Die Südostschweiz; 02.11.2006
leserbriefe
Schöngefärbte wolkige Legenden
Zum Leserbrief «Machen Mobilfunk- antennen krank?» von Peter Hidber, Forum Mobil Bern, in der «Südostschweiz» vom 8. Oktober.
«When not close enough to be killed, the atomic bomb is one of the most beautiful sights in the world. - Aussage aus einem Propagandafilm der amerikanischen Armee gegen die Angst der Bevölkerung in Bezug auf Atombomben.»
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Peter Hidber und anderen Leserbriefschreibern: Hidber verfasst «seine» Leserbriefe während seiner Arbeitszeit als Interessenvertreter des Forum Mobil Bern, vermutlich stark beflügelt durch ein stattliches Salär. Denn das Forum Mobil, muss man wissen, ist ein Verein der Schweizer Mobilfunkbetreiber mit Jahresbeiträgen von einer Million Franken (pro Mitglied).
Hingegen müssen andere Leserbriefschreiber ihre karge Freizeit drangeben, um bei den seltsamen Behauptungen des Herrn Hidber vom Forum Mobil zu zeigen, dass es sich um schöngefärbte wolkige Legenden handelt, falls man bereit ist, die Tatsachen zu betrachten.
Zunächst müssen wir einmal höflich den Hut ziehen, weil ein uraltes überaus bekanntes Gespenst auftritt, nämlich die Behauptung, dass die Schweiz wesentlich strengere Grenzwerte als der übrige europäische Raum besitzt. Im europäischen Raum gilt für gemischte Anwendungen (900/1800 MHz) ein Grenzwert von 50 Volt pro Meter. Der schweizerische Grenzwert von 5 Volt pro Meter liegt tatsächlich zehnmal tiefer, allein er betrifft einen völlig andern Ort als im restlichen Europa und nur einen oft geringen Teil unserer täglichen Aufenthaltsorte.
Um den Mobilfunkbetreibern keine Hindernisse in den Weg zu legen, beschränkten die Bundesbehörden nämlich diese so genannten Vorsorgewerte nur auf Orte mit empfindlicher Nutzung, abgekürzt OMEN. Als OMEN gelten gemäss bundesrätlicher Verordnung nur Schulzimmer, Krankenzimmer, Wohn- und Schlafräume sowie ständig besetzte Arbeitsplätze in Innenräumen. Beispiel: Im Wohnzimmer ist es erlaubt, eine Hausfrau/ einen Hausmann andauernd mit 5 Volt pro Meter zu bestrahlen. Auf der Terrasse, wo sich die gleiche Person ebenso lange oder sogar längere Zeit aufhalten kann, ist die zehnfache Dosis, nämlich 50 Volt pro Meter, erlaubt.
Daraus kann man sofort messerscharf schliessen, dass Hausfrauen und Hausmänner während der Zeit auf der Terrasse zehnmal weniger empfindlich auf Strahlung reagieren als im Wohnzimmer, was natürlich nichts anderes als ein blühender Unsinn ist. Während also im europäischen Ausland im Freien gemessen wird, misst man in der Schweiz im Innern von Gebäuden.
Da diese schweizerische Beamtenerfindung «Orte mit empfindlicher Nutzung» sich immer hinter einer dicken, schützenden Mauerhülle befindet, welche die eintreffende Strahlung mit Leichtigkeit um den zehnfachen Betrag abschwächt, ergibt sich in Wirklichkeit gegenüber dem europäischen Raum gar kein schweizerischer Vorteil. Tatsächlich misst man im europäischen Ausland unter den gleichen Bedingungen (eben hinter Mauern) ebenfalls kaum je über 5 Volt pro Meter.
Was würden wir bloss von einer behördlichen Empfehlung mit folgendem Inhalt denken: «Wir haben in der Schweiz die zehnfach strengeren Grenzwerte für Ultraviolett-Strahlung gegenüber dem restlichen Europa. Deshalb müssen hellhäutige Personen, welche auf Sonnenstrahlung mit Verbrennungen reagieren, nicht mehr Sonnenschutzmittel mit dem Schutzfaktor 20 auftragen, sondern nur noch Schutzfaktor 2, sofern sie den ganzen Tag im schattigen Schlafzimmer verbringen.»
Man könnte also sagen: Die Schweizer Bevölkerung wird gegenüber der ausländischen nicht zehnmal besser geschützt, sondern die praktisch gleichen Strahlungswerte wie im restlichen Europa werden von den Schweizer Behörden und dem Forum Mobil nur um den zehnfachen Betrag «schlauer» an die ungenügend informierte Bevölkerung «verkauft».
Peter Hidber erwähnt Leute im Ausland, welche über die Schweiz mit ihrem «Sonderzüglein» lächeln. Könnte es sich dabei um seine Mobilfunkkollegen handeln, welche sich über den gelungenen Public Relation Gag freuen? Dankbar nehmen wir ausserdem die präventiven Ratschläge von Hidber zur Kenntnis. Sie zielen zwar ein bisschen in die richtige Richtung, ohne allerdings die Sorgen vieler Leute über die täglich 24-stündige Dauerbestrahlung von Antennen mit mehreren Kilowatt Leistung ernst zu nehmen.
Er empfiehlt, selbst aktiv zu werden. Wir fühlen uns dabei stark an den Propagandafilm der amerikanischen Armee für Schulen aus den 60er-Jahren erinnert, welcher im Fall eines plötzlichen Auftretens einer feindlichen Atombombenexplosion den Schülern empfahl, sich blitzschnell unter das Schulpult zu verkriechen ... So etwas fördert ganz bestimmt die Gesundheit und einen ruhigen Schlaf - wenigstens bei Peter Hidber vom Forum Mobil.
Heini Maurer, Jona
Hidber & Forum Mobil : Schöngefärbte wolkige Legenden
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Chris
Re: Hidber & Forum Mobil : Schöngefärbte wolkige Legende
Dieser Peter Hidber schreibt die genau gleichen Leserbriefe das ganze Jahr über in alle möglichen Schweizer Zeitungen, (ich könnte auf der Stelle mehrere Beispiele liefern). Es wechseln höchstens die angesprochenen Personen, die sich kritisch zum Mobilfunk äussern. Aber das "Sonderzüglein Schweiz", das im Ausland belächelt wird, die Ohrhörer und die Empfehlung, den Haushalts-Elektrosmog zu eliminieren, sowie die Grenzwertmär findet man in jedem seiner Elaborate. Das ForumMobil wäre gut beraten, diesem Herrn die Schreiberei zu verbieten. Sie ist für das ForumMobil längst kontraproduktiv.
Herr Hidber, legen Sie mal eine andere Platte auf, denn diese hat schon lange einen Sprung und gehört in den (Sonder)müll!
An die Zeitungsleser: Herr Hidber ist nichts anderes als der willige Gehilfe des ForumMobil, das immer noch nicht draufgekommen ist, dass das schon bald jeder im hinterletzten Dorf längst bemerkt hat.
Chris
Herr Hidber, legen Sie mal eine andere Platte auf, denn diese hat schon lange einen Sprung und gehört in den (Sonder)müll!
An die Zeitungsleser: Herr Hidber ist nichts anderes als der willige Gehilfe des ForumMobil, das immer noch nicht draufgekommen ist, dass das schon bald jeder im hinterletzten Dorf längst bemerkt hat.
Chris