Im WDR-Fernsehen, im Programm Servicezeit mit Yvonne Willicks wurde am 29.11.2012 um 18.20 Uhr ein interessanter Kurzbericht (ca. 6 Minuten) über „Handystrahlung“ gebracht.
Inhaltlich wurde die Gefährdung durch die strahlenden Geräte thematisiert.
Die Sendung wird heute, 30.11.2012 um 13.00 Uhr im WDR-Fernsehen wiederholt.
Den Redaktionstext, sowie eine Videoaufzeichnung findet man nachfolgend und unter
dem Link
http://www.wdr.de/tv/servicezeit/sendun ... ahlung.jsp
Hier der Redaktionstext:
„Mir wurde recht schnell bewusst, dass ich nach kurzen Telefonaten schon leichten Kopfschmerz bekam. Das waren unterschiedliche Symptome. Manchmal war es ein Benommenheitsgefühl. Manchmal war es aber auch ein deutlich auf der linken Seite spürbarer Kopfschmerz.“
Wie wirkt die Strahlung der Mobiltelefone auf unsere Gesundheit? Appelle durch Mediziner nehmen zu.
Wenn die Kölnerin Sabine R. davon erzählt, dass das Telefonieren mit dem Handy bei ihr Kopfschmerzen auslöse, erntet sie häufig ein Kopfschütteln, trifft auf Unverständnis. Doch allem Anschein nach scheint sie zu den Menschen zu gehören, die elektrosensibel auf Funkstrahlung reagieren. Elektrosensibilität ist keine anerkannte Krankheit, sie wird von der Schulmedizin allenfalls in die Psychosomatik eingeordnet. Damit kann Sabine R. leben, glücklicherweise klingen die Symptome bei ihr nach gut einer halben Stunde wieder ab. Zur Vermeidung weiterer Schmerzepisoden entschied sie für sich, das Handy nur noch ganz selten und möglichst kurz zu benutzen.
Medizinerappelle
Umweltmediziner wie Dr. Michael Lefknecht aus Duisburg nehmen das Phänomen der Elektrosensibilität allerdings ernst. Seit zehn Jahren beobachtet er, dass immer mehr Patienten mit Symptomen zu ihm kommen, die früher selten waren. Sie klagen über „Körpergefühlsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Tinnitus, also diese Ohrgeräusche, und diverse andere Störungen. Ich nehme diese Störungen als Umweltmediziner in meine Differentialdiagnose mit hinein, da es auch sein könnte, dass elektromagnetische Felder die Ursache dafür sind.“ Nicht nur er konnte diese Beobachtungen zunächst nicht genau zuordnen, auch bundesweit ging es vielen Medizinern so. Sie stellten darum einen Zusammenhang zwischen den Symptomen und einer gleichzeitig aufgekommenen wachsenden Funkstrahlung in der Umgebung her und formulierten sogenannte Appelle wie beispielsweise den „Freiburger Appell“. Darin fordern sie einen bewussteren Umgang mit Mobilfunk oder auch WLAN, weil man ihrer Meinung nach mögliche gesundheitliche Folgen dieser neuen Techniken nicht abschätzen könne.
Welche Auswirkungen die Strahlungen auf unseren Körper haben, lässt sich noch nicht so genau sagen.
Seit 2011 stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO die Strahlung von Mobiltelefonen als potenziell krebserregend ein. Deshalb gibt auch das Bundesamt für Strahlenschutz Tipps auf seinen Internetseiten, wie man weniger Strahlung abbekommt – übrigens Tipps, wie sie teilweise in Betriebsanleitungen von Handys stehen. So empfiehlt beispielsweise die Gebrauchsanweisung für das iPhone 3GS einen Mindestabstand von 1,5 Zentimetern zwischen Gerät und Körper.
Abstand zum Gerät
Die Handystrahlung reduzieren kann man
• durch ausreichenden Abstand zum Gerät, wenn es beim Verbindungsaufbau stark funkt,
• indem man Gespräche möglichst kurz hält,
• häufiger SMS-Nachrichten verschickt,
• für längere Gespräche ein Headset verwendet,
• das Gerät von Schwangeren und Kindern fernhält und
• wann immer möglich zum kabelgebundenen Telefon greift.
Mit diesen Tipps lässt sich die Strahlung zumindest reduzieren.
Eine US-amerikanische Untersuchung weist nach, dass die Strahlung insbesondere bei Kindern fast durch das gesamte Gehirn geht. Mobilfunkkritiker verweisen auf die viel zu hohen Sendeleistungen der Geräte.
Auf Anfrage der Servicezeit geben die großen Mobilfunkanbieter an, in puncto Strahlenschutz ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Im Klartext heißt das: Die angebotenen Handymodelle und die Funkmasten halten die gesetzlichen Grenzwerte ein. Das ist für die Mobilfunkkritiker allerdings nicht ausreichend. Sie fordern die Grenzwerte für die Funkstrahlungen auf einen viel niedrigeren Wert festzulegen (was in vielen Nachbarländern wie Frankreich, Österreich, Italien der Fall ist).
Mit den neuen Smartphones steigt der Bedarf an mobiler Kommunikation rasant an. Nun ist man unterwegs mit Facebook, Internet, Video, Musik aus dem Netz – und natürlich mit viel mehr Strahlung. Deshalb fordert der frühere Messtechniker Gerrit Krause, die Mobilfunkanbieter sollten auf strahlungsärmere Techniken umrüsten: „Es gibt Möglichkeiten, dies drastisch zu reduzieren. Indem ich die Luftstrecken für meine Mobilität erhalte, aber reduziere auf ein paar Meter. Das kann ich machen, indem ich Glasfaser in jeden Haushalt lege und in jedem Raum, in dem ich mobil kommunizieren möchte, eine kleine Funkzelle, eine Minifunkzelle mit dem Zehnmillionstel-Teil der Sendeenergie, die heute notwendig ist, betreibe.“
Diese sogenannte Femtozellentechnik ist kostspieliger als ein flächendeckender Ausbau mit herkömmlichen, stärker funkenden Masten. Was auch für die Mobiltelefone heißen würde, dass sie ihr Signal über eine längere Luftstrecke schicken, also stärker strahlen müssten. Ob die Mobilfunkanbieter auf diese strahlungsärmere Möglichkeit umstellen, ist wegen der Kostengründe eher fraglich.
In vielen Nachbarländern reagierten in puncto Strahlenschutz die Behörden. Schon im Jahr 2009 erging ein Handyverbot in französischen Kindergärten und Grundschulen. In Österreich, Russland und Großbritannien rät man, Kinder unter 16 Jahren sollten Handys nur selten und nur im Notfall benutzten.
Keiner weiß genau, was Strahlen über einen längeren Zeitraum bewirken können. Generell ist insbesondere der heranwachsenden „Generation Smartphone“ zu empfehlen, das Gerät nicht körpernah zu tragen, so wenig wie möglich damit zu telefonieren, es nachts auszustellen und zwischendurch, wenn man nicht erreichbar oder online sein muss, auf den Flugmodus zu stellen. Dann strahlt das Handy nicht. Man kann aber immer noch aufgespielte Texte lesen, gespeicherte Musik hören oder natürlich auch Fotos machen.