Was Repacholi wollte
Verfasst: 18. Juni 2016 18:06
Was befähigt Menschen zum widerständigen Denken? Die Forschung liefert darauf ein paar erstaunliche Antworten, schreibt Natalie Knapp in einem ZEIT-online-Artikel 2013 mit dem etwas schwülstigen TitelDer Stoff, aus dem Helden sind.
http://www.zeit.de/2013/10/Psychologie- ... ettansicht
Der Artikel behandelt mit Bezug auf die Nazidikatur das Verhältnis von pathetischen Vorstellungen über "Helden" zu den nüchternen Ergebnissen eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Sozialpsychologen Harald Welzer, des Philosophen Michael Pauen und des Neurowissenschaftlers Christoph Herrmann. Sie versuchten herauszufinden, welche Eigenschaften jemand braucht, um selbstständig denken und autonom handeln zu können.
Im - unerwarteten - Ergebnis finden sich Hinweise, wodurch sich Mitläufer von Widerständlern unterscheiden. Welzers Forschertätigkeit ist von seinen früheren Untersuchungen zu den Erscheinungen der Entmenschlichung in der "Nazi-Zeit" geprägt. Von hier aus ergibt sich die Verbindung seiner Untersuchungsergebnisse mit der Deutung der Widerstandsfähigkeit im Nationalsozialismus, die eine Studie von Marten Düring herausarbeitete.
Die Untersuchung selbst bedient sich experimenteller und erhebender sozialpsychologischer Forschungmethoden um zu erfassen, welche Faktoren allgemein bewirken, dass Menschen zu eigenständigem Denken und Handeln fähig sind, auch wenn sie als Minderheit wegen ihrer abweichenden Orientierung durch Gegenkräfte einer dominaten Mehrheit in ihrer Existenz bedroht werden.
Kernpunkte der Ergebnisse, die im Zusammenhang, in dem dieses Forum steht, hier herausgehoben sein sollen:
- Die Selbsteinschätzung der Probanden hinsichtlich Eigenständigkeit oder Anpassungsneigung im urteilenden Denken kann erheblich von den Ergebnissen der Tests abweichen.
- Charaktereigenschaften, Erziehungsmethoden oder Lebensumstände, die als Faktoren für die Grundlegung zur Fähigkeit widerständigen Handelns gelten könnten, wurden nicht gefunden.
- Gemeinsam war Widerständlern die Fähigkeit, auch in scheinbar alternativlosen Szenarien Handlungsmöglichkeiten zu erkennen; dazu die Kunst, die richtigen Freunde und Netzwerke zu finden, sowie der Mut, den ersten Schritt zu wagen. Moralische Unterscheidungsfähigkeit wächst, wenn man sie nutzt.
Als Verbindung zum Titel dieses Beitrags, "Was wollte Repacholi", sei aus Dürings Studien angeführt, dass diese anspruchsvolle Unterscheidungsfähigkeit meist aus der langjährigen Einbettung in Kreise hervorging, »in denen ein solches Verhalten bestärkt wurde«. Die Helfer berieten und schulten sich gegenseitig. Wie ein Muskel wuchs die moralische Unterscheidungskraft in dem Maße, in dem sie durch gemeinsame Reflexion geübt und genutzt wurde.
Eben dies sollte mit der von der ICNIRP betriebenen Psychopathologisierung zur sozialen Isolierung und politischen Diskriminierung der sogenannten Elektrosensiblen gezielt unterbunden werden.
Teile und herrsche. Doch wer - unrechtmässig - herrscht, teilt immer und bringt damit die Unterscheidung der Geister hervor. Zur Unterscheidung fähige Geister erkennen sich und werden darin und dadurch produktiv.
Die Autorin schließt mit den Worten: Es empfiehlt sich also, darauf zu achten, mit wem wir Beziehungen führen und an wem wir uns ausrichten wollen. Wenn wir darüber nicht nachdenken, werden andere für uns entscheiden. Sie werden ihre Interessen durchsetzen, und wir werden es noch nicht einmal bemerken, weil wir sie irrtümlicherweise für die unseren halten.
Aussagen, auf die mit Blick auf die Verantwortung der Journalisten und Medien in der Auseinandersetzung über die Risiken des Mobilfunks noch zurück zu kommen sein wird.
http://www.zeit.de/2013/10/Psychologie- ... ettansicht
Der Artikel behandelt mit Bezug auf die Nazidikatur das Verhältnis von pathetischen Vorstellungen über "Helden" zu den nüchternen Ergebnissen eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Sozialpsychologen Harald Welzer, des Philosophen Michael Pauen und des Neurowissenschaftlers Christoph Herrmann. Sie versuchten herauszufinden, welche Eigenschaften jemand braucht, um selbstständig denken und autonom handeln zu können.
Im - unerwarteten - Ergebnis finden sich Hinweise, wodurch sich Mitläufer von Widerständlern unterscheiden. Welzers Forschertätigkeit ist von seinen früheren Untersuchungen zu den Erscheinungen der Entmenschlichung in der "Nazi-Zeit" geprägt. Von hier aus ergibt sich die Verbindung seiner Untersuchungsergebnisse mit der Deutung der Widerstandsfähigkeit im Nationalsozialismus, die eine Studie von Marten Düring herausarbeitete.
Die Untersuchung selbst bedient sich experimenteller und erhebender sozialpsychologischer Forschungmethoden um zu erfassen, welche Faktoren allgemein bewirken, dass Menschen zu eigenständigem Denken und Handeln fähig sind, auch wenn sie als Minderheit wegen ihrer abweichenden Orientierung durch Gegenkräfte einer dominaten Mehrheit in ihrer Existenz bedroht werden.
Kernpunkte der Ergebnisse, die im Zusammenhang, in dem dieses Forum steht, hier herausgehoben sein sollen:
- Die Selbsteinschätzung der Probanden hinsichtlich Eigenständigkeit oder Anpassungsneigung im urteilenden Denken kann erheblich von den Ergebnissen der Tests abweichen.
- Charaktereigenschaften, Erziehungsmethoden oder Lebensumstände, die als Faktoren für die Grundlegung zur Fähigkeit widerständigen Handelns gelten könnten, wurden nicht gefunden.
- Gemeinsam war Widerständlern die Fähigkeit, auch in scheinbar alternativlosen Szenarien Handlungsmöglichkeiten zu erkennen; dazu die Kunst, die richtigen Freunde und Netzwerke zu finden, sowie der Mut, den ersten Schritt zu wagen. Moralische Unterscheidungsfähigkeit wächst, wenn man sie nutzt.
Als Verbindung zum Titel dieses Beitrags, "Was wollte Repacholi", sei aus Dürings Studien angeführt, dass diese anspruchsvolle Unterscheidungsfähigkeit meist aus der langjährigen Einbettung in Kreise hervorging, »in denen ein solches Verhalten bestärkt wurde«. Die Helfer berieten und schulten sich gegenseitig. Wie ein Muskel wuchs die moralische Unterscheidungskraft in dem Maße, in dem sie durch gemeinsame Reflexion geübt und genutzt wurde.
Eben dies sollte mit der von der ICNIRP betriebenen Psychopathologisierung zur sozialen Isolierung und politischen Diskriminierung der sogenannten Elektrosensiblen gezielt unterbunden werden.
Teile und herrsche. Doch wer - unrechtmässig - herrscht, teilt immer und bringt damit die Unterscheidung der Geister hervor. Zur Unterscheidung fähige Geister erkennen sich und werden darin und dadurch produktiv.
Die Autorin schließt mit den Worten: Es empfiehlt sich also, darauf zu achten, mit wem wir Beziehungen führen und an wem wir uns ausrichten wollen. Wenn wir darüber nicht nachdenken, werden andere für uns entscheiden. Sie werden ihre Interessen durchsetzen, und wir werden es noch nicht einmal bemerken, weil wir sie irrtümlicherweise für die unseren halten.
Aussagen, auf die mit Blick auf die Verantwortung der Journalisten und Medien in der Auseinandersetzung über die Risiken des Mobilfunks noch zurück zu kommen sein wird.