Messungen und Mobilfunk Mafia
Verfasst: 29. Oktober 2004 11:59
© St. Galler Tagblatt; 23.10.2004
Appenzeller Zeitung
Mobilfunkbetreiber und die Strahlenbelastung in Appenzell
Am 24. September 2004 führte das Forum Mobil in Zusammenarbeit mit der Fachstelle NIS des Innerrhoder Bau- und Umweltdepartements im Raum Appenzell an drei Orten frequenzselektive Messungen zu den von Mobilfunksendern ausgelösten Immissionen durch. Über die Resultate wurde ein unter www.ai.ch abrufbarer Bericht erstellt. In der Presse wurde anschliessend ein vom Amt für Umweltschutz und vom Forum Mobil unterzeichneter Medienbericht publiziert. Aus der Feststellung, dass die Immissionen aus dem Mobilfunk die Grenzwerte deutlich unterschreiten, wurde wörtlich folgender Schluss gezogen: «Die Messungen sind nach Ansicht des Forum Mobil Beweis dafür, dass sich eine Debatte über die Grenzwertfestlegung erübrigt.»
Mit den Messungen und dem Medienbericht wird versucht, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Es wird suggeriert, in Appenzell bestehe eine Strahlenbelastung, die sich im Promillebereich der Grenzwerte bewege. Dies trifft so nicht zu, weil der Bevölkerung ein Teil der Wahrheit verschwiegen wird. Äusserst bedenklich ist, dass die Innerrhoder NIS-Fachstelle die Aussagen des Forums Mobil nicht hinterfragt und den Medienbericht unkritisch mitunterzeichnet hat. Weiss man um folgende Umstände, erscheint der Bericht in einem anderen Licht:
- Das Forum Mobil ist eine Organisation, der ausschliesslich Unternehmen angehören, die ein Interesse an einer grenzenlosen Ausdehnung des Mobilfunknetzes haben: Ericsson AG, Orange Communications, Siemens Schweiz AG, TDC Switzerland AG (Sunrise), Swisscom Mobile AG. Von einer unabhängigen Organisation kann nicht die Rede sein.
- Die Firma Inventis AG, die im Auftrag des Forums Mobil die Messungen durchgeführt hat, ist im Rahmen eines Management-kein Ersatz-Outs aus einem Teil eines Telekommunikationskonzerns aus- gelöst und gegründet worden.
- Das Forum Mobil hat Ende Mai 2004 eine Kampagne gestartet, mit dem Ziel, in den Medien darüber berichten zu können, dass in der ganzen Schweiz die Grenzwerte für Mobilfunk deutlich unterschritten werden. Über alle Messungen wurden durch das Forum Mobil Medienberichte erstellt, deren Text immer nahezu identisch ist. Auffallend ist, dass sich bisher offenbar nur die Innerrhoder Behörden dazu bewegen liessen, für den Medienbericht mitveranwortlich zu zeichnen.
- Der Messbericht enthält keine Information darüber, welche Frequenz das eingesetzte Messsystem erfasst hat.
- Das Bundesamt für Kommunikation hatte bei seinen im Frühjahr 2002 durchgeführten Messungen am Hirschberg wesentlich höhere Immissionswerte ermittelt als das Forum Mobil.
- Das durch das Bundesamt für Meteorologie und Akkreditierung schweizweit akkreditierte Unternehmen Hafner AG, Degersheim, hatte im Oktober 2002 auf dem Pausenplatz der Schulanlage Gringel Breitbandmessungen durchgeführt, die einen Belastungswert von 9,95 V/m ergaben. Dieser Wert ist mehr als 1000 Prozent grösser als der durch das Forum Mobil ermittelte Immissionswert für Mobilfunk. Dies beweist, dass eine Messung, die sich auf eine einzige Frequenz beschränkt, die effektive Strahlenbelastung nicht zu umschreiben vermag.
- Die im Zentrum der Kritik stehende Antennenanlage Hirschberg beheimatet nicht nur Mobilfunksender, sondern auch diverse Richtstrahlantennen, Rundfunksender, Pagersender etc. Alle diese Sendeanlagen wurden bei der Messung des Forums Mobil ausgeblendet. Zur Erinnerung: Nur dank den von uns geforderten und im Frühjahr 2002 durch das Bakom durchgeführten Messungen konnte festgestellt werden, dass die SRG-Sender den Grenzwert überschritten und die konzessionierten Werte um 350 Prozent überstiegen.
- Im Bereich von Appenzell befinden sich nicht nur viele Mobilfunkanlagen, sondern eine Vielzahl von weiteren Sendeanlagen, deren Emissionen mit der Messung des Forums Mobil nicht erfasst werden konnten. Dabei ist insbesondere an die Grossanlagen auf dem Säntis, auf dem Hohen Kasten, auf dem Kamor und auf dem Kronberg zu denken. Der Einfluss dieser Grossanlagen, die wohl an keinem anderen Ort in der Schweiz in so grosser Dichte vorkommen, ist bis heute nicht bekannt, obwohl den zuständigen Behörden gewichtige Anhaltspunkte vorliegen, dass diese für schwer wiegende Probleme bei Mensch und Tier verantwortlich sind.
- Einem Plan, der dem Mess-bericht beiliegt, ist zu entnehmen, dass sich im Dorfzentrum von Appenzell drei Mobilfunkanlagen befinden. Zwei davon waren uns bisher nicht bekannt, nämlich die Anlagen im Bereich des Hotel Säntis und im Bereich der Alba. Bei beiden Anlagen fand unseres Wissens nie ein Bewilligungsverfahren statt.
- Die im Medienbericht des Forums Mobil zu findende Behauptung, das die Grenzwerte in der Schweiz zehnmal tiefer seien als im europäischen Ausland, ist falsch. In benachbarten europäischen Ländern und Regionen sind die Grenzwerte gleich, zum Teil sogar tiefer.
- Dem Bundesrat lagen beim Erlass der Verordnung über die nichtionisierende Strahlung (NISV) erst rudimentäre Informationen vor. Die im Schnellverfahren bezeichneten Grenzwerte basieren nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern sind frei erfunden. Bis heute weiss kein Mensch, wo die Schädigung von menschlichen Organismen beginnt. Dies gilt ganz besonders für die pulsierend erfolgte Strahlung von Mobilfunksendern. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft schrieb bereits 1999: «Es gibt ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass auch schwache Strahlung schädlich sein könnte, und dass sie das Wohlbefinden stört. Vor allem die Langzeitwirkungen von schwacher Strahlung sind noch zu wenig erforscht».
- In den letzten Jahren bewiesen unzählige wissenschaftliche Studien die Gefährlichkeit von Elektrosmog. Im Frühjahr 2004 sorgte eine holländische Studie für Aufsehen, mit der nachgewiesen wurde, dass Mobilfunkantennen die Gesundheit beeinträchtigen. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) und andere Organisationen forderten in der Folge ein Moratorium für die neue Mobilfunkgeneration UMTS. Zu ähnlichen Reaktionen führte vor einem Monat eine im süddeutschen Naila durchgeführte Studie, bei der festgestellt wurde, dass das Krebsrisiko im Umkreis von 400 Metern einer (relativ schwach strahlenden) GSM-Mobilfunkantenne dreimal höher ist.
Wir Anwohner der Antennenanlage Hirschberg werden weiter dafür kämpfen, dass die heutige Strahlenbelastung in Appenzell um ein Vielfaches reduziert wird, dass für die Versorgung des ganzen Kantonsgebietes ein Gesamtkonzept erarbeitet wird, dass die Versorgung mit TV- und Radioprogrammen nur noch über Kabel und Satellit erfolgt. Werden diese Massnahmen umgesetzt, kann die Antennenanlage Hirschberg abgebrochen werden.
Josef Mazenauer
Schönenbühl, Hirschberg, Appenzell
Werner Räss
Hirschberg Appenzell
Appenzeller Zeitung
Mobilfunkbetreiber und die Strahlenbelastung in Appenzell
Am 24. September 2004 führte das Forum Mobil in Zusammenarbeit mit der Fachstelle NIS des Innerrhoder Bau- und Umweltdepartements im Raum Appenzell an drei Orten frequenzselektive Messungen zu den von Mobilfunksendern ausgelösten Immissionen durch. Über die Resultate wurde ein unter www.ai.ch abrufbarer Bericht erstellt. In der Presse wurde anschliessend ein vom Amt für Umweltschutz und vom Forum Mobil unterzeichneter Medienbericht publiziert. Aus der Feststellung, dass die Immissionen aus dem Mobilfunk die Grenzwerte deutlich unterschreiten, wurde wörtlich folgender Schluss gezogen: «Die Messungen sind nach Ansicht des Forum Mobil Beweis dafür, dass sich eine Debatte über die Grenzwertfestlegung erübrigt.»
Mit den Messungen und dem Medienbericht wird versucht, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Es wird suggeriert, in Appenzell bestehe eine Strahlenbelastung, die sich im Promillebereich der Grenzwerte bewege. Dies trifft so nicht zu, weil der Bevölkerung ein Teil der Wahrheit verschwiegen wird. Äusserst bedenklich ist, dass die Innerrhoder NIS-Fachstelle die Aussagen des Forums Mobil nicht hinterfragt und den Medienbericht unkritisch mitunterzeichnet hat. Weiss man um folgende Umstände, erscheint der Bericht in einem anderen Licht:
- Das Forum Mobil ist eine Organisation, der ausschliesslich Unternehmen angehören, die ein Interesse an einer grenzenlosen Ausdehnung des Mobilfunknetzes haben: Ericsson AG, Orange Communications, Siemens Schweiz AG, TDC Switzerland AG (Sunrise), Swisscom Mobile AG. Von einer unabhängigen Organisation kann nicht die Rede sein.
- Die Firma Inventis AG, die im Auftrag des Forums Mobil die Messungen durchgeführt hat, ist im Rahmen eines Management-kein Ersatz-Outs aus einem Teil eines Telekommunikationskonzerns aus- gelöst und gegründet worden.
- Das Forum Mobil hat Ende Mai 2004 eine Kampagne gestartet, mit dem Ziel, in den Medien darüber berichten zu können, dass in der ganzen Schweiz die Grenzwerte für Mobilfunk deutlich unterschritten werden. Über alle Messungen wurden durch das Forum Mobil Medienberichte erstellt, deren Text immer nahezu identisch ist. Auffallend ist, dass sich bisher offenbar nur die Innerrhoder Behörden dazu bewegen liessen, für den Medienbericht mitveranwortlich zu zeichnen.
- Der Messbericht enthält keine Information darüber, welche Frequenz das eingesetzte Messsystem erfasst hat.
- Das Bundesamt für Kommunikation hatte bei seinen im Frühjahr 2002 durchgeführten Messungen am Hirschberg wesentlich höhere Immissionswerte ermittelt als das Forum Mobil.
- Das durch das Bundesamt für Meteorologie und Akkreditierung schweizweit akkreditierte Unternehmen Hafner AG, Degersheim, hatte im Oktober 2002 auf dem Pausenplatz der Schulanlage Gringel Breitbandmessungen durchgeführt, die einen Belastungswert von 9,95 V/m ergaben. Dieser Wert ist mehr als 1000 Prozent grösser als der durch das Forum Mobil ermittelte Immissionswert für Mobilfunk. Dies beweist, dass eine Messung, die sich auf eine einzige Frequenz beschränkt, die effektive Strahlenbelastung nicht zu umschreiben vermag.
- Die im Zentrum der Kritik stehende Antennenanlage Hirschberg beheimatet nicht nur Mobilfunksender, sondern auch diverse Richtstrahlantennen, Rundfunksender, Pagersender etc. Alle diese Sendeanlagen wurden bei der Messung des Forums Mobil ausgeblendet. Zur Erinnerung: Nur dank den von uns geforderten und im Frühjahr 2002 durch das Bakom durchgeführten Messungen konnte festgestellt werden, dass die SRG-Sender den Grenzwert überschritten und die konzessionierten Werte um 350 Prozent überstiegen.
- Im Bereich von Appenzell befinden sich nicht nur viele Mobilfunkanlagen, sondern eine Vielzahl von weiteren Sendeanlagen, deren Emissionen mit der Messung des Forums Mobil nicht erfasst werden konnten. Dabei ist insbesondere an die Grossanlagen auf dem Säntis, auf dem Hohen Kasten, auf dem Kamor und auf dem Kronberg zu denken. Der Einfluss dieser Grossanlagen, die wohl an keinem anderen Ort in der Schweiz in so grosser Dichte vorkommen, ist bis heute nicht bekannt, obwohl den zuständigen Behörden gewichtige Anhaltspunkte vorliegen, dass diese für schwer wiegende Probleme bei Mensch und Tier verantwortlich sind.
- Einem Plan, der dem Mess-bericht beiliegt, ist zu entnehmen, dass sich im Dorfzentrum von Appenzell drei Mobilfunkanlagen befinden. Zwei davon waren uns bisher nicht bekannt, nämlich die Anlagen im Bereich des Hotel Säntis und im Bereich der Alba. Bei beiden Anlagen fand unseres Wissens nie ein Bewilligungsverfahren statt.
- Die im Medienbericht des Forums Mobil zu findende Behauptung, das die Grenzwerte in der Schweiz zehnmal tiefer seien als im europäischen Ausland, ist falsch. In benachbarten europäischen Ländern und Regionen sind die Grenzwerte gleich, zum Teil sogar tiefer.
- Dem Bundesrat lagen beim Erlass der Verordnung über die nichtionisierende Strahlung (NISV) erst rudimentäre Informationen vor. Die im Schnellverfahren bezeichneten Grenzwerte basieren nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern sind frei erfunden. Bis heute weiss kein Mensch, wo die Schädigung von menschlichen Organismen beginnt. Dies gilt ganz besonders für die pulsierend erfolgte Strahlung von Mobilfunksendern. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft schrieb bereits 1999: «Es gibt ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass auch schwache Strahlung schädlich sein könnte, und dass sie das Wohlbefinden stört. Vor allem die Langzeitwirkungen von schwacher Strahlung sind noch zu wenig erforscht».
- In den letzten Jahren bewiesen unzählige wissenschaftliche Studien die Gefährlichkeit von Elektrosmog. Im Frühjahr 2004 sorgte eine holländische Studie für Aufsehen, mit der nachgewiesen wurde, dass Mobilfunkantennen die Gesundheit beeinträchtigen. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) und andere Organisationen forderten in der Folge ein Moratorium für die neue Mobilfunkgeneration UMTS. Zu ähnlichen Reaktionen führte vor einem Monat eine im süddeutschen Naila durchgeführte Studie, bei der festgestellt wurde, dass das Krebsrisiko im Umkreis von 400 Metern einer (relativ schwach strahlenden) GSM-Mobilfunkantenne dreimal höher ist.
Wir Anwohner der Antennenanlage Hirschberg werden weiter dafür kämpfen, dass die heutige Strahlenbelastung in Appenzell um ein Vielfaches reduziert wird, dass für die Versorgung des ganzen Kantonsgebietes ein Gesamtkonzept erarbeitet wird, dass die Versorgung mit TV- und Radioprogrammen nur noch über Kabel und Satellit erfolgt. Werden diese Massnahmen umgesetzt, kann die Antennenanlage Hirschberg abgebrochen werden.
Josef Mazenauer
Schönenbühl, Hirschberg, Appenzell
Werner Räss
Hirschberg Appenzell