Ausbruch
Verfasst: 21. Juni 2011 20:52
Am 16.1.2001 habe ich folgenden Brief (mit mehr als 1000 Zeichen...) verschickt
Lieber …
Seit rund einem Monat bin ich krankgeschrieben und habe meine innere Ruhe trotz aller Bemühungen noch nicht wieder finden können. Der medizinische General-Check hat ergeben, dass ich körperlich kerngesund bin. Seit einem Jahr bin ich glücklich verheiratet und Vater einer sehr pflegeleichten Tochter die uns praktisch nur Freude bereitet und mir im Moment zusammen mit meiner Frau starken Halt gibt. Nach dem Ausschluss aller denkbaren Faktoren (Ausgewogene Ernährung, genügend Ausruhemöglichkeit, dreimal wöchentlich Sport, viel frische Luft, Reduktion und seit drei Monaten gänzlicher Verzicht auf Zigaretten, mässiger Alkoholkonsum, keine sonstigen Drogen, keine Medikamente, Einnahme des Aufbaupräparates Dynamisan forte) bin ich mangels einer plausiblen Alternative zur Ueberzeugung gelangt, wohl elektrosensibel zu sein. Im Umkreis von rund 100 Metern von meinem Arbeitsplatz im Zentrum von … hat es fünf Mobilfunkantennen (…). Bei meinem Wohn- und Schlafort beträgt die Distanz zu zwei Funkantennen auf dem … Gebäude immerhin mehrere hundert Meter. Verschiedene persönliche Tests der Empfindungen von gleichen Situationen oder Tätigkeiten an verschiedenen Orten geben mir die Zuversicht, dass ich mir nicht alles bloss einbilde. Zudem waren die Symptome da bevor ich die Funkstrahlen zu „verdächtigen“ begann. Angefangen hat es vor ca. einem Jahr mit Augenbeschwerden, kleinen Sehstörungen, leichter innerer Unruhe und gefühlsmässig stärkerer Ermüdung auch durch routinemässige und einfache Erledigungen. Erst letzthin wurde mir ein möglicher Zusammenhang klar, da etwa zu dieser Zeit eine zweite Antenne auf dem …-Gebäude errichtet worden war. Wann die anderen Funkantennen aufgestellt wurden, ist mir nicht bekannt. Ueber mehrere Monate hinweg begann sich in der Folge die Stressspirale zu drehen und ich fand kein Mittel, den Verlauf zu stoppen. Kleine und auch deutliche Alarmzeichen habe ich verdrängt und auch nicht wahrhaben wollen. Der Erholungswert von drei Wochen Ferien im letzten Sommer war im Nu verflogen. Ich begann mehr und mehr auf dem Zahnfleisch zu laufen und zwang mich durchzubeissen, dachte mit dem Ausschluss aller möglicher Störfaktoren werde sich schon wieder alles zum Guten wenden. Zuletzt hatte ich bleischwere Beine, einen permanenten kopfwehähnlichen Druck auf der Stirn, verstärkte Augenbeschwerden mit stark vergrösserten schwimmenden Flecken, sporadisches Brennen in Fingerspitzen und Zehen, vernünftigerweise völlig unbegründete leicht paranoide Ansätze, etwas das einen ganz stark hinunterdrückte und oft das Aufstehen ganz erheblich erschwerte, die hauptsächlich am Arbeitsplatz, und zudem war ich häufig gedanklich nicht ganz bei der Sache, viel vergesslicher als je zuvor und musste mich immer stärker zur Konzentration zwingen, um Fehler zu vermeiden. Als ich dann den Artikel im Facts vom 7.12.2000 las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich zog den Elektrosmog erstmals als möglichen Stressfaktor und Mit- wenn nicht Haupt-Ursache meiner gesundheitlichen Beschwerden in Betracht. Elf Tage später hatte ich nach diversen Alarmsignalen beinahe einen vollständigen Kollaps, was mich zwang, nun endlich einen Arzt aufzusuchen. Nach dem Artikel zum Thema im letzten Beobachter, wonach es offenbar bereits diverse Bürgerinitiativen an verschiedenen Orten gibt bzw. gegeben hat, habe ich gedacht, jetzt wird etwas gehen, das geht um die Volksgesundheit und damit längerfristig sicher alle an, muss Chefsache sein, wird sofort und umfassend schweizweit angegangen oder zumindest thematisiert werden. Es ist sodann immer schwieriger, den Antennen aus dem Weg zu gehen, „Flucht“ hilft da zweifellos je länger desto weniger. Ich leide zuhause zeitweise bis zur Unerträglichkeit und schlafe kaum noch. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner jungen Familie. Schriftlich fällt es mir leichter, meine Gedanken zu formulieren. Der hiermit gewählte Schritt soll deshalb sicherstellen, dass dieser neuartige Problembereich umgehend breit thematisiert und untersucht wird. Es ist mir insbesondere nicht klar, wieso die Funkantennen in unmittelbarer Nähe von Menschen stehen und nicht auf einem Berg oder wenigstens dezentral aufgestellt werden. Ich bin aufgrund eigener Wahrnehmung an diversen Orten der festen Ueberzeugung, dass der gesetzliche Grenzwert von mindestens einem Anbieter eindeutig wenn nicht massiv überschritten wird. Dieser Typ Antenne steht – wie ich seit letztem Wochenende weiss – auch auf dem …-Gebäude in …
Letztes Wochenende sind wir in die Berge gefahren. An der Autobahn Egerkingen bis Bulle stehen in ziemlich regelmässigen Abständen in unmittelbarer Fahrbahnnähe Mobilfunkantennen in verschiedenen Erscheinungsformen. Mir wurde leicht zunehmend die Kehle eingeschnürt und ich hatte mit kurzer Verzögerung, nicht „hammermässig“, einen Druck auf der Stirn. Mit der Zeit konnte ich solche unterscheiden, die mich stärker belasteten und solche die ich im vorbeifahren vergleichsweise kaum wahrnahm. Bei der Raststätte La Gruyère musste ich eine Pause einlegen. Auf dem Jaunpass angelangt fand ich nach einiger Zeit die lang ersehnte „Ruhe“. Ich habe die ganze Nacht wachgelegen und kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen derart klaren Kopf hatte. Ich hatte das Büchlein von Moritz Leuenberger mitgenommen und konnte erstmals seit Jahren völlig unbeschwert und mit Lust lesen, trotz leicht erschöpfter Grundverfassung, aber mit der Gewissheit, möglicherweise die Ursache meines seit Jahren ständig präsent gewesenen leichten Unwohlseins gefunden zu haben. Am Folgetag haben wir den Winterwanderweg benutzt und sind etwas abseits hinter einer Anhöhe gelegen – natürlich – auf eine Mobilfunkantenne gestossen. Wir sind in nächster Nähe daran vorbeigelaufen. Mir war selbstverständlich mulmig, ich habe aber nur eine schwache Belastung gespürt. Das Auftreten verschiedener Symptomstärken hat meine Ueberzeugung bestärkt, dass es nicht die blosse Präsenz einer Antenne ist, die mich belastet. Die Rückfahrt wollte ich nicht mehr auf der Autobahn bewältigen und wir suchten einen Weg auf Haupt- und Nebenstrassen heraus. Alle paar Orte hatte es eine Antenne und ich wusste mit der Zeit, bei welcher Antennenart ich wohl stärkere Symptome haben würde – jedes Mal ein Volltreffer. Besonders erwähnen möchte ich noch einen Abstecher in Langenthal. Ich hatte vor einigen Wochen einen Artikel gelesen über eine auffällige und unerklärliche Häufung von Suiziden im Bahnhof von Langenthal. Ich habe deshalb beim Kreisel einen Abstecher Richtung Zentrum gemacht und nach kurzer Zeit zwei Antennen auf einem Gebäudedach gesehen. Das ist mir gründlich in die Knochen gefahren. Ich bin ohne Suche nach möglichen weiteren Funkantennen umgekehrt. Ich denke es besteht da ein möglicher Zusammenhang.
„Man hat dir gar nichts angemerkt“ wurde mir gesagt. Mir kommt da nur Andy Hug in den Sinn, bei dem es plötzlich ganz rasant bergab ging. Welche Risikofaktoren bei ihm eine Rolle spielten ist mir nicht bekannt, würde mich aber brennend interessieren.
Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken zu meiner eigenen Gesundheit und zu jener von anderen Menschen in meinem engeren und weiteren Umfeld gemacht. Mein Bauch sagt mir, dass wir zwar günstiger telefonieren, dass es aber vielen Leuten erheblich schlechter geht als noch vor rund einem Jahr. Besonders häufig ist mir das aufgefallen bei Menschen, die in mehr als einem oder ganz nahe bei einem elektrosmogkritischen Bereich leben. Es ist mir klar, dass eine enorme Vielzahl möglicher Ursachen für den gesundheitlichen Zustand eines Menschen in Frage kommen und unterschiedliche Resistenzen bestehen, aber möglicherweise existiert doch eine gewisse lokal bedingte Häufungstendenz. Ich möchte nur, dass die Strahlung als mögliche Teilursache ernstgenommen wird. Ich glaube, dass wir nicht einfach mehr Ferien (Helvetic Tours), sondern vor allem weniger Strahlung in unserem näheren Umfeld brauchen. Dass Schlafstörungen häufiger auftreten und der Absatz von Psychopharmaka stark angestiegen ist, war der Zeitung zu entnehmen. Die Schwierigkeiten, einen Termin beim Augenarzt zu erhalten, deuten auf gehäufte Augenprobleme hin und würden meines Erachtens eine systematische Untersuchung der eventuell spezifisch in den letzten Monaten aufgetretenen Symptome rechtfertigen. Ich frage mich, ob es auch da gewisse ortsbedingte Häufungen gibt. Ich selber hätte mich gegen die Verschreibung eines nichtpflanzlichen Medikaments gewehrt, bevor nicht sämtliche nahe liegenden, allenfalls auch mit nicht ganz einfachen Veränderungen verbundenen Ursachen ausgeschlossen werden können. Ich habe mich auch nie eigentlich depressiv gefühlt, ich hatte auch keinen Grund. Einziger Anlass wäre gewesen, dass ich im 1998 auch im zweiten Prüfungs-Anlauf nicht reüssiert habe, aber ich wusste für mich mit Gewissheit, dass mich dies gar nicht derart stark belastete, da ich eine Arbeitsstelle habe die für mich in allen wesentlichen Faktoren stimmt. Unter Einbezug aller übrigen Elemente sagte ich mir, müsste ich eigentlich rundum glücklich sein können. Aber da war in letzter Zeit ein unerklärlicher immer stärker werdender Störfaktor. Ich habe mich auch gefragt, wieso gerade ich solche Reaktionen habe. Vielen vergleichsweise günstigen Faktoren muss eine erhöhte Sensibilität entgegenstehen. Im Jahre 1991 hatte ich erstmals nennenswerte Augenbeschwerden mit kleinen schwimmenden Flecken und zwar ungefähr nach einem Zahnarzttermin mit mehreren zusätzlichen Amalgamfüllungen. Ich brauchte in der Folge eine neue Brillenkorrektur und als keine Besserung eintrat, dachte ich es stimme etwas mit der Brille nicht. Ein Besuch beim Augenarzt brachte kein Ergebnis. Zu dieser Zeit war von Amalgam als mögliche Ursache für gesundheitliche Probleme die Rede. Ich hatte damals weder Gewissheit noch das nötige Geld zur Verfügung und nahm mir eine Sanierung für später vor, zumal ich mit den Beschwerden leben konnte. Mitte 1995 habe ich meine heutige Stelle angetreten. Im Herbst 1995 liess ich das Amalgam ersetzen. Die erhoffte „Befreiung“ ist nicht eingetreten, die Beschwerden waren nach meinem Empfinden lediglich leicht anders, ich war natürlich ziemlich enttäuscht. Im Nachhinein war mir klar, dass möglicherweise die Belastung durch das Amalgam durch die Strahlenbelastung der Swisscom-Antenne auf dem …-Gebäude abgelöst wurde.
Im Facts war letzthin von einer Giftspritze ins Hirn gegen chronisches Kopfweh zu lesen. Meines Erachtens müsste vor dem Einsatz eines solchen massiven und wohl nicht ganz ungefährlichen Mittels auch die – vielleicht nicht ganz unmittelbare aber doch ausreichende – Nähe einer Antenne als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Dafür braucht es natürlich zuerst ein Problembewusstsein. Mich würde deshalb eine Umfrage über die Befindlichkeit der Menschen interessieren, die wie ich schon längere Zeit in mindestens einem kritischen Bereich leben und allenfalls weitere Stressfaktoren (Beziehungsprobleme, Geld, Arbeitsstelle, etc.) oder eine bereits beeinträchtigte Gesundheit aufweisen. Ich frage mich, wie die Inbetriebnahme einer Antenne erfolgt, ob und von wem die Einhaltung des Grenzwertes gemessen wird, ob anschliessend eine Art Plombierung erfolgt, wie einfach die Strahlungsstärke erhöht werden könnte, wenn z.B. Kunden wegen schlechtem Empfang mit Abonnements-Kündigung drohen. Ich weiss nicht, ob es eine Kontrollbehörde gibt, die von Amtes wegen Messungen durchführt. Gespannt bin ich auch auf Reichweite und Auswirkungen der Strahlungen, die ich auch in Tiefgaragen und Kellerräumen noch spüre. Meines Erachtens wäre es notwendig, ein Inventar sämtlicher Antennen in der Schweiz aufzunehmen und auch sinnvoll, bei unerklärlichen, sinnlosen, krassen Vorfällen oder Straftaten – wie sie m.E. in letzter Zeit gehäuft auftreten – im Rahmen einer Ursachenabklärung genauso wie z.B. eine allfällige Alkoholisierung auch zu prüfen, ob der Arbeits- und/oder Wohnort der betreffenden Person im kritischen Bereich einer Antenne liegt. Beim Bund laufen glaublich Studien zum Thema. Inhalt und Stand sind mir nicht bekannt. Nach meiner Auffassung müsste nun rasch etwas gehen. Sollte nach den gesetzlichen Bestimmungen über nichtionisierende Strahlung Handlungsbedarf gegeben sein, sobald eine Gefährdung bestehen könnte, so liegen dafür meines Erachtens genügend Indizien vor. Ich befürchte, dass sukzessive die nächst schwächeren und mit der Zeit immer mehr Menschen betroffen sein werden.
Mit freundlichen Grüssen und in der Zuversicht, meine Arbeit bald wieder aufnehmen zu können
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Die erforderliche Dauer bis zur Rekonvaleszenz und damit die Gravität der Problematik habe ich eindeutig falsch eingeschätzt. Nach mehreren schweren Erschöpfungsdepressionen und erfolglosen Wiedereinstiegsversuchen bin ich aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Seit bald zwei Jahre versuche ich, mich an einem stressgeschützten Arbeitsplatz auf einem langsamen Weg zurück in die Arbeitswelt zu kämpfen. Erfolg oder Misserfolg wird auch davon abhängen, ob die Strahlenbelastung gesenkt werden kann, oder aber ob die Gesamtstrahlenbelastung weiter ansteigt.
Die Rücksichtslosigkeit der Industrie habe ich völlig unterschätzt.
Rückblickend anders machen würde ich:
- In der Jugend besser die Zähne putzen
- Früher ein konstruktives Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen
- Nicht erst (typisch männlich) nach dem faktischen Kollaps, sondern frühzeitig einen vertrauenswürdigen Hausarzt suchen
- Ansonsten und ob das gereicht hätte? Keine Ahnung
Meine Motivation:
- Empörung über die menschenverachtende Rücksichtslosigkeit der Industrie
- Hilfsbereitschaft und Unterstützung für bereits Betroffene und Gefährdete: Wenn auch nur einem Menschen erspart werden kann, was ich durchgemacht habe und noch immer durchmache, dann hat sich mein Engagement bereits gelohnt
Lieber …
Seit rund einem Monat bin ich krankgeschrieben und habe meine innere Ruhe trotz aller Bemühungen noch nicht wieder finden können. Der medizinische General-Check hat ergeben, dass ich körperlich kerngesund bin. Seit einem Jahr bin ich glücklich verheiratet und Vater einer sehr pflegeleichten Tochter die uns praktisch nur Freude bereitet und mir im Moment zusammen mit meiner Frau starken Halt gibt. Nach dem Ausschluss aller denkbaren Faktoren (Ausgewogene Ernährung, genügend Ausruhemöglichkeit, dreimal wöchentlich Sport, viel frische Luft, Reduktion und seit drei Monaten gänzlicher Verzicht auf Zigaretten, mässiger Alkoholkonsum, keine sonstigen Drogen, keine Medikamente, Einnahme des Aufbaupräparates Dynamisan forte) bin ich mangels einer plausiblen Alternative zur Ueberzeugung gelangt, wohl elektrosensibel zu sein. Im Umkreis von rund 100 Metern von meinem Arbeitsplatz im Zentrum von … hat es fünf Mobilfunkantennen (…). Bei meinem Wohn- und Schlafort beträgt die Distanz zu zwei Funkantennen auf dem … Gebäude immerhin mehrere hundert Meter. Verschiedene persönliche Tests der Empfindungen von gleichen Situationen oder Tätigkeiten an verschiedenen Orten geben mir die Zuversicht, dass ich mir nicht alles bloss einbilde. Zudem waren die Symptome da bevor ich die Funkstrahlen zu „verdächtigen“ begann. Angefangen hat es vor ca. einem Jahr mit Augenbeschwerden, kleinen Sehstörungen, leichter innerer Unruhe und gefühlsmässig stärkerer Ermüdung auch durch routinemässige und einfache Erledigungen. Erst letzthin wurde mir ein möglicher Zusammenhang klar, da etwa zu dieser Zeit eine zweite Antenne auf dem …-Gebäude errichtet worden war. Wann die anderen Funkantennen aufgestellt wurden, ist mir nicht bekannt. Ueber mehrere Monate hinweg begann sich in der Folge die Stressspirale zu drehen und ich fand kein Mittel, den Verlauf zu stoppen. Kleine und auch deutliche Alarmzeichen habe ich verdrängt und auch nicht wahrhaben wollen. Der Erholungswert von drei Wochen Ferien im letzten Sommer war im Nu verflogen. Ich begann mehr und mehr auf dem Zahnfleisch zu laufen und zwang mich durchzubeissen, dachte mit dem Ausschluss aller möglicher Störfaktoren werde sich schon wieder alles zum Guten wenden. Zuletzt hatte ich bleischwere Beine, einen permanenten kopfwehähnlichen Druck auf der Stirn, verstärkte Augenbeschwerden mit stark vergrösserten schwimmenden Flecken, sporadisches Brennen in Fingerspitzen und Zehen, vernünftigerweise völlig unbegründete leicht paranoide Ansätze, etwas das einen ganz stark hinunterdrückte und oft das Aufstehen ganz erheblich erschwerte, die hauptsächlich am Arbeitsplatz, und zudem war ich häufig gedanklich nicht ganz bei der Sache, viel vergesslicher als je zuvor und musste mich immer stärker zur Konzentration zwingen, um Fehler zu vermeiden. Als ich dann den Artikel im Facts vom 7.12.2000 las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich zog den Elektrosmog erstmals als möglichen Stressfaktor und Mit- wenn nicht Haupt-Ursache meiner gesundheitlichen Beschwerden in Betracht. Elf Tage später hatte ich nach diversen Alarmsignalen beinahe einen vollständigen Kollaps, was mich zwang, nun endlich einen Arzt aufzusuchen. Nach dem Artikel zum Thema im letzten Beobachter, wonach es offenbar bereits diverse Bürgerinitiativen an verschiedenen Orten gibt bzw. gegeben hat, habe ich gedacht, jetzt wird etwas gehen, das geht um die Volksgesundheit und damit längerfristig sicher alle an, muss Chefsache sein, wird sofort und umfassend schweizweit angegangen oder zumindest thematisiert werden. Es ist sodann immer schwieriger, den Antennen aus dem Weg zu gehen, „Flucht“ hilft da zweifellos je länger desto weniger. Ich leide zuhause zeitweise bis zur Unerträglichkeit und schlafe kaum noch. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner jungen Familie. Schriftlich fällt es mir leichter, meine Gedanken zu formulieren. Der hiermit gewählte Schritt soll deshalb sicherstellen, dass dieser neuartige Problembereich umgehend breit thematisiert und untersucht wird. Es ist mir insbesondere nicht klar, wieso die Funkantennen in unmittelbarer Nähe von Menschen stehen und nicht auf einem Berg oder wenigstens dezentral aufgestellt werden. Ich bin aufgrund eigener Wahrnehmung an diversen Orten der festen Ueberzeugung, dass der gesetzliche Grenzwert von mindestens einem Anbieter eindeutig wenn nicht massiv überschritten wird. Dieser Typ Antenne steht – wie ich seit letztem Wochenende weiss – auch auf dem …-Gebäude in …
Letztes Wochenende sind wir in die Berge gefahren. An der Autobahn Egerkingen bis Bulle stehen in ziemlich regelmässigen Abständen in unmittelbarer Fahrbahnnähe Mobilfunkantennen in verschiedenen Erscheinungsformen. Mir wurde leicht zunehmend die Kehle eingeschnürt und ich hatte mit kurzer Verzögerung, nicht „hammermässig“, einen Druck auf der Stirn. Mit der Zeit konnte ich solche unterscheiden, die mich stärker belasteten und solche die ich im vorbeifahren vergleichsweise kaum wahrnahm. Bei der Raststätte La Gruyère musste ich eine Pause einlegen. Auf dem Jaunpass angelangt fand ich nach einiger Zeit die lang ersehnte „Ruhe“. Ich habe die ganze Nacht wachgelegen und kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen derart klaren Kopf hatte. Ich hatte das Büchlein von Moritz Leuenberger mitgenommen und konnte erstmals seit Jahren völlig unbeschwert und mit Lust lesen, trotz leicht erschöpfter Grundverfassung, aber mit der Gewissheit, möglicherweise die Ursache meines seit Jahren ständig präsent gewesenen leichten Unwohlseins gefunden zu haben. Am Folgetag haben wir den Winterwanderweg benutzt und sind etwas abseits hinter einer Anhöhe gelegen – natürlich – auf eine Mobilfunkantenne gestossen. Wir sind in nächster Nähe daran vorbeigelaufen. Mir war selbstverständlich mulmig, ich habe aber nur eine schwache Belastung gespürt. Das Auftreten verschiedener Symptomstärken hat meine Ueberzeugung bestärkt, dass es nicht die blosse Präsenz einer Antenne ist, die mich belastet. Die Rückfahrt wollte ich nicht mehr auf der Autobahn bewältigen und wir suchten einen Weg auf Haupt- und Nebenstrassen heraus. Alle paar Orte hatte es eine Antenne und ich wusste mit der Zeit, bei welcher Antennenart ich wohl stärkere Symptome haben würde – jedes Mal ein Volltreffer. Besonders erwähnen möchte ich noch einen Abstecher in Langenthal. Ich hatte vor einigen Wochen einen Artikel gelesen über eine auffällige und unerklärliche Häufung von Suiziden im Bahnhof von Langenthal. Ich habe deshalb beim Kreisel einen Abstecher Richtung Zentrum gemacht und nach kurzer Zeit zwei Antennen auf einem Gebäudedach gesehen. Das ist mir gründlich in die Knochen gefahren. Ich bin ohne Suche nach möglichen weiteren Funkantennen umgekehrt. Ich denke es besteht da ein möglicher Zusammenhang.
„Man hat dir gar nichts angemerkt“ wurde mir gesagt. Mir kommt da nur Andy Hug in den Sinn, bei dem es plötzlich ganz rasant bergab ging. Welche Risikofaktoren bei ihm eine Rolle spielten ist mir nicht bekannt, würde mich aber brennend interessieren.
Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken zu meiner eigenen Gesundheit und zu jener von anderen Menschen in meinem engeren und weiteren Umfeld gemacht. Mein Bauch sagt mir, dass wir zwar günstiger telefonieren, dass es aber vielen Leuten erheblich schlechter geht als noch vor rund einem Jahr. Besonders häufig ist mir das aufgefallen bei Menschen, die in mehr als einem oder ganz nahe bei einem elektrosmogkritischen Bereich leben. Es ist mir klar, dass eine enorme Vielzahl möglicher Ursachen für den gesundheitlichen Zustand eines Menschen in Frage kommen und unterschiedliche Resistenzen bestehen, aber möglicherweise existiert doch eine gewisse lokal bedingte Häufungstendenz. Ich möchte nur, dass die Strahlung als mögliche Teilursache ernstgenommen wird. Ich glaube, dass wir nicht einfach mehr Ferien (Helvetic Tours), sondern vor allem weniger Strahlung in unserem näheren Umfeld brauchen. Dass Schlafstörungen häufiger auftreten und der Absatz von Psychopharmaka stark angestiegen ist, war der Zeitung zu entnehmen. Die Schwierigkeiten, einen Termin beim Augenarzt zu erhalten, deuten auf gehäufte Augenprobleme hin und würden meines Erachtens eine systematische Untersuchung der eventuell spezifisch in den letzten Monaten aufgetretenen Symptome rechtfertigen. Ich frage mich, ob es auch da gewisse ortsbedingte Häufungen gibt. Ich selber hätte mich gegen die Verschreibung eines nichtpflanzlichen Medikaments gewehrt, bevor nicht sämtliche nahe liegenden, allenfalls auch mit nicht ganz einfachen Veränderungen verbundenen Ursachen ausgeschlossen werden können. Ich habe mich auch nie eigentlich depressiv gefühlt, ich hatte auch keinen Grund. Einziger Anlass wäre gewesen, dass ich im 1998 auch im zweiten Prüfungs-Anlauf nicht reüssiert habe, aber ich wusste für mich mit Gewissheit, dass mich dies gar nicht derart stark belastete, da ich eine Arbeitsstelle habe die für mich in allen wesentlichen Faktoren stimmt. Unter Einbezug aller übrigen Elemente sagte ich mir, müsste ich eigentlich rundum glücklich sein können. Aber da war in letzter Zeit ein unerklärlicher immer stärker werdender Störfaktor. Ich habe mich auch gefragt, wieso gerade ich solche Reaktionen habe. Vielen vergleichsweise günstigen Faktoren muss eine erhöhte Sensibilität entgegenstehen. Im Jahre 1991 hatte ich erstmals nennenswerte Augenbeschwerden mit kleinen schwimmenden Flecken und zwar ungefähr nach einem Zahnarzttermin mit mehreren zusätzlichen Amalgamfüllungen. Ich brauchte in der Folge eine neue Brillenkorrektur und als keine Besserung eintrat, dachte ich es stimme etwas mit der Brille nicht. Ein Besuch beim Augenarzt brachte kein Ergebnis. Zu dieser Zeit war von Amalgam als mögliche Ursache für gesundheitliche Probleme die Rede. Ich hatte damals weder Gewissheit noch das nötige Geld zur Verfügung und nahm mir eine Sanierung für später vor, zumal ich mit den Beschwerden leben konnte. Mitte 1995 habe ich meine heutige Stelle angetreten. Im Herbst 1995 liess ich das Amalgam ersetzen. Die erhoffte „Befreiung“ ist nicht eingetreten, die Beschwerden waren nach meinem Empfinden lediglich leicht anders, ich war natürlich ziemlich enttäuscht. Im Nachhinein war mir klar, dass möglicherweise die Belastung durch das Amalgam durch die Strahlenbelastung der Swisscom-Antenne auf dem …-Gebäude abgelöst wurde.
Im Facts war letzthin von einer Giftspritze ins Hirn gegen chronisches Kopfweh zu lesen. Meines Erachtens müsste vor dem Einsatz eines solchen massiven und wohl nicht ganz ungefährlichen Mittels auch die – vielleicht nicht ganz unmittelbare aber doch ausreichende – Nähe einer Antenne als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Dafür braucht es natürlich zuerst ein Problembewusstsein. Mich würde deshalb eine Umfrage über die Befindlichkeit der Menschen interessieren, die wie ich schon längere Zeit in mindestens einem kritischen Bereich leben und allenfalls weitere Stressfaktoren (Beziehungsprobleme, Geld, Arbeitsstelle, etc.) oder eine bereits beeinträchtigte Gesundheit aufweisen. Ich frage mich, wie die Inbetriebnahme einer Antenne erfolgt, ob und von wem die Einhaltung des Grenzwertes gemessen wird, ob anschliessend eine Art Plombierung erfolgt, wie einfach die Strahlungsstärke erhöht werden könnte, wenn z.B. Kunden wegen schlechtem Empfang mit Abonnements-Kündigung drohen. Ich weiss nicht, ob es eine Kontrollbehörde gibt, die von Amtes wegen Messungen durchführt. Gespannt bin ich auch auf Reichweite und Auswirkungen der Strahlungen, die ich auch in Tiefgaragen und Kellerräumen noch spüre. Meines Erachtens wäre es notwendig, ein Inventar sämtlicher Antennen in der Schweiz aufzunehmen und auch sinnvoll, bei unerklärlichen, sinnlosen, krassen Vorfällen oder Straftaten – wie sie m.E. in letzter Zeit gehäuft auftreten – im Rahmen einer Ursachenabklärung genauso wie z.B. eine allfällige Alkoholisierung auch zu prüfen, ob der Arbeits- und/oder Wohnort der betreffenden Person im kritischen Bereich einer Antenne liegt. Beim Bund laufen glaublich Studien zum Thema. Inhalt und Stand sind mir nicht bekannt. Nach meiner Auffassung müsste nun rasch etwas gehen. Sollte nach den gesetzlichen Bestimmungen über nichtionisierende Strahlung Handlungsbedarf gegeben sein, sobald eine Gefährdung bestehen könnte, so liegen dafür meines Erachtens genügend Indizien vor. Ich befürchte, dass sukzessive die nächst schwächeren und mit der Zeit immer mehr Menschen betroffen sein werden.
Mit freundlichen Grüssen und in der Zuversicht, meine Arbeit bald wieder aufnehmen zu können
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Die erforderliche Dauer bis zur Rekonvaleszenz und damit die Gravität der Problematik habe ich eindeutig falsch eingeschätzt. Nach mehreren schweren Erschöpfungsdepressionen und erfolglosen Wiedereinstiegsversuchen bin ich aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Seit bald zwei Jahre versuche ich, mich an einem stressgeschützten Arbeitsplatz auf einem langsamen Weg zurück in die Arbeitswelt zu kämpfen. Erfolg oder Misserfolg wird auch davon abhängen, ob die Strahlenbelastung gesenkt werden kann, oder aber ob die Gesamtstrahlenbelastung weiter ansteigt.
Die Rücksichtslosigkeit der Industrie habe ich völlig unterschätzt.
Rückblickend anders machen würde ich:
- In der Jugend besser die Zähne putzen
- Früher ein konstruktives Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen
- Nicht erst (typisch männlich) nach dem faktischen Kollaps, sondern frühzeitig einen vertrauenswürdigen Hausarzt suchen
- Ansonsten und ob das gereicht hätte? Keine Ahnung
Meine Motivation:
- Empörung über die menschenverachtende Rücksichtslosigkeit der Industrie
- Hilfsbereitschaft und Unterstützung für bereits Betroffene und Gefährdete: Wenn auch nur einem Menschen erspart werden kann, was ich durchgemacht habe und noch immer durchmache, dann hat sich mein Engagement bereits gelohnt