Swisscom/Omk Trick in Hemberg: CHF 100.000 Plexiglas Wunder:
Verfasst: 22. Juli 2004 14:14
© St. Galler Tagblatt; 14.07.2004
Wissen
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«Wissenschaftlich unplausibel»
Gregor Dürrenberger von der ETH Zürich hält die Wirkung der biogeometrischen Figuren in Hemberg wissenschaftlich für unplausibel - das gewonnene Wohlbefinden der Menschen durch Karims Methode stellt er aber nicht in Abrede.
Herr Dürrenberger, in Hemberg hat der ägyptische Doktor Ibrahim Karim versucht, die Beschwerden der Leute wegen elektromagnetischer Strahlung mit biogeometrischen Installationen zu lindern. Gibt es einen wissenschaftlichen Ansatz dafür?
Gregor Dürrenberger: Sie sprechen von naturwissenschaftlich belegter Wirkung? Nach traditionellem physikalischem Schulwissen sind die Wirkungen der Biogeometrie nicht erklärbar. Dass diese Figuren einen Einfluss auf die elektromagnetischen Felder haben, welche nach Meinung der Anwohner ihr Wohlbefinden beeinflussen, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht unplausibel.
Trotzdem erzählen Betroffene in Hemberg von der positiven Wirkung von Ibrahim Karims Installationen.
Dürrenberger: So sind wir Menschen veranlagt. Die Psyche hat einen Einfluss auf unseren Organismus. Das ist überhaupt nicht hämisch gemeint. Ibrahim Karim will seine Methode, so wie ich das verstehe, auch nicht als physikalische verstanden wissen. Es geht ihm um Formen, nicht um Volt pro Meter.
Die Methode polarisiert, von Humbug und Zauberei ist die Rede. Der Geschäftsführer der Vereinigung Elektrosmog-Betroffener gigaherz.ch, Hans U. Jakob, verurteilt die Methode Karims aufs Schärfste.
Dürrenberger: Hans U. Jakob ist ein vehementer Gegner der Mobilfunk-Technologie. Wenn jemand wie Ibrahim Karim verspricht oder gar zeigt, dass Elektrosmog-Betroffene durch biogeometrische Massnahmen plötzlich beschwerdefrei leben können, ist das nicht im Sinne eines Mobilfunk-Kritikers. Aus naturwissenschaftlicher Sicht möchte ich aber vor Überzeugungen warnen, man könne mit geheimen Mitteln plötzlich die Physik ausser Kraft setzen. Das wäre wohl eher ein Rückschritt ins Mittelalter.
Schon über die Wirkung der Mobilfunk-Strahlung gehen die Meinungen aber weit auseinander. Gibt es wissenschaftlich belegte gesundheitliche Schädigungen durch Elektrosmog?
Dürrenberger: Es gibt viel Forschung auf diesem Gebiet. Zwei Stränge kann man unterscheiden. Gut belegt ist die thermische Wirkung. Ein Teil der Energie der Felder wird vom Körper absorbiert, und das kann zu Erwärmung führen. Wenn die Erwärmung zu gross ist, kann das Herz-Kreislauf-Probleme und andere gesundheitliche Effekte auslösen. Die gültigen Grenzwerte schützen hier aber vollumfänglich vor negativen Auswirkungen.
Und der zweite Strang?
Dürrenberger: Das ist die sehr schwache Strahlung, der jemand über längere Zeit ausgesetzt ist. Dass es biologische Effekte unterhalb der thermischen Auswirkungen gibt, ist heutzutage eigentlich unbestritten. Aber ob die gesundheitlich von Bedeutung sind, weiss man nicht. Da kann man nur spekulieren. Mit den Resultaten, die man bis jetzt gesammelt hat, konnte man keine gesundheitlichen Schädigungen nachweisen. Es gilt aber anzumerken: Die Befunde aus der Krebsforschung im Zusammenhang mit Handys können noch nicht abschliessend bewertet werden. Auch wenn die grosse Mehrheit der Studien keine Gefährdung sieht, ist aufgrund der langen Latenzzeit von gewissen Krebsarten noch keine abschliessende Aussage möglich. Die Unbedenklichkeit kann wissenschaftlich nie bewiesen werden. Bezüglich schwacher Felder und Gesundheit werden aber auch subjektive Befindlichkeitsstörungen wie Kopfweh, Müdigkeit und Ähnliches diskutiert. Das Schwierige hier ist, dass es für diese Symptome viele Ursachen gibt und es sehr anspruchsvoll ist, wissenschaftlich robuste und aussagekräftige Studien durchzuführen. Man versucht jetzt im Labor, unter kontrollierten Bedingungen mit Versuchspersonen entsprechende Experimente zu machen.
Die Fronten verhärten sich immer mehr.
Dürrenberger: Vor ein paar Jahren gab es eine Entspannung, jetzt im Zusammenhang mit dem Aufbau der UMTS-Infrastruktur gibt es wieder eine Verhärtung.
Immer mehr telefonieren mobil, niemand will eine Antenne. Ein Anachronismus.
Dürrenberger: Die Mobilfunk-Antenne vor der Tür will man nicht, aber das Handy benutzt man durchaus. Hier gibt es tatsächlich ein Akzeptanzdilemma.
Ist nächstens ein technologischer Fortschritt zu erwarten, welcher die Strahlung reduziert?
Dürrenberger: Pauschal und sehr grob gesagt gilt: Je höher die Frequenz, desto kleiner die Leistung einer Antenne und desto mehr Standorte braucht es, um ein vorgegebenes Gebiet zu versorgen. Das ist ein Punkt, der häufig zu Verwirrung führt: Man fordert, dass Antennen zusammengelegt werden. Dann nimmt aber die Leistung an diesem Standort zu. Um die maximalen Feldstärken in einem Versorgungsgebiet möglichst tief zu halten, müsste es möglichst viele Antennen, dafür jede mit kleiner Leistung geben. Nicht zu vergessen ist aber, dass die reale Belastung fast aller Menschen massiv tiefer ist, als es die Anlage-Grenzwerte vorschreiben.
Welche Massnahmen empfehlen Sie, um sich vor Elektrosmog zu schützen?
Dürrenberger: Dass man dort, wo man wirklich einen Einfluss hat, etwas macht. Und das ist beim Telefonieren selber. Wenn man Befürchtungen hat, sollte man möglichst wenig mit dem Handy telefonieren und einen Ohrhörer verwenden. Und die Basisstation eines kabellosen Telefons sollte man nicht gerade auf das Nachttischchen stellen.
Interview: Bruno Knellwolf
Person
Gregor Dürrenberger
Leiter Forschungsstiftung Mobilkommunikation ETH Zürich
Karims Biogeometrie
Die Biogeometrie polarisiert - für die einen ist es purer Schwindel, für die anderen Heilmittel im Kampf gegen die Verstrahlung unserer Umwelt. Im Juni 2002 hatte die Swisscom in Hemberg eine Mobilfunk-Antenne in Betrieb genommen. Elektrosensible Menschen wehrten sich gegen die gesetzeskonforme Antenne. Monate später kam der Ägypter Ibrahim Karim ins Spiel, diplomierter ETH-Architekt und Doktor der Wissenschaften. Er setzte seine von ihm entwickelten biogeometrischen Figuren aus Holz und Plexiglas ein, welche von der Form her an Stuhlbeine erinnern. Damit will Karim zwölf verschiedene Störquellen ausserhalb Hembergs und sieben im Kirchturm in positive Energie umgewandelt haben. Tatsächlich erklärten viele Betroffene danach, dass sie sich nun deutlich besser fühlten.
Karims Biogeometrie versteht sich als ganzheitliche Methode, die alle Ebenen des Seins umfasse. Die moderne Technik vernachlässige allerdings den spirituellen Aspekt und damit die kosmischen Ordnungsgesetze. Daraus entstünden für unser Leben (Bios) Störfelder. Diese Felder will Ibrahim Karim mit Klängen, Farben oder Formen, welche auf den kosmischen Ordnungsgesetzen aufgebaut sind, in harmonische Schwingungen versetzen. (Kn.)
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«Wissenschaftlich unplausibel»
Gregor Dürrenberger von der ETH Zürich hält die Wirkung der biogeometrischen Figuren in Hemberg wissenschaftlich für unplausibel - das gewonnene Wohlbefinden der Menschen durch Karims Methode stellt er aber nicht in Abrede.
Herr Dürrenberger, in Hemberg hat der ägyptische Doktor Ibrahim Karim versucht, die Beschwerden der Leute wegen elektromagnetischer Strahlung mit biogeometrischen Installationen zu lindern. Gibt es einen wissenschaftlichen Ansatz dafür?
Gregor Dürrenberger: Sie sprechen von naturwissenschaftlich belegter Wirkung? Nach traditionellem physikalischem Schulwissen sind die Wirkungen der Biogeometrie nicht erklärbar. Dass diese Figuren einen Einfluss auf die elektromagnetischen Felder haben, welche nach Meinung der Anwohner ihr Wohlbefinden beeinflussen, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht unplausibel.
Trotzdem erzählen Betroffene in Hemberg von der positiven Wirkung von Ibrahim Karims Installationen.
Dürrenberger: So sind wir Menschen veranlagt. Die Psyche hat einen Einfluss auf unseren Organismus. Das ist überhaupt nicht hämisch gemeint. Ibrahim Karim will seine Methode, so wie ich das verstehe, auch nicht als physikalische verstanden wissen. Es geht ihm um Formen, nicht um Volt pro Meter.
Die Methode polarisiert, von Humbug und Zauberei ist die Rede. Der Geschäftsführer der Vereinigung Elektrosmog-Betroffener gigaherz.ch, Hans U. Jakob, verurteilt die Methode Karims aufs Schärfste.
Dürrenberger: Hans U. Jakob ist ein vehementer Gegner der Mobilfunk-Technologie. Wenn jemand wie Ibrahim Karim verspricht oder gar zeigt, dass Elektrosmog-Betroffene durch biogeometrische Massnahmen plötzlich beschwerdefrei leben können, ist das nicht im Sinne eines Mobilfunk-Kritikers. Aus naturwissenschaftlicher Sicht möchte ich aber vor Überzeugungen warnen, man könne mit geheimen Mitteln plötzlich die Physik ausser Kraft setzen. Das wäre wohl eher ein Rückschritt ins Mittelalter.
Schon über die Wirkung der Mobilfunk-Strahlung gehen die Meinungen aber weit auseinander. Gibt es wissenschaftlich belegte gesundheitliche Schädigungen durch Elektrosmog?
Dürrenberger: Es gibt viel Forschung auf diesem Gebiet. Zwei Stränge kann man unterscheiden. Gut belegt ist die thermische Wirkung. Ein Teil der Energie der Felder wird vom Körper absorbiert, und das kann zu Erwärmung führen. Wenn die Erwärmung zu gross ist, kann das Herz-Kreislauf-Probleme und andere gesundheitliche Effekte auslösen. Die gültigen Grenzwerte schützen hier aber vollumfänglich vor negativen Auswirkungen.
Und der zweite Strang?
Dürrenberger: Das ist die sehr schwache Strahlung, der jemand über längere Zeit ausgesetzt ist. Dass es biologische Effekte unterhalb der thermischen Auswirkungen gibt, ist heutzutage eigentlich unbestritten. Aber ob die gesundheitlich von Bedeutung sind, weiss man nicht. Da kann man nur spekulieren. Mit den Resultaten, die man bis jetzt gesammelt hat, konnte man keine gesundheitlichen Schädigungen nachweisen. Es gilt aber anzumerken: Die Befunde aus der Krebsforschung im Zusammenhang mit Handys können noch nicht abschliessend bewertet werden. Auch wenn die grosse Mehrheit der Studien keine Gefährdung sieht, ist aufgrund der langen Latenzzeit von gewissen Krebsarten noch keine abschliessende Aussage möglich. Die Unbedenklichkeit kann wissenschaftlich nie bewiesen werden. Bezüglich schwacher Felder und Gesundheit werden aber auch subjektive Befindlichkeitsstörungen wie Kopfweh, Müdigkeit und Ähnliches diskutiert. Das Schwierige hier ist, dass es für diese Symptome viele Ursachen gibt und es sehr anspruchsvoll ist, wissenschaftlich robuste und aussagekräftige Studien durchzuführen. Man versucht jetzt im Labor, unter kontrollierten Bedingungen mit Versuchspersonen entsprechende Experimente zu machen.
Die Fronten verhärten sich immer mehr.
Dürrenberger: Vor ein paar Jahren gab es eine Entspannung, jetzt im Zusammenhang mit dem Aufbau der UMTS-Infrastruktur gibt es wieder eine Verhärtung.
Immer mehr telefonieren mobil, niemand will eine Antenne. Ein Anachronismus.
Dürrenberger: Die Mobilfunk-Antenne vor der Tür will man nicht, aber das Handy benutzt man durchaus. Hier gibt es tatsächlich ein Akzeptanzdilemma.
Ist nächstens ein technologischer Fortschritt zu erwarten, welcher die Strahlung reduziert?
Dürrenberger: Pauschal und sehr grob gesagt gilt: Je höher die Frequenz, desto kleiner die Leistung einer Antenne und desto mehr Standorte braucht es, um ein vorgegebenes Gebiet zu versorgen. Das ist ein Punkt, der häufig zu Verwirrung führt: Man fordert, dass Antennen zusammengelegt werden. Dann nimmt aber die Leistung an diesem Standort zu. Um die maximalen Feldstärken in einem Versorgungsgebiet möglichst tief zu halten, müsste es möglichst viele Antennen, dafür jede mit kleiner Leistung geben. Nicht zu vergessen ist aber, dass die reale Belastung fast aller Menschen massiv tiefer ist, als es die Anlage-Grenzwerte vorschreiben.
Welche Massnahmen empfehlen Sie, um sich vor Elektrosmog zu schützen?
Dürrenberger: Dass man dort, wo man wirklich einen Einfluss hat, etwas macht. Und das ist beim Telefonieren selber. Wenn man Befürchtungen hat, sollte man möglichst wenig mit dem Handy telefonieren und einen Ohrhörer verwenden. Und die Basisstation eines kabellosen Telefons sollte man nicht gerade auf das Nachttischchen stellen.
Interview: Bruno Knellwolf
Person
Gregor Dürrenberger
Leiter Forschungsstiftung Mobilkommunikation ETH Zürich
Karims Biogeometrie
Die Biogeometrie polarisiert - für die einen ist es purer Schwindel, für die anderen Heilmittel im Kampf gegen die Verstrahlung unserer Umwelt. Im Juni 2002 hatte die Swisscom in Hemberg eine Mobilfunk-Antenne in Betrieb genommen. Elektrosensible Menschen wehrten sich gegen die gesetzeskonforme Antenne. Monate später kam der Ägypter Ibrahim Karim ins Spiel, diplomierter ETH-Architekt und Doktor der Wissenschaften. Er setzte seine von ihm entwickelten biogeometrischen Figuren aus Holz und Plexiglas ein, welche von der Form her an Stuhlbeine erinnern. Damit will Karim zwölf verschiedene Störquellen ausserhalb Hembergs und sieben im Kirchturm in positive Energie umgewandelt haben. Tatsächlich erklärten viele Betroffene danach, dass sie sich nun deutlich besser fühlten.
Karims Biogeometrie versteht sich als ganzheitliche Methode, die alle Ebenen des Seins umfasse. Die moderne Technik vernachlässige allerdings den spirituellen Aspekt und damit die kosmischen Ordnungsgesetze. Daraus entstünden für unser Leben (Bios) Störfelder. Diese Felder will Ibrahim Karim mit Klängen, Farben oder Formen, welche auf den kosmischen Ordnungsgesetzen aufgebaut sind, in harmonische Schwingungen versetzen. (Kn.)