© Mittelland Zeitung; 27.10.2004
Baden Tabloid
«Öffentlichkeit weiss zu wenig»
Die Kritische Seite Laut dem Forschungsexperten Lothar Geppert ist auch eine «permanente Niedrigdosisbelastung» beim Schlafen gesundeitsschädigend.
Studien, die gesundheitsschädigende Auswirkungen in den Zusammenhang mit Mobilfunkantennenanlagen bringen, würden infrage gestellt oder verschwiegen. Lothar Geppert, Strahlungsexperte, ortet hier eine «Verfilzung» von Wirtschaft, Politik und auch Wissenschaft.
Nicht publizierte Naila-Studie
Aufsehen erregte vergangenen Juli eine Studie von fünf Hausärzten in der ostfränkischen Stadt Naila (Naila-Studie). Die Ärzte haben 967 Patientenunterlagen über 10 Jahre hinsichtlich neuen Krebserkrankungen ausgewertet. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe A wohnte näher als 400 Meter von einer Mobilfunk-Basisstation entfernt, Gruppe B weiter als 400 Meter. A zeigte eine 2,35-mal höhere Krebsrate, das Erkrankungsalter lag 8,5 Jahre tiefer. Die Forschungsergebnisse der Naila-Studie sind bislang nicht wissenschaftlich publiziert worden, darum wird sie auch noch infrage gestellt.
Geppert weist jedoch darauf hin, dass die Krebserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten mit wachsender Strahlenbelastung wiederholt und sprungweise zugenommen haben. «Solche Sprünge lassen sich deutlich mit der Verbreitung des Radios und des Fernsehens verbinden, ebenso mit der Einführung des Kabelempfangs in den 80er-Jahren mit einer gleichzeitig stagnierenden Zahl neuer Krebserkrankungen.»
TNO-Studie wird wiederholt
Eine in Holland durchgeführte Studie stellte im Laborexperiment Effekte von UMTS-Signalen (neue Mobilfunktechnologie) auf den Menschen fest. Nachgewiesen wurde eine schwache, aber statistisch signifikante Verminderung des Wohlbefindens sowohl bei gesunden Personen wie auch bei solchen, die an der Strahlung von GSM-Basisstationen (heutige Technologie) leiden würden. Die Strahlung soll sich auch auf die kognitive Leistungsfähigkeit negativ ausgewirkt haben. Weil die Resultate als zu wenig klar bezeichnet werden, sollen die Experimente wiederholt und mit einer Replikationsstudie belegt werden; eine solche Studie läuft als Nationales (unabhängiges) Forschungsprojekt des Bundes.
Lothar Geppert bezeichnet die Situation als «zerfahren». Insbesondere sei die Öffentlichkeit zu wenig über die tatsächlichen gesundheitlichen Bedenken informiert. Laut Geppert gibt es handfeste Studien, die gesundheitsschädigende Auswirkungen wie ein verändertes Blutbild, Gehirntumore, Krebserkankungen und Einflüsse auf die Gehirnströmungen nachweisen können. Auch die Gefährlichkeit einer permanenten Belastung mit niedriger Strahlendosis bei reduzierter Hormontätigkeit sei erwiesen, was heisse, dass auch der schlafende Mensch geschädigt werde. Diese Erkenntnisse seien weitgehend der Fachwelt bekannt. Eine unabhängige wissenschaftliche Kommission müsste jetzt mit einer «Technikfolgenabschätzung» für Klärung sorgen, meint Geppert. Für ihn ist klar: Diese Mikrowellenstrahlungen sind schädlich. (-rr-)
Studien unter dem Deckel?
Lothar Geppert, Strahlenexperte, in Opposition
Der in der Forschung tätige Strahlenexperte Lothar Geppert, ehemaliger Mitarbeiter der Nasa, geht mit Wissenschaftern und Behörden hart ins Gericht. Er, der selber in einer Wohnung in der Zürcher Innenstadt erkrankte und daraufhin nach Bremgarten gezogen ist und sich wieder erholt hat, präsidiert «diagnos-funk», kämpft mit weiteren Experten für eine unabhängige Aufklärung über Gefahren der flächendeckenden Mikrowellenstrahlung. Er arbeitet zurzeit an einer Analyse von Literaturstudien, auf die sich das Buwal stützt. Bis jetzt ortete er rund 60 Studien am Menschen, die dabei unterschlagen worden seien. Bei rund 70% dieser Studien seien klare negative Auswirkungen festgestellt worden, bei 30% keine oder nur geringe. (-rr-)