Tagung der Forschungsstiftung Mobilkommunikation - Wie sind
Verfasst: 8. November 2004 12:12
© St. Galler Tagblatt; 06.11.2004
Wissen
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Zwischen Verharmlosung und Angstmacherei
Tagung der Forschungsstiftung Mobilkommunikation - Wie sind allfällige Folgen der Strahlung wissenschaftlich festzuhalten?
Über die Auswirkung elektromagnetischer Felder auf den Menschen gibt es mehr Fragen als Antworten. Schon die Frage, ob Bevölkerungsstudien überhaupt Sinn machen, ist umstritten.
Bruno KNellwolf/Zürich
Schaden Mobilfunkantennen unserer Gesundheit? Die Frage ist zentral und löst Diskussionen und Emotionen in alle Himmelsrichtungen aus. Die Forschungsstiftung Mobilkommunikation der ETH Zürich rief Skeptiker und Befürworter an den gleichen Tisch. Dabei stand allerdings nicht die obige zentrale Frage im Vordergrund. In einer Vorstufe wurde darüber diskutiert, ob es überhaupt möglich sei, aussagekräftige Feldstudien zur Elektrosensibilität zu machen. Und ob der Aufwand dafür gerechtfertigt sei. Der Präsident der Comcom, Fulvio Caccia, hat seine Zweifel.
Unspezifische Symptome
«Meine Sicht ist geprägt durch meine Erfahrungen in der Arzt-praxis», sagt Bernhard Aufdereggen, Vorstand von Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. Er erzählt von Betroffenen, welche über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Nervosität klagen. «Es gibt solche unspezifischen Symptome», sagt er und fügt an, dass er nicht wisse, was er den Betroffenen raten solle. Epidemiologische Untersuchungen müssten deshalb unbedingt durchgeführt werden. Elektrosensibilität könne nur durch Bevölkerungsstudien festgestellt werden. Zudem gebe es bereits Studien, welche zeigten, dass durch Strahlung biologische Effekte ausgelöst würden.
Wie weit und ob überhaupt diese Effekte gesundheitsschädigend sind, weiss allerdings auch Aufdereggen nicht. Deshalb müssten die offenen Fragen um den Zusammenhang mit Leukämie und Tumorbildung geklärt werden. «Vielleicht sind die Auswirkungen erst in zehn bis dreissig Jahren sichtbar», sagt Aufdereggen. Neue Techniken müssten deshalb strengen Vorsorgeprinzipien unterliegen. Ein langsameres Tempo bei der Einführung neuer Technologien wäre anzustreben.
Das Kundenbedürfnis, immer erreichbar zu sein, bestehe, sagt dazu der CEO von Swisscom Mobile, Carsten Schloter. Die technische Entwicklung laufe in der Realität immer schneller und auch er frage sich mit Blick auf seine Kinder manchmal, ob es das alles brauche. Sich dieser Entwicklung zu entziehen, falle allerdings immer schwerer. Deshalb sei er auf jeden Fall für eine Förderung der Forschung und für epidemiologische Studien. In dieser Diskussion bestehe die Gefahr der Verharmlosung wie auch der Angstmacherei, eine Versachlichung sei vonnöten.
Gesellschaftlicher Konsens
Fulvio Caccia spricht von einem gesellschaftlichen Konsens, mit dem Risiko zu leben; das gelte auch für den Mobilfunk. Schliesslich lanciere auch niemand eine Volksinitiative für ein Verbot des Strassenverkehrs, obwohl es dort laufend Todesopfer gebe. Die Gefahr durch Mobilfunkantennen sei nicht wissenschaftlich nachgewiesen, und die Grenzwerte würden in der Schweiz deutlich unterschritten. Die Strahlung durch ein Handy am Ohr sei viel höher als durch eine Basisstation.
Zur Machbarkeit von epidemiologischen Studien über mögliche Gesundheitseffekte durch Basisstationen gibt es eine neue Studie, welche Georg Neubauer von der ARC Seibersdorf research GmbH vorstellt. Deren Resultate müssen allerdings erst noch wissenschaftlich publiziert werden. Festgestellt wurde, dass grosse Wissenslücken bestünden und deshalb solche Studien schwer durchzuführen seien. Trotzdem seien in erster Priorität Laborstudien empfehlenswert, auf welchen schliesslich qualitativ genügende Feldstudien aufgebaut werden könnten.
Bis dahin werden einige Jahre ins Land ziehen, die Handys weiterhin heiss laufen und die Basisstationen zum Strahlen bringen. Die Gemüter werden in Wallung bleiben, die Zahl der Antennen ansteigen.
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Zwischen Verharmlosung und Angstmacherei
Tagung der Forschungsstiftung Mobilkommunikation - Wie sind allfällige Folgen der Strahlung wissenschaftlich festzuhalten?
Über die Auswirkung elektromagnetischer Felder auf den Menschen gibt es mehr Fragen als Antworten. Schon die Frage, ob Bevölkerungsstudien überhaupt Sinn machen, ist umstritten.
Bruno KNellwolf/Zürich
Schaden Mobilfunkantennen unserer Gesundheit? Die Frage ist zentral und löst Diskussionen und Emotionen in alle Himmelsrichtungen aus. Die Forschungsstiftung Mobilkommunikation der ETH Zürich rief Skeptiker und Befürworter an den gleichen Tisch. Dabei stand allerdings nicht die obige zentrale Frage im Vordergrund. In einer Vorstufe wurde darüber diskutiert, ob es überhaupt möglich sei, aussagekräftige Feldstudien zur Elektrosensibilität zu machen. Und ob der Aufwand dafür gerechtfertigt sei. Der Präsident der Comcom, Fulvio Caccia, hat seine Zweifel.
Unspezifische Symptome
«Meine Sicht ist geprägt durch meine Erfahrungen in der Arzt-praxis», sagt Bernhard Aufdereggen, Vorstand von Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. Er erzählt von Betroffenen, welche über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Nervosität klagen. «Es gibt solche unspezifischen Symptome», sagt er und fügt an, dass er nicht wisse, was er den Betroffenen raten solle. Epidemiologische Untersuchungen müssten deshalb unbedingt durchgeführt werden. Elektrosensibilität könne nur durch Bevölkerungsstudien festgestellt werden. Zudem gebe es bereits Studien, welche zeigten, dass durch Strahlung biologische Effekte ausgelöst würden.
Wie weit und ob überhaupt diese Effekte gesundheitsschädigend sind, weiss allerdings auch Aufdereggen nicht. Deshalb müssten die offenen Fragen um den Zusammenhang mit Leukämie und Tumorbildung geklärt werden. «Vielleicht sind die Auswirkungen erst in zehn bis dreissig Jahren sichtbar», sagt Aufdereggen. Neue Techniken müssten deshalb strengen Vorsorgeprinzipien unterliegen. Ein langsameres Tempo bei der Einführung neuer Technologien wäre anzustreben.
Das Kundenbedürfnis, immer erreichbar zu sein, bestehe, sagt dazu der CEO von Swisscom Mobile, Carsten Schloter. Die technische Entwicklung laufe in der Realität immer schneller und auch er frage sich mit Blick auf seine Kinder manchmal, ob es das alles brauche. Sich dieser Entwicklung zu entziehen, falle allerdings immer schwerer. Deshalb sei er auf jeden Fall für eine Förderung der Forschung und für epidemiologische Studien. In dieser Diskussion bestehe die Gefahr der Verharmlosung wie auch der Angstmacherei, eine Versachlichung sei vonnöten.
Gesellschaftlicher Konsens
Fulvio Caccia spricht von einem gesellschaftlichen Konsens, mit dem Risiko zu leben; das gelte auch für den Mobilfunk. Schliesslich lanciere auch niemand eine Volksinitiative für ein Verbot des Strassenverkehrs, obwohl es dort laufend Todesopfer gebe. Die Gefahr durch Mobilfunkantennen sei nicht wissenschaftlich nachgewiesen, und die Grenzwerte würden in der Schweiz deutlich unterschritten. Die Strahlung durch ein Handy am Ohr sei viel höher als durch eine Basisstation.
Zur Machbarkeit von epidemiologischen Studien über mögliche Gesundheitseffekte durch Basisstationen gibt es eine neue Studie, welche Georg Neubauer von der ARC Seibersdorf research GmbH vorstellt. Deren Resultate müssen allerdings erst noch wissenschaftlich publiziert werden. Festgestellt wurde, dass grosse Wissenslücken bestünden und deshalb solche Studien schwer durchzuführen seien. Trotzdem seien in erster Priorität Laborstudien empfehlenswert, auf welchen schliesslich qualitativ genügende Feldstudien aufgebaut werden könnten.
Bis dahin werden einige Jahre ins Land ziehen, die Handys weiterhin heiss laufen und die Basisstationen zum Strahlen bringen. Die Gemüter werden in Wallung bleiben, die Zahl der Antennen ansteigen.