Bremgarten: Die Wohnung, in der alle krank wurden
Verfasst: 30. März 2004 09:55
Aargauer Zeitung / MLZ; 30.03.2004; Seite 2
Bremgarten
Die Wohnung, in der alle krank wurden
UNTERSCHRIFTENAKTION · Warum der Strahlenexperte Lothar Geppert gegen Mobilfunkantennen kämpft
Das Antennenanlage-Projekt von Swisscom Mobile im «Bibenlos» wird zurückgezogen - weil die Opposition in der Bevölkerung gross war. Formiert hatte sich der Widerstand rund um Lothar Geppert. Der in diesen Tagen schon wieder Unterschriften sammelt, diesmal gegen ein Vorhaben der Orange.
Susanna Vanek
Im letzten November war in Zufikon und Bremgarten die Verärgerung über Swisscom Mobile gross. Der Grund dafür war eine geplante UMTS-Erweiterung im «Bibenlos». Der Widerstand formierte sich rund um den Forscher Lothar Geppert. 42 Unterschriftenbögen mit insgesamt 701 Unterschriften gegen das Bauvorhaben konnten damals der Bremgarter Stadtverwaltung übergeben werden. Der Protest fruchtete: Gestern erhielt der Bremgarter Bauverwalter einen Brief von der Swisscom, sie ziehe das Baugesuch zurück. Sieg also für Lothar Geppert.
Der schon wieder mit einer Gruppe von Bremgartern Unterschriften sammelt, und zwar gegen die ausgeschriebene UMTS-Erweiterung der Mobilfunk-Antennenanlage auf dem Hochhaus Zürcherstrasse 15. Bis zum 5. April können Personen, die im Umkreis von 767 Meter um die Antenne wohnen, die Sammeleinsprache unterschreiben. Wobei: Lothar Geppert ist kein totaler Handy-Gegner. «Es gibt», erklärt er, «aber umweltverträglichere Konzepte für den Mobilfunk. Ohne Druck der Bevölkerung werden diese jedoch nicht zur Anwendung gelangen.» Dass dies geschieht, dafür setzt sich Lothar Geppert auch national, als Präsident der Diagnose-Funk, (www.diagnose-funk.ch), ein.
Dass er sich so gegen Mobilfunk-Antennen einsetzt, hat damit zu tun, dass Lothar Geppert selber durch Mobilfunk-Antennen krank wurde. Das war 1998, als er zusammen mit Mitbewohnern in eine Dachwohnung in der Stadt Zürich zog. Kurz darauf wurde der gebürtige Deutsche krank. Chronische Schmerzen quälten ihn, der immer leidenschaftlich gerne Sport getrieben hatte, Nerven- und Knochenhautentzündungen wollten und wollten nicht heilen. Zudem litt er an Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Was auch immer ihm die behandelnden Ärzte verschrieben, die Beschwerden wurden nicht besser. Auch Therapien halfen praktisch nicht. Irgendwann fiel Lothar Geppert auf, dass auch die anderen WG-Bewohnerinnen und -Bewohner ständig kränkelten. «Wie in einer WG üblich, zog immer wieder jemand aus und jemand anders kam», erzählt er, «und da stellte sich heraus, dass es allen gesundheitlich viel besser ging, wenn sie die Wohnung verliessen.»
Im Hauptstrahl von vier Antennen
Das, sagte sich der ehemalige Nasa-Forscher, musste doch einen Grund haben. In der Tat fand er sehr bald die Ursache: 2 Häuser weiter waren 10 Mobilfunkantennen installiert. «Unsere Wohnung befand sich im Hauptstrahl von 4 solcher Antennen», erzählt er. Was das bewirken kann, weiss Lothar Geppert ziemlich genau, «schliesslich habe ich als Wissenschafter für die Nasa die Applikationen und Auswirkungen elektromagnetischer Felder untersucht.» Sein Fazit: «Es ist gesundheitsschädigend.» Und nennt seine Mitbewohner als Beispiel. «Ihr Immunsystem war kaputt, sie kämpften alle paar Wochen mit einer Grippe. Das kommt daher, dass das Hirn die Strahlen als ‹langwelliges Licht› interpretiert und deshalb davon ausgeht, es sei Tag. Das hält einen einerseits wach, andererseits wird so die Produktion des Hormons Melatonin be- oder sogar verhindert. Weil Melatonin fast nur im Schlaf produziert wird, fehlt es dann für das Immunsystem.» Lothar Geppert zitiert in diesem Zusammenhang eine Studie der Universität Bern, wonach bei 50 Prozent der Bevölkerung bei 1 V/m Feldstärke Schlafstörungen auftauchen. Die Wissenschafter Navarro und Gomez-Perretta seien in einer Studie zum gleichen Schluss gekommen.
Viele Krebserkrankungen
«Aber», wendet die Journalistin ein, «die Behörden betonen doch immer, dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft Mobilfunk-Antennen keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben.» Geppert lächelt fein. «Nun ja, dann ist es ja gut. Schliesslich besitzt der Bund 62 Prozent der Swisscom-Aktien. Und der Mobilmarkt ist ein boomender Wirtschaftszweig, mit dem Milliarden verdient werden.» Dann wird er wieder ernst. «Die Fakten sprechen dennoch eine andere Sprache.» So belege die Kolodynski-Studie, dass bestrahlte Kinder sich Zahlenfolgen weit schlechter merken. Schlimmer ist ein Beispiel aus Spanien, das Geppert erwähnt: In Rondo bei Malaga seien 12 Schüler und Lehrer dreier Schulen im Umkreis von 100 Metern um eine Mobilfunkanlage seit der Installation an Krebs erkrankt. Im Wohnblock gegenüber gab es innerhalb von 2 Jahren 5 Fehlgeburten bei 9 Schwangerschaften. Überhaupt, erzählt der Ingenieur, hätten Bürgerverbände recherchiert, dass bereits mehr als 60 Krebshäufungen um Mobilfunkantennen vorgekommen seien. «Was mir als Wissenschafter einleuchtet», meint Geppert.
Der selber, als er die Mobilfunkantenne bei seiner Zürcher Wohnung entdeckte, beschloss, wegzuziehen. Im September 2003 kam er nach Bremgarten. Wo er sich wie gesagt dagegen wehrt, wieder ein Opfer von Natelantennen zu werden. «Professor Peter Semm von der Universität Frankfurt hat schliesslich auch gesagt, er würde sein Kind nicht in einen Kindergarten schicken, wenn sich im Umkreis eine Mobilfunksendeanlage befindet. Und der forschte im Auftrag der Telekom», sagt Geppert.
Infos unter Telefon 056 631 57 84, 7.30 bis 9 Uhr und 19 bis 22 Uhr, Sa/So immer
Bremgarten
Die Wohnung, in der alle krank wurden
UNTERSCHRIFTENAKTION · Warum der Strahlenexperte Lothar Geppert gegen Mobilfunkantennen kämpft
Das Antennenanlage-Projekt von Swisscom Mobile im «Bibenlos» wird zurückgezogen - weil die Opposition in der Bevölkerung gross war. Formiert hatte sich der Widerstand rund um Lothar Geppert. Der in diesen Tagen schon wieder Unterschriften sammelt, diesmal gegen ein Vorhaben der Orange.
Susanna Vanek
Im letzten November war in Zufikon und Bremgarten die Verärgerung über Swisscom Mobile gross. Der Grund dafür war eine geplante UMTS-Erweiterung im «Bibenlos». Der Widerstand formierte sich rund um den Forscher Lothar Geppert. 42 Unterschriftenbögen mit insgesamt 701 Unterschriften gegen das Bauvorhaben konnten damals der Bremgarter Stadtverwaltung übergeben werden. Der Protest fruchtete: Gestern erhielt der Bremgarter Bauverwalter einen Brief von der Swisscom, sie ziehe das Baugesuch zurück. Sieg also für Lothar Geppert.
Der schon wieder mit einer Gruppe von Bremgartern Unterschriften sammelt, und zwar gegen die ausgeschriebene UMTS-Erweiterung der Mobilfunk-Antennenanlage auf dem Hochhaus Zürcherstrasse 15. Bis zum 5. April können Personen, die im Umkreis von 767 Meter um die Antenne wohnen, die Sammeleinsprache unterschreiben. Wobei: Lothar Geppert ist kein totaler Handy-Gegner. «Es gibt», erklärt er, «aber umweltverträglichere Konzepte für den Mobilfunk. Ohne Druck der Bevölkerung werden diese jedoch nicht zur Anwendung gelangen.» Dass dies geschieht, dafür setzt sich Lothar Geppert auch national, als Präsident der Diagnose-Funk, (www.diagnose-funk.ch), ein.
Dass er sich so gegen Mobilfunk-Antennen einsetzt, hat damit zu tun, dass Lothar Geppert selber durch Mobilfunk-Antennen krank wurde. Das war 1998, als er zusammen mit Mitbewohnern in eine Dachwohnung in der Stadt Zürich zog. Kurz darauf wurde der gebürtige Deutsche krank. Chronische Schmerzen quälten ihn, der immer leidenschaftlich gerne Sport getrieben hatte, Nerven- und Knochenhautentzündungen wollten und wollten nicht heilen. Zudem litt er an Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Was auch immer ihm die behandelnden Ärzte verschrieben, die Beschwerden wurden nicht besser. Auch Therapien halfen praktisch nicht. Irgendwann fiel Lothar Geppert auf, dass auch die anderen WG-Bewohnerinnen und -Bewohner ständig kränkelten. «Wie in einer WG üblich, zog immer wieder jemand aus und jemand anders kam», erzählt er, «und da stellte sich heraus, dass es allen gesundheitlich viel besser ging, wenn sie die Wohnung verliessen.»
Im Hauptstrahl von vier Antennen
Das, sagte sich der ehemalige Nasa-Forscher, musste doch einen Grund haben. In der Tat fand er sehr bald die Ursache: 2 Häuser weiter waren 10 Mobilfunkantennen installiert. «Unsere Wohnung befand sich im Hauptstrahl von 4 solcher Antennen», erzählt er. Was das bewirken kann, weiss Lothar Geppert ziemlich genau, «schliesslich habe ich als Wissenschafter für die Nasa die Applikationen und Auswirkungen elektromagnetischer Felder untersucht.» Sein Fazit: «Es ist gesundheitsschädigend.» Und nennt seine Mitbewohner als Beispiel. «Ihr Immunsystem war kaputt, sie kämpften alle paar Wochen mit einer Grippe. Das kommt daher, dass das Hirn die Strahlen als ‹langwelliges Licht› interpretiert und deshalb davon ausgeht, es sei Tag. Das hält einen einerseits wach, andererseits wird so die Produktion des Hormons Melatonin be- oder sogar verhindert. Weil Melatonin fast nur im Schlaf produziert wird, fehlt es dann für das Immunsystem.» Lothar Geppert zitiert in diesem Zusammenhang eine Studie der Universität Bern, wonach bei 50 Prozent der Bevölkerung bei 1 V/m Feldstärke Schlafstörungen auftauchen. Die Wissenschafter Navarro und Gomez-Perretta seien in einer Studie zum gleichen Schluss gekommen.
Viele Krebserkrankungen
«Aber», wendet die Journalistin ein, «die Behörden betonen doch immer, dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft Mobilfunk-Antennen keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben.» Geppert lächelt fein. «Nun ja, dann ist es ja gut. Schliesslich besitzt der Bund 62 Prozent der Swisscom-Aktien. Und der Mobilmarkt ist ein boomender Wirtschaftszweig, mit dem Milliarden verdient werden.» Dann wird er wieder ernst. «Die Fakten sprechen dennoch eine andere Sprache.» So belege die Kolodynski-Studie, dass bestrahlte Kinder sich Zahlenfolgen weit schlechter merken. Schlimmer ist ein Beispiel aus Spanien, das Geppert erwähnt: In Rondo bei Malaga seien 12 Schüler und Lehrer dreier Schulen im Umkreis von 100 Metern um eine Mobilfunkanlage seit der Installation an Krebs erkrankt. Im Wohnblock gegenüber gab es innerhalb von 2 Jahren 5 Fehlgeburten bei 9 Schwangerschaften. Überhaupt, erzählt der Ingenieur, hätten Bürgerverbände recherchiert, dass bereits mehr als 60 Krebshäufungen um Mobilfunkantennen vorgekommen seien. «Was mir als Wissenschafter einleuchtet», meint Geppert.
Der selber, als er die Mobilfunkantenne bei seiner Zürcher Wohnung entdeckte, beschloss, wegzuziehen. Im September 2003 kam er nach Bremgarten. Wo er sich wie gesagt dagegen wehrt, wieder ein Opfer von Natelantennen zu werden. «Professor Peter Semm von der Universität Frankfurt hat schliesslich auch gesagt, er würde sein Kind nicht in einen Kindergarten schicken, wenn sich im Umkreis eine Mobilfunksendeanlage befindet. Und der forschte im Auftrag der Telekom», sagt Geppert.
Infos unter Telefon 056 631 57 84, 7.30 bis 9 Uhr und 19 bis 22 Uhr, Sa/So immer