Swisscom: "mehr Antennen und mehr Repeater"
Verfasst: 14. März 2006 12:50
© Aargauer Zeitung / MLZ; 13.03.2006
Computer Zeitung
UMTS bleibt eine Insider-Technik
Mobilfunk Vor fünf Jahren stritten sich die Anbieter um UMTS-Lizenzen. Heute ist es beängstigend still um die Technik, nur ein Bruchteil der Kunden nutzt sie
matthias zehnder
Vor fünf Jahren bezahlten die grossen Telekom-Gesellschaften viele Milliarden für die UMTS-Lizenzen. Die deutsche Telekom etwa liess sich ihre Rechte für Deutschland über 13 Milliarden Franken kosten. Andere Gesellschaften, etwa die britische Vodafone oder die spanische Telefónica, haben ähnlich tief in ihre Kassen gegriffen. Als die vier UMTS-Lizenzen in der Schweiz im Dezember 2000 versteigert wurden, war der Hype bereits vorbei: Swisscom Mobile, Sunrise und die spanische Telefonica ergatterten eine der Lizenzen zum Mindestpreis vom 50 Millionen Franken, Orange bezahlte 55 Millionen Franken. Die Schweizer Mobilfunker können es darum gelassen nehmen, dass UMTS bisher den grossen Hoffnungen, die in die Technik gesetzt worden waren, nicht gerecht wurde. Swisscom Mobile hat vor einem Jahr als erste Anbieterin in der Schweiz ein UMTS-Angebot eingeführt. Die Zahlen sind ernüchternd: Von den 4,17 Millionen Kunden nutzen nur 70 000 oder 17 Prozent UMTS. Gemessen am Hype vor fünf Jahren ist UMTS bisher wohl kein Flop, aber eine Insider-Technik.
Auch ein genauerer Blick auf die UMTS-Nutzung ist eher ernüchternd: Laut Carsten Roetz, Mediensprecher von Swisscom Mobile, sind die beliebtesten Angebote auch im UMTS-Netz nach wie vor Spiele und Klingeltöne. Jeder dritte UMTS-Kunde nutzt Live-TV, schaut also mit seinem Handy per UMTS-Netz fern. «Die Kunden, die Live-TV gesehen haben, sind begeistert- die Frage ist, was sie dafür zu bezahlen bereit sind», meint Roetz. Er spricht damit das Grundproblem aller Services an: Die Kunden sind offen für Neues - aber ihr Portemonnaie nicht. Die Anbieter kos-tet UMTS hingegen viel Geld. Swiss-com Mobile etwa investiert in den Auf- und Ausbau und in die Pflege des UMTS-Netzes in der Schweiz rund 500 Millionen Franken - pro Jahr, wohlverstanden. Das sind auch bei freundlichster Interpretation der Zahlen über 5000 Franken pro UMTS-Kunde und Jahr.
Swisscom Mobile tritt jetzt die Flucht nach vorne an und nimmt in der Schweiz eine neue Datenfunktechnik im UMTS-Netz in Betrieb: High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) heisst die Technik. Sie wird laut Swisscom Mobile eine Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 1,8 Mbps ermöglichen. Das ist etwa fünfmal schneller, als Datenverbindungen per UMTS bisher waren, und entspricht einer Bandbreite, wie sie bisher nur per ADSL möglich war.
Gedacht sind die neuen Möglichkeiten in einer ersten Phase nur für Notebook-Anwender. Swiss-com Mobile bringt dafür eine neue PC-Karte auf den Markt, die für den Kunden aus allen fünf verfügbaren Kommunikationstechniken die jeweils schnellste auswählt. Ab Ende Juni will Swisscom Mobile zudem Notebooks anbieten, die SIM-Karte und Empfangstechnik integriert haben. Allerdings ist das Angebot auf Notebooks beschränkt und nur zum Surfen und Mailen interessant. «Es gibt heute noch gar keine Handys, welche HSDPA unterstützen», betont Roetz. Das neue Preismodell soll laut Roetz die Akzeptanz und die Durchdringung im Markt erhöhen. «Wer die Technik einmal genutzt hat, wird sie immer wieder nutzen wollen. Wir senken jetzt die Einstiegsbarrieren.» Ein Problem dabei ist, dass die neuen Techniken vor allem in Ballungsgebieten genutzt werden können. Zwischen den grossen Ortschaften oder beim Bahnfahren stehen die superschnellen Verbindungen nicht zur Verfügung.
Auch innerhalb von Gebäuden ist die Abdeckung noch schlecht. Um die gewünschte Qualität zu erreichen, sind mehr Antennen und mehr Repeater nötig. Und zwar auch in Ballungsgebieten: Denn wenn in einer UMTS-Zelle viele Nutzer online sind, sinkt die Verbindungsgeschwindigkeit. Deshalb stellt Roetz klar: «Wir brauchen eine höhere Zelldichte, also mehr Antennen. Nicht nur, um die Abdeckung zu verbessern, sondern auch für die Performance.»
Live-tv UMTS ermöglicht Fussball auf dem Handy - doch sind die Kunden auch bereit, dafür Geld auszugeben? Kai-Uwe Knoth/keystone
Wimax soll bald die Lücken schliessen
Das «nationale Drahtlosnetz» besteht aus fünf verschiedenen Techniken: WLAN (lokale Drahtlosnetze), GPRS und Edge (Techniken im GSM-Netz), UMTS und HSDPA. Dazu soll bald Wimax kommen, eine Technik, die es ermöglicht, lokale Drahtlosnetze auf ganze Quartiere auszuweiten. Für die drei Wimax-Konzessionen sind beim Bakom zahlreiche Bewerbungen eingegangen. Nach Überprüfung der Bewerbungen erfolgt die Auktion der Konzessionen voraussichtlich im Juni 2006. Um das Risiko von Absprachen möglichst klein zu halten, würden die Namen der Kandidaten erst nach Ablauf der Auktion bekannt gegeben. Einer davon dürfte Swisscom Mobile sein, das Unternehmen will sich laut Pressesprecher Carsten Roetz um eine Wimax-Lizenz bewerben. «Wir wollen ein landesweites Wimax-Netz aufbauen und damit die Lücke zwischen ADSL und der totalen Mobilität mit UMTS schliessen», erklärt er. (opz/mz)
Computer Zeitung
UMTS bleibt eine Insider-Technik
Mobilfunk Vor fünf Jahren stritten sich die Anbieter um UMTS-Lizenzen. Heute ist es beängstigend still um die Technik, nur ein Bruchteil der Kunden nutzt sie
matthias zehnder
Vor fünf Jahren bezahlten die grossen Telekom-Gesellschaften viele Milliarden für die UMTS-Lizenzen. Die deutsche Telekom etwa liess sich ihre Rechte für Deutschland über 13 Milliarden Franken kosten. Andere Gesellschaften, etwa die britische Vodafone oder die spanische Telefónica, haben ähnlich tief in ihre Kassen gegriffen. Als die vier UMTS-Lizenzen in der Schweiz im Dezember 2000 versteigert wurden, war der Hype bereits vorbei: Swisscom Mobile, Sunrise und die spanische Telefonica ergatterten eine der Lizenzen zum Mindestpreis vom 50 Millionen Franken, Orange bezahlte 55 Millionen Franken. Die Schweizer Mobilfunker können es darum gelassen nehmen, dass UMTS bisher den grossen Hoffnungen, die in die Technik gesetzt worden waren, nicht gerecht wurde. Swisscom Mobile hat vor einem Jahr als erste Anbieterin in der Schweiz ein UMTS-Angebot eingeführt. Die Zahlen sind ernüchternd: Von den 4,17 Millionen Kunden nutzen nur 70 000 oder 17 Prozent UMTS. Gemessen am Hype vor fünf Jahren ist UMTS bisher wohl kein Flop, aber eine Insider-Technik.
Auch ein genauerer Blick auf die UMTS-Nutzung ist eher ernüchternd: Laut Carsten Roetz, Mediensprecher von Swisscom Mobile, sind die beliebtesten Angebote auch im UMTS-Netz nach wie vor Spiele und Klingeltöne. Jeder dritte UMTS-Kunde nutzt Live-TV, schaut also mit seinem Handy per UMTS-Netz fern. «Die Kunden, die Live-TV gesehen haben, sind begeistert- die Frage ist, was sie dafür zu bezahlen bereit sind», meint Roetz. Er spricht damit das Grundproblem aller Services an: Die Kunden sind offen für Neues - aber ihr Portemonnaie nicht. Die Anbieter kos-tet UMTS hingegen viel Geld. Swiss-com Mobile etwa investiert in den Auf- und Ausbau und in die Pflege des UMTS-Netzes in der Schweiz rund 500 Millionen Franken - pro Jahr, wohlverstanden. Das sind auch bei freundlichster Interpretation der Zahlen über 5000 Franken pro UMTS-Kunde und Jahr.
Swisscom Mobile tritt jetzt die Flucht nach vorne an und nimmt in der Schweiz eine neue Datenfunktechnik im UMTS-Netz in Betrieb: High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) heisst die Technik. Sie wird laut Swisscom Mobile eine Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 1,8 Mbps ermöglichen. Das ist etwa fünfmal schneller, als Datenverbindungen per UMTS bisher waren, und entspricht einer Bandbreite, wie sie bisher nur per ADSL möglich war.
Gedacht sind die neuen Möglichkeiten in einer ersten Phase nur für Notebook-Anwender. Swiss-com Mobile bringt dafür eine neue PC-Karte auf den Markt, die für den Kunden aus allen fünf verfügbaren Kommunikationstechniken die jeweils schnellste auswählt. Ab Ende Juni will Swisscom Mobile zudem Notebooks anbieten, die SIM-Karte und Empfangstechnik integriert haben. Allerdings ist das Angebot auf Notebooks beschränkt und nur zum Surfen und Mailen interessant. «Es gibt heute noch gar keine Handys, welche HSDPA unterstützen», betont Roetz. Das neue Preismodell soll laut Roetz die Akzeptanz und die Durchdringung im Markt erhöhen. «Wer die Technik einmal genutzt hat, wird sie immer wieder nutzen wollen. Wir senken jetzt die Einstiegsbarrieren.» Ein Problem dabei ist, dass die neuen Techniken vor allem in Ballungsgebieten genutzt werden können. Zwischen den grossen Ortschaften oder beim Bahnfahren stehen die superschnellen Verbindungen nicht zur Verfügung.
Auch innerhalb von Gebäuden ist die Abdeckung noch schlecht. Um die gewünschte Qualität zu erreichen, sind mehr Antennen und mehr Repeater nötig. Und zwar auch in Ballungsgebieten: Denn wenn in einer UMTS-Zelle viele Nutzer online sind, sinkt die Verbindungsgeschwindigkeit. Deshalb stellt Roetz klar: «Wir brauchen eine höhere Zelldichte, also mehr Antennen. Nicht nur, um die Abdeckung zu verbessern, sondern auch für die Performance.»
Live-tv UMTS ermöglicht Fussball auf dem Handy - doch sind die Kunden auch bereit, dafür Geld auszugeben? Kai-Uwe Knoth/keystone
Wimax soll bald die Lücken schliessen
Das «nationale Drahtlosnetz» besteht aus fünf verschiedenen Techniken: WLAN (lokale Drahtlosnetze), GPRS und Edge (Techniken im GSM-Netz), UMTS und HSDPA. Dazu soll bald Wimax kommen, eine Technik, die es ermöglicht, lokale Drahtlosnetze auf ganze Quartiere auszuweiten. Für die drei Wimax-Konzessionen sind beim Bakom zahlreiche Bewerbungen eingegangen. Nach Überprüfung der Bewerbungen erfolgt die Auktion der Konzessionen voraussichtlich im Juni 2006. Um das Risiko von Absprachen möglichst klein zu halten, würden die Namen der Kandidaten erst nach Ablauf der Auktion bekannt gegeben. Einer davon dürfte Swisscom Mobile sein, das Unternehmen will sich laut Pressesprecher Carsten Roetz um eine Wimax-Lizenz bewerben. «Wir wollen ein landesweites Wimax-Netz aufbauen und damit die Lücke zwischen ADSL und der totalen Mobilität mit UMTS schliessen», erklärt er. (opz/mz)