http://www.nzz.ch/2006/06/30/em/articleE9ASA.html
Digitalradio-Empfang auch im Innern von Häusern
Seit kurzem treibt die SRG den Ausbau ihrer DAB-Infrastruktur wieder rasch voran. Zahlreiche neue Antennenanlagen wurden in Betrieb genommen, mehrere Dutzend sollen folgen. Einiges spricht dafür, dass dieser Technologie doch noch ein Erfolg beschieden sein könnte.
S. B. Wo Privatradios auf Plakaten und Inseraten für sich werben, wird gerne die Länge der Playlist ins Spiel gebracht: Mit ein-, zweitausend Songs wuchert die eine, mit drei-, viertausend kontert die andere Station. Doch was sind schon ein paar tausend Songs? Ein iPod von Apple - ein portables Musikwiedergabegerät nicht grösser als ein Jasskartenset - speichert 15 000 Songs. Nur um Musik unter die Leute zu bringen, braucht es keine Sendetürme und keine Antennenmasten. Die Zeiten, als die Hörer vor dem Lautsprecher ihrer Radioapparate ausharrten, um wieder einmal ihr Lieblingslied zu hören oder um zur vollen Stunde über Wetteraussichten informiert zu werden, diese Zeiten sind vorbei.
«Es findet ein Umbruch statt, das Publikum verliert sein Interesse am altehrwürdigen UKW- Radio», sagt Pietro Ribi, Leiter von Swiss Satellite Radio, einem Tochterunternehmen der SRG, das drei unmoderierte Musikprogramme verbreitet. Das «Hörverhalten der iPod-Generation» sieht Ribi durch Zurückhaltung geprägt: Gemäss Zahlen von Radiocontrol habe sich die Zeit, die 15- bis 24-Jährige mit Radiohören verbringen, zwischen 2001 und 2006 um knapp 30 Prozent von 90 auf 59 Minuten reduziert. Mit zunehmendem Alter verbringen die Leute zwar mehr Zeit mit dem Radio, aber in allen Altersklassen hat die Hördauer in jüngster Vergangenheit abgenommen. «Das UKW-Radio ist ein Auslaufmodell», glaubt Ribi, die Zukunft des Radio gehöre dem Digital Audio Broadcasting (DAB).
Denkpause
DAB ist seit bald 20 Jahren ein Synonym für die Zukunft des Radios. Lange schien es, als ob diese Zukunft in die Vergangenheitsform übergehen würde, ohne je Gegenwart gekannt zu haben. Im Herbst 1999 gab die SRG den Startschuss für die Einführung von DAB in der Schweiz, doch es bewegte sich nichts. Die wichtigsten Programme der SRG wurden bald in allen Landesteilen in digitaler Qualität ausgestrahlt, aber kaum jemand hörte hin. Der Ausbau wurde 2001 gestoppt; Vertreter von Privatradios, die einer forschen Digitalisierung ablehnend gegenüberstanden, brachten Nachrufe auf DAB in Umlauf. Verfrüht, wie es nun scheint.
Seit 2004 treibt die SRG den Ausbau der DAB-Infrastruktur wieder rasch voran. Zahlreiche neue Antennenanlagen wurden im vergangenen Jahr in Betrieb genommen, mehrere Dutzend sollen bis Ende nächsten Jahres folgen. Es gibt Indizien, dass dieser Technologie doch noch ein Erfolg beschieden sein könnte. Anlass zu Optimismus gibt einmal Grossbritannien, wo sich DAB grosser Beliebtheit erfreut. Hier könne man sehen, «wie grundlegend und schnell DAB den Radiomarkt verändern kann», sagt Ribi. Es gebe dort über 400 DAB-Radiostationen, Dutzende neuer Radioformate, drei Millionen verkaufte DAB-Empfänger. Die Hördauer sei wieder gestiegen, Digitalradio-Besitzer hätten ihre Empfänger im Schnitt einen Drittel länger eingeschaltet als UKW-Rezipienten.
Bei einem länderübergreifenden Vergleich wird deutlich, warum hierzulande DAB keinen Erfolg haben konnte: Die Vermarktung der neuen Technik konzentrierte sich auf Automobilisten und setzte allein auf das Argument der besseren Klangqualität; der Ausbau der Senderketten orientierte sich an der Struktur des Autobahnnetzes.
Die jüngste DAB-Offensive zielt in eine andere Richtung; nicht nur in der Mittelkonsole von Autos soll für DAB-Empfänger Platz gemacht werden, sondern auch neben dem Picknickkorb, auf dem Küchentisch, im Büro oder im Badzimmer. Bisher war der DAB-Empfang im Innern von Häusern ungenügend. Der neue Frequenzplan der Regionalen Radiokonferenz 2006 erlaubt nun aber eine Erhöhung der Sendeleistung und Nutzungsweisen ausserhalb des Autos. Bereits ist die Ostschweiz flächendeckend mit DAB versorgt, bis im September sollen auch Zürich, der Aargau, Solothurn und die Zentralschweiz, bis Ende Jahr zudem Basel, das Tessin und der Genferseeraum erschlossen sein. Die Kantone Jura und Bern folgen im nächsten Jahr, später die Bergregionen. Der Ausbauplan sieht vor, dass DAB in 95 Prozent des Sendegebiets auch im Innern von Häusern empfangen werden kann.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der DAB-Geräte-Hersteller von 65 auf 177 erhöht, das Produkteangebot umfasst mehrere hundert Modelle; vom Taschengerät bis zum klobigen Hi-Fi-Möbel ist alles zu haben. Unter den Herstellern finden sich viele in der Unterhaltungselektronik bisher unbekannte Anbieter, etwa die britische Pure Digital. Bei den Geräten überraschen neuartige Zusatzfunktionen, beispielsweise eingebaute Pufferspeicher, die das zeitverzögerte Anhören oder Aufzeichnen von Sendungen ermöglichen.
Konkurrenzdruck
DAB bietet eine bessere Klangqualität; wichtiger aber ist, dass es eine grössere Sendervielfalt zulässt. Ribi schätzt, dass bis zu 63 Programme nebeneinander ausgestrahlt werden können. Es werde bereits im nächsten Jahr neben der SRG auch private DAB-Radiostationen geben; bis Ende 2007 soll in der Deutschschweiz die Zahl der DAB-Programme doppelt so hoch sein wie diejenige der UKW-Angebote. Um in diesem Umfeld aufzufallen, werden sich die Radiostationen für ihre Eigenwerbung noch etwas einfallen lassen müssen.
Aber niemand fragt sich über die Zunahme der Stahlenbelastung. Noch mehr gepulster Unsinn ob uns nicht schon GSM und UMTS reicht.
NZZ Artikel DAB
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Denis
Re: NZZ Artikel DAB
Aber Frau Deltenre sagte im TV, dass damit der Elektrosmog reduziert würde. Allerdings erst wenn dannzumal die alten terrestrischen Antennen abgestellt werden. Hier alle Infos zu dieser neuen Technik, inklusive Karten:
http://www.sf.tv/unternehmen/einzel.php ... th=dos/dig
http://www.sf.tv/unternehmen/einzel.php ... th=dos/dig
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Frans
Re: NZZ Artikel DAB
http://www.cost281.org/download.php?fid=931
Belastung durch DVB T und DAB etwas höher als traditionelle TV und UKW
Vielleicht kalkulieren manche Leute alleszusammen, dass das Sendevermogen niedriger wird wenn TV und UKW total durch DVB T und DAB ersetzt sind, aber die Antennen rücken näher und daher nimmt die Belastung der Bürger im Durchschnitt zu. Auch durch DECT, WLAN, GSM, UMTS, Handy und Laptop.
Belastung durch DVB T und DAB etwas höher als traditionelle TV und UKW
Vielleicht kalkulieren manche Leute alleszusammen, dass das Sendevermogen niedriger wird wenn TV und UKW total durch DVB T und DAB ersetzt sind, aber die Antennen rücken näher und daher nimmt die Belastung der Bürger im Durchschnitt zu. Auch durch DECT, WLAN, GSM, UMTS, Handy und Laptop.