bereiche sowie Wachstationen. Und weil Patienten - und erst recht Besucher - nur schwer entscheiden könnten, ob sie nun schwatzen dürfen oder nicht, müssen sie generell ausschalten. "Und das gilt weniger aus kommerziellen Gründen", versucht Lobenstein den weit verbreiteten Vorwurf zu entkräften, Mobiltelefone seien heute in Kliniken nur noch verboten, um den meist externen Betreibern der Krankenhaustelefone die Einnahmen aus den Patientengesprächen zu sichern.
Zu Debatten über Sinn oder Unsinn des Verbotes kommt es, seit die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ihren Patienten das Sprechen per Mobilgerät erlaubt hat. Für die Harmlosigkeit heutiger Handys spricht auch, dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein europäisches Forschungsprojekt gestartet hat, um künftig auch in Flugzeugen Mobilfunktelefonate zu ermöglichen. 2004 fand bereits ein Testflug mit einem Airbus statt. "Nach Meinung unserer Spezialisten ist der Einfluss der Handys auf medizinische Geräte zu vernachlässigen", begründet MHH-Sprecher Stefan Zorn die Lockerung in seinem Hause. "Es gibt keine Studien, die aussagen, dass davon eine Gefahr ausgeht." Das mag bei den klobigen Uraltapparaten der ersten Generation anders gewesen sein. Moderne Mobiltelefone hätten aber nicht deren "extreme Strahlung", dürfen darum auf den normalen MHH-Stationen benutzt werden. "Es gab bisher keine Zwischenfälle", so Zorn. Als reine Vorsichtsmaßnahme werde in Hannover aber in der Intensivmedizin sowie auf sensiblen Stationen weiter auf Einhaltung des Verbots gepocht.
Ähnlich differenziert wird in Leipzigs Städtischem Klinikum St. Georg mit dem heißen Eisen umgegangen. Seit 1997 hält man sich hier an eine Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit. "Mobilfunktelefone nach dem gebräuchlichen GSM-Standard können wegen der betriebsbedingten Abstrahlung elektromagnetischer Wellen nachweislich die Funktion medizintechnischer Geräte beeinflussen", sagt Gert Wehde, Chef der Medizintechnik. Bei Abständen unter 50 Zentimetern kann eine gefährliche Beeinflussung nicht ausgeschlossen werden. "Eigene Versuche mit Infusionsgeräten bestätigen das", so Gert Wehde. Da eine solche Störung zu akuten Gefährdungen von Patienten führen kann, sind im St. Georg in OP, ITS und in Behandlungsräumen Handys verboten. Anders in Patientenzimmern: Hier gibt es keine hochgezüchtete Medizintechnik. Darum wird jetzt im St. Georg ein Abrücken vom prinzipiellen Verbot erwogen. Die Anweisung von 1997 soll "überarbeitet und aktualisiert" werden. Wer nicht bis dahin warten will, kann sich weiterhin ein hauseigenes Gerät ausleihen.
So auch im Evangelisch-Lutherischen Diakonissenhaus, dessen Patiententelefone von einem externen Dienstleister betrieben werden. "Bei uns gilt weiterhin ein Handyverbot", sagt Dieter Jende. "Wir ermahnen unsere Gäste, ihre Geräte möglichst außerhalb der Gebäude zu benutzen", sagt der Betriebsdirektor, beklagt aber zugleich, dass die Situation speziell in der Notaufnahme mitunter "nicht mehr zu bändigen ist".
Ingolf Rosendahl