© Mittelland Zeitung; 01.12.2004
Tabloid Zurzach
Antennen unter Hochspannung
Leuggern/Hettenschwil Sunrise spricht von einem Funkloch und will dieses dank AEW-Mast schliessen.
Frank Reiser
Die Firma Sunrise will in Hettenschwil eine Mobilfunk-Antennenanlage auf einem Hochspannungsmast der AEW Energie erstellen. Das «Baugesuch» liegt derzeit öffentlich auf.
Mit dem aktuellen Projekt unternimmt Sunrise einen weiteren Versuch, in Hettenschwil und damit auf Leuggemer Gemeindegebiet eine Antennenanlage zu erstellen. Vor einem Jahr hatte das kantonale Baudepartement entschieden, dass beim ursprünglich beabsichtigten Standort beim alten Reservoir in Hettenschwil in der Landschaftsschutzzone keine Zustimmung erteilt werden könne. Dort wollte Sunrise einen Antennenmast aufstellen und die Infrastruktur im Reservoirgebäude einbauen. In seinem Entscheid hatte das Baudepartement auf die Hochspannungsleitung der AEW Energie AG als Alternativstandort hingewiesen.
Dem Entscheid und dem Vorschlag des Baudepartement hat Sunrise nun Rechnung getragen. Das Unternehmen will auf dem Hochspannungsmast oberhalb des Sonnenhofs und des Antonihofs Mobilfunkantennen montieren und die dafür notwendige technische Infrastruktur in einem neu zu erstellenden Container am Fusse des Mastes einbauen. Die Gesamthöhe des bestehenden Hochspannungsmastes beträgt 25 Meter, die Antennen sollen unterhalb der Hochspannungskabel auf einer Höhe zwischen 12 und 15 Meter angebracht werden.
Mit einem technischen Bericht, der Bestandteil des umfangreichen Plandossiers ist, will Sunrise die Standortgebundenheit ausserhalb der Bauzone für die projektierte Mobilfunkanlage aufzeigen. «Anhand von Abdeckungskarten mit und ohne den geplanten Standort soll dokumentiert werden, warum Sunrise auf die Mobilfunk-Antennenanlage auf dem Hochspannungsmast angewiesen ist», heisst es in der Einleitung. Heute würden für die Kunden in der Umgebung von Leuggern zwei Mobilfunkstandorte betrieben; einer in Döttingen und einer in Full-Reuenthal.
Die eine Anlage sei für das Gebiet entlang der Grenze von Leibstadt bis Koblenz und die andere für die Gemeinden Döttingen und Klingnau sowie für die Hauptstrasse von Koblenz nach Brugg/Baden. Im technischen Bericht stellt Sunrise die Mobilfunkversorgung mit Farbflächen auf einer Karte dar. Und gemäss dieser Karte sind Leuggern und Hettenschwil sehr schlecht versorgt. «In diesen Gebieten ist selbst das Telefonieren im Freien nur sehr schlecht bzw. gar nicht möglich.» Mit dem geplanten Standort auf dem Hochspannungsmast könne dieses Funkloch gut geschlossen werden.
Wohl kaum ein Funkloch
So weit, so gut: Doch allzu gravierend ist das Funkloch wohl nicht. Denn hält man beim Gemeindehaus in Leuggern ein Sunrise-Handy in die Luft, zeigt der Balken für die Signalstärke Vollausschlag. Ähnlich das Bild auf der Fahrt von Leuggern nach Hettenschwil.
Selbst im Auto, das ein Faradaykäfig darstellt, ist der Empfang ohne Aussenantenne einwandfrei und fast ausnahmslos im Bereich des Vollausschlags. In Hettenschwil selber nimmt die Signalstärke im Auto dann bis etwa zur Hälfte ab, reisst entlang der Strasse aber nie ganz ab. Selbst in Etzwil hat man noch Sunrise-Empfang. Im Internet zeigt der Telefonanbieter seinen Kunden mit dem Coverage-Tool die aktuelle Netzabdeckung. Und gemäss dieser Netzversorgungskarte sind Leuggern und Hettenschwil vom Sunrise-Netz abgedeckt.
Damits weniger Roaming gibt
Wie erklärt Sunrise die Diskrepanz zwischen Abdeckungskarte im technischen Bericht, tatsächlicher Situation sowie der öffentlichen Netzabdeckungskarte? Manfred Speckert, Umweltbeauftragter bei Sunrise, verweist darauf, dass beispielsweise in Hettenschwil beim Restaurant Waldheim gar kein Sunrise-Netz verfügbar sei. Er erklärt die Notwendigkeit der Antennenanlage in Hettenschwil damit, dass sich im Raum Leuggern das Handy der Sunrise-Kunden häufig in ein deutsches Netz einwähle, was den Kunden hohe Roamingkosten beschere. «Die Versorgungslücke zwischen den bereits bestehenden Standorten in Reuenthal und Döttingen kann mit dem Standort in Hettenschwil auf ideale Weise geschlossen werden», so Speckert. Zudem seien beim projektierten Standort ebenfalls die Dienste der nächsten Mobilfunkgeneration (UMTS) vorgesehen, so dass die neuste Technologie realisiert werden könne, sobald der Markt danach verlange.
«Die Standortwahl berücksichtigt die Anliegen der Bevölkerung, indem mit einem Hochspannungsmast eine bereits bestehende Infrastruktur genutzt wird und so der Bau eines separaten Mastens verhindert werden kann. Weiter ermöglicht der Standort ausserhalb der Bauzone, dass verschiedene Weiler und Verkehrsachsen mit einem einzigen Standort versorgt werden können und nicht direkt ins Wohngebiet gebaut werden muss», verweist Manfred Speckert auf die Weilerstruktur der Gemeinde Leuggern.
Kein normales Baugesuch
Plangenehmigungsverfahren für die Antennenanlage
Bei der aktuellen Auflage in Sachen Antennenanlage handelt es sich nicht um ein Baugesuch, sondern um ein Plangenehmigungsverfahren. Dieses Verfahren führt die Fachstelle Energie des kantonalen Baudepartementes auf Ersuchen des Eidgenössischen Starkstrominspektorates durch. Die Entscheidbefugnis liegt weder beim Gemeinderat, noch beim Kanton. Zuständig ist das Starkstrominspektorat. Mit der Plangenehmigung werden sämtliche nach Bundesrecht notwendigen Bewilligungen erteilt. Kantonale oder kommunale Bewilligungen sind nicht erforderlich. «Das kantonale Recht und die kommunalen Raumordnungspläne werden berücksichtigt, so weit es die Betreiberin der elektrischen Anlage in der Erfüllung ihrer Aufgaben nicht unverhältnismässig einschränkt.» Die Gemeinde hat die Möglichkeit, direkt Einsprache beim Eidgenössischen Starkstrom inspektorat einzureichen. Ebenfalls Einsprache machen kann, wer nach den Vorschriften des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren oder des Enteignungsgesetzes Partei ist. Manfred Speckert von der Firma Sunrise betont, dass das rechtliche Gehör trotz des Plangenehmigungsverfahrens gewährleistet sei. «Alle Einwohner im Umkreis von 918 Meter zur geplanten Antennenanlage sind zur Einsprache legitimiert.» (rei)