Die Beeinträchtigung von Gesundheit und Befinden durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder kommt nicht durch die minimale, oft nicht einmal messbare Erwärmung des Körpers durch Mikrowellen zustande, sondern durch athermische bzw. nichtthermische Effekte von EMF. Die Existenz solcher Effekte ist im Wissenschaftszweig, der sich um diese und ähnliche Fragestellungen kümmert, nämlich in Bioelectromagnetics, umstritten. Seit kurzer Zeit gelten wenige dieser Effekte als nachgewiesen, z.B. Änderungen beim EEG nach Exposition zu hochfrequenten, speziell gepulsten, EMF ( viewtopic.php?p=51732#51732 ). Dennoch werden die athermischen Effekte durch die EMF emittierenden Industrien und deren Haus-„Forscher“ bestritten. Die möglichen biologischen Effekte schwacher Felder waren Gegenstand tausender wissenschaftlicher Studien und Experimente, viele davon so vertrauenerweckend wie
- Kaul: Sie stresste speziell die „elektrosensiblen“ Probanden geradezu mutwillig in einem Ausmass, das korrekte Ergebnisse des Experiments und Vergleiche mit nicht-„elektrosensiblen“ Probanden verhinderte. Sie zog dennoch die Folgerung, „Elektrosensibilität“ sei durch s exuelle Vorstellungen von Mobilfunkmasten und Satellitenschüsseln aufgeprägt. (siehe hauptsächlich viewtopic.php?p=45853#45853, auch viewtopic.php?p=45712#45712 )
- Lerchl: Er verneinte einen möglichen Einfluss von EMF auf das Hormonsystem gestützt auf ein Experiment zum Wirkmechanismus, das – von Endokrinologen nicht nachvollziehbar - nur ein einziges und zudem vor EMF geschütztes Element des Hormonsystems umfasste. Er zog dennoch die Folgerung, alle weitere Forschung zu athermischen Effekten von EMF erübrige sich. (siehe mehrere Beiträge ab viewtopic.php?p=43613#43613 )
- Rubin: Er schloss von vermeintlich „elektrosensiblen“ Probanden, die auf Grund unangenehmer Handyanrufe auf Kopfschmerzen konditioniert waren, darauf, dass alle Personen, die von Beeinträchtigungen in Anwesenheit von EMF berichten, z.B. über Kopfschmerzen bei Mobiltelefonanrufen, darauf konditioniert seien, und zwar durch Medienberichte. Er zog daraus die Folgerung, die Medien dürften nicht mehr über die Wirkungen von EMF berichten. (siehe Links in viewtopic.php?p=46644#46644 , auch viewtopic.php?p=43989#43989 , viewtopic.php?p=47613#47613 und viewtopic.php?p=49092#49092 ).
- Frick: Er schloss daraus, dass auch echte „Elektrosensible“ analog zum Pawlowschen Hund bedingt konditioniert werden können, bereits durch die Ankündigung von Exposition zu Feldern Symptome zu entwickeln, sowie daraus, dass dabei Hirnareale in der Nähe von Arealen, die für Phobien zuständig sind, erregt werden, dass die EMF-Geschädigten an einer Phobie leiden könnten. Er zog daraus die Folgerung, durch kognitive Verhaltenstherapie könnte die gemäss Frick ausnahmslos falsche Überzeugung, „elektrosensibel“ zu sein, beseitigt werden. (siehe vor allem viewtopic.php?p=44986#44986 viewtopic.php?p=46592#46592 , viewtopic.php?p=46644#46644 , viewtopic.php?p=46473#46473 , viewtopic.php?p=48786#48786 , auch viewtopic.php?p=44176#44176 viewtopic.php?p=45809#45809 ).
Die Erforschung dieser Effekte wurde durch die Weltgesundheitsorganisation WHO koordiniert, zwischen 1996 und 2006 durch den ICNIRP-Gründungspräsidenten Repacholi. (ab viewtopic.php?p=45684#45684 ). Der letzte auf der Website www.who.int veröffentlichte Stand der Forschungsagenda der WHO, die WHO Forschungsagenda 2010 ist hier http://whqlibdoc.who.int/publications/2 ... 48_eng.pdf . Hier sind z.B. auf Seite 17 Tierversuche zu frühkindlichen Einflüssen als dringend geplant. Einer dieser Versuche ist Lerchls aktuelle Rattenstudie, deren Notwendigkeit er denn auch wie folgt begründete: „Die WHO hatte schon früher darauf hingewiesen, und wird dies sehr bald wieder tun, dass tierexperimentelle Studien auf diesem Gebiet hohe Priorität haben.“ ( http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=40491 ).
Lerchl hat zu den athermischen Effekten ein wechselhaftes Verhältnis.
- Anfang 2006 wurde folgendes Statement von Lerchl publiziert (aus dem Englischen übersetzt): „Daher unterstützen die präsentierten Daten den vorsorglichen Rat, dass Kinder davon abgehalten werden sollen, das Mobiltelefon für nicht dringliche Gespräche zu nutzen.“
- Am 9. Oktober 2009 gab er mit der Diagnose in http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=34581 Anlass für den extrem langen Strang „Psychiatrisierung der ‚Elektrosensiblen‘ “ ( viewtopic.php?t=23907 ).
- Am 13. April 2010 wusste Lerchl, dass Mobiltelefone für Kinder bedenkenlos seien ( http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/4 ... dy154.html ).
- Am 4. bzw. 22. Juni 2010 begründete er dennoch die Notwendigkeit seiner neuesten, 600.000 EUR schweren Rattenstudie in http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=40491 ,
- Am 3. November 2010 wurde – wie weiter oben erwähnt, am Science Brunch der Forschungsstiftung Mobilkommunikation der schweizerischen EMF-Emittenten einmal mehr der Nachweis biologischer Effekte vom EMF gezeigt.
- Im Februar 2011 verkündet Lerchl, was die WHO in ihrer Website noch nicht einmal angedeutet hat, nämlich das Ende der Forschung zu athermischen Effekten von EMF. „ralf“ zitiert hier http://www.hese-project.org/Forum/allg/index.php?id=841 Lerchl aus der Kundenzeitschrift „Alverde“ des DM-Drogeriemarktes: "Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Effekten der Mobilfunkstrahlung momentan keinen weiteren Forschungsbedarf sieht.“
Derweil stellt Lerchl aber noch seine eigene Studie an juvenilen Ratten fertig, die er für seine private Universitäts-GmbH als Forschungsauftrag vom BfS akquirieren konnte. Als leitendes Mitglied der Strahlenschutzkommission (SSK) berät er das Bundesministerium für Umwelt (BMU) zum Forschungsbedarf, den das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) abdecken soll; aus den Aufgaben der SSK: „Beratung des BMU [vorgesetzte Stelle des BfS, Anm. v. Wuff] bei der Aufstellung von Forschungsprogrammen zu Fragen des Strahlenschutzes sowie deren wissenschaftliche Begleitung“ ( http://www.ssk.de/de/vorstell/aufgaben.htm ). Das weiter oben zitierte und weitere Statements in Lerchls “Hamsterstudie“ zu den Mobiltelefonen und Kindern begründen den Bedarf für die „Rattenstudie“, womit sich ein Kreis innerhalb eines grossen Filzes, auch bekannt als Bioelectromagnetics, schliesst.
Ob Lerchls „Rattenstudie“ mit juvenilen Ratten auf juvenile Menschen bzw. auf Kinder anwendbar oder übertragbar ist, wird erst dann eingeschätzt und beurteilt werden können, wenn sie publiziert ist. Interessant ist folgendes Statement aus Lerchl „Hamsterstudie“ (aus dem Englischen übersetzt): „Zusammenfassend zeigen unsere Daten eine erhöhte Melatoninproduktion nach athermischer Exponierung in einem klar abgegrenzten System. Ob diese Fakten auch auf den Menschen übertragen werden können, wird aus künftigen Studie zu ermessen sein.“ Erstens bejaht Lerchl hier athermische Effekte bei der Melatoninproduktion (was er in der deutschsprachigen Version verneint). Zweitens fordert er für die Frage der Übertragbarkeit auf den Menschen weitere Forschung, von der aber nie etwas angekündigt oder berichtet wurde. Was immer Lerchl in seiner „Hamsterstudie“ geschrieben hat, ist ohne Zusammenhang mit seinen entwarnenden Äusserungen. - Anscheinend können in Bioelectromagnetics beliebige Wörter und Sätze aneinander gefügt werden, ohne dass jemand der fehlende logische Zusammenhang auffällt. Kann jemand einen esoterischen Guru nennen, dessen verschiedene Äusserungen logisch widerspruchsfrei zusammenpassen?
Es stellen sich nun einige Fragen, zu denen es keine sehr einfachen Antworten gibt:
- Bedeutet das von Lerchl angekündigte offizielle Ende der offiziellen Forschung zu athermischen Effekten den Untergang für die EMF-Geschädigten („Elektrosensiblen“)?
- Ist der Beginn der Bestätigung von athermischen Effekten möglicherweise der Grund für den beabsichtigten Abbruch aller „offiziellen“ Forschung zu diesem Thema?
- Ist das Ende der Forschung zu athermischen Effekten mit einem Rückfall ins Mittelalter zu vergleichen?
- Ist es nicht zum langfristigen Vorteil der EMF-Geschädigten, wenn nicht mehr wöchentlich neue Studien der Verdünnungsstrategie (siehe viewtopic.php?p=46676#46676 , viewtopic.php?p=44176#44176 und viewtopic.php?p=45575#45575 ) publiziert werden?
- Eröffnet sich nicht ein Neubeginn der Forschung, diesmal nicht mit dem Ziel, negative Ergebnisse zu erzeugen?
- Was bedeutet es, wenn jetzt Lerchl Dinge verkündet, deren Verkündung früher die Aufgabe Repacholis war, wie eben Richtungsänderungen der weltweiten EMF-Forschung?