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Neues aus Bern

Verfasst: 16. Februar 2006 07:46
von Elisabeth Buchs
Durch den Artikel im schweizweit gelesenen "Saldo" sind die Chancen gut,
dass sich der Berner Entscheid schweizweit verbreitet und Signalwirkung hat.

Mobilfunkbetreiber kontrollieren sich selbst

Swisscom, Sunrise und Orange sollen sich selbst anzeigen, wenn ihre Antenne
zu stark strahlen. So will es ausgerechnet die oberste Umweltbehörde des
Bundes.

Selbstanzeige der Mobilfunkfirmen
"Das ist ein Witz" so die Aussage von Hans-Ulrich Jakob, Präsident der
Schweizer Vereinigung Elektrosmog-Betroffener Gigaherz. Bei Jakob melden
sich täglich Menschen, die neben einer Antenne wohnen und aufgrund
elektromagnetischer Strahlung unter Schlafstörungen, Kopfweh und
Herzbeschwerden leiden.

Immer mehr Fachleute bezweifeln, dass der heute gültige Grenzwert von 5 V/m
ausreicht, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Herr Röösli vom Institut
für Sozial- und Präventivmedizin bereits 2003 zu Saldo: "Wenn man vorsichtig
sein will, müsste man den Grenzwert herabsetzen." Passiert ist nichts, im
Gegenteil: mit dem neuen UMTS-Netz haben die Mobilfunkbetreiber seit fünf
Jahren knapp 3000 neue Antennenstandorte gebaut.

Kontrollen finden nur äussert selten statt
Momentan strahlen in der Schweiz an 10 400 Standorten über 30 000 Antennen.
Ob die geltenden Grenzwerte eingehalten werden, wissen allein die
Mobilfunkanbieter. Und diese werden von den Kantonen höchst selten
kontrolliert.

Das Bundesgericht verlangte "dass die Einhaltung der Grenzwerte durch
objektive und überprüfbare bauliche Vorkehrungen gewährleistet wird".
Daraufhin bewilligten die Kantone Bern und Wallis sowie einige Gemeinden
seit letztem November keine UMTS-Anlagen mehr. Jakob: "Landesweit wurden 700
Antennen gestoppt".

Eine bauliche Leistungsbegrenzung an den Antennen lehnen die Betreiber im
Einklang mit den Behörden ab. In einer internen Expertise argumentiert das
Bakom ganz im Sinne der Industrie: "Eine Hardware-Kontrolle könnte die
Betriebskosten massiv ansteigen lassen." Und das Bafu gab die Empfehlung
heraus, dass mit der Software zur Kontrolle der Strahlengrenzwerte
Mobilfunkantennen wieder bewilligt werden können.

Das sehen nicht nur Elektrosmog-Kritiker anders, sondern auch kommunale
Behörden wie z.B. in Burgdorf BE. Gigaherz wirft den Betreiber vor, im
Baugesuch tiefe Strahlenwerte zu deklarieren, um dann die Leistung
hochzufahren, sobald die Anlage steht, so z.B. in Rubigen und Schwarzenburg.
Deshalb schreibt das Bundesgericht: " Ist die deklarierte Leistung niedriger
als die maximale Strahlungsleistung, besteht keine Gewähr, dass die
Grenzwerte tatsächlich eingehalten werden.

Saldo verweist auf die Chefs der Mobilfunkkonzerne Carsten Schlotter von
Swisscom, Andreas Wetter von Orange und Kurt Lüscher von Sunrise, die weit
entfernt von der nächsten Handy-Antenne wohnen (dass noch deren Häuser
gezeigt werden, finde ich etwas indiskret).

Auch in BZ und Bund finden sich Artikel zu diesem Thema:
www.espace.ch/artikel_179449.html
www.espace.ch/artikel_179466.html

Elisabeth Buchs

Re: Neues aus Bern

Verfasst: 16. Februar 2006 07:51
von Evi
BAKOM "Eine Hardware-Kontrolle könnte die Betriebskosten massiv ansteigen lassen."

Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der grösste Kummer ist also das Ansteigen der Betriebskosten. Über das massive Ansteigen der Gesundheitskosten, die diese Technologie verursacht, wird nicht geredet. Diese bleiben neben der gesundheitlichen Schädigung und der Schädigung des Eigentums (Wertminderung) an der Bevölkerung hängen, ungefähr nach der Devise: "Den Letzen beissen die Hunde."

Evi