Seite 1 von 1

DECT wider Willen

Verfasst: 16. Dezember 2003 20:22
von Elisabeth Buchs
Ich beziehe mich auf meinen früheren Forums-Beitrag, zu finden unter "ältere Beiträge" mit dem Betreff Harakiri.

Der jüngere Mann konnte mit seinem Messgerät herausfinden, dass das Maximum-Geräusch des DECT von der Nachbarin herkam, die ihm zugesichert hatte, ihr DECT gegen ein schnurgebundenes Telefon auszutauschen (und nicht wie erwartet vom andern Nachbarn). Nun musste er erneut bei der Nachbarin intervenieren.

Jetzt kommt der Hammer: diese Nachbarin war verständnisvoll, wollte etwas tun für ihre Gesundheit und die Gesundheit anderer tun und hat tatsächlich das DECT im Swisscom-Shop gegen ein schnurgebundenes ISDN-Telefon ausgetauscht. Sie sagte beim Kauf, sie wolle nicht mehr ein Funktelefon. Beim neuen Telefon stand auf der Packung rein nichts davon. Erst ganz klein bei den technischen Details stand nicht etwa DECT, sondern GAP. Das bedeutet, das Telefon ist sowohl schnurgebunden wie auch mit einer Optionsmöglichkeit für den Betrieb eines schnurlosen DECT-Telefons mit der ständigen aggressiven 100 Hz-Pulsung bei 1900 MHz vorgesehen und zwar unabhängig davon, ob man diese Möglichkeit nutzen möchte und auch wenn gar kein schnurloser Hörer vorhanden ist.

Ich finde dies eine ganz grosse Schweinerei und einen Betrug durch die Swisscom. Nachdem sie bereits DECT unter der Bezeichnung analoge Telefone verkaufen, nun noch die DECT wider Willen bei einem schnurgebundenen ISDN-Telefon. Nun liess sich der jüngere Mann in einem Geschäft Unterlagen geben für ein ISDN-Telefon ohne DECT-Option, die Frau konnte dieses Telefon kaufen und der Mann fühlt sich gesundheitlich bereits besser.

Zum zweiten Fall des Ehepaars mit dem W-Lan der Nachbarn. Auch hier war bisher wenigstens eine teilweise Verbesserung der Situation möglich. Der betroffene Mann konnte mittels Hornantenne die Richtung des W-Lans feststellen und so den weiter entfernten Nachbarn als Besitzer identifizieren (und nicht wie ursprünglich angenommen den näheren Nachbarn).

Plötzlich stellte der Mann eines Abends fest, dass der W-Lan abgestellt war, jedoch am nächsten Morgen und den ganzen Tag wieder da war, jedoch am darauffolgenden Abend wieder weg. Es stellt sich heraus, dass der nähere Nachbar dem weiter entfernteren mit dem W-Lan von den gesundheitlichen Beschwerden des Ehepaars erzählt hatte und der weiter entfernte Nachbar daraufhin bei seinem W-Lan eine Zeitschaltuhr hat einbauen lassen. Nun kann die Frau wenigstens wieder zuhause übernachten, beide Ehepartner in bestimmten Ecken des Hauses (Korridor, Mitte des Wohnzimmers), wo nicht die DECT von uneinsichtigen andern Nachbarn reinkommen.

Gesucht wären nun Techniker, Erfinder, Hersteller, die DECT herstellen könnten, die nur "strahlen", wenn telefoniert wird. Denn beim ständigen gesundheitsschädlichen "Gräc Gräc" der DECT handelt es sich um Reichweitenkontrolle und die Reichweite wird innerhalb einer Wohnung, eines Hauses oder im Garten bestimmt nicht überschritten.

Aehnlich sollte es mit dem W-Lan sein, wenn man nicht am Computer ist, sollte der W-Lan sich abschalten, auch bei eingestecktem Stecker oder stand by. Stecker ziehen löst das Problem sowieso. Auf diese Art wäre eine Nutzung der Technologien möglich, ohne sich selber und anderen gesundheitlich zu schaden.

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

Re: DECT wider Willen

Verfasst: 17. Dezember 2003 12:38
von Mike
Zum Thema DECT:
Es wäre für die Hersteller ein Leichtes eine DECT-Telefonanlage nur dann strahlen zu lassen, wenn ein Anruf eingeht bzw. jemand mit dem Mobilteil (über die Basisstation) telefonieren möchte.
Wenn z.B. nur ein Mobilteil an der Basis angemeldet worden ist, so könnte oben genanntes über die Software eingestellt werden.

Andernfalls müsste in die Schaltung eingegriffen werden, das ist auch kein Problem, allerdings darf das nur der Hersteller - sonst erlischt die Zulassung und man hat sehr schnell eine Klage am Hals !

Nun wird jedoch kein etablierter Hersteller so etwas anbieten. Warum ?
Er würde ja somit zugeben, all die Jahre (wissentlich ?!) Menschen unnötig belastet zu haben, wenn Sie wissen wie ich meine.

Es bleibt demnach nur die Möglichkeit, daß ein Hersteller (z.B aus dem asiatischen Raum) , der bisher noch nicht solche Produkte angeboten hat sich hier mit dem "Strahlungsarmen DECT" einmischt, und dieses Produkt mit Zulassung auf den Markt bringt - gepusht mit ein wenig Background-Info und vertrieben über die Discounter-Märkte wäre das sicherlich ein lukratives Geschäft.

Ich habe mir - just for fun - zwei DECT-Basis-Stationen von Siemens Typ Gigaset zum experimentieren ersteigert.
Es ist festzustellen, daß die Basisstationen extrem schlecht geschirmt sind, es strahlt die ganze Platine, das ganze Gerät ! Die verwendeten Drahtantennen (Dipol-Prinzip) "streuen" die HF horizontal - und das ist keine Seltenheit bei DECT-Anlagen. Scheinbar geht man davon aus, daß der/die Telefonierende auf dem Sofa liegt (die Antenne im Mobilteil ist meist vertikal polarisiert).
Es ist nicht schwer (auf der Platine) den HF-Teil abzuschalten bzw. zu unterbrechen, allerdings ist das individuell (abhängig vom Geräte-Typ) verschieden.
Die Schaltung für ein automatisches Zu- und Abschalten des HF-Teils bei gleichzeitigem kontinuierlichen Laden des Mobilteils in der meist integrierten Ladeschale existiert bereits auf dem Papier und muß noch getestet werden. Etwas mehr Know How braucht es für eine automatische Leistungsregelung der Feststation - aber dies ist machbar.
Das Problem dabei ist und bleibt jedoch die Geräte-Zulassung !



Eine Alternative ist die externe "Freischaltung" der DECT-Anlage in Zeiten der Nichtbenutzung. Einige Hersteller haben solche Geräte schon mal versprochen - passiert ist bisher nichts.
Bei externen Abschaltung wird man immer mit einigen Kompromissen leben müssen.
Bei dem Siemens Gigaset hab' ich eine Idee, extern den HF-Teil der Basistation beim "Nichttelefonieren" abzuschalten - was ich jetzt noch bräuchte, das wäre mehr Zeit !


Was jeder jetzt schon tun kann:
Am besten abschalten - für immer ! Und das auch bei den Nachbarn.
Falls das nicht geht, dann
Zeitschaltuhr an die Basisstation und diese während der Nacht ausschalten. Zusätzlich ein "Schnurtelefon" mit an die Nebenstellenanlage - somit wird kein Anruf verpasst und bei längeren Telefonaten kann mit diesem Schnurtelefon telefoniert werden.

Zu beachten ist dabei: Das Mobilteil, das oft in der Basisstation steckt, muß noch geladen werden können. Bei analogen Anschlüssen ohne Telefonanlage muß/sollte ein Telefonumschalter (bei 2 Geräten an der Dose) angeschlossen werden.


Zum Thema WLAN:
Das Problem bei WLAN sind die "Baken", eine Art Organisationskennung die (einstellbar über die Software) in Intervallen von ca. 20ms bis 1s (Standard sind 100ms also 10Hz) mit etwa 0,5ms breiten Pulsen permanent gesendet wird.

In der Regel sind solche WLAN Access Points (wie die sehr verbreiteten vom Typ 2,45 GHz IEEE802.11b WiFi , 11MBit/s) sehr gut abgeschirmt und strahlen somit nur über die Antennen-(Buchse) vom Typ "SMA-Reverse" (da passt kein Dämpfungsglied, es sei denn man kauft nocht einen spez. Adapter dazu).

Aber sehr effektiv ist hier das Ummanteln der Monopolantenne(n) mit Alufolie. Bis zu 35 dB Dämpfung können so erzielt werden.
Übrigens: Das Messen der WLAN-Immissionen ist alles andere als einfach. Mit den Standard-Spektrumanalysatoren muß man mit 4-5 dB Unterbewertung aufgrund der zu kleinen max. Auflösungsbandbreite (RBW) von 1MHz rechnen - besser wären zumindest 5MHz.

Mit freundlichem Gruß
Mike

DECT widerspenstig gegen Messversuche.

Verfasst: 17. Dezember 2003 17:39
von A.Masson
Mike, sage bitte einmal etwas zur DECT-Messung, mit Breitbandgerät oder mit Spektrum-Analyzer. Wieso lässt sich diese Strahlung fast nicht messen ? Man ist nicht 4 dB daneben, sondern das geht überhaupt nicht.

Die Swisscom hat einmal so blinkende Kugelschreiber verkauft. Das ist das einzige Gerät, das auf eine gewisse Distanz ein DECT anständig erkennt. Zwei teure Breitbandgeräte (PM... aus Italien und Wandel&Goltermann) und ein billiger Spektrumanalyzer sind total daneben, wenn man annimmt, dass die angegebene Leistung des Senders sich auf eine Kugeloberfläche verteilt. Aus der Erinnerung, mit Vorbehalt: das stimmt immer noch nicht, wenn man die Pulsung berücksichtigt und hofft, das Messgerät würde einfach einen zeitlichen Mittelwert anzeigen.

Weiss jemand, wie beim DECT die Frequenzen herumtanzen, welche den Spektrum Analyzer verwirren können ? Weiss jemand, was die unterschiedlich starken Puls-Gruppen bedeuten, das den hörbaren Takt ergibt, so halbsekündig oder so ? Das kann mit dem Breitbandmessgerät, das selber auch einen Messtakt hat, merkwürdige Schwebungen des Messwertes ergeben. Weiss jemand, wie viele Frequenzen ev. im gleichen Puls (??) miteinander abgestrahlt werden, und warum das Tonsignal oft immer wechselt, auch wenn man nicht telephoniert ?

Besten Dank für alle Auskünfte. Ich staune, dass diese offensichtliche Unmessbarkeit gar kein Thema ist. Sind alle verwirrt, will sich niemand blamieren ? Schwimme ich als Einziger, alle anderen haben gar keine Probleme ? Kaum!

A.Masson

Re: DECT widerspenstig gegen Messversuche.

Verfasst: 18. Dezember 2003 14:23
von Mike
Hallo,
das Problem bei DECT sind die 100µs kurzen Pulse (im Bereitschafts-Modus), die nur alle 10ms (100Hz) wiederholt werden. Dem Breitbandmessgerät bzw. Spektrumanalysator belibt dabei wenig Zeit um:
a) den/die Puls(e) zu detektieren
b) die korrekte Amplitude (und zwar den Spitzenwert davon) exakt zu "messen" und
c) das alles richtig auf die Anzeige zu bringen

Die vor einigen Jahren verkauften Mini-Spektrumanalyzer, die unter div. Labels vertrieben wurden (z.B. Protek, aber damals auch über Wandel & Goltermann), hatten mit DECT ein grosses Problem. Meines Wissens basierten sie auf modifizierten Sat-Tunern (deshalb auch der eingeschränkte Frequenzbereich von max. 2,1 GHz oder so..)

Die seit etwa einem Jahr erhältlichen HF-Breitbandmessgeräte (ab ca. 500 EUR) bzw. seit dem Zeitraum modifiziert angebotenen können sehr gut DECT erfassen, und im zur Verfügung stehenden Messbereich die Immissionen korrekt (Tol. 3-5 dB) zum messen.

Bei den Spektrumanalysatoren zeigt z.B. der in der Umweltanalytik als "Klassiker" geltende Advantest R3131 etwa 1,5 bis 2 dB zu wenig an (bei DECT), das liegt aber noch innerhalb seiner Spezifikation.


Die Breitbandmessgeräte von PMM... bzw. das schöne Gelbe von ehemals W&G (jetzt narda-sts) sind auf gesetzeskonforme Messungen ausgelegt, also "relativ" unempfindlich (W&G EMR-20 mit der empfindlichsten Sonde ab 0,2 V/m) und hauptsächlich für Mittelwerte (Abtastrate min. 400 ms beim EMR-20 etc.).
Mit solchen Geräten kann man Radio/TV aber auch GSM-Organisations-Kanäle genau und isotrop messen (wobei das mit der Isotropie in bezug auf "phasenkorrektes Messen von mehreren Netzbetreibern" schon ein eigenes, umfangreiches Thema wäre...).

Leider gibt es bei Spektrumanalysatoren kein Patentrezept für die Einstellungen bei gepulsten und/oder komplexen HF-Signalen (wie sie für kontinuierliche Signale existieren).
Für DECT stellt man im ersten Anlauf das Gerät z.B. wie folgt ein:
Span: 22 MHz (1879-1901MHz)
RBW: 100 kHz
VBW: 300 kHz
Sweep: 10ms
Detector: Peak
Trace: Max-Hold

Im zweiten Durchgang kann der Span verringert werden und ein wenig an RBW/VBW und Sweep "gedreht" werden.

Wichtig dabei: Vorher das Messkabel überprüfen (wer einen Trackinggenerator im Analyzer hat) bzw. das Kabel überprüfen lassen.
Ich schätze, daß mind. 1/4 aller verwendeten Messkabel deutlich mehr Dämpfung haben, als im Datenblatt angegeben. Vor allem ab 1,5 bis 2 GHz macht sich das mit einer Unterbewertung der realen Strahlungssituation bemerkbar.
Ursache sind meist die Crimp-/Löt-/Stoßstellen an den Steckern z.B. durch mechanischen "Stress" oder mangelhafte Verarbeitung.
Einigemale habe ich es erlebt, daß solche Kabel (meist 5m lang) bei 2 GHz statt etwa 1,5 dB eben 6 dB Dämpfung hatten.

Die 100 Hz DECT-Taktung kann man in entspr. Messgeräten sehr schön "hören". Je nach Basisstation (Typ, alter/neuer DECT-Standard) können aber auch noch andere, langsame Takte (wie 2 Hz) hinzukommen. Bei GSM wird dies von Sprechpausen initiiert (DTX-Mode) - warum und wie das bei DECT so ist, das weiss ich nicht.

Noch mal zur Mobilfunk-Messtechnik allgemein.
Richtig schwierig zu messen (Equipment und Know-How) sind UMTS, WLAN, Bluetooth, Radar, DAB-T und DVB-T. Da sind nicht selten die Experten (z.B. der Netzbetreiber) selbst überfordert, wie sollen da Baubiologen oder Umweltmesstechniker, die sich auch noch um NF / Pilze / Lärm / Magnetfelder usw. kümmern müssen, noch durchblicken ?
An diesem Punkt muß man (so denke ich) den seit langen eingeschlagenen Weg des "Hausarzt" Baubiologe verlassen und besorgte Bürger gleich an den "Facharzt" Mobilfunk-Messtechniker (der nur soetwas macht oder sich als Baubiologe darauf spezialisiert hat) überweisen....

Freundliche Grüsse
Mike

Re: DECT widerspenstig gegen Messversuche.

Verfasst: 28. Dezember 2003 10:35
von A.Masson
Salü Mike,

Wenn Du Zugang hast zu einem Advantest-Spektrum-Analyzer, und einige freie Stunden, könntest Du das nicht alles genauer studieren ? Es sind 10 DECT-Frequenzen bekannt, ich habe die Zahlen nicht gleich hier. Auf wie vielen Frequenzen sendet ein Basisgerät pro Puls ? (Wird schwierig zu messen sein!). Oder anders herum: Wenn man drei Frequenzen findet, auf denen etwas gesendet wird, darf man daraus schliessen, dass drei DECT-Telefone im Hause sind ?
Vielleicht einfacher: Wenn Du eine Frequenz gefunden hast, auf dem das Basisgerät sendet: Wie lange bleibt diese Sendefrequenz erhalten ? Kann allein das Herumwandeln von Personen im Zimmer einen Frequenzwechsel auslösen ? Wieso eigentlich ? Findet die halbsekündige Absenkung der Leistung auf allen Sendefrequenzen statt, oder findest Du auf dem Spektrum Analyzer einzelne Frequenzen, die immer mit konstanter Leistung senden ? Was bedeutet diese periodische leistungsabsenkung ? Bei zwei und mehr DECT-Telephonen im Haus: Synchronisieren die ihre Sendepulse ?

Gedacht ist immer an die Situation ohne jedes Gespräch.

Besten Dank, wenn Du weitere Details findest! Mit guten Wünschen zum Jahreswechsel, A.Masson

Re: DECT widerspenstig gegen Messversuche.

Verfasst: 28. Dezember 2003 13:12
von charles claessens
Hallo,
für mich gilt: *ein guter DECT Telefon ist ein toter DECT Telefon!*

Ich finde DECT Telefone bis 3 Häuser weiter mit einem Digitmeter und eine logarithmische periodische Richtantenne einwandfrei und kann deren Platz genau orten.

Das Signal messe ich mit einem Gigahertz Analyser HF 58B.
Die Frequenz weiss ich dan nicht, aber ist für mich auch nicht wichtig.
Der DECT Ton ist sehr spezifisch und überall erkennbar.
Charles Claessens