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TA Leserforum: Behörden beim Mobilfunk zu nachgiebig?

Verfasst: 25. November 2004 11:57
von The Future's Black
© Tages-Anzeiger; 24.11.2004; Seite 27

Leserforum

Behörden beim Mobilfunk zu nachgiebig?

Antennenwald wird immer dichter, TA vom 17. 11./Neue Antenne auf Schule trotz Moratorium, TA vom 22. 11.

Es ist gut, dass die Mobilfunkantennen-Diskussion frisch entfacht wird. Leider ist es um ein Vielfaches einfacher, einen Rekurs gegen einen um zehn Zentimeter zu hoch gebauten Kaninchenstall zu gewinnen, als den Bau einer Mobilfunkantenne, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind, zu verhindern. Solange die Baubewilligungsbehörden laufend Baubewilligungen erteilen, ohne endlich neutrale Abklärungen und Messungen über die Auswirkungen der Anlagen zu verlangen, sind auch keine absolut sicheren Richtlinien zu erwarten.

Da die heutige Grenzwertberechnung verworren ist und aus verschiedenen, nicht miteinander zu vergleichenden Werten besteht, sind diese Werte anscheinend sehr leicht einzuhalten. Dass nun die bewilligende Behörde der Stadt Zürich beim Bundesrat reklamiert hat, es seien zu viele Antennen in Betrieb, ist leicht ironisch, verrät aber vielleicht doch Einsicht. Es fällt im Übrigen auf, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Antennen auf Häusern befindet, die nicht von den Liegenschaftenbesitzern selbst bewohnt werden. Warum wohl?

FRITZ ERNST, ZÜRICH

Zum wiederholten Mal ist im TA die irrige Aussage zu lesen, es gebe zu den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Mobilfunks keine wissenschaftlich anerkannten Forschungsergebnisse. Solche Auskünfte werden laut TA sogar von der offiziellen Auskunftsstelle der Stadt Zürich erteilt. Dies erstaunt (gelinde gesagt), ist doch seit einigen Jahren eine Vielzahl anerkannter wissenschaftlicher Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern bekannt. Genannt seien hier nur zwei: erstens die «Reflex-Studie», bei der zwölf Forschergruppen aus sieben Ländern die Wirkung nieder- und hochfrequenter Felder auf menschliche Zellen untersucht haben. Ergebnis: Es kann als erwiesen gelten, dass Mobilfunkstrahlung die Erbsubstanz schädigt; Erbgutschäden gelten als Krebs auslösende Faktoren. Zweitens gelangte Ende dieses Jahres aus der oberfränkischen Stadt Naila (D) eine neue Studie an die Öffentlichkeit: Fünf engagierte Ärzte haben dort die Krankenakten von rund 970 Patienten durchforstet. Als Ergebnis zeigte sich, dass der Anteil von neu aufgetretenen Krebsfällen bei den Patienten, die während der letzten zehn Jahre in einem Abstand bis zu 400 Metern um die seit 1993 betriebene Mobilfunksendeanlage gewohnt hatten, gegenüber weiter entfernt lebenden Patienten signifikant höher war und die Patienten in durchschnittlich acht Jahre jüngerem Alter erkrankt waren.

Ungefilterte, umfassende Information für alle ist unabdingbar für das Funktionieren einer wahren Demokratie, dies gilt besonders auch für solch wirtschaftlich und politisch hoch brisante Themen, wie es das Thema Mobilfunk heutzutage ist.

ANNE KLOKE, WILEN SZ

Es stimmt nicht, dass wissenschaftliche Belege zum Schädigungspotenzial der Mobilfunktechnik fehlen. Ernst zu nehmende Hinweise auf die schädigende Wirkung des Mobilfunks sind zum Beispiel der mögliche Zusammenhang mit Augenkrebs (Stang, Uni Essen), Hirntumoren (Hardell, Schweden und Muscat, USA), ein verdreifachtes Risiko, in Sendernähe an Krebs zu erkranken (Naila-Studie, Deutschland), erhöhte gesundheitliche Beschwerden der Anwohner im nahen Umfeld von Antennen (Santini, Lyon, und Navarro, Spanien) oder Übelkeit und Kopfschmerzen durch UMTS-Strahlung (TNO-Studie, Niederlande). Dazu kommen alarmierende Studien und Beobachtungen an Tieren, welche der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt wurden: Verhaltens- und Gesundheitsstörungen von Kühen, tote Hühnerembryos, erhöhte Krebsanfälligkeit und Hirnschäden bei Ratten. Des Weiteren gibt es Studien, die biologische Schädigungen unter Laborbedingungen mehrfach nachweisen. Viele verantwortungsbewusste Mediziner und Wissenschaftler haben durch Appelle versucht, Behörden und Politiker auf das Problem aufmerksam zu machen. Die Bewohner von Zürich und der ganzen Schweiz sind somit zu Recht beunruhigt. Sie müssen weiterhin auf Politiker und Behörden hoffen oder dann solche wählen, die den Umwelt- und Gesundheitsschutz höher gewichten als die wirtschaftlichen Interessen der Netzbetreiber.

ANDRÉ MEIER, DÜRNTEN

Re: TA Leserforum: Behörden beim Mobilfunk zu nachgiebig?

Verfasst: 26. November 2004 15:06
von Beat Meyer
Mein Leserbrief an den Tagi wurde nicht veröffentlicht:

Das amerikanische Wahlsystem wird hierzulande
zurecht als Schmierenkomödie empfunden. Diejenigen,
die hunderte von Millionen Dollar in den Wahlkampf
gesteckt haben, werden diese von der Regierung wieder
einfordern. Korruption anstatt Demokratie.
Wer aber meint, das sei bei uns grundsätzlich besser
liegt falsch, wie man am Beispiel Mobilfunk besonders
gut sehen kann: Seit Jahren wird unregelmässig, selten
und verzerrt über das Thema berichtet. Um die Mobilfunkanbieter, die
seit Jahren über riesige Werbebudgets verfügen, nicht zu
verärgern, wird tunlichst vermieden, über mögliche Zusammenhänge
zwischen Mobilfunkstrahlung und gewissen Krankheiten zu berichten.
Parteien und Umweltverbände haben Angst, ihre Klientel könnte das
nicht hören wollen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Ist doch schon fast amerikanisch!

Re: Achtung Forsumsteilnehmer! Nicht veröffentlichte Leserbr

Verfasst: 26. November 2004 17:16
von Gigaherz
Die Sache mit den nichtveröffentlichten Leserbriefen hat genau den Hintergrund, den Sie hier anführen.

Wir fordern daher alle Forumsteilnehmer, die einen Leserbrief an Zeitungen geschrieben haben und der nicht veröffentlicht wurde, auf, ihn postwendend an unser Forum zu senden.

Schreiben Sie gleichzeitig Ihrer Zeitung, die offenbar vergessen hat, dass Zeitungsleser deren Kunden sind, den kurzen Satz:

Es macht fast gar nichts, dass Sie meinen Leserbrief nicht veröffentlicht haben. Er steht jetzt auf der Seite www.gigaherz.ch und kann dort über längere Zeit hinweg gelesen werden, und zwar weltweit. Und dies erst noch bei mindestens 2000 Zugriffen pro Tag, in Spitzenzeiten doppelt so viel.

Gigaherz