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Eine Geschichte der Elektrizität ...

Verfasst: 16. Juli 2022 08:41
von Beobachter
"Wenn ein Sterblicher nur ihre Hand berührt,
Von solch einem göttlichen Kind sogar nur ihr Kleid,
Brennen die Funken doch genauso durch alle Glieder.
So schmerzhaft es auch ist, begehrt er es erneut."


Gedicht von Georg Matthias Bose, Physiker, 1710-1761

Quelle des Zitats
Arthus Firstenberg
Eine Geschichte der Elektrizität und ihrer übersehnen Gesundheitsgefährdung

Die Lektüre dieses Buches kann nur empfohlen werden.

Zum Hintergrund der Verse:
Der elektrische Kuss: Die Venus electrificata
Georg Mathias Bose, Professor der Physik an der Akademie zu Wittenberg, verband eine Frau mit einer Elektrisiermaschine und lud sie elektrostatisch auf. Danach gestattete die Venus electrificata (Abb.) einem (meist nichts ahnenden) Mann einen Kuss.
Elektrizität - Poetisierte Naturwissenschaft um 1800
Von Rupert Gaderer

https://sciencev1.orf.at/science/news/146903.html

Zum Verfasser des Gedichts:
B. gehörte um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu den wichtigsten Naturforschern, die sich der Erforschung und Popularisierung elektrischer Phänomene widmeten. Auf ihn gehen Verbesserungen der zeitgenössischen Elektrisiermaschinen sowie eine Vielzahl publikumswirksamer Experimente zurück.
https://saebi.isgv.de/biografie/Georg_M ... 1710-1761)

Mehr von Rupert Gaderner zur Elektromanie des 18. Jahrhunderts
Wenn die Funken fliegen
Spannung, oder: Wie Elektrizität Literatur transformiert

https://literaturkritik.de/id/14342

Mit anderen Worten:
Die Erregung solcher Art suchten, konnten von Anfang an nicht genug davon kriegen.
Laie hat geschrieben:
18. August 2014 15:26
Eva Weber hat geschrieben:"Natürliche Bedürfnisse sind begrenzt; was aus dem Irrwahn entspringt, hat kein Ziel, wo es ende; denn das Falsche hat keine Grenze." Seneca
Eva Weber
Der zitierten Stelle aus dem 16. Brief Senecas an Lucilius geht der Satz voraus:
"Wenig verlangt die Natur, der Wahn jedoch Unermessliches.""

"Bleibt immer hungrig"
Steve Jobs

Re: Eine Geschichte der Elektrizität ...

Verfasst: 16. Juli 2022 10:36
von Beobachter
Boses „Venus electrificata“ steht am Anfang einer diskursiven Verbindung von Liebe, Erotik, Sexualität und Elektrizität. Zumindest in der Literatur um 1800 wird unter dem Deckmantel einer technischen Sprache, die von Sexualität gesäubert scheint, mit jedem elektrischen Schlag indirekt über Sexualität und sexuelles Begehren gesprochen. Dies lässt sich aber nicht alleine auf das frühe 19. Jahrhundert beschränken. Weit über es hinaus bleibt dieses Verhältnis erhalten, da sich die Sprache der Liebe und des erotischen Begehrens an Phänomenen der Elektrizitätslehre orientieren. Erinnert sei hier lediglich an einen jungen Arzt aus Wien, der noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Jean-Martin Charcots Hôpital Salpêtrière in Paris sah, wie Frauen, die mit der Bezeichnung „Hysterikerinnen“ etikettiert wurden, elektrisch behandelt wurden. Er studierte auch selbst Wilhelms Erbs „Handbuch der Elektrotherapie“ (Leipzig 1822, 12. Auflage 1886) und elektrifiziert bis 1888 seine Patientinnen.

Zitiert nach:
Wenn die Funken fliegen
Spannung, oder: Wie Elektrizität Literatur transformiert
Von Rupert Gaderer

https://literaturkritik.de/id/14342