Reaktiv statt offensiv: Swisscom Berater Reinhold "pro
Verfasst: 9. Juli 2004 14:00
© St. Galler Tagblatt; 07.07.2004
Kanton St. Gallen
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Mobilfunk-Anbieter suchen die Diskussion und laden zum Workshop
ST. GALLEN. Das Forum Mobil will diffusen Ängsten mit sachlicher Information begegnen. Der Ende 2002 gegründete Verein der drei Mobilfunk-Betreiber lud die Medien zum Workshop. Ein Augenschein.
CHRISTOPH ZWEILI
«Orange darf Antenne nicht bauen», «Mobilfunk: Volk will mitreden», «Bürgerinitiative bodigt Antenne»: Der Antennenboom im Zusammenhang mit dem Ausbau des Mobilfunk-Netzes macht schweizweit Schlagzeilen. Die Mobilfunk-Betreiber haben viel Geld in die technische Infrastruktur investiert. Gemäss Eidgenössischer Kommunikationskommission (ComCom) müssen die Netzbetreiber Swisscom, Sunrise und Orange bis zum Jahresende mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit der neuen UMTS-Handytechnologie abdecken können. Sie kann wesentlich mehr Daten übertragen als das heutige GSM-Netz der zweiten Generation.
Sind die Telecomfirmen angesichts der Einspracheflut gegen die UMTS-Antennen so unter Zugzwang, dass sie jetzt Workshops für Journalisten organisieren müssen? Stefan Kern vom Forum Mobil verneint: «Die sieben Workshops zwischen Chur und Bern haben nichts mit neuralgischen Netzpunkten zu tun. Sie sind Teil unseres Informationskonzepts.»
Missverständnisse ausräumen
Über 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzt heute den Mobilfunk. Im Workshop angesprochen wurden Missverständnisse, etwa die Forderung, Antennen seien aus Wohnquartieren zu entfernen. Dem stehe entgegen, dass Antennen dort platziert werden müssten, wo eine Nachfrage bestehe, hiess es gestern seitens von Forum Mobil. Das nicht nur aus technischen Gründen: Auch das Raumplanungsgesetz schreibe Standorte grundsätzlich im Siedlungsgebiet vor. Überall seien die strengen Grenzwerte in der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) einzuhalten.
«Ein gemeinsames Netz für alle Betreiber ist technisch zwar machbar, aber die Politik wollte den Wettbewerb auch im Antennenbau», sprach Christian Grasser, Leiter Fachstelle Umwelt bei Orange, ein zweites Missverständnis an. In rund einem Drittel der Fälle nutzen die drei Betreiber die Mobilfunkmasten gemeinsam. Weitere gemeinsame Nutzungen seien oft unmöglich, weil aufgrund der strengen Grenzwerte die Sendeleistung stark eingeschränkt werde.
Der Mediziner Reinhold Berz, teilzeitlich bei Swisscom als Berater beschäftigt, widerlegte in seinem Referat Studien und Forschungsresultate, die eine schädliche Wirkung am Menschen nachweisen.
Mobilfunk und Gesundheit
«Gesundheitliche Risiken wie Gehirntumore, Stressproteine, Hormonveränderungen oder EEG-Veränderungen konnten bisher weder einwandfrei nachgewiesen noch eindeutig ver-worfen werden», sagte der Autor des 2003 erschienenen Fachbuchs «Krank durch Mobilfunk?».
Wörtlich
Reaktiv statt offensiv
Der Workshop hat inhaltlich wenig gebracht - vieles wurde verharmlost und unterbewertet. Die Telecom-Anbieter sind in der Pflicht, auch wenn der Anteil des Mobilfunks an den Umweltbelastungen ein kleiner sein mag. Elektrosmog-Belastungen basieren auf einem Summen-Effekt.
Bosco Büeler, grüner Kantonsrat, Baubiologe
Der Workshop-Morgen hat bestätigt, wie schwierig es ist, sachlich über Mobilkommunikation zu berichten. Die investierte Zeit hat sich gelohnt.
Martin Hohl, Amt für Umwelt, Kanton St. Gallen
Ich bin von den Aussagen des Swisscom-Mediziners Reinhold Berz enttäuscht. Er hat bestehende Studienergebnisse widerlegt - eine heikle Strategie. Ich hätte in den Workshops mehr Offensive erwartet: Stattdessen reagierten die Telecom-Anbieter wieder nur reaktiv. (cz)
Harry Künzle, Umwelt fachstelle Stadt St. Gallen
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Mobilfunk-Anbieter suchen die Diskussion und laden zum Workshop
ST. GALLEN. Das Forum Mobil will diffusen Ängsten mit sachlicher Information begegnen. Der Ende 2002 gegründete Verein der drei Mobilfunk-Betreiber lud die Medien zum Workshop. Ein Augenschein.
CHRISTOPH ZWEILI
«Orange darf Antenne nicht bauen», «Mobilfunk: Volk will mitreden», «Bürgerinitiative bodigt Antenne»: Der Antennenboom im Zusammenhang mit dem Ausbau des Mobilfunk-Netzes macht schweizweit Schlagzeilen. Die Mobilfunk-Betreiber haben viel Geld in die technische Infrastruktur investiert. Gemäss Eidgenössischer Kommunikationskommission (ComCom) müssen die Netzbetreiber Swisscom, Sunrise und Orange bis zum Jahresende mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit der neuen UMTS-Handytechnologie abdecken können. Sie kann wesentlich mehr Daten übertragen als das heutige GSM-Netz der zweiten Generation.
Sind die Telecomfirmen angesichts der Einspracheflut gegen die UMTS-Antennen so unter Zugzwang, dass sie jetzt Workshops für Journalisten organisieren müssen? Stefan Kern vom Forum Mobil verneint: «Die sieben Workshops zwischen Chur und Bern haben nichts mit neuralgischen Netzpunkten zu tun. Sie sind Teil unseres Informationskonzepts.»
Missverständnisse ausräumen
Über 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzt heute den Mobilfunk. Im Workshop angesprochen wurden Missverständnisse, etwa die Forderung, Antennen seien aus Wohnquartieren zu entfernen. Dem stehe entgegen, dass Antennen dort platziert werden müssten, wo eine Nachfrage bestehe, hiess es gestern seitens von Forum Mobil. Das nicht nur aus technischen Gründen: Auch das Raumplanungsgesetz schreibe Standorte grundsätzlich im Siedlungsgebiet vor. Überall seien die strengen Grenzwerte in der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) einzuhalten.
«Ein gemeinsames Netz für alle Betreiber ist technisch zwar machbar, aber die Politik wollte den Wettbewerb auch im Antennenbau», sprach Christian Grasser, Leiter Fachstelle Umwelt bei Orange, ein zweites Missverständnis an. In rund einem Drittel der Fälle nutzen die drei Betreiber die Mobilfunkmasten gemeinsam. Weitere gemeinsame Nutzungen seien oft unmöglich, weil aufgrund der strengen Grenzwerte die Sendeleistung stark eingeschränkt werde.
Der Mediziner Reinhold Berz, teilzeitlich bei Swisscom als Berater beschäftigt, widerlegte in seinem Referat Studien und Forschungsresultate, die eine schädliche Wirkung am Menschen nachweisen.
Mobilfunk und Gesundheit
«Gesundheitliche Risiken wie Gehirntumore, Stressproteine, Hormonveränderungen oder EEG-Veränderungen konnten bisher weder einwandfrei nachgewiesen noch eindeutig ver-worfen werden», sagte der Autor des 2003 erschienenen Fachbuchs «Krank durch Mobilfunk?».
Wörtlich
Reaktiv statt offensiv
Der Workshop hat inhaltlich wenig gebracht - vieles wurde verharmlost und unterbewertet. Die Telecom-Anbieter sind in der Pflicht, auch wenn der Anteil des Mobilfunks an den Umweltbelastungen ein kleiner sein mag. Elektrosmog-Belastungen basieren auf einem Summen-Effekt.
Bosco Büeler, grüner Kantonsrat, Baubiologe
Der Workshop-Morgen hat bestätigt, wie schwierig es ist, sachlich über Mobilkommunikation zu berichten. Die investierte Zeit hat sich gelohnt.
Martin Hohl, Amt für Umwelt, Kanton St. Gallen
Ich bin von den Aussagen des Swisscom-Mediziners Reinhold Berz enttäuscht. Er hat bestehende Studienergebnisse widerlegt - eine heikle Strategie. Ich hätte in den Workshops mehr Offensive erwartet: Stattdessen reagierten die Telecom-Anbieter wieder nur reaktiv. (cz)
Harry Künzle, Umwelt fachstelle Stadt St. Gallen