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Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 17. September 2012 19:56
von unsereiner
Das historisches Beispiel einer völlig von der Wirklichkeit abgelösten Hype um eine revolutionäre technische Errungenschaft bestärkt mich im Nachdenken zur Frage, wie auch die zeitgeistig nahezu völlig hemmungslose Euphorie der Mobilfunknutzung verstanden werden kann.
"Die USA waren im Atomfieber, man ging sogar davon aus, in Zukunft würden sich atombetriebene Haushaltsgeräte durchsetzen."
"Die gesellschaftsfähige Atombombe: in den 50er Jahren gab es Atombombenspielzeug für Kinder ..."
Zwei Sätze aus
"Wissenschaftsgeschichte
Die kritische Masse
Vor 70 Jahren startete das Manhattan-Projekt der USA"
http://wissen.dradio.de/wissenschaftsge ... _id=221222
"In Fukushima sahen wir die bei der "Dekontamination" aufgehäuften Berge von strahlendem Material unter Plastikfolie auf freiem Feld."
"Wir erfuhren, dass es kein staatliches Gesundheits-Monitoring der Dekontaminierer gibt, weil die mit der Riesen-Aufgabe überforderte Regierung Privatunternehmen damit betraut hat."
Christoph Krämer, 20. IPPNW-Weltkongress Hiroshima 2012
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 11. März 2017 18:32
von conviva
"Ich wurde in ein kleines Zimmer im Fukushima-Krankenhaus geführt. Das erste, was die Schwester zu mir sagte, war: ‚Sie haben Schilddrüsenkrebs, aber der hat mit dem AKW-Unfall nichts zu tun.‘ Dabei hatte ich noch gar nichts gesagt."
Sechs Jahre nach Fukushima
Krebspatienten als Störfaktor
Die Opfer der radioaktiven Strahlung von Fukushima können nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen. Im Gegenteil: Sie werden diskriminiert und sind isoliert. Der japanische Staat leugnet bis heute erhöhte der Krebsrate in dem verseuchten Gebiet. Zahlen werden gefälscht und Statistiken geschönt.
Von Jürgen Hanefeld
http://www.deutschlandfunk.de/sechs-jah ... _id=381018
Die Strahlung, sagt die Regierung, sei kein Argument mehr.
Die Evakuierten, das sind die, die damals, vor sechs Jahren, vor der radioaktiven Wolke geflüchtet sind. Mehr als 160.000 Menschen hatten das von der Kernkraftkatastrophe verseuchte Gebiet Hals über Kopf verlassen. Die Hälfte von ihnen lebt immer noch in Notunterkünften. Etliche in der Präfekturhauptstadt Fukushima, andere über ganz Japan verstreut, zum Beispiel in Osaka. 27.000 von ihnen sollen jetzt zurück in ihre alte Heimat. Wie das geht? Man streicht ihnen das Wohngeld.
Sechs Jahre nach AKW-Katastrophe
Japan will Fukushima-Opfer zur Heimkehr bewegen
Sechs Jahre nach der Katastrophe von Fukushima streicht Japan vielen Opfern das Wohngeld. 27.000 Strahlenflüchtlinge, die das Gebiet ohne Evakuierungsbefehl verlassen hatten, müssen entweder in ihre alten Häuser zurückkehren - oder sehen, wo sie bleiben. Die Strahlung, sagt die Regierung, sei kein Argument mehr.
Von Jürgen Hanefeld
http://www.deutschlandfunk.de/sechs-jah ... _id=380999
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 12. März 2017 10:00
von Eva Weber
http://www.fr.de/politik/japan-zurueck- ... -a-1154451
"Tokio will die Evakuierungszone im Umkreis von Fukushima mit der Freigabe weiterer Gebiete am 1. April weitgehend aufheben. Nach diesem Schritt werden nur noch 30 Prozent des ursprünglich geräumten Gebiets gesperrt sein. Wie viele Menschen tatsächlich zurückkehren werden, ist aber unklar. In den bisher schon freigegebenen fünf Gemeinden waren es im Schnitt nur 13,5 Prozent. Grund dafür: Angst vor der Strahlung und Mängel in der Infrastruktur."
"Kritiker beklagen, die Regierung und AKW-Betreiber Tepco wollten durch die Öffnung der Sperrzone vor allem die hohen Entschädigungen einsparen, die an die Evakuierten gezahlt werden. Tokio verrate die Opfer der Atomkatastrophe und stelle die Konzerninteressen über das Wohl der Menschen. Ex-Bewohner der freigegebenen Kommunen verlieren den Entschädigungsanspruch ein Jahr nach der Freigabe. Zudem werden allen Menschen, die im März 2011 „freiwillig“ aus der Region geflohen waren, obwohl ihr Wohnort nicht zur Evakuierungszone gehörte, die Wohnzuschüsse gestrichen. Smital forderte: „Die Menschen müssen finanziell entschädigt werden, wenn sie sich gegen eine Rückkehr in die belasteten Gebiete entscheiden.“
Was sagt denn da die IAEA, die Internationale Atomenergie Organisation dazu? Oder muss man den Menschen nur einbläuen, dass sie vor etwas inzwischen nicht mehr Gefährlichem Angst haben?
Sind im Endeffekt gar die Russen gewissenhafter?
Eva Weber
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 17. März 2017 11:15
von Hans-U. Jakob
Mein japanischer Kollege schreibt mir über die gegenwärtigen Zustände in der Region Fukushima:
50'000 Menschen, die nach dem Super-Gau evakuiert worden sind und seither ausserhalb in Notwohnungen leben, werden jetzt gezwungen, in die immer noch stark verseuchte Region zurückzukehren. Dies indem man ihnen die Notwohnungen kündigt und behauptet, die Strahlung sei auf ein gesundheitsverträgliches Mass zurückgegangen.
Mit Halbwertszeiten von mehreren hundert Jahren kann das natürlich überhaupt nicht stimmen.
Des Rätsels Lösung: Die zuständige Umweltbehörde hat ganz einfach die gesetzlichen Grenzwerte für ionisierende Strahlung um das 20-Fache erhöht.
FAZIT: Grenzwerte befinden sich immer dort, wo die Industrie diese haben will. Langzeitwirkungen auf die menschliche Gesundheit sind denen völlig egal. So lange niemand tot umfällt, ist alles in bester Ordung.
Hans-U. Jakob (Gigaherz.ch)
Halbwertszeiten im Hype der glasierten Ignoranz
Verfasst: 17. März 2017 22:40
von Erwin
Hans-U. Jakob hat geschrieben:Mit Halbwertszeiten von mehreren hundert Jahren kann das natürlich überhaupt nicht stimmen.
Uran 238 hat eine Halbwertszeit von 4,47 Milliarden Jahren. Macht aber nichts, denn das ist Natururan und kein Spaltprodukt aus KKWs.
Bei Spaltprodukten wie in Fukushima bereitet vor allem das relativ langlebige Cäsium 137 Sorge (Halbwertszeit 30 Jahre). Nur acht Tage Halbwertszeit hat das Spaltprodukt Iod 131. Die Regel, je kürzer die Halbwertszeit, desto besser, gilt jedoch nicht: Kurzlebige Isotope (d. h. solche mit geringer Halbwertszeit) geben pro Gramm des Materials eine stärkere radioaktive Strahlung ab als langlebige Isotope. Der Grad der Gefährlichkeit hängt allerdings noch von diversen anderen Faktoren ab.
Quelle:
https://www.energie-lexikon.info/halbwertszeit.html
Re: Halbwertszeiten im Hype der glasierten Ignoranz
Verfasst: 18. März 2017 14:17
von conviva
Erwin hat geschrieben:
Der Grad der Gefährlichkeit hängt allerdings noch von diversen anderen Faktoren ab.
Schäden durch Röntgenstrahlung, Radioaktivität und Hochfrequenzstrahlung - der neue Bericht des Otto-Hug-Strahleninstituts "Unterschätzte Gesundheitsgefahren durch Radioaktivität am Beispiel der Radarsoldaten" liegt seit kurzem vor.
Diese Wechselwirkung bekommt aktuell große Bedeutung. Nicht nur bei Anwohnern um Flughäfen, das selbstfahrende Auto soll sich über eine Kombination von Radar, LTE, WLAN, Blootooth und GPS steuern, d.h. es wird zu einer weiteren flächendeckenden Belastung von Mensch und Umwelt durch eine Kombination verschiedener Frequenzen kommen.
https://www.diagnose-funk.org/publikati ... ewsid=1023
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 24. März 2017 19:57
von Eva Weber
Künstliche Intelligenz!
Es ist nicht daran zu denken, dass der "Fortschritt" in Bezug auf nicht ionisierende Strahlung, zum Stillstand kommt. Wichtig ist, dass für Auswirkungen die richtigen Ausreden parat sind. Und das geht noch lange. Da die Technik in ihrer Anwendung rasend weiter entwickelt wird, besonders auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, die ja auch selbst noch ständig dazulernt, gibt es vielleicht doch eine Hoffnung - für mich nicht, da ich zu alt bin. Ich könnte mir vorstellen, dass diese künstliche Intelligenz sich in ihrer Handlungsweise eines Tages nicht mehr bremsen lässt. Wahre Intelligenz müsste sehen, was Mensch und Natur durch unerbittliche Techniker angetan wird. Vielleicht lässt sich diese Intelligenz dann etwas einfallen!!
Eva Weber
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 8. April 2017 18:26
von conviva
Eva Weber hat geschrieben:
http://www.fr.de/politik/japan-zurueck- ... -a-1154451
"Tokio will die Evakuierungszone im Umkreis von Fukushima mit der Freigabe weiterer Gebiete am 1. April weitgehend aufheben. Nach diesem Schritt werden nur noch 30 Prozent des ursprünglich geräumten Gebiets gesperrt sein. Wie viele Menschen tatsächlich zurückkehren werden, ist aber unklar. In den bisher schon freigegebenen fünf Gemeinden waren es im Schnitt nur 13,5 Prozent. Grund dafür: Angst vor der Strahlung und Mängel in der Infrastruktur."
"Kritiker beklagen, die Regierung und AKW-Betreiber Tepco wollten durch die Öffnung der Sperrzone vor allem die hohen Entschädigungen einsparen, die an die Evakuierten gezahlt werden. Tokio verrate die Opfer der Atomkatastrophe und stelle die Konzerninteressen über das Wohl der Menschen. Ex-Bewohner der freigegebenen Kommunen verlieren den Entschädigungsanspruch ein Jahr nach der Freigabe. Zudem werden allen Menschen, die im März 2011 „freiwillig“ aus der Region geflohen waren, obwohl ihr Wohnort nicht zur Evakuierungszone gehörte, die Wohnzuschüsse gestrichen. Smital forderte: „Die Menschen müssen finanziell entschädigt werden, wenn sie sich gegen eine Rückkehr in die belasteten Gebiete entscheiden.“
Was sagt denn da die IAEA, die Internationale Atomenergie Organisation dazu? Oder muss man den Menschen nur einbläuen, dass sie vor etwas inzwischen nicht mehr Gefährlichem Angst haben?
Sind im Endeffekt gar die Russen gewissenhafter?
Eva Weber
Fragezeichen sind angebracht:
60,000 Wi-Fi hotspots in 1,840 Moscow schools
World's Largest Wi-Fi Network for Schools to Be Created in Moscow by 2018
https://sputniknews.com/russia/20170313 ... w-schools/
The wireless networking will include 60,000 Wi-Fi hotspots in 1,840 Moscow schools, thus making it one of the world's largest networks in educational facilities, the statement said.
Re: Hype der organisierten Ignoranz
Verfasst: 29. Mai 2017 21:04
von conviva
https://www.gigaherz.ch/aschenregen-aus-fukushima/ bringt einen Beitrag zu den Folgen von Waldbränden in der verseuchten Umgebung von Fukushima.
Hans-U. Jakob schreibt:
Warum dieser Artikel hier steht
Es handelt sich ja um radioaktive, also um ionisierende Strahlung und nicht um unser Fachgebiet der nicht-ionisierenden Strahlung oder elektromagnetischen Felder.
Es ist wegen der identischen 3V. Das heisst so viel wie Verschweigen, Verleugnen, und Verharmlosen.
Ergänzend hierzu sei auf einen Dokumentarfilm auf SPIEGL-TV hingewiesen, der an die vergessenen - oder eher verdrängten - Pleiten atomarer Hoffnungen und Fantasien erinnert. "Hemdsärmelig" sei der Umgang mit der gefährlichen Technik gewesen.
Folgen von Nukleartests
John Wayne in der Strahlenwüste
http://www.spiegel.de/sptv/spiegeltv/tv ... 49759.html
Ein Beispiel von vielen im Film dargestellten erschütternden Vorkommnissen:
1953 führt die US-Regierung in der Wüste Nevadas Atom-Tests durch. Ein Jahr später beginnt in der Nähe der Dreh zu "Der Eroberer" mit John Wayne. Mit tödlichen Folgen für ihn und die Crew. Ein Film von Rudolph Herzog.