Die Handy-Informanten........

remo70

Die Handy-Informanten........

Beitrag von remo70 » 6. Juli 2008 06:31

Gelesen in der Sonntags-Presse:

Das Handy als Informant

Daten unserer Mobiltelefone werden verkauft oder zu Forschungszwecken verwendet – ob wir wollen oder nicht


Jeder Swisscom-Mobile-Kunde wird schon bald zum Staumelder. Ob er will oder nicht, wird die Swisscom in ein paar Monaten Millionen von Handydaten in ano­ny misierter Form an den Naviga­tionsgeräte- Hersteller TomTom zur Auswertung weiterleiten. TomTom wird die Bewegungs­muster der Handys, die in Autos mitreisen, herausfiltern und sie auf den Strassen orten.
Wenn sich etwa entlang der A3 kurz vor Zürich mehrere Handys in Schritttempo bewegen, bedeutet das: Stau – und eine rote Schlange auf der dynamischen Strassen­karte, die der Autofahrer auf dem Display seines TomTom-Naviga­tionsgeräts namens One XL HD Traffic zu sehen bekommt. Das Ge­rät soll in der Schweiz Ende 2008 auf den Markt kommen.
Die Datenspuren, die Mobil­telefone hinterlassen, sind nicht nur für Verkehrsforscher eine be­gehrte Informationsquelle. Markt­forscher nutzen sie, um etwa Kun­denströme in Einkaufszentren zu analysieren. Und Soziologen setzen auf Handys als Forschungs­gehilfen, um herauszufinden, wie Menschen interagieren.
Als Staumelder eignen sich Mobil­telefone, mit denen telefoniert wird. Das Prinzip: Anhand der Funkmasten, bei denen das Handy gerade angemeldet ist, kann die Position des Telefons abgelesen werden. Derartige Daten lagern auf den Computern der Mobil­funkonzerne. Fährt das Gerät nun von Funkzelle A in Zelle B, findet eine «Übergabe» zwischen den Sendemasten statt. Aus der Zeit, die zwischen zwei Übergaben ver­geht, kann bei bekanntem Weg die Reisegeschwindigkeit berechnet werden. Sind mehrere aktive Tele­fone auf der gleichen Strecke unterwegs, lässt sich auf den Ver­kehrsstrom schliessen.
Verschlüsselt dürfen Daten von Handys weitergegeben werden
Für die neue Stauwarntechnolo­gie von TomTom sind die Handy­daten die Kernquelle. Daneben nutzt man GPS-Daten von Autos sowie Verkehrsinfos von staat­lichen Behörden. Alle Daten werden miteinander verrechnet und im 3-Minuten-Takt vom Tom­Tom Traffic Centre an die Auto­fahrer übermittelt.
Die Vorteile von HD Traffic, das in den Niederlanden schon seit November 2007 im Einsatz ist: Das System meldet quasi in Echt­zeit, wenn der Verkehr stockt. Zum anderen «weiss» es auch über die Verkehrssituation auf Landstras­sen Bescheid und kann entspre­chend Ausweichrouten vorschla­gen sowie realistische Fahrzeiten berechnen. «In vielen Ländern wird der Verkehrsfluss nur auf Autobahnen erfasst», sagt Tom­Tom-Forschungsleiter Schäfer.
Brauchbar sind die Handys als Staumelder vor allem für den aus­serstädtischen Verkehr. «Dort funktioniert die Technik sehr gut», sagt Elmar Brockfeld vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Luft- und Raumfahrt­zentrum in Berlin. Innerstädtisch können auf Grund des dichten Strassennetzes die Informationen aus einer Funkzelle oft nicht einer einzelnen Strasse zugeordnet werden. Brockfeld: «Da gibt es noch Forschungsbedarf.» Die Daten für entsprechende Projekte verkaufen die Mobilfunk­konzerne laut Brockfeld zumin­dest in Deutschland bereitwillig. «Das machen alle», sagt er. In der Schweiz sei die Kooperation zwi­schen TomTom und Swisscom die erste dieser Art, sagt Swisscom­Mediensprecher Olaf Schulze.
Datenschützer halten die Weitergabe von Handy­daten generell für bedenk­lich. Von Gesetzes wegen ist Swisscom jedoch nichts vorzuwerfen. «Wenn die Daten ano­nymisiert sind, fallen sie gar nicht unter das Datenschutz­gesetz », sagt Daniel Menna, Medienspre­cher des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Schul­ze versichert denn auch, dass die Swisscom-Daten, die an TomTom fliessen, derart verschlüsselt sein werden, dass sie dem Handy­besitzer nicht mehr zugeordnet werden können.
«Es bleibt dennoch ein mul­miges Gefühl», gesteht Menna, «insbesondere, weil die Daten ver­kauft werden.» Er rät der Swiss­com, wenigstens jeden einzelnen Kunden über den Deal zu infor­mieren. Geplant ist das nicht.
Shoppingcenter observieren Kunden mittels Handysignalen
Dass es nicht Jedermanns Sache ist, wenn Handydaten derart ge­nutzt werden, zeigen die empör­ten Reaktionen auf eine Anfang Juni im Magazin «Nature» publi­zierte Studie. Um das Reisever­halten von Menschen in west­lichen Gesellschaften zu analysie­ren, haben Wissenschaftler von der Northeastern University in Boston sechs Monate lang die Standortdaten von 100000 Han­dykunden ausgewertet. Die ano­nymisierten Daten stammten von einer europäischen Telekommu­nikationsfirma, deren Name ge­heim gehalten wird. Die «obser­vierten » Kunden wussten nicht Bescheid.

Die Aufschlüsselung der Daten er­gab, dass wir Gewohnheitstiere sind: Etwa die Hälfte der Proban­den verbrachte ihren Alltag in einem Umkreis von nur fünf Kilo­metern rund um die Wohnung. 7 Prozent reisen regelmässig bis zu 50 Kilometer; nur 1 Prozent reist häufig mehr als 500 Kilometer. Ge­nerell verbrachten fast alle Studi­enteilnehmer rund 70 Prozent ih­rer Zeit an nur zwei Orten: zu Hause und bei der Arbeit.
Wie und wo sich Menschen ge­nau bewegen, interessiert nicht nur Grundlagen-Wissenschaftler. Auch Marktforscher zapfen die Daten an, die Handys generieren. So wurde in zwei Einkaufszentren in Grossbritannien für die Über­wachung der Kundenströme ein System der Firma Path Intelli­gence installiert. Das System besteht aus mehreren kleinen Boxen, die Handysignale emp­fangen können. Die Position der Kunden wird mittels Triangula­tion berechnet – dabei wird der Abstand des Telefons zu drei Boxen gemessen. Für die Obser­vation im Shoppingcenter reicht es, wenn die mobilen Telefone im Standby-Modus in den Hand­oder Hosentaschen schlummern. Anhand der Daten erfahren die Marktforscher etwa, wann die Kunden das Shoppingcenter be­suchen, wie lange sie in einzelnen Geschäften verweilen oder auf welcher Route sie durch das Cen­ter schlendern. Und zwar voll­kommen anonym, wie zumindest Path Intelligence auf ihrer Home­page versichert.
Handysignale lotsen Touristen durch SanFranciscos Nightlife
Wie Menschen durch Städte strö­men, hat die US-Firma Sense Net­works im Visier. Um grossflächige Trends abzuleiten, haben die Sense-Networks-Forscher eine Software entwickelt, die ein Sam­melsurium von aktuellen Daten, etwa W-Lan-Positionen, GPS-Da­ten von Taxis oder Handystand­orte mit älteren Daten abgleichen kann. Solche Analysen sollen et­wa dabei helfen, in einer Stadt den besten Standort für ein neu­es Geschäft zu finden.
Die erste marktreife Software namens Citysense lotst Nacht­schwärmer durch San Francisco: Mit einem Blackberry-Smart­phone können sie sich die aktu­ellen Nightlife-Hotspots auf einem interaktiven Stadtplan an­zeigen lassen. «Citysense demons­triert das Potenzial, das die Kom­bination solcher Daten für das so­ziale Zusammenleben bietet», sagt Sandy Pentland, einer der Gründer von Sense Networks und Direktor des Instituts für Human Dynamics Research am Massachusetts Institute of Tech­nology (MIT) in Cambridge.
Pentland hält das Handy für die «ultimative Datenerfassungsma­schine ». Er setzt auf die mobilen Gefährten, um den sozialen Inter­aktionen der Menschen auf die Spur zu kommen. Sein For­schungsgebiet nennt er «Reality Mining» – das Handy liefert ihm eine Art Soziogramm.
So observierte Pentland in einer Studie 100 freiwillige Probanden acht Monate lang mit speziell aus­gestatteten Handys. Wenn die Probanden aufeinander trafen, konnte etwa dank Bluetooth der Abstand zwischen den Handys – und damit zwischen den Personen – festgestellt werden. Ausserdem wurden Gesprächsdaten aufge­zeichnet. Anhand der Daten konn­te Pentland das soziale Netzwerk der Probanden genau rekonstru­ieren. Befragungen lieferten dage­gen weniger präzise Ergebnisse.
Anders als im Experiment von Pentland werden hiesige Swiss­com- Mobile-Nutzer unfreiwillig zum Staumelder. Wem das nicht passt, bleibt nur der Rat der Daten­schützer: «Beschweren Sie sich.»

Elisabeth Buchs
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Beitrag von Elisabeth Buchs » 6. Juli 2008 07:37

Gerade gestern hatten wir eine Diskussion mit einigen über die versteckten Nutzen von Mobilfunk nicht nur zu Kommunikationszwecken, Werbung, Kommerz, Geschäftszwecken, sondern vor allem auch zu geheimdienstlichen, militärischen Ueberwachungszwecken und dass dies das exzessive ständige noch mehr Antennen näher bei den Menschen aufstellen und alles bis in den letzten Winkel ohne Entkommen verstrahlen, erklären würde sowie die Förderung durch die Regierungen. Zur Zeit ist eine richtige Aufrüstungswelle im Gang: gleich bei drei mir bekannten Menschen sollen Antennen näher als 100 m hinkommen, bei einer steht sie bereits, bei zwei anderen wird dagegen gekämpft. Hat das ganze nie ein Ende? Jeden Tag ist Herr Jakob mindestens drei Stunden am Telefon mit von Antennen bedrohten oder erkrankten Menschen.

Elisabeth Buchs

BLUE SKY
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"ausweglos"

Beitrag von BLUE SKY » 6. Juli 2008 12:07

Elisabeth Buchs hat geschrieben:Gerade gestern hatten wir eine Diskussion mit einigen über die versteckten Nutzen von Mobilfunk nicht nur zu Kommunikationszwecken, Werbung, Kommerz, Geschäftszwecken, sondern vor allem auch zu geheimdienstlichen, militärischen Ueberwachungszwecken und dass dies das exzessive ständige noch mehr Antennen näher bei den Menschen aufstellen und alles bis in den letzten Winkel ohne Entkommen verstrahlen, erklären würde sowie die Förderung durch die Regierungen. Zur Zeit ist eine richtige Aufrüstungswelle im Gang: gleich bei drei mir bekannten Menschen sollen Antennen näher als 100 m hinkommen, bei einer steht sie bereits, bei zwei anderen wird dagegen gekämpft. Hat das ganze nie ein Ende? Jeden Tag ist Herr Jakob mindestens drei Stunden am Telefon mit von Antennen bedrohten oder erkrankten Menschen.

Elisabeth Buchs
An die Opferzahlen des Hitlerismus und Stalinismus werden wir schon noch heran kommen - es dauert nur noch, auch und erst recht bis es bemerkt wird.
Es wird keine "Zusammenbruch" kommen, es wird ein Aufweichen und Absinken geben in eine Welt, an die zu gewöhnen wir uns jetzt nicht vorstellen können - sich daran zu gewöhnen ist jedoch etwas ganz anderes, das läuft ganz einfach, weil es keinen Ausweg gibt.
Hochmut und Verzweiflung gab es auf der Titanic genau so wie im Nationalsozialismus und Stalinismus.
40 000 Tote infolge Alkoholmissbrauch allein jährlich in D - und was ändert sich?
Wenn man so viel Grund zu Ersäufen seiner Sorgen hat, wozu soll man dann noch in der Lage sein?
Das Böse ist banal.
Eben deswegen zählt jede noch so kleine ehrliche Bemühung um Besserung.
Dies ist ein unauslöschliches Zeugnis dafür, dass das Leben - wenn auch unvollkommen durch uns - antwortet.
Das Leben ist schön.

BLUE SKY
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Klarstellung

Beitrag von BLUE SKY » 6. Juli 2008 13:09

Im obigen Beitrag habe ich lediglich die Opferzahlen zum Vergleich herangezogen, nicht die Art, wie sie zustande kamen bzw. kommen, gleichgesetzt.
Das Leben ist schön.

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