Geheime Leuenberger-Studie stellt Auto an den Pranger. 1359
Verfasst: 20. Dezember 2004 12:45
© SonntagsZeitung; 19.12.2004; Seite 1
Front
Geheime Leuenberger-Studie stellt Auto an den Pranger
1359 Tote wegen Abgasen - Schäden von 4,7 Milliarden Franken jährlich
von Christoph Lauener
Bern · In der Schweiz sterben jährlich 1359 Menschen wegen der Abgase des Strassenverkehrs. Zu diesem Schluss kommt eine neue, noch unveröffentlichte Studie, die Verkehrsminister Moritz Leuenberger durchführen liess. Durch die vorzeitigen Todesfälle gehen allein wegen der Strassenabgase insgesamt 15 399 Lebensjahre verloren. Beziffert sind auch die Krankheitsfälle: So werden pro Jahr wegen Autoabgasen über 14 000 Kinder von akuter Bronchitis und ebenso viele Erwachsene von Asthma-Anfällen befallen. Diese «verlorenen Lebensjahre» und die Krankheitsfälle wurden erstmals für die Schweiz mittels einer genauen Berechnung ermittelt (siehe Tabelle).
Die neuen Zahlen sind umso brisanter, als die Autoren auch errechnet haben, was das kostet: Die Luftverschmutzung durch den Verkehr verursacht demnach externe Gesundheitskosten von 1,6 Milliarden Franken; für 94 Prozent davon ist der Strassenverkehr verantwortlich. Die Gesundheitskosten sind jedoch nur ein Teil der umfangreichen Studie, deren Ziel es war, die gesamten externen Verkehrskosten zu erfassen - also jene Kosten, die nicht durch den Verursacher gedeckt sind.
Analysiert wurden die fünf Bereiche Gesundheit, Unfälle, Lärm, Natur und Gebäudeschäden, aufgeschlüsselt nach den Verursachern Strassen- und Schienenverkehr.
Die Bilanz der Studie, die der SonntagsZeitung in einer Zusammenfassung vorliegt, ist alarmierend: Insgesamt löst der Verkehr jährliche nicht gedeckte Schäden von 5 Milliarden Franken aus - zu 93 Prozent ist die Strasse schuld. An einer Tagung am Freitag haben Fachleute erstmals Kenntnis erhalten von den schockierenden Resultaten. Es wurde absolutes Stillschweigen vereinbart.
Erst im nächsten Jahr wollen die Behörden die Studie veröffentlichen. Schon heute rumort es aber heftig hinter den Kulissen, denn die Studie wird dem Departement Leuenberger (Uvek) als Argumentarium für weitere Massnahmen im Verkehr dienen und ist deshalb von hoher politischer Brisanz. Nachdem das Uvek erst kürzlich neue Verschärfungen für den Strassenverkehr angekündigt hat, sehen dessen Vertreter bereits jetzt neue Schikanen auf die Auto- und Motorradfahrer zukommen. Der alte Konflikt um die Kostenwahrheit im Verkehr wird neu aufflammen [...]
Strassenverkehr schadet
Gesundheitseffekt Strassenverkehr
Verlorene Lebensjahre 15 399
Spitaltage wg. Atemwegserkrankungen 2127
Spitaltage wg. Herz-Kreislauf-Erkrankungen 3551
Chronische Bronchitis bei Erwachsenen 363
Akute Bronchitis bei Kindern 14 088
Asthma-Anfälle bei Erwachsenen 14 904
Tage mit eingeschränkter Aktivität 643 647
Quelle: Uvek-Studie «Externe Kosten des Verkehrs»
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Geheime Leuenberger-Studie stellt Auto an den Pranger
1359 Tote wegen Abgasen - Schäden von 4,7 Milliarden Franken jährlich
von Christoph Lauener
Bern · In der Schweiz sterben jährlich 1359 Menschen wegen der Abgase des Strassenverkehrs. Zu diesem Schluss kommt eine neue, noch unveröffentlichte Studie, die Verkehrsminister Moritz Leuenberger durchführen liess. Durch die vorzeitigen Todesfälle gehen allein wegen der Strassenabgase insgesamt 15 399 Lebensjahre verloren. Beziffert sind auch die Krankheitsfälle: So werden pro Jahr wegen Autoabgasen über 14 000 Kinder von akuter Bronchitis und ebenso viele Erwachsene von Asthma-Anfällen befallen. Diese «verlorenen Lebensjahre» und die Krankheitsfälle wurden erstmals für die Schweiz mittels einer genauen Berechnung ermittelt (siehe Tabelle).
Die neuen Zahlen sind umso brisanter, als die Autoren auch errechnet haben, was das kostet: Die Luftverschmutzung durch den Verkehr verursacht demnach externe Gesundheitskosten von 1,6 Milliarden Franken; für 94 Prozent davon ist der Strassenverkehr verantwortlich. Die Gesundheitskosten sind jedoch nur ein Teil der umfangreichen Studie, deren Ziel es war, die gesamten externen Verkehrskosten zu erfassen - also jene Kosten, die nicht durch den Verursacher gedeckt sind.
Analysiert wurden die fünf Bereiche Gesundheit, Unfälle, Lärm, Natur und Gebäudeschäden, aufgeschlüsselt nach den Verursachern Strassen- und Schienenverkehr.
Die Bilanz der Studie, die der SonntagsZeitung in einer Zusammenfassung vorliegt, ist alarmierend: Insgesamt löst der Verkehr jährliche nicht gedeckte Schäden von 5 Milliarden Franken aus - zu 93 Prozent ist die Strasse schuld. An einer Tagung am Freitag haben Fachleute erstmals Kenntnis erhalten von den schockierenden Resultaten. Es wurde absolutes Stillschweigen vereinbart.
Erst im nächsten Jahr wollen die Behörden die Studie veröffentlichen. Schon heute rumort es aber heftig hinter den Kulissen, denn die Studie wird dem Departement Leuenberger (Uvek) als Argumentarium für weitere Massnahmen im Verkehr dienen und ist deshalb von hoher politischer Brisanz. Nachdem das Uvek erst kürzlich neue Verschärfungen für den Strassenverkehr angekündigt hat, sehen dessen Vertreter bereits jetzt neue Schikanen auf die Auto- und Motorradfahrer zukommen. Der alte Konflikt um die Kostenwahrheit im Verkehr wird neu aufflammen [...]
Strassenverkehr schadet
Gesundheitseffekt Strassenverkehr
Verlorene Lebensjahre 15 399
Spitaltage wg. Atemwegserkrankungen 2127
Spitaltage wg. Herz-Kreislauf-Erkrankungen 3551
Chronische Bronchitis bei Erwachsenen 363
Akute Bronchitis bei Kindern 14 088
Asthma-Anfälle bei Erwachsenen 14 904
Tage mit eingeschränkter Aktivität 643 647
Quelle: Uvek-Studie «Externe Kosten des Verkehrs»