Neue Luzerner Zeitung; 03.03.2007
Mobilfunkantenne in Baar
Naturheiler machen mobil
Sunrise hat sich keinen Platz an der Sonne für seine neue Antenne ausgesucht: Ganz in der Nähe steht eine Naturheilpraxis. Schon Orange hatte dort kein Glück.
Von Isabelle Meier
So sicher wie das Amen in der Kirche: Kaum steht ein Baugespann für eine Natelantenne, hagelt es auf der Gemeinde Einsprachen. «Zwei sind bereits eingetroffen», sagt Baars Gemeindeschreiber Walter Lipp.
Und dabei wird es nicht bleiben, denn der Widerstand gegen Mobilfunkantennen ist gross: Jeder braucht sie, keiner will sie. Seit einer Woche steht auf dem Dach des Wohn- und Gewerbegebäudes an der Neugasse 11, unmittelbar nach der Bahnunterführung in Richtung Blickensdorf, ein neues Baugespann. Sunrise plant eine 19 Meter hohe UMTS-Mobilfunkanlage.
Haus zur Eibe hat keine Freude
Im Haus zur Eibe, das sich an der Neugasse 18 befindet, liegt auch schon eine Einsprache bereit. «Wir werden sie demnächst einreichen», sagt Bernard Bischoff. Der Feng-Shui-Berater bildet zusammen mit sechzehn Akupunkteurinnen, Kinesiologinnen, psychologischen Beratern, Heilpraktikern und Homöopathen das Eibe-Team, eine Gruppe von Naturheilpraktikern, die im Haus zur Eibe ihre Praxen haben. «Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns gegen diese Antenne wehren», sagt Bischoff. Das Eibe-Team plädiert für einen bewussten Umgang mit dem Handy. Wer das Haus betritt, muss sein Natel ausschalten.
Orange ist abgeblitzt
Die Naturheilpraxen haben Erfahrung im Kampf gegen Antennen. Vor sechs Jahren hatte Orange ganz in der Nähe, auf der anderen Seite der Bahnunterführung, eine Antenne geplant. Ein frei stehender Mast von ebenfalls 19 Meter Höhe sollte gebaut werden. Die Praxisgemeinschaft war eine von über 20 Betroffenen, die Einsprache erhoben haben. Mit Erfolg: Der Gemeinderat hatte das Baugesuch abgelehnt aus Ortsbildschutzgründen, wie aus dem Entscheid des Gemeinderats vom September 2001 hervorgeht. Man wollte den Bahnhofplatz schützen. Orange hatte den Gemeinderatsbeschluss vor dem Regierungsrat angefochten, dann aber die Frist verpasst, um die Anzahlung von rund 800 Franken Bearbeitungskosten zu bezahlen, wie ein Einsprecher erzählt.
Ob auch die geplante Sunrise-Antenne wegen Ortsbildschutzes durchfallen wird? «Jeder Standort ist separat zu beurteilen», sagt Urs Spillmann, Leiter der Bauabteilung. Es seien unterschiedliche Kriterien für die Eingliederung ins Ortsbild massgeblich.
Ob der Gemeinderat auch diesmal die Baubewilligung nicht erteilen wird, kann er nicht sagen: «Wir werden alle Einsprachen sichten und prüfen. Wie üblich wird bei einem derartigen Baugesuch das Amt für Umweltschutz zur Beratung beigezogen», so Spillmann. Anschliessend werde der Gemeinderat über die Einsprachen und das Gesuch befinden.
«Geist hat sich geändert»
Vor vier Jahren hat das Haus zur Eibe zudem gegen den Bau einer Antenne an der Landhausstrasse Einsprache erhoben. Auch diese wurde nicht gebaut. «Die Umgebung des Bahnhofes Baar wird von Messexperten als eine der am meisten durch Elektrosmog belasteten Standorte beurteilt», hiess es darin. Ob auch diese Antenne verhindert werden kann, ist sich Bernard Bischoff nicht sicher: «Der Umgang mit dem Natel ist in den letzten Jahren sorgloser geworden. Der Geist hat sich geändert.»