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Geistiger Stratosphären-Flug

Verfasst: 2. Oktober 2006 08:31
von A. Masson
Als Leserbrief eingesandt:

Die in Baar (nicht in Walchwil) ansässige Firma StratXX will mit einem Stratosphären-Ballon ins Mobilfunkgeschäft kommen. Die Firma ist klein, aber das Marketing beherrscht sie perfekt: Zuerst eine gute Stimmung schaffen! Vom Ersatz der bisherigen Antennen und von riesigen Versorgungsgebieten bis 1000 km Durchmesser ist die Rede, und mit grotesk verzerrten Darstellungen wird geworben: 21 km Flughöhe ist wie die Distanz von Baar zum Rotsee – das „All“ ist noch weit weg!

Kommen wir auf den Boden herunter, bleiben wir realistisch. Die zur Verfügung stehenden Funkfrequenzen reichen nicht entfernt aus, um die Gespräche solch riesiger Gebiete aufzunehmen. Die Mobilfunktechnik lebt davon, dass sich in Menzingen, in Sihlbrugg, am Kolinplatz und in Walchwil immer wieder dieselben Frequenzen verwenden lassen. Bereits als ich beim Bahnhof Zug vorschlug, die Antennen zuoberst auf dem Dach zu bauen (statt seitlich an den Lüftungsaufbauten, d.h. auf Kopfhöhe des Wartungspersonals), befürchtete Orange schon „Überreichweiten“ – die Antennen wären bloss fünf Meter höher gekommen. Die Behörden glaubten alles und unterschrieben brav. Jetzt geht man auf 21 km hoch, und es gibt keine Überreichweiten … darf ich lachen ?

Hier ein besseres Bild der Geschäftsidee: Die bisherigen Antennen bleiben alle bestehen, keine einzige wird abgestellt. Nach UMTS kommt jetzt WiMax, die vierte Generation. Die Konzession ist bereits vergeben, es braucht wieder zusätzliche Antennen. Die Bewilligungsverfahren sind mühsam, ein Ballon kommt gerade recht. Die Verbindung zum Kunden erfolgt bei höheren Frequenzen, und mit fest montierten, auf den Ballon ausgerichteten Antennen – nix von Handy! Liebe StratXX, machen Sie uns kein X für ein U vor, sonst werden Sie StratXXX. Reden Sie technischen Klartext, und der lautet: Die Strahlung wird mit Ihrem Ballon nicht abnehmen, sondern schon wieder zunehmen.

A. Masson