auf nach stäfa? was haltet ihr davon?
Verfasst: 12. März 2009 11:20
Keine Gemeinde im Bezirk wehrt sich so vehement gegen Mobilfunkantennen wie Stäfa. Ein Rundgang mit dem Handy zeigt jedoch: Mit der Versorgung steht es im Dorf nicht zum Besten.
Die Stäfner haben sich dem Kampf gegen den Antennen-Wildwuchs verschrieben und ernten dafür vielerorts Applaus. Den Entscheid der Gemeindeversammlung, Mobilfunkanlagen in Wohn- und Industriezonen zu verbieten, finden viele Bürger vorbildlich. Auch in Herrliberg hätte sich ein Komitee eine Regelung gewünscht, wie sie Stäfa 2007 beschlossen hat. Eine vergleichbare Initiative wollte der Herrliberger Gemeinderat aber nicht zur Abstimmung bringen. Es sei unwahrscheinlich, dass der Kanton einen solchen Beschluss der Gemeinde akzeptieren würde, lautete die Begründung. Juristisch ist der Stäfner Mobilfunk-Beschluss umstritten, weil er nach Auslegung der Mobilfunkanbieter gegen übergeordnetes Recht auf Bundes- und Kantonsebene verstösst. Für den Schutz vor Strahlung – und darum geht es den meisten Antennengegnern insgeheim – sind nicht die Gemeinden, sondern der Bund zuständig. Er setzt die zulässigen Grenzwerte fest. Die Mobilfunkanbieter haben unter anderem mit diesem Argument gegen die beabsichtigte Stäfner Regelung Rekurs eingereicht. Vor der Baurekurskommission erhielten sie Recht, doch hat die Gemeinde den Entscheid weitergezogen. Die Befürworter der Stäfner Regelung betonen, es handle sich um einen Akt der Standortplanung und nicht um die generelle Verhinderung von Antennen. Zudem funktioniere die Mobilfunkversorgung in Stäfa einwandfrei.
Wer kein Festnetz hat, ist im Abseits
Das trifft nicht ganz zu. In Stäfa gibt es lediglich vier Antennenanlagen – zwei von Swisscom, eine von Orange und eine von Sunrise. An mehreren Orten im Dorf hat man nur schwachen oder gar keinen Empfang. Wer mit der S-Bahn Richtung Männedorf fährt, gerät in ein Funkloch. Der Grund dafür ist nicht nur der Tunnel unmittelbar beim Stäfner Bahnhof. In seinem Büro an der Goethestrasse muss ein Jurist jeweils die Treppe zum ersten Stock hochsteigen, damit er mit seinem Handy telefonieren kann. Offenbar sind die Wände im Erdgeschoss zu dick.
An der Tränkebachstrasse sah sich eine Frau vor einiger Zeit sogar vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. Sie hat keinen Festanschluss, und ihr Orange-Handy hat nur auf dem Balkon Empfang. Als einmal der Internetanschluss der Frau nicht funktionierte, musste sie vom Balkon aus den Cablecom-Kundendienst anrufen und von diesem die Anweisungen zur Behebung des Problems entgegennehmen. Vom Balkon ging sie ohne Handy ins Wohnzimmer zurück, rückte die Kabel des Internetanschlusses zurecht, ging wieder hinaus auf den Balkon, um sich dort die nächsten Schritte erklären zu lassen – und so fort.
Diese Beispiele sind keine Einzelfälle. Ein Spaziergang durchs Dorf mit je einem Handy von Swisscom, Sunrise und Orange zeigt, dass es in Stäfa mehrere Funklöcher gibt (siehe Karte 1). In der Binz zum Beispiel haben die Kunden von Sunrise und Orange nur schlechten oder gar keinen Empfang. Auffallend ist auch: Wer in Stäfa telefoniert, wird häufig nicht von den Antennen im Dorf oder von jenen aus den Nachbargemeinden versorgt. Das Funksignal kommt oft von der anderen Seeseite. Im Lattenberg zum Beispiel wechselt die Antenne mehrmals. Mal zeigt das Display des Handys die Funkzelle Meilen an, dann wieder kommt das Signal von Horgen oder Schindellegi. An der Seestrasse, auf der Höhe der Avia-Tankstelle, strahlt das Funksignal von Lachen herüber. Steht man hinter einem grossen Haus, ist der Empfang deutlich schlechter.
Beim Patrioten-Denkmal an der Oetiker Haab wird es für das Sunrise-Handy ganz turbulent: Mal hat es guten Empfang, plötzlich wieder gar keinen. Dafür ist in Uerikon der Empfang wieder besser. Schlechter schneiden dagegen Swisscom und Orange ab. Deren Handys müssen immer wieder nach einer Antenne suchen. In Uerikon, so scheint es, ist das Telefonieren nur dank den Antennen am anderen Seeufer möglich. Das Funksignal legt lange Wege zurück und kommt abwechselnd aus Lachen, Reichenburg oder Schindellegi.
Sunrise-Messung zeigt Lücken auf
Für Roger Schaller von Sunrise ist diese Situation paradox. Denn je weiter eine Antenne weg ist, desto grösser ist die Sendeleistung des Handys – und damit auch die Strahlung. «Im Grunde haben sich die Stäfner einen schlechten Dienst erwiesen, als sie Antennen in Wohn- und Industriezonen verboten haben und sich nun quer über den See hinweg versorgen.» Die aus Sicht der Handykunden unbefriedigenden Erfahrungen, die der «Tages-Anzeiger» bei einem Rundgang durch das Dorf gemacht hat, kann Roger Schaller von Sunrise bestätigen. Die Mobilfunkfirma hat den teilweise schlechten Empfang in Stäfa mit eigenen Messungen erhärtet.
Ein sogenannter Drive- Test, bei dem die Stärke des Funksignals gemessen wird, zeigt dem Telekommunikationsunternehmen die Qualität des Netzes auf. Das Ergebnis ist ernüchternd. «In Stäfa haben wir kein qualitativ hochstehendes Netz», sagt Sunrise-Vertreter Schaller. Das liege einerseits an den neuen Rahmenbedingungen, welche die Planung von Antennen erschweren würden, andererseits an diversen Rechtsverfahren. Die Situation werde sich aber bessern, weil kürzlich eine Antenne im Dorfzentrum bewilligt worden sei.
Einwandfrei – das heisst nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Wohnungen – funktioniert die Versorgung mit Handysignalen aber längst nicht in allen Stäfner Quartieren. Das zeigen die grünen Abschnitte in Karte 2. Vielerorts können Sunrise-Kunden lediglich im Freien telefonieren (orange Abschnitte) oder sogar nur mit grosser Mühe ein SMS verschicken (rot). Und in manchen Gebäuden, etwa in der Migros, geht gar nichts. Nicht nur bei Sunrise, auch bei Orange. Wer den Einkaufszettel vergessen hat und zu Hause anrufen will, um zu erfahren, was sich noch im Kühlschrank befindet, ist daher aufgeschmissen.
quelle: www.tages-anzeiger.ch
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Die Stäfner haben sich dem Kampf gegen den Antennen-Wildwuchs verschrieben und ernten dafür vielerorts Applaus. Den Entscheid der Gemeindeversammlung, Mobilfunkanlagen in Wohn- und Industriezonen zu verbieten, finden viele Bürger vorbildlich. Auch in Herrliberg hätte sich ein Komitee eine Regelung gewünscht, wie sie Stäfa 2007 beschlossen hat. Eine vergleichbare Initiative wollte der Herrliberger Gemeinderat aber nicht zur Abstimmung bringen. Es sei unwahrscheinlich, dass der Kanton einen solchen Beschluss der Gemeinde akzeptieren würde, lautete die Begründung. Juristisch ist der Stäfner Mobilfunk-Beschluss umstritten, weil er nach Auslegung der Mobilfunkanbieter gegen übergeordnetes Recht auf Bundes- und Kantonsebene verstösst. Für den Schutz vor Strahlung – und darum geht es den meisten Antennengegnern insgeheim – sind nicht die Gemeinden, sondern der Bund zuständig. Er setzt die zulässigen Grenzwerte fest. Die Mobilfunkanbieter haben unter anderem mit diesem Argument gegen die beabsichtigte Stäfner Regelung Rekurs eingereicht. Vor der Baurekurskommission erhielten sie Recht, doch hat die Gemeinde den Entscheid weitergezogen. Die Befürworter der Stäfner Regelung betonen, es handle sich um einen Akt der Standortplanung und nicht um die generelle Verhinderung von Antennen. Zudem funktioniere die Mobilfunkversorgung in Stäfa einwandfrei.
Wer kein Festnetz hat, ist im Abseits
Das trifft nicht ganz zu. In Stäfa gibt es lediglich vier Antennenanlagen – zwei von Swisscom, eine von Orange und eine von Sunrise. An mehreren Orten im Dorf hat man nur schwachen oder gar keinen Empfang. Wer mit der S-Bahn Richtung Männedorf fährt, gerät in ein Funkloch. Der Grund dafür ist nicht nur der Tunnel unmittelbar beim Stäfner Bahnhof. In seinem Büro an der Goethestrasse muss ein Jurist jeweils die Treppe zum ersten Stock hochsteigen, damit er mit seinem Handy telefonieren kann. Offenbar sind die Wände im Erdgeschoss zu dick.
An der Tränkebachstrasse sah sich eine Frau vor einiger Zeit sogar vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. Sie hat keinen Festanschluss, und ihr Orange-Handy hat nur auf dem Balkon Empfang. Als einmal der Internetanschluss der Frau nicht funktionierte, musste sie vom Balkon aus den Cablecom-Kundendienst anrufen und von diesem die Anweisungen zur Behebung des Problems entgegennehmen. Vom Balkon ging sie ohne Handy ins Wohnzimmer zurück, rückte die Kabel des Internetanschlusses zurecht, ging wieder hinaus auf den Balkon, um sich dort die nächsten Schritte erklären zu lassen – und so fort.
Diese Beispiele sind keine Einzelfälle. Ein Spaziergang durchs Dorf mit je einem Handy von Swisscom, Sunrise und Orange zeigt, dass es in Stäfa mehrere Funklöcher gibt (siehe Karte 1). In der Binz zum Beispiel haben die Kunden von Sunrise und Orange nur schlechten oder gar keinen Empfang. Auffallend ist auch: Wer in Stäfa telefoniert, wird häufig nicht von den Antennen im Dorf oder von jenen aus den Nachbargemeinden versorgt. Das Funksignal kommt oft von der anderen Seeseite. Im Lattenberg zum Beispiel wechselt die Antenne mehrmals. Mal zeigt das Display des Handys die Funkzelle Meilen an, dann wieder kommt das Signal von Horgen oder Schindellegi. An der Seestrasse, auf der Höhe der Avia-Tankstelle, strahlt das Funksignal von Lachen herüber. Steht man hinter einem grossen Haus, ist der Empfang deutlich schlechter.
Beim Patrioten-Denkmal an der Oetiker Haab wird es für das Sunrise-Handy ganz turbulent: Mal hat es guten Empfang, plötzlich wieder gar keinen. Dafür ist in Uerikon der Empfang wieder besser. Schlechter schneiden dagegen Swisscom und Orange ab. Deren Handys müssen immer wieder nach einer Antenne suchen. In Uerikon, so scheint es, ist das Telefonieren nur dank den Antennen am anderen Seeufer möglich. Das Funksignal legt lange Wege zurück und kommt abwechselnd aus Lachen, Reichenburg oder Schindellegi.
Sunrise-Messung zeigt Lücken auf
Für Roger Schaller von Sunrise ist diese Situation paradox. Denn je weiter eine Antenne weg ist, desto grösser ist die Sendeleistung des Handys – und damit auch die Strahlung. «Im Grunde haben sich die Stäfner einen schlechten Dienst erwiesen, als sie Antennen in Wohn- und Industriezonen verboten haben und sich nun quer über den See hinweg versorgen.» Die aus Sicht der Handykunden unbefriedigenden Erfahrungen, die der «Tages-Anzeiger» bei einem Rundgang durch das Dorf gemacht hat, kann Roger Schaller von Sunrise bestätigen. Die Mobilfunkfirma hat den teilweise schlechten Empfang in Stäfa mit eigenen Messungen erhärtet.
Ein sogenannter Drive- Test, bei dem die Stärke des Funksignals gemessen wird, zeigt dem Telekommunikationsunternehmen die Qualität des Netzes auf. Das Ergebnis ist ernüchternd. «In Stäfa haben wir kein qualitativ hochstehendes Netz», sagt Sunrise-Vertreter Schaller. Das liege einerseits an den neuen Rahmenbedingungen, welche die Planung von Antennen erschweren würden, andererseits an diversen Rechtsverfahren. Die Situation werde sich aber bessern, weil kürzlich eine Antenne im Dorfzentrum bewilligt worden sei.
Einwandfrei – das heisst nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Wohnungen – funktioniert die Versorgung mit Handysignalen aber längst nicht in allen Stäfner Quartieren. Das zeigen die grünen Abschnitte in Karte 2. Vielerorts können Sunrise-Kunden lediglich im Freien telefonieren (orange Abschnitte) oder sogar nur mit grosser Mühe ein SMS verschicken (rot). Und in manchen Gebäuden, etwa in der Migros, geht gar nichts. Nicht nur bei Sunrise, auch bei Orange. Wer den Einkaufszettel vergessen hat und zu Hause anrufen will, um zu erfahren, was sich noch im Kühlschrank befindet, ist daher aufgeschmissen.
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