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Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 16. März 2004 12:56
von Coni
In letzter Zeit ist vermehrt zu lesen, dass die Herabsetzung der Grenzwerte für den Mobilfunk ein vordringliches Ziel sein müsse. Im Jahresbericht von Gigaherz ist die Sprache von der Herabsetzung auf ein erträgliches Mass. Neulich konnte man lesen, anzustrebender Grenzwert 0.6 V/m bzw. 0.2 V/m für Innenräume und Handys würden selbst bei 0.00035 V/m noch funktionieren. Das leuchtet mir ein. Geringere Belastung, weniger Schäden.

Was heisst nun aber, auf ein erträgliches Mass, in Zahlen? Und was wären die Konsequenzen einer Herabsetzung des Grenzwertes auf sagen wir mal 10 % oder gar 1 % des heutigen, in Bezug auf Anzahl Antennen, Antennenstandorte, Erreichbarkeit? Wievielen Menschen und Tieren wäre damit geholfen? Wieso wehren sich die Mobilfunkbetreiber so vehement gegen eine Herabsetzung?

Ich kann mir vorstellen, dass die Fragen ziemlich naiv klingen mögen. Aber ich denke, wir hätten durch eine Herabsetzung der Grenzwerte lediglich eine "bessere", "gerechtere", weil homogenere Verteilung der Strahlung erreicht, das Problen aber nicht eigentlich gelöst. Da müsste schon eine neue, unbedenkliche Technologie her. Bis dahin, privaten Mobilfunk abstellen! Aber vielleicht sehe ich das falsch.

Coni

Re: Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 16. März 2004 13:44
von Evi
Hallo Coni,

Das Ziel muss sein, eine Technologie zu entwickeln, die für die Gesundheit von Mensch und Natur unbedenklich ist. Das ist aber noch Zukunftsmusik, denn die Industrie will ihre Investitionen ja zuerst amortisieren.

Herabsetzung auf ein erträgliches Mass würde bedeuten: die Einführung der von der Landessanitätsdirektion Salzburg geforderten Werte von 0,06 V/m aussen und 0,02 V/m innen. Das hiesse, man könnte immer noch telefonieren , aber nicht bis in Tiefgaragen im 7. Untergeschoss, wie sich die Industrie das wünscht. (Reklame von Swisscom) Eigentlich heisst es ja: Mobilfunk: also, mobil telefonieren, wenn man eben nicht in seinem Haus, sondern unterwegs ist.

Es ist ausserdem nicht einzusehen, wieso es drei oder gar vier verschiedene Netze geben muss. Das wurde von der Politik gefordert, um den Wettbewerb zu fördern. In der Praxis findet jedoch dieser Wettbewerb gar nicht statt, denn die Preisunterschiede sind minim. Die Politik hat etwas entschieden, ohne vorher die Konsequenzen zu bedenken. Es hätte umgekehrt verlaufen müssen: Erst Abklärung der Unschädlichkeit der verwendeten Technologie und erst dann deren Flächen deckende Einführung.

Schuld an der ganzen Misere sind aber nicht nur diese falschen Entscheidungen der Politik und deren unbarmherzige Umsetzung in die Praxis, auch nicht allein der Aufbau der Netze durch die Betreiber, der ihnen ja zur Bedingung gemacht wurde, sondern in der Hauptsache drei Faktoren:

1. Das sture Beharren auf den einmal festgelegten Grenzwerten
2. das Abwarten auf die Ergebnisse der stets hinterher hinkenden wissenschaftlichen Erforschung der Schädlichkeit
3. die bedenkenlose Anwendung der Handytechnologie durch die Bevölkerung.

Gerade das Volk hätte es in der Hand, zur Schadensminimierung beizutragen und auf das Handy zu verzichten. Aber die meisten wissen entweder nicht Bescheid oder denken, es treffe nicht sie selbst, sondern nur die anderen und sie lassen sich von der Industrie willig vor ihren Karren spannen, gehen ein auf einen Bedarf, der künstlich geweckt wurde.

Evi

Re: Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 17. März 2004 01:10
von Markus
An Cony

0,6 V/m und 0,2 V/m genügen leider nicht. Das hat sich in der Vergangenheit gezeigt. Darum fordert Salzburg auch einen 10 x tieferen Wert.

Der Mobilfunk wird sich nicht abstellen lassen, leider! Das scheitert am Widerstand der Industrie. Die Handy-Freaks würden wahrscheinlich "Feuer" schreien und die Politik würde sich nie getrauen, einige Antennen auch nur versuchsweise abzustellen. Dabei wäre das die einfachste Methode, den Beweis für dessen Schädlichkeit zu liefern. Die eingesparten Kosten für die ins Uferlose in Auftrag gegebene Studien könnten viel besser für die Entwicklung einer neuen Technologie eingesetzt werden und/oder den Opfern zu helfen, die es leider heute schon gibt.

Sie haben aber recht, das Problem wäremit einer sog. "gerechteren und homogeneren Verteilung" der Belastung noch lange nicht gelöst. Das Ganze wäre doch nur ein Flickwerk und untauglich für die Lösung des Problems.

Markus

Re: Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 18. März 2004 12:07
von kassandra
Faktisch wird die Belastung der Handynutzer auf Kosten der Allgemeinheit (aller Menschen, auch solche, die diese Technologie nicht nutzen) reduziert. Je näher die Sendeanlage desto geringer die Strahlenleistung der Handys. Ob das Zufall ist oder ob es nicht doch darum geht das Risiko für einen Gehirntumor zu reduzieren (die sind dann nämlich ganz schlecht Kunden, wären dann vielleicht sogar in der Lage ohne Hirngrill auszukommen?)??
Bitte nicht auf meine Kosten. Ich nutze keins und möchte von der gepulsten HF-Strahlung verschont werden.
Nach 2 Jahren Wohnen am Mobilfunkmast, da hat man für ein Leben genug!

Re: Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 19. März 2004 23:07
von Univ.-Doz.Dr Ferdinand Ru
Ich lebe in einem Ort mit ca. 1700 Einwohnern und vier Basisstationen mit jeweils mehreren Sendeantennen in 50 m bis 250 m Abstand von meinem Wohnhaus. Gemessen habe ich mit einem HF-Meßgerät Werte bis 0,9 V/m.

Leider sehe ich zur Zeit keine andere realistische Möglichkeit als geeignete Abschirmmaßnahmen für den Innen- insbesondere den Schlafbereich vorzunehmen, bis eine Senkung der Vorsorgegrenzwerte auf ca. 0,02 V/m (innen, gesamt) wie u.a. von Dr.Oberfeld gefordert, durchgesetzt werden kann.
In den Ballungszentren Österreichs (z.B. Wien) liegen die Werte mit bis zu 3 V/m und mehr bereits in einem Bereich wo eine Abschirmung des Innenraumes problematisch wird.
In Südneuwales (Australien) hat bis 2003 ein Grenzwert von 0,06 V/m gegolten, hat sich aber auch dort nicht allgemein durchgesetzt.

Re: Herabsetzung Grenzwerte

Verfasst: 1. Dezember 2004 11:56
von Albert Gort
Sehr geehrter Herr Prof. Ruzicka

Sie sind Dozent an einer Universität, selber betroffen (bestrahlt) mit 0.9V/m, und schreiben, die einzige Lösung sei die Abschirmung des eigenen Wohnraumes.
Leider ist es so, dass momentan den Menschen fast nichts anderes übrigbleibt. Was aber machen alle dijenigen, welche nicht in einer eigenen Wohnung sind, also nicht einfach Abschirmmaterial an die Wände montieren können - oder den Aufwand nicht bezahlen können?
Es kann doch nicht sein, dass wir nur noch im Luftschutzkeller einigermassen wohl sind. Ich mache Messungen in Wohnungen, an Arbeitsplätzen usw. und stelle fest, dass alles was über 0.2V/m sehr bedenklich ist, und meiner Meinung nach kann eine Herabsetzung der Grenzwerte bei gleicher Technologie, bzw. Ausbau auf UMTS keineswegs die Lösung sein. Die Lngzeitschäden sind unaufhaltsam, der volkswirtschaftliche Schaden unermesslich, und das Leid der krank werdenen Menschen riesig. Die gesunde Fortpflanzung ist nicht mehr gewährleistet. All das sind doch Themen, welche für Sie und Ihre Studenten enorm wichtig wären, richtig thematisiert zu werden, auch wenn die Resultate, bzw. Ergebnisse in der Industrie zu Kursänderungen führen würden. Was soll's? Letztendlich geht es um unser Überleben, nicht um das Überleben der Industrie. Und es geht auch um die Natur, unseren Lebensraum. Die Natur braucht den Menchen nicht, wohl aber wir die Natur.