Forum Mobil Messungen in Wil

The Future's Black

Forum Mobil Messungen in Wil

Beitrag von The Future's Black » 22. Juli 2004 13:49

© St. Galler Tagblatt; 19.07.2004

Wil

Wiler Zeitung / Volksfreund

«Wo telefoniert wird, braucht es Antennen»

Das Forum Mobil mit Sitz in Bern hat unter anderem in Wil Messungen der Mobilfunk-Immissionen durchgeführt. An den meisten Orten seien die Werte deutlich tiefer als der Grenzwert, sagt Geschäftsführerin Sonja Bietenhard.

In Wil wurden Immissionsmessungen auf dem Bahnhofplatz und beim Schulhaus Allee durchgeführt. Nach welchen Kiterien wurden die Standorte ausgewählt?

Sonja Bietenhard: Wir haben an jedem Ort einen öffentlichen Platz gewählt, an dem die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten und ein zweiter mit so genannter empfindlicher Nutzung. Letzterer erfordert einen zehnmal strengeren, höchstzulässigen Grenzwert. Ein anderes Kriterium war, einen Standort zu finden, an dem die Messinstallation niemanden behindert oder stört.

Mit welchem Ziel wurden die Messungen durchgeführt und anschliessend publik gemacht?

Bietenhard: Ziel war es, zu zeigen, dass die Grenzwerte in der Schweiz nicht nur eingehalten werden, sondern an den meisten Orten wesentlich tiefer sind, als die Bevölkerung befürchtet.

Die Messungen seien zu «typischen» Tageszeiten durchgeführt worden, hiess es in der Medien-Mitteilung des Forums Mobil. Was heisst das?

Bietenhard: Damit sind die Zeiten während des Tages gemeint, also zwischen 8 Uhr bis etwa 18 Uhr.

In Wil wird häufig über den Standort von Mobilfunkantennen diskutiert. Dabei wird von der Bevölkerung immer wieder der Wunsch geäussert, dass die Antennen nicht neben Schulhäusern oder Altersheimen stehen sollen. Stimmt es, dass die Strahlen von Antennen stärker sind, je näher man bei der Antenne wohnt?

Bietenhard: Dass grundsätzlich die Emission einer Antenne mit steigender Distanz abnimmt, ist richtig. Allerdings müssen überall an Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN) - dazu gehören etwa Spitäler, Altersheime oder Kinderspielplätze - die Grenzwerte eingehalten werden, ob sich dies Orte nun in 10 oder 100 Meter Distanz von einer Antenne befinden. In dicht bebauten Gebieten können Antennen ohnehin keine grossen Leistungen aufweisen, wegen der überall einzuhaltenden Grenzwerte. Da sich die Mobilfunkfelder eher kegelartig und nicht kugelartig ausbreiten, kann es durchaus sein, dass die gemessenen Werte in 50 Meter Distanz tiefer sind, als diejenigen in 100 Meter Distanz, wenn man sich rund um die Antenne dreht oder in einer anderen Höhe misst. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Bewilligungsdaten für einzelne Antennen ganze Ordner füllen. Die Berechnungen von genauen Sendeleistungen, Richtungen, Neigungswinkeln, berechneten Werten an bestimmten Hausecken oder Wohnzonen sind alles andere als trivial.

Stimmt die Behauptung, dass es besser ist, viele kleine Antennen mit geringer Strahlung aufzustellen, als eine grosse mit stärkerer Strahlung?

Bietenhard: Dies ist so nicht richtig. Kleine Antennen eignen sich zur Ergänzung des Netzes und zur Schliessung kleiner Lücken. Sie haben aber nur eine sehr begrenzte Leistung und daher nur eine geringe Reichweite. Für die Bildung eines flächendeckendes Netzes sind kleine Antennen ungeeignet; sie minimieren im Übrigen auch die Gesamtimmissionen in aller Regel nicht. Grundsätzlich braucht es ja dort Antennen, wo telefoniert wird. Und es benötig eine Leistung, die der Nachfrage entspricht. In der Planung müssen aber auch Kriterien wie umliegende Antennen, Grenzwerte, Topografie, Raumplanung oder Denkmalfragen berücksichtigt werden.

In Wil wurde die Frage diskutiert, ob die Stadt Einfluss nehmen kann auf den Standort einer Mobilfunkantenne. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Frage gemacht?

Bietenhard: Die Auflagen der Behörden - Gesetzgebung, Raumplanung, Zonenplanung, Ortsbildschutz oder Denkmalpflege - müssen grundsätzlich immer eingehalten werden, egal ob die Gemeinde direkt in die Planung einbezogen ist oder nicht. Signalisiert eine Gemeinde nun den Betreibern, dass sie konstruktiv bei der Planung mitwirken möchte, werden die Betreiber auf dieses Angebot bestimmt eingehen. Ist eine Gemeinde zudem Standortgeberin, ist sie automatisch und direkt in die Planung einbezogen. Letztlich muss das gemeinsame Ziel sein, ein optimales Mobilfunknetz bereitzustellen. Und optimal bedeutet sowohl mit genügender Leistung für die vielen Mobilfunknutzer, als auch mit möglichst geringer Sendeleistung.

Interview: Andrea Brülisauer

Was ist das Forum Mobil?

Ziel des Forums Mobil ist es, der Besorgnis über Antennenstandorte und elektromagnetische Wellen mit einer Informations- und Dialogplattform zu begegnen. Dabei, so das Forum, soll der Nutzen der mobilen Kommunikation ebenso angesprochen werden wie Gesundheit, Umwelt, Recht und Wissenschaft. Das Forum setzt sich zum Ziel, in den oft emotionalen Auseinandersetzungen betreffend Mobilfunk mit verschiedenen Interessengruppen zu kommunizieren und dabei fachlich und sachlich zu informieren.

Messungen in der Stadt Wil

Das Forum Mobil hat in Wil Immissionsmessungen auf dem Bahnhofplatz und beim Schulhaus Allee durchgeführt. Folgende Werte wurde erhoben:

Bahnhofplatz, 29. Juni, 7.47 bis 10.09 Uhr: Tiefster gemessener Wert: 0,1024 V/m (zulässiger Grenzwert: 50 V/m); höchster gemessener Wert: 0,1479 V/m (zulässiger Grenzwert: 50 V/m).

Schulhaus Allee, 29. Juni 11.09 bis 14.05 Uhr: Tiefster gemessener Wert: 0,3569 V/m (zulässiger Grenzwert: 5 V/m); höchster gemessener Wert: 0,5039 V/m (zulässiger Grenzwert: 5 V/m).

Coni

Re: Forum Mobil Messungen in Wil

Beitrag von Coni » 22. Juli 2004 16:16

Bin sehr gespannt auf den Kommentar von Gigaherz betreffend Messortwahl und Zeitpunkt der Messungen bei der Kampagne in Wil.

Wie hat man das wohl zu verstehen? Zitat: An den meisten Orten(in Wil?) seien die Werte deutlich tiefer als der Grenzwert, sagt Sonja Bietenhard, Zitatende. Dann weden Messwerte von zwei Orten geliefert, wo sich niemand, wer wohl am wenigsten, gestört fühlte!

Grüsse, Coni

Hans-U.Jakob

Re: Forum Mobil Messungen in Wil

Beitrag von Hans-U.Jakob » 23. Juli 2004 09:29

Aus Zeitmangel kann ich nur auf http://www.gigaherz.ch/771 hinweisen, wo die Tricks akkreditierter Messfirmen beschrieben sind, die zur Anwendung kommen, um solch phantasievolle Messresultate zu erhalten.
"Im Dunkeln ist gut munkeln" müsste man abändern in "im Dunkeln ist gut mogeln" Denn an Orten wo die Antenne gar nicht "hinleuchtet" oder an Orten im "Funkschatten" kann Frau Bietenhard leicht zu solchen Resultaten kommen, die oft einem abgeschalteten Sender sehr ähnlich sind.
Ein weiterer Trick ist es, Messgeräte zu verwenden, die die ultraschnellen Anstiegszeiten der Mobilfunkpulsierung gar nicht mitmachen.
Wenn Wil nicht so weit abgelegen wäre, könnten wir ja mal überfallmässig nachmessen.
Ich nehme an, dass Frau Bietenhard in ihrer Verbohrtheit bald einmal in Bern auftaucht. Ich kann mir also die Tagreise nach Wil sparen.
Uebrigens: Das ForumMobil ist ein Verein der Schweizer Mobilfunkbetreiber. Jahresbeitrag 1 Million für Vollmitglieder und Fr. 100'000 für Passivmitglieder (Zulieferfirmen).
Mit einem Jahresbudget von 7 Millionen, lässt sich einiges an Desinformationen zusammenkomponieren.
Hans-U.Jakob

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