© Neue Luzerner Zeitung; 20.09.2005; Seite 22
Zuger Zeitung Leserbriefe
Rechtliche oder gesundheitliche Beschwerden
«Neue Zuger Zeitung»vom 15. September: «Antennenhilfe vom Kanton»
«Hoch lebe die Informationsfreiheit Antennenbewilligungen hin, Einsprachen und Beschwerden her!» Damit sind im Artikel der Neuen ZZ von letzter Woche wohl die rechtlichen Beschwerden gemeint.
Doch was ist mit den gesundheitlichen Beschwerden, unter denen immer mehr Leute in der Nähe von Mobilfunkantennen leiden? Die Mobiltelefonie gehört zweifellos zu unserer mobilen Gesellschaft. Dafür würde jedoch ein Bruchteil der ausgesendeten Strahlung genügen. Die Bestrahlung der Bevölkerung wird durch die ständig wechselnden Techniken, Angebote und künstlich hervorgerufenen Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten ständig dichter und stärker. Damit werden Nutzerinnen und Nutzer gelockt und abgezockt und zugleich auch alle anderen gesundheitlich belastet.
Widerstand wächst
Kein Wunder, müssen die Gemeindehörden die Bedenken und Anliegen der Bevölkerung langsam ernster nehmen. Denn der Widerstand wächst. So kamen in Baar letztes Jahr gegen die Errichtung einer UMTS-Antenne auf der Spinnerei über 400 Unterschriften zusammen, dieses Jahr trug eine Sammeleinsprache gegen den Ausbau der bestehenden Orange- und Sunrise-Antennen auf dem Brauereiturm über 250 Unterschriften. Und dies, obwohl beide Baugesuche (wohl nicht zufälligerweise!) in der Sommerferienzeit ausgeschrieben wurden.
Bedenkenswert scheint mir auch die Tatsache, dass sehr viele der von den drei Mobilfunkfirmen eingereichten Baugesuche inhaltlich nicht korrekt waren. Sie operierten mit falschen technischen Angaben. Rechneten sie bislang wohl damit, dass die bewilligenden Behörden die komplexe Materie nicht mehr überblicken können? In akribischer Nachforschung und Messarbeit konnten gleich dutzendweise teils gravierende Fehler nachgewiesen werden. Interessant ist, dass Orange und Sunrise das Ausbaugesuch für die bestehende Antenne auf der Braui am letzten Tag der Auflage im Juli 2005 zurückgezogen haben, nachdem durch die Einsprechenden auf die Fehlerhaftigkeit der Unterlagen hingewiesen worden ist.
Wir hoffen nun, dass der Kanton die Gemeindebehörden, wie im oben erwähnten Artikel gefordert wird, mit seinem Fachwissen tatkräftig unterstützt. Angesprochen ist in erster Linie die Baudirektion, die das Umweltgesetz durchsetzen muss. Da heisst es im Artikel 31: «Kanton und Gemeinden sorgen für den Schutz des Menschen und der natürlichen Umwelt vor schädlichen und lästigen Einwirkungen.»
Gefordert ist aber je länger, je mehr auch die Gesundheitsdirektion, denn die krank machenden Auswirkungen der Strahlenbelastung könnten sich auf die Gesundheitskosten in verheerender Weise auswirken. Deshalb fordern wir, dass nicht die «Informationsfreiheit» (sprich finanzielle Interessen) an oberster Stelle steht, sondern der Schutz für Gesundheit und Wohlbefinden der gesamten Bevölkerung.
Berty Zeiter, Kantonsrätin Alternative Fraktion, Baar
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© Neue Luzerner Zeitung; 20.09.2005; Seite 23
Schwyzer Zeitung Aufschlag
Innerschwyz
Projekt kommt nicht vorwärts
Zu niedrige Strommasten führten 2003 zu einem Kurzschluss am Urmiberg. Der Neubau dieser Hochspannungsleitung verzögert sich.
VON BERT SCHNÜRIGER
Durch den Felderboden bei Brunnen, über den Urmiberg und der nördlichen Rigilehne entlang führen zwei grosse Starkstromleitungen. Sie gehören der Elektrizitätsgesellschaft Aare-Tessin AG (Atel). Die ältere der beiden Leitungen stammt aus den Vierzigerjahren und hat etwas niedrigere Masten, die teilweise rosten. «Wir möchten mit dem Ersatz der Masten die Bodenabstände der Leitung vergrössern», sagte Atel-Sprecher Martin Bahnmüller. Dies verbessere die Sicherheit und erfülle Auflagen der Verordnung zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung.
71 Meter hoher Mast
Insgesamt sollen 79 Masten abgebrochen und an gleicher Stelle höhere gebaut werden. Eines der am höchsten geplanten Tragwerke liegt an der Rigi-Nordlehne im Arther Fischchratten. Ein Mast, der dort heute 52 Meter hoch ist, soll neu 71 Meter hoch gebaut werden.
Im Jahr 2002 schon reichte die Atel ein erstes Baugesuch für die Erneuerung dieser Leitung ein. Behördliche Auflagen allerdings veranlassten die Bauherrin, das Projekt noch einmal zu überarbeiten. Unter anderem hatte damals das Schwyzer Amt für Umweltschutz einen Umweltverträglichkeitsbericht verlangt, der inzwischen vorliegt. Im vergangenen Januar reichte die Atel ein überarbeitetes Baugesuch ein. Es ist immer noch nicht bewilligt.
Einsprachen hängig
Laut Atel-Sprecher Andreas Meier gingen gegen dieses Baugesuch mehrere Einsprachen ein. «Das Eidgenössische Starkstrominspektorat führte Einspracheverhandlungen. Dabei kam es nicht zu einer Einigung», sagt Meier. Jetzt bleibt den Einsprechern eine einmonatige Frist für eine Stellungnahme. «Die Einsprecher haben danach zwei Möglichkeiten: Entweder sie ziehen die Einsprache zurück oder sie ziehen sie ans Bundesamt für Energie weiter.» Wobei die Atel einem solchen Weiterzug gelassen entgegenschauen würde. «Denn immerhin haben wir das Projekt schon einmal überarbeiten müssen», so Meier. Eine ganze Reihe von Masten wird jetzt weniger hoch gebaut als im ersten Baugesuch vorgesehen. Auch nehmen die neuen Pläne Rücksicht auf eine Grundwasserschutzzone.
Auf jeden Fall aber führt dieses aufwändige und durch gesetzliche Fristen in die Länge gezogene Bewilligungsverfahren zu einer weiteren Verzögerung. Noch im vergangenen Frühjahr rechnete die Atel mit einem Baubeginn in diesem Herbst. Jetzt allerdings ist nicht mehr mit einem Baubeginn noch im Jahre 2005 zu rechnen.
«Einige Dutzend Millionen»
Die Leitungserneuerung ist ein sehr grosses Projekt. Laut Atel werden die Bauarbeiten mehrere Jahre lang andauern. Und die Gesamtkosten belaufen sich laut Atel-Sprecher Bahnmüller «auf einige Dutzend Millionen Franken». Die Leitung führt vom luzernischen Mettlen nach Lavorgo. Sie bildet im Schweizerischen Verbundnetz einen wichtigen Teil der Nord-Süd-Achse. Ein Teil der Leitung im Kanton Uri wurde bereits erneuert.
Wie wichtig genügende Bodenabstände bei einer solchen Leitung sind, zeigte sich im September 2003. Damals wuchs ein Tannli am südlichen Urmiberg etwas zu nahe zur Leitung hinauf, was einen Lichtbogen und einen Kurzschluss auslöste. Der Kurzschluss bei der Atel war der erste Auslöser für einen daraufhin folgenden grossen Stromausfall in Italien.
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