ZH: Neue Antenne auf Schule trotz Moratorium
Verfasst: 22. November 2004 12:09
© Tages-Anzeiger; 22.11.2004 Seite 11
Zürich
Neue Antenne auf Schule trotz Moratorium
In der Stadt Zürich dürfen auf Schulhäusern keine Mobilfunkantennen installiert werden. Dennoch erneuert die Swisscom ihre bestehende Anlage auf dem Dach des «Milchbucks».
Von Janine Hosp
Zürich. Im Quartier hat man sich schon lange gefragt, was das für «Prügel» sind, die seit Jahrzehnten auf dem Dach des Schulhauses Milchbuck in Unterstrass stehen. Da es neben der Pauluskirche das höchste Gebäude im Quartier ist, ist es als Standort für Funkanlagen geradezu prädestiniert, und so ist auf seinem Dach im Laufe der Jahre ein kleiner Antennenwald herangewachsen; PTT, Polizei, Sanität und Tixi Taxi haben ihre Funkanlagen installiert. In der Zeit, bevor in grossem Stil mobil telefoniert worden ist, haben diese aber kaum jemanden beunruhigt.
Die neue GSM- und UMTS-Anlage, welche die Swisscom an Stelle der alten Antennen erstellen will, stösst nun auf Opposition. «Der Stadtrat müsste eigentlich alles ihm Mögliche tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen», sagt Gemeinderat Ueli Nagel (Grüne). Nun aber akzeptiert er ausgerechnet auf einem Schulhaus eine Mobilfunkanlage, und dies, obwohl er selber ein Antennenmoratorium für Schulhäuser, Spitäler und Altersheime erlassen habe. Nagel hat deshalb zwei Vorstösse eingereicht und fordert unter anderem eine restriktivere Bewilligungspraxis und vermehrte Nachkontrollen der neuen UMTS-Antennen.
Auch Schulpfleger Walter Weiler steht der Antenne kritisch gegenüber. Weil im Schulhaus prekäre Platzverhältnisse herrschten, würden auch im Dachgeschoss Kinder unterrichtet, gleich unter der Antenne. Mit einer Feldstärke von 3,5 Volt pro Meter würden die Grenzwerte zwar eingehalten, die Behörden hätten aber härter verhandeln sollen, damit die Werte an diesem sensiblen Ort noch gesenkt werden. Er plant deshalb, zusammen mit Eltern im Quartier einen Rekurs einzureichen.
Schlimmeres verhindern
Weshalb ist die Stadt trotz Moratorium mit der Antenne auf dem Schuldach einverstanden? «Es gibt eine Ausnahmeklausel», sagt René Manz, Direktor der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich. Die Stadt bewillige dann eine Antenne, wenn damit eine schlimmere Situation verhindert werden könne. Als Beispiel nennt er das Schulhaus Nordstrasse, wo Antennen in unmittelbarer Nachbarschaft installiert wurden. Diese strahlen nicht über, sondern genau in das Schulhaus hinein. Aber Erpressung, wie dies die Grüne Partei bezeichnete, sei dies nicht. Wenn die Stadt eine Antenne auf einer eigenen Liegenschaft akzeptiere, könne sie zudem Bedingungen stellen. So habe sie in Verhandlungen erreicht, dass die Strahlung in sensiblen Bereichen wie Schulzimmer und Spielplatz die Grenzwerte erheblich unterschritten.
Macht das Moratorium so überhaupt noch Sinn? Schliesslich sind gerade Spitäler, Schulhäuser und Altersheime begehrte Standorte, weil sie die umliegenden Häuser oft überragen. Laut Manz hat die Stadt alle Verträge mit Mobilfunkbetreibern vorsorglich gekündigt und handelt nun bestmögliche Bedingungen aus. «Wir bewilligen Mobilfunkantennen auf Schulhäusern, Spitälern und Altersheimen nur sehr zurückhaltend.»
Das grösste Übel, so sagt René Manz, sind jedoch die Handys der Schülerinnen und Schüler: In der Primarschule habe fast jedes fünfte Kinde eines, in der Oberstufe jedes zweite. Und wenn die Handys angestellt seien, betrage der Strahlungswert ein x-faches des Werts der Antenne. Laut Manz wird die Strahlung der neuen Anlage aber tiefer sein als heute. «Diesen Beweis werden wir antreten. Wir werden Feldstärkenmessungen zu unterschiedlichen Zeiten verlangen.»
Und wie viel Geld bekommt die Stadt von der Swisscom für den Standort? «Ein paar wenige Tausend Franken», sagt Manz. Das Geld sei nicht der Grund, dass die Stadt das Schulhaus zur Verfügung stelle. «Es wäre pervers, wenn sie es nötig hätte, sich auf diese Weise zu sanieren.»
Zürich
Neue Antenne auf Schule trotz Moratorium
In der Stadt Zürich dürfen auf Schulhäusern keine Mobilfunkantennen installiert werden. Dennoch erneuert die Swisscom ihre bestehende Anlage auf dem Dach des «Milchbucks».
Von Janine Hosp
Zürich. Im Quartier hat man sich schon lange gefragt, was das für «Prügel» sind, die seit Jahrzehnten auf dem Dach des Schulhauses Milchbuck in Unterstrass stehen. Da es neben der Pauluskirche das höchste Gebäude im Quartier ist, ist es als Standort für Funkanlagen geradezu prädestiniert, und so ist auf seinem Dach im Laufe der Jahre ein kleiner Antennenwald herangewachsen; PTT, Polizei, Sanität und Tixi Taxi haben ihre Funkanlagen installiert. In der Zeit, bevor in grossem Stil mobil telefoniert worden ist, haben diese aber kaum jemanden beunruhigt.
Die neue GSM- und UMTS-Anlage, welche die Swisscom an Stelle der alten Antennen erstellen will, stösst nun auf Opposition. «Der Stadtrat müsste eigentlich alles ihm Mögliche tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen», sagt Gemeinderat Ueli Nagel (Grüne). Nun aber akzeptiert er ausgerechnet auf einem Schulhaus eine Mobilfunkanlage, und dies, obwohl er selber ein Antennenmoratorium für Schulhäuser, Spitäler und Altersheime erlassen habe. Nagel hat deshalb zwei Vorstösse eingereicht und fordert unter anderem eine restriktivere Bewilligungspraxis und vermehrte Nachkontrollen der neuen UMTS-Antennen.
Auch Schulpfleger Walter Weiler steht der Antenne kritisch gegenüber. Weil im Schulhaus prekäre Platzverhältnisse herrschten, würden auch im Dachgeschoss Kinder unterrichtet, gleich unter der Antenne. Mit einer Feldstärke von 3,5 Volt pro Meter würden die Grenzwerte zwar eingehalten, die Behörden hätten aber härter verhandeln sollen, damit die Werte an diesem sensiblen Ort noch gesenkt werden. Er plant deshalb, zusammen mit Eltern im Quartier einen Rekurs einzureichen.
Schlimmeres verhindern
Weshalb ist die Stadt trotz Moratorium mit der Antenne auf dem Schuldach einverstanden? «Es gibt eine Ausnahmeklausel», sagt René Manz, Direktor der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich. Die Stadt bewillige dann eine Antenne, wenn damit eine schlimmere Situation verhindert werden könne. Als Beispiel nennt er das Schulhaus Nordstrasse, wo Antennen in unmittelbarer Nachbarschaft installiert wurden. Diese strahlen nicht über, sondern genau in das Schulhaus hinein. Aber Erpressung, wie dies die Grüne Partei bezeichnete, sei dies nicht. Wenn die Stadt eine Antenne auf einer eigenen Liegenschaft akzeptiere, könne sie zudem Bedingungen stellen. So habe sie in Verhandlungen erreicht, dass die Strahlung in sensiblen Bereichen wie Schulzimmer und Spielplatz die Grenzwerte erheblich unterschritten.
Macht das Moratorium so überhaupt noch Sinn? Schliesslich sind gerade Spitäler, Schulhäuser und Altersheime begehrte Standorte, weil sie die umliegenden Häuser oft überragen. Laut Manz hat die Stadt alle Verträge mit Mobilfunkbetreibern vorsorglich gekündigt und handelt nun bestmögliche Bedingungen aus. «Wir bewilligen Mobilfunkantennen auf Schulhäusern, Spitälern und Altersheimen nur sehr zurückhaltend.»
Das grösste Übel, so sagt René Manz, sind jedoch die Handys der Schülerinnen und Schüler: In der Primarschule habe fast jedes fünfte Kinde eines, in der Oberstufe jedes zweite. Und wenn die Handys angestellt seien, betrage der Strahlungswert ein x-faches des Werts der Antenne. Laut Manz wird die Strahlung der neuen Anlage aber tiefer sein als heute. «Diesen Beweis werden wir antreten. Wir werden Feldstärkenmessungen zu unterschiedlichen Zeiten verlangen.»
Und wie viel Geld bekommt die Stadt von der Swisscom für den Standort? «Ein paar wenige Tausend Franken», sagt Manz. Das Geld sei nicht der Grund, dass die Stadt das Schulhaus zur Verfügung stelle. «Es wäre pervers, wenn sie es nötig hätte, sich auf diese Weise zu sanieren.»