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Luftschiff - Ausweg im Handystreit?

Verfasst: 28. Juni 2006 22:45
von Elisabeth Buchs
Bei 10 vor 10 wurde ein schweizerisches Projekt eines 60 m langen Luftschiffes zur Versorgung mit Mobilfunk (Telefonie und Internet), Digital-TV und Radio vorgestellt. Siehe Thread in diesem Forum "Mobilfunk über Luftschiff" read.php?f=1&i=4815&t=4809

Erfinder ist Kamal Alavi in Zusammenarbeit mit RUAG. Das Luftschiff würde sich auf 20 000 m Höhe befinden und durch einen Autopilot mit GPS, entwickelt von der ETH Zürich stationär gehalten. Für die CH solle eine Station reichen. In einem Jahr soll ein Prototyp in die Luft geschickt werden.

Nicht erwähnt wird, dass es bei einem solchen Luftschiff nur eine bestimmte Anzahl Kanäle haben kann bzw. nur eine begrenzte Anzahl Handynutzer möglich sind. Aber das Aufstellen von immer noch mehr Antennen könnte dadurch sicher reduziert werden. Dafür gäbe es dann keine richtigen Funklöcher mehr, schwächere Strahlung, aber noch mehr allgegenwärtig.

Elisabeth Buchs

Re: Luftschiff - Ausweg im Handystreit?

Verfasst: 29. Juni 2006 00:26
von Evi
Ich habe den Beitrag auch gesehen, sogar aufgezeichnet.

Wenn es wahr ist, wie im Beitrag angeführt, dass die Strahlung um das Tausendfache geringer ist als von den Antennen, dann wäre das ein Grund, dieses Projekt zu begrüssen. In diesem Fall würde sich die Suche nach Funklöchern stark reduzieren, denn wo haben wir denn überhaupt noch solche?

Die Frage ist nur, wieviel dahinter ist, ob es wirklich realisierbar ist, ob es von den Mobilfunkgesellschaften angenommen wird, denn die haben ja in den Antennenbau kräftig investiert und ob die Politik mitmacht.

Warten wir's ab. Schön wäre es allemal, wenn der Spuk auf diese Weise verschwinden würde. Immerhin ist es bedeutsam, dass jemand das Strahlenproblem so ernst genommen und ein solches System entwickelt hat, denn er hat den Ernst der Lage erkannt.

Wer aufs Handy nicht verzichten will, kann es sich meinetwegen ans Ohr halten, bis dieses glüht, aber die unfreiwillige Belastung durch Antennenstrahlung würde sich drastisch reduzieren. Hoffentlich handelt der Bundesrat dann auch so schnell wie er es im Fall der geplanten Flächen deckenden Verteilung von Impfstoff gegen Vogelgrippe vorhat.

Evi

Tolle Idee!

Verfasst: 29. Juni 2006 08:58
von Mark
Offenbar hat das Hand und Fuss, jedenfalls sind topseriöse Firmen bei diesem Projekt dabei. Man kann sich jetzt schon fragen, wer denn Interesse daran haben wird, so ein Projekt zu torpedieren. Etwa die heutigen Antennenbauer? Die Swisscom, Sunrise, Orange? Wer würde bei einem Erfolg dieses Projektes verlieren? Es werden diejenigen sein, welche dann im Bundeshaus weibeln und lobbyieren werden.... allerdings gibt es schon noch einige Fragen zu beantworten. Was etwa ist, wenn ein solche Sender total ausfallen solllte? Was im Kriegsfall. Kann man mit einer Rakete ganze Länder kommunikationsunfähig machen? Vermute mal, dass die bestehenden Antennen eh stehen bleiben werden. Zur Sicherheit. Aber ob die alle ausgeschaltet würden?

Jedenfall endlich mal eine wegweisende Idee - man darf gespannt sein, wer als erstes seine (natürlich von finanziellen Gelüsten getriebene) Kritik loslassen wird!

Hier das Video

Verfasst: 29. Juni 2006 09:00
von Mark
Hier kann man die Sendung vom 28. Juni nochmals angucken:

http://www.sf.tv/sf1/10vor10/index.php

Re: Hier das Video

Verfasst: 29. Juni 2006 09:21
von Evi
Ja, da darf man gespannt sein, wie, wo und warum wer dazu was zu bemerken, zu kritisieren, zu bemängeln hat oder gar das Projekt torpedieren will. Oder kann es sein, dass man für einmal kein Haar in der Suppe findet? Wahrscheinlich ginge ein Aufschrei der Antennenbauer durchs Land, mit dem Argument der Verlust von Arbeitsplätzen. Anderseits: auch für diese Lösung müssten ja solche geschaffen werden.

Soweit es im Filmbeitrag zu sehen war, soll ja ein zweiter solcher schwebender "Standort" platziert werden, für den Fall, dass der erste ausfällt oder dass dieser zur Reparatur herunter geholt werden muss.

Evi

Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 09:34
von hertzklopfer
Solange keine verlässlichen Angaben vorhanden sind, mit welchen Immissionen auf der Erde zu rechnen ist ...
Sollte sich ein Einsatz global flächendeckend durchführen lassen, gäbe es überhaupt keine Vergleichsregionen mehr...

Es werden auch schon Pläne verfolgt, in orbitalen Solarkraftwerken erzeugte Energie per Mikrowellen auf die Erde zu übertragen...

usw.

... die Atmosphäre wird in eine völlig andere Dynamik geraten.

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 09:57
von Evi
Das mit den Vergleichsgruppen ist ohnehin schon heute Illusion. Gibt es die überhaupt noch bei dem Tempo, in dem überall Antennen aufgestellt werden?

Klar, überall kann ein Pferdefuss dabei sein, auch hier. Aber wenn die Welt auf irgendeine Weise zugrunde gerichtet werden muss, so erwischt es zumindestens alle, auch die, die das Ganze von Anfang an vom Zaun gebrochen haben.

Evi

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 21:01
von gesuana
Ich war ziemlich verwundert, dass man vorher noch nie von dieser Möglichkeit gelesen und gehört hat , bis das Produkt fast pfannenfertig ist. Wenn das eine Verbesserung der Situation gäbe , nichts wie ran!- Was meinen die Techniker dazu??- Vielleicht gibt es dann doch noch früher als wir dachten eine Beendung des Spuks.- Habe gerade heute vernommen , dass meine Chefin die Flinte ins Korn wirft. Ausgebrannt. War bis vor etwa 1 1/2 Jahren superfit , superengagiert und belastbar. In letzter Zeit wurde die Verantwortung ,die sie jahrelang problemlos gemeistert hat , immer schwerer auf ihren Schultern, nicht weil sie die Arbeit nicht gerne machen würde oder private Probleme hätte oder krank wäre , nein - die Belastbarkeit und Energie sind einfach merklich in den Keller gerutscht und das irrige gestörte Verhalten vieler Kunden und vielleicht auch Mitarbeiter wurden ihr zuviel. Aber meine Erklärungen würde sie NIEEE in Erwägung ziehen , NIE , sie hockt ständig neben dem dect , legt den Hörer nur auf meine Bitte auf.- Na ja , könnte ja auch noch viele viele andere Gründe haben , stimmt. Lasst sie fortfahren mit Erfahren.
gesuana

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 21:14
von Evi
Wundert mich nicht, dass die Sache nicht früher publik wurde. Welcher Forscher, welcher Erfinder will sich, bevor das Projekt nicht fertig ausgereift ist, die Ideen stehlen lassen? Denn auch da steckt doch viel Geld dahinter.

Evi

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 23:15
von Dr. Volker Schorpp
Aktueller TV-Beitrag in der Schweiz:

Mit Zeppelin die Handystrahlung vermindern
Ein Zeppelin in 20'000 Metern Höhe soll die ganze Schweiz mit Handynetz versorgen. Ein revolutionäres Projekt, in dem die Schweiz die Nase vorn hat.


Fernsehbeitrag zum Anschauen:

http://de.bluewin.ch/news/index.php/new ... 4431/wm_n/


Kurzer Kommentar von Dr. Volker Schorpp:

Ob die Zeppelintechnik - die übrigens in der miniWattbroschüre 2004 (DLR) schon beschrieben ist - Vorteile für Mobilfunkerkrankte bringt, hängt maßgeblich davon ab, wie stark die Strahlung ist, die an der Erdoberfläche ankommt. Wählt man sie gerade so schwach, dass nur im Freien guter Netzempfang ist (z.B. 1 - 10 nanoWatt/Quadratmeter), dann wäre dies gegenüber der heutigen räumlich sehr inhomogenen Ausleuchtung sicher von Vorteil (auch für das Gesundheitssystem). Hochfrequenz-Betroffene könnten sich im Haus durch z. B. ein geerdetes Metalldach oder ein Grasdach schützen und diejenigen Personen, die im Haus Empfang haben wollen, können einen leistungsregelbaren Inhouse-Repeater installieren.

Wenn jedoch die Strahlung der Zeppeline so stark eingestellt würde, dass man noch im Keller eines fünfstöckigen Hauses noch telefonieren kann, dann gibt es mit der Zeppelintechnik kein unbestrahltes Plätzchen mehr und Betroffene werden vermutlich wieder "Höhlenmenschen".

Die Zeppelintechnik sorgt für eine relativ gleichmäßige Ausleuchtung der Landschaft und in diesem Sinne auch für eine gerechtere Verteilung des Gesundheitsrisikos, im Gegensatz zur heutigen Technik.

Beste Grüsse
Volker Schorpp

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 23:15
von michael wiese
Diese Luftschiffe sind eher als Ersatz für Fernsehsatelliten oder andere beliebige Broadcastdienste (ein Signal wird von mehreren Teilnehmern genutzt, z.b. Radio/Fernsehen) zu gebrauchen.
Für Katastrophenschutz, Polizei etc wären derartige Relais auch sinnvoll.

Für Mobiltelefonie in einem derart riesigem Einzugsbereich (Sichtverbindung vorausgesetzt) fehlt es jedenfalls an freien Frequenzen.
Für die Schweiz wird ein einzelnes vermutlich auch nicht reichen da dann die Tallagen zu Funklöchern werden (jedenfalls jene Täler am Rand des Einzugsbereiches).
Der Einzugbereich, eine völlig flache Kugel als Erde angenommen, bei Sichtkontakt und 20km Höhe dürfte bei grob 1000km (Durchmesser) liegen (bitte selbst nachrechnen) in Realität aber wohl um einiges geringer sein.

Gesetzt den Fall man möchte Versorgungssicherheit in weiten Teilen der Schweiz mit den minimal noch möglichen Feldstärken, so ist es auch rechnerisch egal ob man möglichst viele Sendemasten, oder nur wenige sehr hohe Luftschiffe verwendet.
Da die Luftschiffe weiter entfernt sind müssen die Handys jedenfalls stärker senden, jedenfalls im vergleich zu einem Handy das Sichtkontakt zu einer Basisstation hat.

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 23:21
von Mariposa
Das habe ich mir schon gedacht, dass jetzt die klugen Kommentare kommen, warum das so nicht geht oder nicht gehen kann.

Was die stärker sendenden Handys angeht, ist es mir völlig wurscht, wie stark sie senden. Ist ja jeder selber dafür verantwortlich, welches Ding er sich gegen seine Birne drückt. Mich interessiert nur die Belastung, die ich unfreiwillig durch die Antenne zu ertragen habe. Und wenn es in der Schweiz Funklöcher gibt, dann ist das nur gut für die vielen Leute, die diese Strahlung nicht mehr ertragen.

Mariposa

Re: Luftschiff-Sender usw.

Verfasst: 29. Juni 2006 23:31
von Klaus
Ich habe bedenken, dass der Drahtlos-Irrsinn damit ungebremst weitergeht.
Selbst wenn die Strahlung, wie berichtet, in 20'000m Höhe 1000fach geringer ist (was auch immer das genau bedeutet...), wird man dafür überall mit zig tausend Verbindungen beleuchtet.
Ich vermute aber, die gesundheitliche Beeinträchtigung durch Mobilfunkantennen hängt nicht nur von Strahlungsintensität, sondern auch von der Vielzahl der Signale ab.
Sollte eine Wechselwirkung mit Atmosphäre/Wetter/Umwelt/Natur bestehen: die Möglichkeit, die Strahlung auszuschalten wäre für alle Zeiten beerdigt. Die Wichtigkeit einer solchen Station wird dann einfach zu gross; hängen erst mal 3 Mio Nutzer dran.
Und: erstaunlich, es wird doch tatsächlich mit einer Reduktion der Handystrahlung geworben, während ein paar Wochen zuvor "die grosse Entwarnung" bezüglich UMTS-Strahlung durch die Medien ging.

Weitere Info zum Luftschiff-Sender

Verfasst: 30. Juni 2006 21:55
von Elisabeth Buchs
http://www.ethlife.ethz.ch/articles/tag ... allon.html

Sehr interessanter Artikel mit weiteren Informationen und Bild:
U.a. Die Strahlen lassen sich dank so genannten Spotbeam-Antennen, die die EPF Lausanne entwickelt, dem Bedarf anpassen. In Gebieten, wo wenig über das Mobilfunknetz telefoniert wird oder wo nur geringe Datenmengen versandt werden, ist die Strahlung entsprechend gering.

Für die Mobilfunk-Anwendung über derart grosse Distanzen haben Ingenieure der IEEE ein neues Mobilfunk-Protokoll entwickelt, das sog. genannte WiMAX.

Kommentar: Alles Gute kommt von oben war einmal. Wenn ich das Wort WiMAX höre, bedeutet das für mich nichts Gutes. Ueber die Pulsung von WiMAX ist soviel ich weiss noch nichts definives bekannt. Ich hoffe nur, dass gibt nicht ein Mega-W-Lan aus der Luft.

Am 1. August dieses Jahres soll schon so ein Versuchsballon steigen. Man sollte anfragen, wieviel Feldstärke bei uns ankommt und ich frage mich auch, wie sie das lösen, dass die Handys und Notebooks Kontakt haben zum Ballon, die müssten dann doch entsprechend stark strahlen, auch in den Häusern oder mit Aussenantennen.

Elisabeth Buchs

Re: Weitere Info zum Luftschiff-Sender

Verfasst: 8. Juli 2006 02:00
von Carlo
> http://www.ethlife.ethz.ch/articles/tag ... allon.html

Zitat daraus:

"1000 mal weniger Strahlung
Weiterer Vorteil: „Auf der Erdoberfläche zu senden verursacht hohe Strahlung, weil man oft unzählige Gebäude durchdringen muss“, ergänzt Kamal Alavi. Von oben habe man aber zu jedem Punkt Sichtverbindung und sende vor allem durch die Luft."

Komisch, ein Swisscom-Techniker sagte mir mal, es sei wichtig, möglichst flach in die Gebäude reinzustrahlen, weil die Böden stärker schirmen als Fenster und Wände. Wenn nun das Signal von oben (Zeppelin) kommt, wird der Empfang in den unteren Etagen von Blocks oder gar Hochhäusern ganz schlecht, geschweige denn im 3.UG der Tiefgarage.

Also kann man jetzt schon davon ausgehen, dass die Zeppelin-Strahlung MAXIMAL aufgedreht wird, und zwar für Alle, ohne Option auf ein Funkloch! Grasdach (nur für EFH-Besitzer!), haha, aber was ist wenn man unterwegs ist, v.a. ohne Metalldach (wandern/velofahren) ?? Militärhelm immer mitführen?

Das ganze ist sowieso eine Schnapsidee, weil dann "Terroristen" oder feindliche Staaten leicht die Kommunikation ganzer Länder oder Landesteile ausschalten können. Von Blitzschlag, Stürmen etc. mal abgesehen. Also muss doch die ganze Basisstationen-Infrastruktur aufrecht erhalten bleiben, und wer kann garantieren, dass die normalerweise dann ausgeschaltet bleiben??