Guter Bericht in der Sonntagszeitung! Abgesehen von der UMTS-Belastung halte ich es für absurd ein Fussball- oder Eishockeyspiel auf einem Display von 3x3 cm zu schauen. Früher hatte ich einen portablen Mini-TV-Empfänger mit einem Display von ca. 10x5 cm, den ich jeweils in den WK mitnahm, selbst dort schliefen wir spätestens nach 30 Minuten ein, weil das Schauen derart mühsam und ermüdend war. Dieser Mist hat null Zukunft, jedenfalls auf Handys und ich bezweifle ob die grosse Masse ihren Laptop auf Wanderungen oder in die Badi mitschleppen wird, nur damit man dort TV gucken kann. Das ist doch ein Witz. Hier also die Reportage:
Goaaaaal aber wo bitte ist der Ball?
"Telecomanbieter lancieren für die WM das Handy-TV."
Der grosse Test
Wenn sich die Nation während eines WM-Fussballspiels nach dem Torjubel wieder vor den TV- oder Grossbildschirm setzt, werden 14 Sekunden später erneut Männer und Frauen jubeln. Jene nämlich, die zwar dasselbe Fussballspiel schauen, aber auf dem Handy. 14 Sekunden beträgt die Verzögerung des Handy-Live-TVs im Vergleich zum Livefernsehen.
Swisscom, Orange, Sunrise wittern eine neue Chance, ihre bisher mässig erfolgreichen Breitbanddienste unter das Volk zu bringen. Über den schnellen Datenfunk UMTS soll das Fussball-grossereignis auf das Handy.
Eine Umfrage ergab, dass ein Drittel der Beschäftigten sich die WM voraussichtlich im Büro anschauen wird. «Chef sagt Nein zu WM-Ferien?», lautet folglich die Frage in einem Swisscom-Inserat. Die vorgeschlagene Lösung: Live-TV fürs Handy.
Ein Test der SonntagsZeitung hat gezeigt: Ein Vergnügen ist es nicht, Fussball auf dem Handy zu schauen. Ruckelnde Bilder, Abstürze, zu wenig Bandbreite. Wiederkehrende Schwierigkeiten des Taschen-TVs im Handy-Format.
Am meisten Schwierigkeiten scheint der Lausanner Mobilfunkanbieter Orange zu haben. In der SonntagsZeitungs-Testphase war es mehrmals unmöglich, sich ins Handy-Fernsehen einzuklinken. Laut Orange hatte dies damit zu tun, dass der Anbieter im Hinblick auf die WM verschiedene Systemaktualisierungen durchführte. Stand die Orange-Verbindung, war die Übertragung meistens gut. Die Verzögerung gegenüber der Übertragung im Fernsehen betrug neun Sekunden; ruckelnde Bilder waren selten.
Anders bei Sunrise. Die Übertragung des Fussballspiels «Der Match» zwischen Prominenten und ehemaligen Schweizer Fussballinternationalen am Donnerstag war kein Spass. Ruckelnde Bilder und Abstürze wechselten sich mit Phasen ab, in der die Übertragung gut funktionierte.
Bei der Bildübertragung schnitt die Swisscom am besten ab. Zwar betrug die Verzögerung zum Normalfernsehen im Test 14 Sekunden und damit mehr als bei den anderen Anbietern. Und bei jedem Verbindungsaufbau erschien eine Fehlermeldung: «Nicht genügend Bandbreite.» Aber beim jeweils zweiten Verbindungsversuch klappte es. Nur zwischendurch blieben die Bilder stehen; es dauerte mehrere Sekunden, bis der Film weiterlief.
Dabei ist es gerade die Swisscom, die sich von der Fussball-WM viel erhofft. Sie kaufte die teuren exklusiven Übertragungsrechte der Fussball-WM und will auf ihrem Portal Vodafone live alle Spiele live übertragen. Verkäuferin war die Zuger Sportagentur Infront Sports & Media. Diese hat als Vermarktungspartnerin des Weltfussballverbandes Fifa die Lizenzen für Liveübertragungen auf Mobilfunkgeräte weltweit verkauft. Die Telekommunikationsunternehmen in hundert Ländern bezahlten dafür insgesamt 160 Millionen Franken immerhin ein Zehntel dessen, was die Fernsehübertragungsrechte kosten.
Nicht nur in der Schweiz soll die Fussball-WM den Mobilfunkbetreibern den Durchbruch im Handy-TV bescheren. Vom mobilen Taschenfernseher im Handy-Format erhoffen sich die Anbieter weltweit Einnahmen in Milliardenhöhe. Vier von fünf Managern der IT-Branche glauben gemäss einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Eurospace, dass sich Handy-TV in den nächsten zwei Jahren allgemein durchsetzen wird. Bis im Jahre 2010 rechnen die Mobilfunkanbieter mit 200 Millionen Handy-TV-Nutzern. Allein in Deutschland sollen damit 450 Millionen Euro verdient werden. Die Fussball-WM scheint ihnen dafür ein geeigneter Anlass zu sein, ihre neue Geldquelle unter die Kunden zu bringen.
Doch ob diese massenhaft darauf eingehen werden, ist mehr als fraglich. Die Erfolgsaussicht des mobilen Fernsehens ist ungewiss, das Potenzial wird wohl überschätzt. Einer Umfrage der Schweizer Fachzeitung «Netzwoche» zufolge können sich über 70 Prozent der Befragten nicht vorstellen, die WM auf dem Handy zu verfolgen.
Neuere Modelle mit grossem Bildschirm sind unabdingbar
Überhaupt ist die Skepsis gegenüber dem Briefmarkenfernsehen gross. Nur 40 Prozent der unter 20-Jährigen finden Handy-TV attraktiv und wollen beim nächsten Handy-Kauf auf die Fernsehtauglichkeit achten, ergab eine Umfrage der Universität Bonn und von IBM. Der Rest der 1000 befragten 14- bis 69-Jährigen lehnt Handy-TV ab, da es «ausreichend andere Alternativen zum Fernsehen gibt».
Um Fussball auf dem Handy geniessen zu können, ist ein neueres Modell mit einem grossem Bildschirm unabdingbar. Eines wie das Nokia N70, dessen Bildschirm 4 mal 4,5 Zentimeter gross ist. Oder das Nokia 6280 mit 5 Zentimeter Bildhöhe und 3,5 Zentimeter Breite. Das Bild auf Mobiltelefonen wie dem weit verbreiteten Nokia 6230i ist hingegen so winzig klein, dass beim Fernsehen die wichtige Frage offen bleibt: Wo ist der Ball?