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nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 18. März 2006 14:03
von sunset
Aus Umfrageergebnissen ist die Schätzung abgeleitet worden, dass 0,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung am Elektromagnetisch Induzierten Stresssyndrom (EMISS) leiden, das eine Dysregulierung des Hormonhaushalts mit Auswirkungen auf das Nervensystem ist. Die Steuerung und Regelung des Hormon- und Nervensystems der betroffenen Personen versagt bei der Aufgabe, die stressenden Einflüsse elektromagnetischer Strahlung zu kompensieren, und die Betroffenen verbleiben dann während einer gewissen Zeit in einem negativen Stresszustand. Dieser Stresszustand handikapiert die Betroffenen in ihrer Leistungsfähigkeit und beeinträchtigt ihr Wohlbefinden, mithin hat er stets mindestens kurzzeitig gesundheitliche Auswirkungen. Der Zustand dauert an, bis nach Ausschalten oder Entfernen des elektromagnetischen Stressors die negativen Stresshormone abgebaut sind; diese Dauer hängt von der
Halbwertszeit des jeweiligen Hormons ab. Wenn dieser Zustand mit beeinträchtigter Stressregulierung zu häufig und zu lange andauert, dann sind auch bleibende Gesundheitsschäden, im Wesentlichen die Folgen von einem Übermass des Stresshormons Cortisol und ein vorzeitiger Alterungsprozess, die Folge.

Die typischen von der Mobilfunkindustrie gesponserten Versuche umfassen jeweils 15 bis 25 Probanden, und zwar stets gesunde junge Personen. Wenn der Anteil der Geschädigten an der Gesamtbevölkerung tatsächlich 0,5 bis 3 Prozent wäre, dann solche Versuche für jedermann ersichtlich gänzlich ungeeignet, irgendeine statistische Aussage zum Leiden zu erhalten. Versuche mit derart wenigen Probanden sind geeignet, die Reaktion des Hormon- und Nervensystems der normal bzw. wenig empfindlichen Personen auf die Bestrahlung zu erforschen. Leider gibt es eine solche Forschung nicht einmal in systematischer und umfassender Form. Denn es werden bei den jeweils sehr wenigen Probanden jeweils nur sehr kurzzeitige Bestrahlungen von maximal 20 Minuten durchgeführt, und dann werden auch nur vereinzelte äusserliche Auswirkungen beobachtet bzw. gemessen, wie Reaktionszeit, Hirndurchblutung, etc. Hier sind statistisch signifikante Änderungen festgestellt worden. Diese sind aber alle im Bereich des positiv erregten Stresses, der dem negativen Stress zeitlich und bezüglich Hormonausschüttung vorangeht. Es werden nur positive Wirkungen festgestellt, weil eben die Bestrahlung nur kurz ist, weil nur der positive Stress eintritt, und weil die Probanden so gesund sind, dass sie diesen kurzen Stress ohne weiteres kompensieren können. Diese voraussehbaren Ergebnisse sind ebenso voraussehbar nicht geeignet, eine gültige Antwort auf die Frage zu geben, ob die Bestrahlung bei einer empfindlichen Minderheit der Bevölkerung tatsächlich gesundheitsschädlich wirkt, und wenn ja, wie und warum.

Da EMISS eine Dysregulierung des hoch komplexen Hormonsystems, welches aus bis zu 10'000 verschiedenen Hormonen und Botenstoffen besteht, und des nicht minder komplexen Nervensystems ist, kann die Messung vereinzelter grober Parameter bei ganz wenigen Probanden keine nähere Auskunft zu den gesundheitlichen Schäden bei einer Bevölkerungsminderheit geben. Die Mobilfunkindustrie ist nicht so doof, ihre zwar fast unbegrenzten Mittel in Forschungsstudien zu stecken, welche ihr möglicherweise schaden könnten. Solche Forschung wird anderen, bzw. dem Staat überlassen.

Hierzu und zu den Themen Kinder und Mobilfunkstrahlung sowie Massenstudien verweisen wir auf die baldige Fortsetzung.

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 19. März 2006 11:02
von Doris Nischt
Es ist offensichtlich tatsächlich so, dass für Versuche nur junge, gesunde Probanden gesucht werden. Vor kurzem habe ich eine Mail gelesen (ich meine, es handelte sich um die Schlafstudie, die in Deutschland durchgeführt werden soll, aber ich bin mir nicht mehr ganz sicher). Darin wurden junge, gesunde Männer um die 30 Jahre gesucht. Ich habe spontan hingeschrieben, warum sie für ihre Versuche junge, gesunde Männer suchen würden. Diese Gruppe Menschen wären in der Regel sehr resistent gegenüber Einwirkungen und könnten auch in der Regel noch sehr gut schlafen. Ob danach das Ergebnis wieder lauten würde, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Schlafverhalten. Die jungen, gesunden Männer, die heute rauchen fallen auch nicht sofort tot um, sondern die Wirkungen zeigen sich auch oft erst viele viele Jahre später. Und man könnte deshalb auch nicht sagen, Rauchen ist ungefährlich. Eine Antwort habe ich darauf nie bekommen.

Doris

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 19. März 2006 18:08
von Elisabeth Buchs
Es gibt doch nun schon Studien mit Elektrosensiblen wie z.B. die EPROS-Schlafstudie, die Handy-Studie von Rubin et al und die Mainzer-Studie, die auch nicht mehr ganz so kurzzeitig sind wie frühere Studien. Bei der Handy-Studie waren es immerhin 60 Elektrosensible und 60 Kontrollpersonen, die EPROS-Studie soll vom Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm weitergeführt werden. Das Hauptproblem ist, dass es einige Zeit dauert, bis Betroffene die Felder spüren und wieder einige Zeit, bis die Wirkung nachlässt. Ich kenne auch Elektrosensible, denen es einfach diffus schlechter geht und die nicht sagen können, ob ein Feld vorhanden ist. Es wäre deshalb sinnvoll, die "Spüren Sie etwas-Studien" zu kombinieren mit der Forschung von biologischen Parametern. Z.B. wäre es interessant, wie es mit dem Melatonin-Spiegel bei den Probanden ausgesehen hätte bei der EPROS-Studie, bzw. allgemein das Bestimmen von Melatonin mit und ohne Abschirmung sowohl bei Betroffenen, die angeben die Abschirmung helfe ihnen wie bei jenen ,die angeben, dass sie ihnen nicht (genügend) helfe. Die Wissenschaft müsste MIT den Elektrosensiblen forschen -noch so wäre es nicht einfach - und nicht GEGEN sie. Die andern Versuche mit elektroresistenten Probanden sind jedoch auch sinnvoll, jedoch unter Berücksichtigung von Langzeitwirkungen, weil die Frage immer noch ungelöst ist, ob Elektrosmog nur einer Minderheit von Elektrosensiblen schadet und wie es aussieht mit einer weitergehenden Schädigung der Bevölkerung.

Elisabeth Buchs

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 19. März 2006 21:50
von Elisabeth Buchs
Ich habe beim Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm zwei laufende Studien gefunden:

- Untersuchung der Schlafqualität bei Anwohnern einer Basisstation - Experimentelle Studie zur Objektivierung möglicher psychologischer und physiologischer Effekte unter häuslichen Bedingungen
Dauer vom 15.6.2005 bis 30.9.2007
Charité - Universitätsmedizin Berlin
http://www.emf-forschungsprogramm.de/fo ... o_095.html

- Untersuchung des Phänomens "Elektrosensibilität" mittels einer epidemiologischen Studie an "elektrosensiblen" Patienten einschliesslich der Erfassung klinischer Parameter
Dauer vom 1.8.2004 bis 31.7.2006
Bezirksklinikum Regensburg
http://www.emf-forschungsprogramm.de/fo ... o_015.html

Was mich stört, dass auch hier durch das Mitbeteiligen von psychischen Faktoren eine Möglichkeit geschaffen werden soll, die Elektrosensiblen als psychisch auffällig hinstellen zu können. Gibt es Möglichkeiten dagegen zu intervenieren? Psychische Angelegenheiten sind ja noch weniger eindeutig als physische, da können Psychiater im Dienst der Lobby Zweckinterpretationen verfassen.

Elisabeth Buchs

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 20. März 2006 08:23
von sunset
Für die elektromagnetische Strahlung besitzt der Mensch kein Sinnesorgan (ausser im Bereich von ca. 1000 Terahertz, nämlich dem sichtbaren Licht). Der Mensch merkt die Strahlung also nie direkt, sondern nur indirekt und im Nachhinein über die von der Strahlung ausgelösten Wirkungen. Die Wirkungen geschehen in den miteinander eng verbundenen Bereichen des vegetativen Nervensystems und des endokrinen Hormonsystems. In diesen Bereichen sind die Symptome von EMISS (Elektromagnetisch induziertes Stresssyndrom) feststellbar. Da das vegetative und das endokrine System äusserst komplex sind, und da deren Zustände ständig ändern, trifft die elektromagnetische Einstrahlung auf stets andere Bedingungen im menschlichen Körper, und die Auswirkungen sind daher auch stets etwas unterschiedlich, nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern beim Einzelnen auch von Zeit zu Zeit. Dieses macht das Leben für die betroffenen Erkrankten nicht einfacher, denn die Symptome des EMISS sind wegen der variablen Ausgangslage im menschlichen Körper ebenfalls variabel.

Es macht aber das Leugnen von EMISS durch die Mobilfunkindustrie einfach. Diese bzw. die von ihr bezahlten Forscher gehen mit dem Begriff "elektrosensibel" oder "elektrosensitiv" so um, dass den Betroffenen unterstellt wird, sie würden direkt oder indirekt behaupten, sie hätten ein Sinnesorgan, mit welchem sie die Strahlung direkt fühlen können. Diese Haltung schafft immer wieder von neuem Gelegenheit, ein Scheinproblem zu lösen, nämlich etwas bereits Widerlegtes zu widerlegen, nämlich dass es eben kein solches Sinnesorgan gibt. Mit solcher und anderer Alibiforschung wird ganz gezielt vom eigentlichen Problem, nämlich vom erwähnten Syndrom, das bei vielen Personen Krankheitswert hat, abgelenkt. Neben- oder Hauptwirkung solcher Forschung ist, dass die Verursacher nicht haftpflichtig gemacht werden können, und - wenn sie überhaupt Haftpflichtdeckung von Dritten erhalten - Prämien in jährlich dreistelliger Millionenhöhe sparen können.

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 20. März 2006 12:26
von Elisabeth Buchs
Hallo Sunset

Es würde mich sehr interessieren, welche Art von Forschung Sie als geeignet erachten würden im Zusammenhang mit Elektrosensibilität (EMISS).

Die Variabilität der Symptome je nach Zeitpunkt könnte ich bis jetzt nicht bestätigen.

Elisabeth Buchs

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 20. März 2006 19:41
von gesuana
Variabilität je nach Zeitpunkt. Doch das kann ich wiederum bestätigen. Es existieren bei mir eine gewisse Anzahl von Körper/Psyche-Symptomen in Folge der Feldaussetzung . Je nach Zeitpunkt reagiert ein *Organ* empfindlicher als die anderen. Es kann sich aber durchaus um längere Zeitperioden der überhöhten Empfindlichkeit handeln , z.T. Monate oder auch nur Wochen. Das ist für mich auch völlig verständlich und logisch. Unser Körper hat sowas wie ein Empfindlichkeits-Fokus : Stellen , die das ganze Leben über sensibler und anfälliger sind als andere , und Stellen , die innerhalb des Lebens (vielleicht für einige Jahre/Monate/Tage) schneller mit einem Problem reagieren. Dort wo der Scheinwerfer der Sensibilität gerade hinleuchtet , dort wird einem die Strahlendosis dann halt treffen und das kann sich eben verschieben.
Grüsse gesuana

Re: nochmals: Forschung - wohin?

Verfasst: 20. März 2006 21:08
von Elisabeth Buchs
Sunset hat mir mitgeteilt, dass er auf die Frage antworten will, dies aus zeitlichen Gründen jedoch erst Ende Woche der Fall sein wird.