"Gefährliche Handys"
Verfasst: 21. Mai 2006 12:12
Gelesen in der Sonntagszeitung. Wahrscheinlich sind wir bald wieder soweit wie vor 30 Jahren, als es normal war, dass vertrauliche Dinge nur unter vier Augen - und keinesfalls am Telefon - besprochen werden.....
Eine Spionage- Software fürs Handy überwacht zum Beispiel den Partner. Ein Test
VON SIMONE LUCHETTA
Ist der Ehemann untreu? Geht die Geliebte fremd? Wer auf diese Fragen eine Antwort sucht, packt früher oder später das Handy der Verdächtigen und sucht es im Geheimen nach sensiblen Daten ab: Wem hat er SMS geschrieben? Mit wem hat sie telefoniert? Jetzt gibt es eine Software namens Flexispy, die einem diese Arbeit abnimmt.
Ist das Spionageprogramm einmal auf einem Mobiltelefon installiert, sammelt es die Daten sämtlicher Anrufe, Kurznachrichten und GPRS- Aktivitäten, und leitet sie an einen Server weiter. Der Hobby- James- Bond kann dann von jedem Internetcomputer mit dem Webbrowser auf sie zugreifen. Der Überwachte merkt von all dem nichts. Flexispy wird von dem Unternehmen Vervata mit Sitz in Bangkok für 50 US- Dollar im Internet angeboten. Es wurde entwickelt, um bei Scheidungen Argumente gegen den Partner zu sammeln. « Dank Flexispy fand ich heraus, dass mich meine Frau mit meinem Bruder betrügt. Es ging mir deswegen über ein Jahr schlecht. Seit der Scheidung ist mein Leben viel besser » , wird ein Mann auf der Webseite zitiert. Der Hersteller kennt weitere Gründe, warum man Flexispy nutzen sollte: « Schützen Sie ihre Kinder vor SMS- Missbrauch, archivieren Sie die eigenen SMS und kontrollieren Sie Ihre Telefonkosten. »
Die Installation dauert eine gute halbe Stunden
Gemäss Antivirenherstellern handelt es sich bei Flexispy um einen kommerzialisierten Handyschädling, einen Trojaner, wie er schon länger eingesetzt wird, um Computernutzer auszuhorchen. Vervata distanziert sich vom Vorwurf, Spyware zu produzieren. Flexispy sei kein Schädling, weil es sich anders als Trojaner und Viren nicht selbstständig einniste, sondern bewusst auf dem Gerät installiert werden müsse. Tatsächlich benötigt der misstrauische Partner eine gute halbe Stunde, um das Programm auf dem zu überwachenden Gerät zu installieren. Bequemer ist es, die Software auf ein neues Handy zu bringen und den Partner damit zu beschenken. Der Trojaner lässt sich auch via Blutooth- Funk weitergeben. « Aber sowohl die Übertragung als auch die Installation muss vom Handynutzer bestätigt werden » , schreibt der finnische Antivirenhersteller F- Secure.
Das Spionageprogramm zu aktivieren ist nicht ganz einfach, wie der Test zeigte. Wer aber die per E- Mail zugeschickten, englischsprachigen Anweisungen genau befolgt und etwas tüftelt, hat am Ende das Schnüffelprogramm aktiviert. Und es funktioniert. Auf einer passwortgeschützten Webseite findet man sämtliche verschickten und erhaltenen SMSInhalte sowie ein Protokoll der ein- und ausgegangenen Anrufe.
Die Anwender befinden sich in einem rechtlichen Graubereich
Zukünftig setzt der Hersteller noch eins drauf: Bereits auf diese Woche hatte er Flexispy Pro versprochen, eine Version, mit der sich zusätzlich auch Gespräche abhören lassen. Der Start wurde kurzfristig auf Juni verschoben.
Rechtlich befinden sich Anwender von Flexispy in einem Graubereich. Zumindest hier zu Lande ist es problematisch, andere mit solchen Methoden zu überwachen. So ist das Abhören privater Nachrichten verboten. Selbst die Strafverfolgungsbehörden brauchen für solche Überwachungsaktionen eine richterliche Verfügung. « Das Mitlesen von SMS dagegen ist als Strafbestand nicht eindeutig erfasst » , sagt Marcel Niggli, Rechtsprofessor an der Uni Fribourg. « Das Eindringen in fremde Datenverarbeitungseinrichtungen kann aber mit Busse oder Gefängnis bestraft werden. » Wer in nächster Zeit also ein Handy geschenkt bekommt, sollte vielleicht auf der Hut sein. Vorsicht bei Nokias: Flexispy lässt sich nur auf aktuellen Nokia- Modellen installieren. Im Juni sollen Blackberrys und Windows- Smartphones dazu kommen. Gefahrlos freuen kann man sich über Motorola-, Samsung- oder Sony- Ericsson- Geräte.
Entdecken und Entfernen lässt sich das Spionageprogramm mit einer Handy- Antivirensoftware von Herstellern, die den Trojaner in die Virenliste aufgenommen haben.
Eine Spionage- Software fürs Handy überwacht zum Beispiel den Partner. Ein Test
VON SIMONE LUCHETTA
Ist der Ehemann untreu? Geht die Geliebte fremd? Wer auf diese Fragen eine Antwort sucht, packt früher oder später das Handy der Verdächtigen und sucht es im Geheimen nach sensiblen Daten ab: Wem hat er SMS geschrieben? Mit wem hat sie telefoniert? Jetzt gibt es eine Software namens Flexispy, die einem diese Arbeit abnimmt.
Ist das Spionageprogramm einmal auf einem Mobiltelefon installiert, sammelt es die Daten sämtlicher Anrufe, Kurznachrichten und GPRS- Aktivitäten, und leitet sie an einen Server weiter. Der Hobby- James- Bond kann dann von jedem Internetcomputer mit dem Webbrowser auf sie zugreifen. Der Überwachte merkt von all dem nichts. Flexispy wird von dem Unternehmen Vervata mit Sitz in Bangkok für 50 US- Dollar im Internet angeboten. Es wurde entwickelt, um bei Scheidungen Argumente gegen den Partner zu sammeln. « Dank Flexispy fand ich heraus, dass mich meine Frau mit meinem Bruder betrügt. Es ging mir deswegen über ein Jahr schlecht. Seit der Scheidung ist mein Leben viel besser » , wird ein Mann auf der Webseite zitiert. Der Hersteller kennt weitere Gründe, warum man Flexispy nutzen sollte: « Schützen Sie ihre Kinder vor SMS- Missbrauch, archivieren Sie die eigenen SMS und kontrollieren Sie Ihre Telefonkosten. »
Die Installation dauert eine gute halbe Stunden
Gemäss Antivirenherstellern handelt es sich bei Flexispy um einen kommerzialisierten Handyschädling, einen Trojaner, wie er schon länger eingesetzt wird, um Computernutzer auszuhorchen. Vervata distanziert sich vom Vorwurf, Spyware zu produzieren. Flexispy sei kein Schädling, weil es sich anders als Trojaner und Viren nicht selbstständig einniste, sondern bewusst auf dem Gerät installiert werden müsse. Tatsächlich benötigt der misstrauische Partner eine gute halbe Stunde, um das Programm auf dem zu überwachenden Gerät zu installieren. Bequemer ist es, die Software auf ein neues Handy zu bringen und den Partner damit zu beschenken. Der Trojaner lässt sich auch via Blutooth- Funk weitergeben. « Aber sowohl die Übertragung als auch die Installation muss vom Handynutzer bestätigt werden » , schreibt der finnische Antivirenhersteller F- Secure.
Das Spionageprogramm zu aktivieren ist nicht ganz einfach, wie der Test zeigte. Wer aber die per E- Mail zugeschickten, englischsprachigen Anweisungen genau befolgt und etwas tüftelt, hat am Ende das Schnüffelprogramm aktiviert. Und es funktioniert. Auf einer passwortgeschützten Webseite findet man sämtliche verschickten und erhaltenen SMSInhalte sowie ein Protokoll der ein- und ausgegangenen Anrufe.
Die Anwender befinden sich in einem rechtlichen Graubereich
Zukünftig setzt der Hersteller noch eins drauf: Bereits auf diese Woche hatte er Flexispy Pro versprochen, eine Version, mit der sich zusätzlich auch Gespräche abhören lassen. Der Start wurde kurzfristig auf Juni verschoben.
Rechtlich befinden sich Anwender von Flexispy in einem Graubereich. Zumindest hier zu Lande ist es problematisch, andere mit solchen Methoden zu überwachen. So ist das Abhören privater Nachrichten verboten. Selbst die Strafverfolgungsbehörden brauchen für solche Überwachungsaktionen eine richterliche Verfügung. « Das Mitlesen von SMS dagegen ist als Strafbestand nicht eindeutig erfasst » , sagt Marcel Niggli, Rechtsprofessor an der Uni Fribourg. « Das Eindringen in fremde Datenverarbeitungseinrichtungen kann aber mit Busse oder Gefängnis bestraft werden. » Wer in nächster Zeit also ein Handy geschenkt bekommt, sollte vielleicht auf der Hut sein. Vorsicht bei Nokias: Flexispy lässt sich nur auf aktuellen Nokia- Modellen installieren. Im Juni sollen Blackberrys und Windows- Smartphones dazu kommen. Gefahrlos freuen kann man sich über Motorola-, Samsung- oder Sony- Ericsson- Geräte.
Entdecken und Entfernen lässt sich das Spionageprogramm mit einer Handy- Antivirensoftware von Herstellern, die den Trojaner in die Virenliste aufgenommen haben.