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UMTS-Studie: Falsche Entwarnung/Möhlin: Skepsis nach Experte

Verfasst: 10. Juli 2006 22:08
von The Future's black
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© Der Bund; 08.07.2006; Seite 41

Leserbriefe

Der Bund

Falsche Entwarnung

Studie über die Beeinflussung des Wohlbefindens durch Strahlen der UMTS-Antennen

«Bund» vom 7. Juni

Vorweg - um die Wissenschaftler der ETH Zürich nicht in Misskredit zu bringen: Man ist auch dort der Meinung, dass mit dem Ergebnis der Studie keinerlei Risikoabschätzung und schon gar keine Entwarnung für Langzeitrisiken gegeben werden kann. Warum aber konnten sie dann ihre Arbeit für solch eine Augenwischerei hingeben?

117 Personen wurden wechselnden Strahlenfeldern in 45 Minuten pro Woche mit 1 bis 10 Volt pro Meter ausgesetzt. Diese Durchführung entspricht nicht der Realität. Steht ein Antennenmast erst einmal, so wird er wohl nicht nur 45 Minuten pro Woche strahlen, sondern das 224-fache. Eine Permanentbestrahlung der Probanden wäre realistischer gewesen. Aber wer setzt sich schon einem solch hohen (Lebens-)Risiko aus? Offenbar nicht einmal Forscher, welche die Wissenschaft zum Wohle des Menschen im Auge haben.

Die NISV (Verordnung über den Schutz nichtionisierender Strahlen) lässt einen Grenzwert von 61 Volt pro Meter (Bundesamt für Umwelt, 2006) zu. Das ist 6- bis 60-fache Belastung der Probanden.

Die Studie sagt auch nichts über Strahlenreflexionen aus, wie sie im natürlichen Umfeld vorkommen.

Und bei einem immer wachsenden Antennenwald werden Strahlenüberlagerungen unvermeidbar. Dies bedeutet eine Potenzierung auch der Gesundheitsrisiken. Oder glauben die Behörden allen Ernstes, dass die Sendeleistung einer erstellten Antenne vom Betreiber Swisscom reduziert wird, wenn eine zweite und dritte Antenne von Sunrise und Orange in der Nähe aufgestellt wird?

Bürgerinnen und Bürger werden also wissentlich dem stetig wachsenden Gesundheitsrisiko (von Störungen des Wohlbefindens bis Leukämie) ausgesetzt. Schon 2004 stellte das damalige Buwal (heute Bafu) in einer Studie fest, dass nichtionisierende Strahlen (NIS) negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Menschen haben. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Broschüre über «Elektrosmog in der Umwelt» dargelegt.

Fazit: keine Entwarnung, sondern allerorts Stopp dem Ausufern des Antennenwaldes. Vielleicht gar Überdenken der Mobilfunkkonzeption. Die Gewinne der Mobilfunkindustrie für zweifelhafte Dienstleistungen dürfen nicht zulasten der Bürgerinnen und Bürger gehen. M. Reimer, Vorstand VIU

(Verein Intakte Umwelt)
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© Basler Zeitung; 08.07.2006; Seite 19

land

Skepsis nach Expertenrunde

Möhlin.Baugesuche für neue Antennen stossen auf Widerstand

Arnold Fricker

Recht und richtig ist nicht immer dasselbe - das zeigt der Streit um Mobilfunkantennen in Möhlin.

«Wir wollen heute keinen Expertenkrieg», sagte am Donnerstag Möhlins Gemeindeammann Fredy Böni in der Mehrzweckhalle. Der blieb effektiv aus. Die Gegner der vier Experten sassen nämlich im Saal. Es waren vorab Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen die aktuellen Baugesuche für Mobilfunkantennen zur Wehr setzen.

Niemand mochte Willy Koch von Swisscom Mobile widersprechen, dass drahtlose Kommunikation in den nächsten Jahren nochmals massiv zunehmen werde. Fredy Böni bestätigte allein für Möhlin, dass weitere Antennengesuche in der Pipeline seien. Der Zwang des Bundesrates, flächendeckende Versorgung anzubieten, sowie die leistungsstärkere neue Generation des Standards UMTS sind Gründe für immer neue Basisstationen. Diese müssten dort platziert werden, wo die Leute seien, und nicht am Waldrand, liess Koch gewisse Illusionen zerplatzen.

Hörbar enttäuschend für viele, was Kerstin Hug vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Basel an Erkenntnissen mitbrachte. Obwohl es viele Studien über die biologischen Wirkungen nichtionisierender Strahlung gebe, wisse man noch nicht genug. Die Resultate seien widersprüchlich, die Messungen zu kurz. Der Immissionsgrenzwert in der bundesrätlichen Verordnung ist so angelegt, dass die Mobilfunkstrahlen keine Erwärmung des Körpers auslösen. Dennoch gibt es biologische Wirkungen, zum Beispiel Veränderungen im Zellstoffwechsel, im Hormonhaushalt und bei den Hirnströmen. «Wird man deshalb krank?», fragte Hug.

Nicht bewiesene Gefahren. Der Anlagegrenzwert, der für Orte längeren Aufenthalts gilt (Wohnungen, Schulen, Spitäler, Arbeitsplätze), soll das Risiko für vorerst nur vermutete Gefahren verringern. Das Wort von «möglichen, aber nicht bewiesenen Gefahren» provozierte zu Stellungnahmen jener, die auf Elektrosmog besonders feinfühlig reagieren, mit Unwohlsein, Schlafstörungen und anderem. Sie haben nicht viel davon, dass die Belastung durch das Handy am Ohr wesentlich höher sei, dass man also selbst etwas für die Vorsorge tun könne, wie Martin Joho, vom Departement BVU des Kantons Aargau ausführte.

«Nach diesen Ausführungen sind wir weiterhin skeptisch», sagt einer der rund hundert Zuhörer nach den Referaten und erntete zustimmendes Gemurmel. Dass Mobilfunkbetreiber die Sendeleistungen selbst überwachen dürfen, kam zur Sprache. Ebenso das Unverständnis für die Parteinahme des Gemeinderates. Fredy Böni wehrte sich, man sei verpflichtet, das bestehende Recht umzusetzen.

«Das so genannte Recht sagt, dass wir so und so viel Strahlung auszuhalten haben. Aber bereits heute sind gewisse Leute am Anschlag», sagte ein Votant. Und wurde von einer Frau bestätigt: «Wenn es nur noch Recht ohne Moral gibt, werden wir zu Robotern.»
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© Der Bund; 08.07.2006; Seite 27

Stadt-Region

Der Bund

Für und gegen Planungszone

Lyss und Urtenen-Schönbühl wehren sich gegen neue Natelantennen - jetzt muss der Kanton entscheiden

Planungszonen als neues Mittel der Gemeinden gegen Antennen: Die Mobilfunkanbieter erheben auch in Lyss Einsprache. In Urtenen-Schönbühl sind in der Zwischenzeit die Einigungsverhandlungen gescheitert.

simon wälti

Im Juni zog die Gemeinde Lyss die Notbremse: Um weitere Mobilfunkantennen zu verhindern, erliess der Gemeinderat für das ganze Gemeindegebiet eine Planungszone. Während zwei Jahren werden Baubewilligungsverfahren eingestellt, in dieser Zeit soll auch eine Standortplanung für Antennen jeder Art erstellt werden. Damit sind drei Gesuche von Swisscom Mobile und Sunrise für den Bau von Antennen zumindest vorläufig auf Eis gelegt. Der Gemeinderat von Lyss ist der Ansicht, dass die Versorgungssituation in Lyss derzeit genügend ist und dass es keine neuen Antennen braucht.

Einsprachen und Lob

Gemäss Ruedi Frey, Leiter der Lysser Bauabteilung, ist bisher eine Einsprache des Mobilfunkanbieters Orange eingegangen. Frey rechnet aber damit, dass auch noch Swisscom und Sunrise die Planungszone anfechten werden. Die Einsprachefrist läuft am 9. Juli ab. Wie bei der Swisscom zu erfahren ist, wird das Unternehmen bis zu diesem Datum tatsächlich noch Einsprache erheben. Auf der anderen Seite, der Bevölkerung von Lyss, gab es positive Reaktionen auf die Planungszone. Gerade Anwohner der neuen Standorte hätten das Vorgehen der Gemeinde begrüsst und allgemein «sehr gut» aufgenommen, sagt Frey. Die Baugesuche für neue Natelantennen lösten Ängste wegen Elektrosmog und eine Flut von Einsprachen aus. Der Gemeinderat hat sich mit der Planungszone auf die Seite der besorgten Bürgerinnen und Bürger geschlagen.

Voraussichtlich Mitte August wird es zu Einigungsverhandlungen zwischen der Gemeinde und den Einsprechern kommen. Die Chancen, die widerstrebenden Interessen unter einen Hut zu bringen, sind gering. «Ich nehme aber nicht an, dass es zu einer Einigung kommt», sagt Ruedi Frey.

Keine Einigung in Urtenen

Vorreiter der neuen «Antennen-Verhinderungs-Methode» im Kanton Bern ist die Gemeinde Urtenen-Schönbühl. Hier ist man schon einen Schritt weiter als in Lyss. Die Einspracheverhandlungen haben vor rund zwei Wochen stattgefunden, allerdings mit dem erwarteten Ausgang: Es konnte keine Einigung erzielt werden. «Nun warten wir auf einen Entscheid des Kantons», sagt Swisscom-Mediensprecher Josef Frey. Die Projekte des Unternehmens würden durch die Planungszonen «erheblich verzögert».

Nach dem Scheitern der Verhandlungen muss das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) darüber befinden, ob die Einführung einer Planungszone rechtens ist oder nicht. Bereits im Juni sagte Bruno Küenzi, Stabchef beim AGR in dieser Angelegenheit dem «Bund»: «Eine Planungszone über das ganze Gemeindegebiet zu legen, ist heikel. Ich glaube eher nicht, dass man sie für Antennen verwenden kann.»
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© Tages-Anzeiger linkes Seeufer und Sihltal; 07.07.2006; Seite 7

Horgen, Oberrieden, Hirzel

In Kürze

Einsiedlerstrasse: Handyantenne abgelehnt

wädenswil. Die Baukommission der Stadt Wädenswil hat das Baugesuch für die Erstellung einer Mobilfunkanlage an der Einsiedlerstrasse abgelehnt - mit der Begründung, die UMTS-Antenne störe das Ortsbild. Auf dem Bauamt hat man eine Meldung der «Zürichsee-Zeitung» bestätigt. Die Mobilfunkbetreiberin Sunrise zieht den Entscheid nicht weiter, wie Mediensprecher Manfred Speckert auf Anfrage sagte. (tar)

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© Berner Zeitung; 06.07.2006; Seite 26

TT-Region Thun

uetendorf

Neue Natel-antenne: 204 Einsprachen

Gegen den Bau einer Mobilfunkantenne am Altelsweg in Uetendorf Allmend gibts es 204 Einsprachen.

201 Unterschriften auf einer Sammeleinsprache und drei Einzeleinsprachen von direkten und indirekten Anwohnern sind auf der Gemeinde Uetendorf eingereicht worden. Die Einsprecher geben als Hauptgrund für ihre Opposition an, dass negative Langzeitauswirkungen durch diese Antenne nicht ausgeschlossen werden können. «Wir sind uns der brisanten Situation im Zusammenhang mit Mobilfunkantennen bewusst und nehmen die Einsprachen ernst. Deshalb ist es uns ein Anliegen, darüber offen zu kommunizieren», so Gemeinderat Alois Christen, Vorsteher Ressort Hochbau und Planung.

Anderer Standort?

Über den Bau soll nach gesetzlichen Möglichkeiten entschieden werden. Sollten die Vorschriften der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierenden Strahlen (NISV) von der Gesuchstellerin, der TDC Switzerland AG (Sunrise), nicht eingehalten werden, wird ein Bauabschlag erteilt, so Christen weiter. Die Praxis habe jedoch gezeigt, dass bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften die Gemeinden im Beschwerdefall unterliegen. Deshalb will die Behörde während des Einspracheverfahrens auch prüfen lassen, ob die geplante neue Antenne nicht neben der bereits bestehenden Antenne bei der ARA Thunersee gebaut werden könnte. dsu

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© Die Weltwoche; 06.07.2006; Seite 20; Nummer 27

Diese Woche

Das Gute von oben

Peter Bodenmann

Bundesrat Christoph Blocher hat Alt-Swisscom-Chef Jens Alder öffentlich vorgeführt und erfolgreich aus dem Amt gejagt. Jetzt taucht Jens Alder wieder auf. Er wird neu CEO der dänischen Telekommunikationsfirma TDC, deren Tochter Sunrise in der Schweiz bereits drei Milliarden Franken Umsatz macht. Dümmer geht's nimmer.

TDC gehört sechs amerikanischen Heuschrecken, sprich sogenannten Private-Equity-Fonds. Alder soll die einst dänische TDC auf Vordermann bringen, damit das Unternehmen mit grossem Gewinn weiterverkauft werden kann. Ob dies gelingt, hängt auch von technischen Entwicklungen ab. Nur wer hier die Nase vorn hat, kann im Verhältnis zur Konkurrenz punkten.

Vor zwanzig Jahren kam der mittellose iranische Erfinder Kamal Alavi in die Schweiz. Heute kommt ohne Geld kein Iraner mehr in die Schweiz. Kamal Alavi ist ein genialer Tüftler. Seine neueste patentgeschützte Idee ist die X-Station: Ein sechzig Meter langer, mit Helium gefüllter Zeppelin steigt auf über 20 000 Meter Höhe. Hier erreichen die Winde eine Geschwindigkeit von 150 Kilometern, mehr als die Höchstgeschwindigkeiten auf Schweizer Autobahnen. Weil die Luft da oben zwanzigmal dünner ist als an der Zürcher Goldküste, mussten die Techniker einen Weg finden, den Ballon zu stabilisieren.

Der mit Solarzellen bestückte Zeppelin trägt einen tausend Kilogramm schweren Flugkörper. Dieser hält dank grossen solarstrombetriebenen Propellern die gesamte X-Station drei Jahre lang in der gleichen geostationären Position. Im Flugkörper selber befinden sich jede Menge Empfänger, Sender und Kameras. Die X-Station sendet digitale Radio- und Fernsehprogramme. Über die X-Station läuft der Handyverkehr, und alles, was sich auf der nicht von Wolken verhangenen Erde bewegt, kann in Echtzeit gefilmt werden. Erfreulicher Nebeneffekt für alle Strahlengeplagten in der Schweiz: Die Strahlung dürfte tausendmal geringer ausfallen als bei den heutigen terrestrischen Antennen.

Mit einer einzigen X-Station kann man die ganze Schweiz abdecken, und trotzdem soll das Wunderding ­ wenn Kamal Alavi richtig rechnet ­ nicht mehr als vierzig Millionen Franken kosten. Dafür scheint einiges zu sprechen: Die staatliche Ruag und nicht weniger als vier Schweizer Universitäten arbeiten unter der ETH-Projektleiterin Dr. Carmen Kobe an diesem faszinierenden Projekt. Und für den Ruag-Ingenieur Michel Guillaume steht fest: Die X-Station wird funktionieren. Ein erster Prototyp soll schon nächstes Jahr aufsteigen.

Bahnt sich am Himmel eine Revolution an? Ist der Iraner Alavi dank Schweizer Technologie vor den Amerikanern am Ziel? Kann die Swisscom als erstes Unternehmen ganz Europa mit 22 X-Stationen aus der Luft digital rundum versorgen? Rentabler Service public pour l'Europe.

Staatliche Swisscom, staatliche Ruag, staatliche Hochschulen und Unis und ein Iraner, der unbedingt in der Schweiz produzieren will. Anstatt sich um Käfigeier zu kümmern, müssten unsere Bundesräte versuchen, ein Meisterstück staatlicher Industriepolitik voranzutreiben.

Vermutlich wird Jens Alder im Interesse der amerikanischen Heuschrecken schneller sein. Denn sowohl Swisscom wie Bundesrat waren, sind und bleiben bis auf weiteres paralysiert.

Der Autor ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.