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KREBS DURCH MOBILFUNK: „In fünf Orten die Sender abschalten“

Verfasst: 20. Mai 2006 21:49
von always a cancer
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"Viele sind krank geworden, in einer Straße in Schauenstein gibt es in jedem Haus einen Krebsfall“

Gesundheitsämter sind gefordert

http://www.frankenpost.de/nachrichten/r ... ?id=966332


Überraschend konkrete Ergebnisse hat eine Gesprächsrunde in Sachen Mobilfunk gebracht, zu der die Hofer Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger (SPD) Vertreter der Schauensteiner Bürgerinitiative nach Berlin eingeladen hatte. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller hörte sich die Sorgen an und schlug drei Schritte vor.

SCHAUENSTEIN / BERLIN – „Ich fürchte, das geht wie das Hornberger Schießen aus“, sagte der Schauensteiner Stadtrat Manfred Thieroff vor dem Termin im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf der Heimfahrt wenige Stunden später zeigte er sich mit gedämpftem Optimismus. „Es ist mehr herausgekommen, als ich erwartet hatte“, betonte er.

Weil er mit seiner Familie nur 160 Meter von den Schauensteiner Mobilfunk-Sendern entfernt wohnt und diese – wie viele seiner Nachbarn – als Ursache für erhebliche gesundheitliche Beschwerden sieht, hatte Thieroff die Bundestagsabgeordnete im März zu einem Besuch nach Schauenstein eingeladen. Nachdem sich Ernstberger die Probleme angehört hatte, bot sie einen Gesprächstermin zwischen einigen Betroffenen und einem Vertreter des Bundesumweltministeriums an.

„Viele sind krank geworden, in einer Straße in Schauenstein gibt es in jedem Haus einen Krebsfall“, schilderte Thieroff in einem Konferenzzimmer des Berliner Abgeordneten-Bürohauses die Situation im Ort. Der offiziellen Statistik zufolge gebe es in Schauenstein zwar nicht mehr Krebs als woanders, diese Statistik sei aber wegen der vielen weit entfernten Ortsteile wenig aussagekräftig, gab er zu bedenken. Wie viele in seiner Nachbarschaft leide er an Schlafstörungen. Diese seien während eines längeren Kuraufenthaltes verschwunden, hätten sich aber nach der Rückkehr in Schauenstein wieder eingestellt.

Das Verschwinden der Symptome im Urlaub oder nach einem Umzug ist für Dr. Cornelia Waldmann-Selsam ein eindeutiges Indiz für die gesundheitliche Belastung der Mobilfunk-Strahlung. Die Bamberger Ärztin hatte in Schauenstein wiederholt ehrenamtlich Messungen gemacht und unterstützte jetzt die Vertreter der Bürgerinitiative in Berlin. „Wir Ärzte sind schockiert, dass bislang nirgendwo offizielle Untersuchungen bei den Betroffenen vor Ort stattgefunden haben“, betonte sie.

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„In fünf Orten die Sender abschalten“

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam

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Die Gesundheitsämter hätten auf Hinweise bislang überhaupt nicht reagiert, kritisierte die Ärztin. „In fünf Orten sollten die Sender unter ärztlicher Beobachtung der Betroffenen abgeschaltet werden“, schlug sie vor. „Dabei haben Physiker und Ingenieure nichts verloren“, betonte sie.

Stadtrat Jürgen Werner übte heftige Kritik an den in Deutschland geltenden Grenzwerten für den Mobilfunk, die in Österreich und Italien viel niedriger seien. Auch der Schauensteiner Werner Hohenberger verglich die Situation mit anderen Ländern. „E-Plus behauptet, dass Handys für Kinder kein Problem sind, während russische Forscher vor der Benutzung durch Kinder warnen“, sagte er.

„Wir nehmen das sehr ernst“, betonte Müller, der sich zuvor viele weitere Kritikpunkte der Schauensteiner geduldig angehört hatte. Der Staatssekretär berichtete von einer großen Anhörung des Bundestags vor zwei Jahren. Dabei hätten Forscher gesagt, dass die Mobilfunktechnik wohl sicher sei, man dies aber nicht genau wisse. Er verwies auf laufende Forschungsprogramme.

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„Wir nehmen das sehr ernst“

Staatssekretär Michael Müller

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„Ein Auslaufversuch ist nicht ausreichend“, sagte Referatsleiter Dr. Axel Böttger vom Bundesumweltministerium in Bonn, der eigens für das Gespräch nach Berlin geflogen war. Komplexe Gesundheitsbilder und Schlafstörungen könnten verschiedene Ursachen haben, gab er zu bedenken. Der deutsche Grenzwert gehe auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zurück und liege um ein Fünfzigstel unter dem Wert, bei dem erste Wirkungen nachgewiesen worden sein, sagte er.

Müller sagte schließlich drei konkrete Schritte zu: Er will sich mit Wolfram König, dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), zu einem Gespräch in Sachen Mobilfunk treffen. Außerdem will Müller die zuständigen Gesundheitsämter auffordern, bei Krankheitshäufungen Untersuchungen vor Ort zu machen. Und zu einer Anhörung beim BfS am 2. August, bei der es um weitere Untersuchungen geht, soll auch Waldmann-Selsam hinzugezogen werden. WERNER ROST

Die Vertreter der Schauensteiner Bürgerinitiative in der Gesprächsrunde in Berlin. Im Bild (von links): die Schauensteiner Stadträte Jürgen Werner und Manfred Thieroff, die Bamberger Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam und der Schauensteiner Werner Hohenberger sowie (von rechts) Referatsleiter Dr. Axel Böttger vom Bundesumweltministerium, der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller und die Hofer SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger, auf deren Initiative der Termin zustande kam. Im Hintergrund zwei persönliche Mitarbeiter Ernstbergers. FOTO: W. R.