Strahlende Zukunft
Verfasst: 12. Juni 2006 13:46
So der Titel im heutigen Migros Magazin Nr. 24 vom 12. Juni 2006:
Nachgefragt: Peter Acherman, Neurowissenschafter
Strahlende Zukunft
Machen Mobilfunkantennen krank oder nicht? Darüber streitet die Wissenschaft seit Jahren. Laut einer von Ihnen geleiteten Studie beeinflussen UMTS-Antennen das Wohlbefinden nicht. Können wir Ihnen glauben, Peter Achermann?
2003 kam eine holländische Studie zum Schluss, dass durch UMTS-Sendeantennen das Wohlbefinden von Menschen negativ beeinflusst wird. Wir haben diesen Befund unter die Lupe genommen. Nach unseren neusten Forschungserkenntnissen hat die Strahlung von Mobilfunkantennen keinen kurzfristigen Einfluss auf die Gesundheit. Die Untersuchung aus dem Jahr 2003 konnte also nicht bestätigt werden.
Ihre Studie wurde zu 60 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent von den Mobilfunkbetreibern finanziert. Können Ihre Ergebnisse überhaupt neutral sein?
Manche behaupten, man könne mit Geldern der Industrie nicht unabhängig arbeiten. Das ist Unsinn. Wir haben vertraglich abgesichert, dass niemand Einfluss nehmen kann, bis die Resultate in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht sind. Dieser Vertrag war eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Arbeit.
Viele Gemeinden haben die Behandlung von Baugesuchen für UMTS-Antennen aufgeschoben. Nach Ihrer Studie werden sie wohl nicht mehr zuwarten.
Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Grundlagen zu liefern. Jetzt sind die Politiker gefragt. Nur so viel: Ich finde es keine gute Idee, Entscheidungen nur auf Grund einer einzelnen Studie zu fällen.
Weil Ihre Studie nichts über die langfristigen Folgen aussagt?
Das stimmt. Darüber können wir keine Aussagen machen.
Wann werden wir endlich Klarheit haben, ob Mobilfunkantennen gefährlich sind oder nicht?
Das Problem ist: Wir können keine Langzeitexperimente mit Menschen machen. Wer möchte sich schon monatelang im Labor untersuchen lassen? Also müssen wir uns auf grossangelegte Befragungen beschränken. Weiter ist es wichtig, mögliche biologische Wirkungsmechanismen zu ergründen. Darauf zielt meine weitere Forschung ab.
Und die Folgen der Handystrahlung?
Ich untersuche diese Frage nun schon seit sieben Jahren. Das Resultat meiner Studien: Die Bestrahlung verändert die Hirnströme. Ob dies die Menschen krank macht, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen im In- und Ausland.
Besitzen Sie eigentlich selbst ein Handy?
Erst seit drei Jahren.
Warum?
Nicht weil ich mich vor der Strahlung fürchte (lacht). Ich fand es einfach schrecklich, dauernd erreichbar sein zu müssen. Irgendwann musste ich auf Grund meiner Position die Verweigerungshaltung aufgeben. Ich brauche das Handy. Meistens ist es aber ausgeschaltet.
Interview Reto Knobel
Peter Achermann
Der 52-jährige Elektroingenieur und Neurowissenschafter Peter Achermann ist Privatdozent am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Letzte Woche wurde unter seiner Leitung eine Studie zu den Folgen der Strahlung von Mobilfunkantennen präsentiert. Kurzfristig haben diese keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit, so das Resultat der Untersuchung.
Nachgefragt: Peter Acherman, Neurowissenschafter
Strahlende Zukunft
Machen Mobilfunkantennen krank oder nicht? Darüber streitet die Wissenschaft seit Jahren. Laut einer von Ihnen geleiteten Studie beeinflussen UMTS-Antennen das Wohlbefinden nicht. Können wir Ihnen glauben, Peter Achermann?
2003 kam eine holländische Studie zum Schluss, dass durch UMTS-Sendeantennen das Wohlbefinden von Menschen negativ beeinflusst wird. Wir haben diesen Befund unter die Lupe genommen. Nach unseren neusten Forschungserkenntnissen hat die Strahlung von Mobilfunkantennen keinen kurzfristigen Einfluss auf die Gesundheit. Die Untersuchung aus dem Jahr 2003 konnte also nicht bestätigt werden.
Ihre Studie wurde zu 60 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent von den Mobilfunkbetreibern finanziert. Können Ihre Ergebnisse überhaupt neutral sein?
Manche behaupten, man könne mit Geldern der Industrie nicht unabhängig arbeiten. Das ist Unsinn. Wir haben vertraglich abgesichert, dass niemand Einfluss nehmen kann, bis die Resultate in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht sind. Dieser Vertrag war eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Arbeit.
Viele Gemeinden haben die Behandlung von Baugesuchen für UMTS-Antennen aufgeschoben. Nach Ihrer Studie werden sie wohl nicht mehr zuwarten.
Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Grundlagen zu liefern. Jetzt sind die Politiker gefragt. Nur so viel: Ich finde es keine gute Idee, Entscheidungen nur auf Grund einer einzelnen Studie zu fällen.
Weil Ihre Studie nichts über die langfristigen Folgen aussagt?
Das stimmt. Darüber können wir keine Aussagen machen.
Wann werden wir endlich Klarheit haben, ob Mobilfunkantennen gefährlich sind oder nicht?
Das Problem ist: Wir können keine Langzeitexperimente mit Menschen machen. Wer möchte sich schon monatelang im Labor untersuchen lassen? Also müssen wir uns auf grossangelegte Befragungen beschränken. Weiter ist es wichtig, mögliche biologische Wirkungsmechanismen zu ergründen. Darauf zielt meine weitere Forschung ab.
Und die Folgen der Handystrahlung?
Ich untersuche diese Frage nun schon seit sieben Jahren. Das Resultat meiner Studien: Die Bestrahlung verändert die Hirnströme. Ob dies die Menschen krank macht, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen im In- und Ausland.
Besitzen Sie eigentlich selbst ein Handy?
Erst seit drei Jahren.
Warum?
Nicht weil ich mich vor der Strahlung fürchte (lacht). Ich fand es einfach schrecklich, dauernd erreichbar sein zu müssen. Irgendwann musste ich auf Grund meiner Position die Verweigerungshaltung aufgeben. Ich brauche das Handy. Meistens ist es aber ausgeschaltet.
Interview Reto Knobel
Peter Achermann
Der 52-jährige Elektroingenieur und Neurowissenschafter Peter Achermann ist Privatdozent am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Letzte Woche wurde unter seiner Leitung eine Studie zu den Folgen der Strahlung von Mobilfunkantennen präsentiert. Kurzfristig haben diese keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit, so das Resultat der Untersuchung.