© Die Südostschweiz; 21.07.2005
Region Graubünden
Ausgabe Graubünden
Elektrosmog: Wie «grün» ist das Greenconnector-Projekt?
Am Vorhaben für einen Stromtransport in der Oleodotto-del-Reno-Ölleitung scheiden sich die Geister. Kritiker warnen vor Elektrosmog und einer Minderung der Lebensqualität; die Initianten loben ihr Projekt als besonders problemlos.
· von Jano Felice Pajarola
Greenconnector – der Name will offensichtlich Programm sein. Der «grüne Stecker» der gleichnamigen Firma soll ab 2008 Energie ins stromhungrige Italien liefern, genauer: von der nationalen Stromdrehscheibe bei Sils im Domleschg nach Verderio. Der Stromtransport würde auf Schweizer Seite bekanntlich unterirdisch in den stillgelegten Rohren der Oleodotto del Reno SA erfolgen. In einer Konverterstation bei Thusis oder Cazis – der Standort ist noch offen – würde der Wechselstrom aus Sils für die Fernleitung in Gleichstrom umgewandelt. In Italien könnte der Strom aus der Schweiz den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoss der Gaskraftwerke um bis zu 2900 Tonnen reduzieren. Doch wie «grün» ist Greenconnector tatsächlich? Kann man dem Namen vertrauen?
Vagabundierende Ströme?
Nein, meinen Kritiker des Projekts. Zum Beispiel Markus Durrer, Elektrobiologe und Präsident der Interessengemeinschaft Stopp Elektrosmog. Ihm ist das Vorhaben ein Dorn im Auge: Er befürchtet, dass die Hochspannungsleitungen im Domleschg wegen der erhöhten Zuleitung von Strom via Sils in die Greenconnector-Leitung noch stärker belastet werden als heute schon. Ausserdem rechnet er mit so genannten vagabundierenden Strömen in der Nähe des unterirdischen Kabels: «Der Strom sucht sich den Weg des geringsten elektrischen Widerstands», meint Durrer – und weil die Rückleitung des Gleichstroms bei Greenconnector über das Erdreich statt über ein zweites Kabel erfolgen solle, werde genau das geschehen. Der Strom könne über Häuser abgeleitet werden oder Magnetfelder erzeugen.
Eine weitere Kritik Durrers: Nicht «grüner» Strom aus Bündner Wasserkraft werde Greenconnector nach Italien transportieren, sondern vor allem Atomstrom aus dem Unter- und Ausland. «Der zunehmende Strom-Alpentransit bedeutet eine Minderung unserer Lebensqualität», ist Durrer grundsätzlich überzeugt; er bedrohe einerseits die Gesundheit der Menschen und verschandle andererseits die Landschaft, die in Graubünden von grosser wirtschaftlicher Bedeutung sei.
Mitten auf der grünen Wiese
Bei Greenconnector ist die Konverterstation so ein Fall: Sie benötigt ungefähr 35 000 Quadratmeter Land und wird nicht zu übersehen sein. Ausserdem muss sie in einer gewissen Distanz zu ständig bewohnten Siedlungen errichtet werden – sowohl in Thusis als auch in Cazis käme sie deshalb mitten auf die grüne Wiese zu stehen, in Thusis neben der Schiessanlage Rheinau, in Cazis beim Stall der Bürgergemeinde unweit von St. Martin. Und weil sie zum einen Teil aus Wechselstromanlagen besteht, gibt es dort in einem Radius von fünf bis zehn Metern um die Station herum auch Magnetfelder, wie Franco Quinter, regionaler Projektleiter bei Greenconnector, bestätigt. Dieser Bereich werde jedoch abgezäunt. Laut Geschäftsführer Claudio Gianotti ist zudem auf der Wechselstromseite der Anlage bis in eine Distanz von «einigen zehn Metern» ein permanenter Aufenthalt – zum Beispiel eine Wohnnutzung – nicht erlaubt.
Störfeld «vernachlässigbar»
Trotzdem sind Gianotti und Quinter mit den Befürchtungen Durrers nicht einverstanden. Ihre Gleichung ist simpel: Mit Gleichstrom, wie er in den übrigen Teilen der Konverterstation und in der Fernleitung vorkomme, gebe es praktisch keinen Elektrosmog, beteuern sie. «Das kann man mit bestem Gewissen und mit wissenschaftlicher Begründung sagen», meint Quinter. Tatsächlich bestätigt das Hans-Jürg Weber, technischer Mitarbeiter des Hochspannungslabors der ETH Zürich, auf Nachfrage der «Südostschweiz»: Zwar sei es falsch zu sagen, Gleichstrom habe keine Abstrahlung; er erzeuge sehr wohl ein Störfeld. Doch sei dieses im Vergleich zum sowieso vorhandenen Erdmagnetfeld vernachlässigbar.
Auch den Vorwurf einer unkontrollierbaren Rückleitung des Stroms via Erdreich stellt Gianotti in Abrede. «Die Rückströme werden einen gebundenen Weg haben, da wir mit zwei Kabeln arbeiten.» Und bei der Konverterstation werde Greenconnector die gesetzlichen Grenzwerte in allen Bereichen weit unterschreiten. Die Kapazität der Stromleitungen im Domleschg müsse zudem nicht erhöht werden.
Ein Drittel auf Bündner Seite
Quinter betont dafür die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts: Von den geschätzten Investitionen von 450 Millionen Franken werde rund ein Drittel auf Bündner Seite verbaut, rechnet er vor; 90 bis 100 Millionen Franken werde allein die Konverterstation kosten. Neben diesen einmaligen Investitionen müsse man aber auch den Steuerertrag für die Strandortgemeinde bedenken. Arbeitsplätze jedoch wird es auf den 35 000 Quadratmetern nur fünf bis sieben geben: das Überwachungspersonal für die vollautomatische Umwandlungsanlage.
GR: Elektrosmog: Wie «grün» ist das Greenconnector-Projekt?
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Markus Durrer
Re: GR: Elektrosmog: Wie «grün» ist das Greenconnector-Proje
Für die Hochspannungs-Gleichstrom -Übertragung (HGÜ) der Fa. Greenconnector AG sollen zwei kunststoffisolierte Hochspannungskabel im Trassse der stillgelegten Öelleitung der Oleodotto del Reno SA verlegt werden. Auf das eine Kabel wird +400kVDC gegen Erde, auf das zweite -400VDC gegen Erde aufgeschaltet. Die Übertragungsstrecke soll 1GW Leistung übertragen können. Gemäss Aussage eines wichtigen Anbieters solcher Anlagen werden beide Stränge über unabhängige Gleichrichter, respektive Wechselrichter gegen Erde verbunden. Anders sei die Übertragung von 1GW mit solchen Kabeln gar nicht möglich. Somit ist klar von einem Strom durch das Erdreich auszugehen.
Es ist richtig, dass Magnetfelder vor allem bei sich änderndem Strom aufbauen. Bei Wechselstrom ändert der Strom im Rhytmus der Netzfrequenz. Wir haben aber auch bei einer Gleichspannungsübertragung Stromänderungen, denn der Strom ist lastabhängig (Verbrauch). Da der Verbrauch in jedem Augblick sich ändert, haben wir auch dauernd Stromänderungen. Sicher sind die Magnetfelder entlang der HGÜ kleiner wie bei einer entsprechenden Wechselstromübertragung.
Wir von der IG-Stopp Elektrosmog sind nicht grundsätzlich gegen diese HGÜ, aber die Bauherrschaft muss zuerst den Nachweis erbringen, dass mit keinen vagabundierenden Strömen zu rechnenen ist und dass auch für die Stromzuführung zur Konverterstation im Domleschg eine Umweltverträgliche Lösung gefunden wird. Das Unterwerk Sils ist seit Inbetriebnahme der Bernina-Leitung (1,5GW) zum wichtigsten Stromknoten in den Alpen geworden. Von diesem UW führt auch die 380kV- Leitung über den San Bernardino ins Misox und von dort nach Italien. Eingespiesen wird Sils (Sils Ost und Sils West) von einer NOK-Leitung (2x 380kV) aus dem UW-Bonaduz (das wiederum mit dem UW/KW Tavannasa, wie auch dem Pumspeicherwerk Mapragg und dem UW Beiken verbunden ist) und der EWZ- Leitung (380kV + 220kV), die Sils mit dem UW Benken verbunden ist). De Einspeisung aus den nahen Kraftwerke Mittelbünden dekt nur ein Bruchteil der Energie, die über Sils transportiert wird.
Entlang der NOK und EWZ- Leitungen giebt es einige OMEN, an denen Anlagegrenzwerte bei Weitem überschritten werden. Ich selbst habe an einem Winterabend mit einem kalibrierten Messmittel (Maschek ESM-100) in einem EFH- Neubau (18m Abstand zur Achse der EWZ-Leitung) 1'800nT gemessen. Die heute mit 380kV und 220kV betriebene EWZ- Leitung ist aber bereits beidseitig für den Betrieb mit 380kV ausgerüstet und es ist davon auszugehen, das die Betriebsbewilligung für die höhere Spannung schon lange vorliegt. Das zeigt dass auf diesen Zuleitungen noch Kapazitätsreserven bestehen. Eine höhere Auslastung dieser Trassses, die nicht den Anlagegrenzwerten unterstehen ist für die Anwohner unzumutbar.
Die gesetzlichen Grundlagen sind leider so, dass Anlagen, die vor der Inkraftsetzung der NSIV bewilligt wurden, die Anlagegrenzwerte nicht einhalten müssen.
Die Absicht der Fa Greenconnector AG ist es, ihr Projekt bis 2007 im Schnellzugstempo zu realisieren - so nicht mit uns!
Markus Durrer, Präsident IG Stopp Elektrosmog
Es ist richtig, dass Magnetfelder vor allem bei sich änderndem Strom aufbauen. Bei Wechselstrom ändert der Strom im Rhytmus der Netzfrequenz. Wir haben aber auch bei einer Gleichspannungsübertragung Stromänderungen, denn der Strom ist lastabhängig (Verbrauch). Da der Verbrauch in jedem Augblick sich ändert, haben wir auch dauernd Stromänderungen. Sicher sind die Magnetfelder entlang der HGÜ kleiner wie bei einer entsprechenden Wechselstromübertragung.
Wir von der IG-Stopp Elektrosmog sind nicht grundsätzlich gegen diese HGÜ, aber die Bauherrschaft muss zuerst den Nachweis erbringen, dass mit keinen vagabundierenden Strömen zu rechnenen ist und dass auch für die Stromzuführung zur Konverterstation im Domleschg eine Umweltverträgliche Lösung gefunden wird. Das Unterwerk Sils ist seit Inbetriebnahme der Bernina-Leitung (1,5GW) zum wichtigsten Stromknoten in den Alpen geworden. Von diesem UW führt auch die 380kV- Leitung über den San Bernardino ins Misox und von dort nach Italien. Eingespiesen wird Sils (Sils Ost und Sils West) von einer NOK-Leitung (2x 380kV) aus dem UW-Bonaduz (das wiederum mit dem UW/KW Tavannasa, wie auch dem Pumspeicherwerk Mapragg und dem UW Beiken verbunden ist) und der EWZ- Leitung (380kV + 220kV), die Sils mit dem UW Benken verbunden ist). De Einspeisung aus den nahen Kraftwerke Mittelbünden dekt nur ein Bruchteil der Energie, die über Sils transportiert wird.
Entlang der NOK und EWZ- Leitungen giebt es einige OMEN, an denen Anlagegrenzwerte bei Weitem überschritten werden. Ich selbst habe an einem Winterabend mit einem kalibrierten Messmittel (Maschek ESM-100) in einem EFH- Neubau (18m Abstand zur Achse der EWZ-Leitung) 1'800nT gemessen. Die heute mit 380kV und 220kV betriebene EWZ- Leitung ist aber bereits beidseitig für den Betrieb mit 380kV ausgerüstet und es ist davon auszugehen, das die Betriebsbewilligung für die höhere Spannung schon lange vorliegt. Das zeigt dass auf diesen Zuleitungen noch Kapazitätsreserven bestehen. Eine höhere Auslastung dieser Trassses, die nicht den Anlagegrenzwerten unterstehen ist für die Anwohner unzumutbar.
Die gesetzlichen Grundlagen sind leider so, dass Anlagen, die vor der Inkraftsetzung der NSIV bewilligt wurden, die Anlagegrenzwerte nicht einhalten müssen.
Die Absicht der Fa Greenconnector AG ist es, ihr Projekt bis 2007 im Schnellzugstempo zu realisieren - so nicht mit uns!
Markus Durrer, Präsident IG Stopp Elektrosmog
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Markus Durrer
Es gibt nicht nur das Grennconnector-Projekt
Die Fa. Greenconnector AG bewirbt sich um den Zuschlag einer Ausschreibung der italienischen Energiebehörde für die Realisierung einer zusätzlichen Importleitung. Dieses sogenannte Merchant-
Line-Projekt soll in erster Linie der Versorgungssicherheit Italiens dienen. Es bewerben sich mehrere Projekte um den Zuschlag.
Vor allem das Projekt Lavorgo – Bovisio (SÜL132) des Firmenkonsortium ATEL und Edison, Impresa Grasseto, mit einer Konverterstation in der Magadinoebene ist eine erstzunehmende Konkurrenz zu Greenconnector- Projekt (SÜL140).
Dieses Projekt bedingt aber einen Kapazitätsausbau der alpenquerenden Höchstspannungsleitungen zwischen Mettlen und Lavorgo. Dazu ist eine Spannungserhöhung auf der Gotthardleitung von 220 auf 380 kV und der Ausbau der bestehenden Leventina- Leitung auf 2 x 380 kV geplant. Diese Variante hätte eine nicht akzeptable Zumahme der Belastung entlang der Gotthardleitung (ZG, SZ,UR,TI) und der Lukmanierleitung (bis Erstfeld das selbe Trasse wie die Gotthardleitung) zur Folge, aber auch die Zuleitung nach Metteln von Gösgen her wird wesendlich stärker ausgelastet sein.
Projekt Kurzbeschreibungen findet ihr unter
http://www.energie-schweiz.ch/internet/ ... ml?lang=de
Line-Projekt soll in erster Linie der Versorgungssicherheit Italiens dienen. Es bewerben sich mehrere Projekte um den Zuschlag.
Vor allem das Projekt Lavorgo – Bovisio (SÜL132) des Firmenkonsortium ATEL und Edison, Impresa Grasseto, mit einer Konverterstation in der Magadinoebene ist eine erstzunehmende Konkurrenz zu Greenconnector- Projekt (SÜL140).
Dieses Projekt bedingt aber einen Kapazitätsausbau der alpenquerenden Höchstspannungsleitungen zwischen Mettlen und Lavorgo. Dazu ist eine Spannungserhöhung auf der Gotthardleitung von 220 auf 380 kV und der Ausbau der bestehenden Leventina- Leitung auf 2 x 380 kV geplant. Diese Variante hätte eine nicht akzeptable Zumahme der Belastung entlang der Gotthardleitung (ZG, SZ,UR,TI) und der Lukmanierleitung (bis Erstfeld das selbe Trasse wie die Gotthardleitung) zur Folge, aber auch die Zuleitung nach Metteln von Gösgen her wird wesendlich stärker ausgelastet sein.
Projekt Kurzbeschreibungen findet ihr unter
http://www.energie-schweiz.ch/internet/ ... ml?lang=de
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uali
Re: Es gibt nicht nur das Grennconnector-Projekt
ja i maina das isch a fertigi sauerei üseri schön päzerussicht so ga verhuntza!!!!!
gopfertami nomol, das lömmer nit zua
gopfertami nomol, das lömmer nit zua