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NZZ: «Holz und Glas im Strahlenmeer»: Leserbriefe

Verfasst: 20. März 2006 12:30
von The Future's black
© NZZ am Sonntag; 19.03.2006; Seite 24; Nummer 12

Leserbriefe

Umstrittene Mobilfunkantennen

«Holz und Glas im Strahlenmeer»

NZZ am Sonntag vom 12. März

Die aufgetretenen schweren Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Wellen in Hemberg und Hirschberg zeigen mit Deutlichkeit, dass die Grenzwerte, die vor Schäden sicher schützen sollten, überhaupt nichts wert sind. Wäre dem so, warum sind dann Menschen und Tiere trotzdem krank geworden? Warum sonst gibt die Innerrhoder Regierung Geld aus, um die angebliche Wirksamkeit der karimschen biogeometrischen Holz- und Glasfiguren zu erforschen? Der Swisscom und dem Forum Mobil ist es jetzt peinlich, dass sie sich anfangs auf dieses Experiment eingelassen haben, und darum steigen sie aus. Angenommen aber, diese Methode wäre tatsächlich wirksam, wer müsste dann die Ausgaben übernehmen?

Leopoldine Gaigg, Bottenwil (AG)

Carlo Schmid weiss sehr gut, wo er die für die Wiederwahl nötigen Stimmen holt. Es sind dies die Appenzell- Innerrhoder. Als Präsident der Astag versucht er, die Umwelt-Forderungen gegenüber dem Transportgewerbe mit allen Tricks abzublocken. Damit seine umweltgefährdende Politik nicht bei den Wahlen in Appenzell Innerrhoden durchschlägt, setzt er sich gegen örtliche Antennenstrahlen ein. Schlau von ihm, hoffentlich aber durchschauen ihn die Appenzeller.

Max Rudolf Koch, Emmenbrücke (LU)

Es ist unglaublich, dass es im 21. Jahrhundert noch Menschen gibt, die so ein Märchen aus 1001 Nacht glauben: Man könne sich mit einem Stück Holz oder Plexiglas vor Mikrowellen schützen. Da ist Herr Ibrahim Karim als ETH-Architekt und Doktor der Wissenschaften sehr tief gefallen.

Denis Pürro, Freiburg

Wer über seinen Heuschnupfen klagt, kann auf freundliches, aber etwas verständnisloses Mitleid rechnen; unter Elektrosmog Leidende gelten dagegen als Simulanten. Das erklärt sich leicht dadurch, dass Heuschnupfen verursachende Pflanzen weniger gut organisiert sind als die Betreiber von Mobilfunkantennen, die den Besitzern von Häusern, auf denen sie ihre Antennen aufstellen dürfen, namhafte Mieten zahlen.

Der Vergleich mit Heuschnupfen mag medizinisch falsch sein, aber Elektrosmog ist für Empfindliche eine wirkliche Plage. Weil wir unser Haus entstören liessen und ich die Wohnung so umstellte, dass nun zwei solide Betonmauern mein Bett von den Strahlen der Antenne auf dem Nachbarhaus abschirmen, kann ich wieder schlafen und bin dafür sehr dankbar.

Elisabeth R. Dürst, Oberwil (ZG)

Entgegen Ihrer Darstellung handelt es sich bei der Studie zum Einfluss der UMTS-Strahlung auf Wohlbefinden und kognitive Fähigkeiten um eine gemeinsame Studie der Universitäten Zürich (Peter Achermann), Bern (Martin Röösli) und der ETH Zürich (Prof. Niels Kuster, IT'IS Foundation) und nicht um eine Studie der Forschungs-Stiftung Mobilkommunikation. Diese hat die Mittel für die Studie, die zu 60 Prozent von der öffentlichen Hand und zu 40 Prozent durch die Anbieter finanziert ist, koordiniert. Auch kann in keiner Weise von einer Verzögerung bei der Veröffentlichung der Resultate die Rede sein. Die Studie wurde regulär auf Ende 2005 hin abgeschlossen und befindet sich nun in dem in der Wissenschaft üblichen Publikationsprozess, welcher eine Einflussnahme der Mobilfunkbetreiber auf die Studienresultate verunmöglicht. Die Unabhängigkeit der Forschenden von den Geldgebern wurde zudem vertraglich geregelt.

PD Dr. Peter Achermann, Dr. Martin Röösli, Prof. Niels Kuster, Zürich und Bern

Re: Wie Leserbriefe gekürzt werden

Verfasst: 20. März 2006 13:34
von Gigaherz
Im ersten oben stehenden Leserbrief "Holz und Glas im Strahlenmeer" enthalten waren folgende Sätze, die von der Redaktion gestrichen wurden. Hier sind sie:

- Etwa die Industrie, die dann zugeben müsste, dass sie die Verursacherin der Gesundheitsschäden (unterhalb der Grenzwerte!) ist? Sie hat daher schon vorgebaut - siehe oben.

- Oder der Bundesrat, der das Volk einem noch nie dagewesenen Freilandversuch mit entsprechend schweren Folgen ausgesetzt hat?

- Oder die Krankenkassen, die jedes Jahr die Prämien ins Astronomische erhöhen?

- Oder im Endeffekt das betroffene Volk, nach der Devise: "Den letzten beissen die Hunde?"

So, wie es jetzt aussieht, wird dieses Volk aller Wahrscheinlichkeit einmal mehr im Regen stehen gelassen. Aber die Allgemeinheit wird auf diese Fragen mit Recht Anworten erwarten, besonders dann, wenn eine als seriös geltende Zeitung wie die NZZ dieses Thema aufgreift. Oder werden sich die Verantwortlichen einmal mehr in vornehmes Schweigen hüllen, aus der Verantwortung stehlen?

Gigaherz