Richtungsänderung der EMF-Forschung

Wuff

Richtungsänderung der EMF-Forschung

Beitrag von Wuff » 1. März 2011 15:18

Richtungsänderung der EMF-Forschung

Die Beeinträchtigung von Gesundheit und Befinden durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder kommt nicht durch die minimale, oft nicht einmal messbare Erwärmung des Körpers durch Mikrowellen zustande, sondern durch athermische bzw. nichtthermische Effekte von EMF. Die Existenz solcher Effekte ist im Wissenschaftszweig, der sich um diese und ähnliche Fragestellungen kümmert, nämlich in Bioelectromagnetics, umstritten. Seit kurzer Zeit gelten wenige dieser Effekte als nachgewiesen, z.B. Änderungen beim EEG nach Exposition zu hochfrequenten, speziell gepulsten, EMF ( viewtopic.php?p=51732#51732 ). Dennoch werden die athermischen Effekte durch die EMF emittierenden Industrien und deren Haus-„Forscher“ bestritten. Die möglichen biologischen Effekte schwacher Felder waren Gegenstand tausender wissenschaftlicher Studien und Experimente, viele davon so vertrauenerweckend wie
  • Kaul: Sie stresste speziell die „elektrosensiblen“ Probanden geradezu mutwillig in einem Ausmass, das korrekte Ergebnisse des Experiments und Vergleiche mit nicht-„elektrosensiblen“ Probanden verhinderte. Sie zog dennoch die Folgerung, „Elektrosensibilität“ sei durch s exuelle Vorstellungen von Mobilfunkmasten und Satellitenschüsseln aufgeprägt. (siehe hauptsächlich viewtopic.php?p=45853#45853, auch viewtopic.php?p=45712#45712 )
  • Lerchl: Er verneinte einen möglichen Einfluss von EMF auf das Hormonsystem gestützt auf ein Experiment zum Wirkmechanismus, das – von Endokrinologen nicht nachvollziehbar - nur ein einziges und zudem vor EMF geschütztes Element des Hormonsystems umfasste. Er zog dennoch die Folgerung, alle weitere Forschung zu athermischen Effekten von EMF erübrige sich. (siehe mehrere Beiträge ab viewtopic.php?p=43613#43613 )
  • Rubin: Er schloss von vermeintlich „elektrosensiblen“ Probanden, die auf Grund unangenehmer Handyanrufe auf Kopfschmerzen konditioniert waren, darauf, dass alle Personen, die von Beeinträchtigungen in Anwesenheit von EMF berichten, z.B. über Kopfschmerzen bei Mobiltelefonanrufen, darauf konditioniert seien, und zwar durch Medienberichte. Er zog daraus die Folgerung, die Medien dürften nicht mehr über die Wirkungen von EMF berichten. (siehe Links in viewtopic.php?p=46644#46644 , auch viewtopic.php?p=43989#43989 , viewtopic.php?p=47613#47613 und viewtopic.php?p=49092#49092 ).
  • Frick: Er schloss daraus, dass auch echte „Elektrosensible“ analog zum Pawlowschen Hund bedingt konditioniert werden können, bereits durch die Ankündigung von Exposition zu Feldern Symptome zu entwickeln, sowie daraus, dass dabei Hirnareale in der Nähe von Arealen, die für Phobien zuständig sind, erregt werden, dass die EMF-Geschädigten an einer Phobie leiden könnten. Er zog daraus die Folgerung, durch kognitive Verhaltenstherapie könnte die gemäss Frick ausnahmslos falsche Überzeugung, „elektrosensibel“ zu sein, beseitigt werden. (siehe vor allem viewtopic.php?p=44986#44986 viewtopic.php?p=46592#46592 , viewtopic.php?p=46644#46644 , viewtopic.php?p=46473#46473 , viewtopic.php?p=48786#48786 , auch viewtopic.php?p=44176#44176 viewtopic.php?p=45809#45809 ).
um nur einige zu nennen.
Die Erforschung dieser Effekte wurde durch die Weltgesundheitsorganisation WHO koordiniert, zwischen 1996 und 2006 durch den ICNIRP-Gründungspräsidenten Repacholi. (ab viewtopic.php?p=45684#45684 ). Der letzte auf der Website www.who.int veröffentlichte Stand der Forschungsagenda der WHO, die WHO Forschungsagenda 2010 ist hier http://whqlibdoc.who.int/publications/2 ... 48_eng.pdf . Hier sind z.B. auf Seite 17 Tierversuche zu frühkindlichen Einflüssen als dringend geplant. Einer dieser Versuche ist Lerchls aktuelle Rattenstudie, deren Notwendigkeit er denn auch wie folgt begründete: „Die WHO hatte schon früher darauf hingewiesen, und wird dies sehr bald wieder tun, dass tierexperimentelle Studien auf diesem Gebiet hohe Priorität haben.“ ( http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=40491 ).

Lerchl hat zu den athermischen Effekten ein wechselhaftes Verhältnis.
  • Anfang 2006 wurde folgendes Statement von Lerchl publiziert (aus dem Englischen übersetzt): „Daher unterstützen die präsentierten Daten den vorsorglichen Rat, dass Kinder davon abgehalten werden sollen, das Mobiltelefon für nicht dringliche Gespräche zu nutzen.“
  • Am 9. Oktober 2009 gab er mit der Diagnose in http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=34581 Anlass für den extrem langen Strang „Psychiatrisierung der ‚Elektrosensiblen‘ “ ( viewtopic.php?t=23907 ).
  • Am 13. April 2010 wusste Lerchl, dass Mobiltelefone für Kinder bedenkenlos seien ( http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/4 ... dy154.html ).
  • Am 4. bzw. 22. Juni 2010 begründete er dennoch die Notwendigkeit seiner neuesten, 600.000 EUR schweren Rattenstudie in http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=40491 ,
  • Am 3. November 2010 wurde – wie weiter oben erwähnt, am Science Brunch der Forschungsstiftung Mobilkommunikation der schweizerischen EMF-Emittenten einmal mehr der Nachweis biologischer Effekte vom EMF gezeigt.
  • Im Februar 2011 verkündet Lerchl, was die WHO in ihrer Website noch nicht einmal angedeutet hat, nämlich das Ende der Forschung zu athermischen Effekten von EMF. „ralf“ zitiert hier http://www.hese-project.org/Forum/allg/index.php?id=841 Lerchl aus der Kundenzeitschrift „Alverde“ des DM-Drogeriemarktes: "Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Effekten der Mobilfunkstrahlung momentan keinen weiteren Forschungsbedarf sieht.“
Da uns kein originales Statement der WHO vorliegt, können wir nicht sagen, ob das die Meinung der WHO oder die von Lerchl ist. Beides ist möglich. Lerchl ist nämlich einer von 6 deutschsprachigen von insgesamt 19 Beratern der WHO (Niels Kuster, Alexander Lerchl, Georg Neubauer, Martin Röösli, Holger Schütz, Gunde Ziegelberger [Sekretärin der ICNIRP]). Dass die erstaunlich starke deutschsprachige Fraktion (32 Prozent) der Berater bald einmal einen der ihren als Welt-EMF-Forschungskoordinator sehen möchte, wäre nur natürlich.

Derweil stellt Lerchl aber noch seine eigene Studie an juvenilen Ratten fertig, die er für seine private Universitäts-GmbH als Forschungsauftrag vom BfS akquirieren konnte. Als leitendes Mitglied der Strahlenschutzkommission (SSK) berät er das Bundesministerium für Umwelt (BMU) zum Forschungsbedarf, den das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) abdecken soll; aus den Aufgaben der SSK: „Beratung des BMU [vorgesetzte Stelle des BfS, Anm. v. Wuff] bei der Aufstellung von Forschungsprogrammen zu Fragen des Strahlenschutzes sowie deren wissenschaftliche Begleitung“ ( http://www.ssk.de/de/vorstell/aufgaben.htm ). Das weiter oben zitierte und weitere Statements in Lerchls “Hamsterstudie“ zu den Mobiltelefonen und Kindern begründen den Bedarf für die „Rattenstudie“, womit sich ein Kreis innerhalb eines grossen Filzes, auch bekannt als Bioelectromagnetics, schliesst.

Ob Lerchls „Rattenstudie“ mit juvenilen Ratten auf juvenile Menschen bzw. auf Kinder anwendbar oder übertragbar ist, wird erst dann eingeschätzt und beurteilt werden können, wenn sie publiziert ist. Interessant ist folgendes Statement aus Lerchl „Hamsterstudie“ (aus dem Englischen übersetzt): „Zusammenfassend zeigen unsere Daten eine erhöhte Melatoninproduktion nach athermischer Exponierung in einem klar abgegrenzten System. Ob diese Fakten auch auf den Menschen übertragen werden können, wird aus künftigen Studie zu ermessen sein.“ Erstens bejaht Lerchl hier athermische Effekte bei der Melatoninproduktion (was er in der deutschsprachigen Version verneint). Zweitens fordert er für die Frage der Übertragbarkeit auf den Menschen weitere Forschung, von der aber nie etwas angekündigt oder berichtet wurde. Was immer Lerchl in seiner „Hamsterstudie“ geschrieben hat, ist ohne Zusammenhang mit seinen entwarnenden Äusserungen. - Anscheinend können in Bioelectromagnetics beliebige Wörter und Sätze aneinander gefügt werden, ohne dass jemand der fehlende logische Zusammenhang auffällt. Kann jemand einen esoterischen Guru nennen, dessen verschiedene Äusserungen logisch widerspruchsfrei zusammenpassen?

Es stellen sich nun einige Fragen, zu denen es keine sehr einfachen Antworten gibt:
  • Bedeutet das von Lerchl angekündigte offizielle Ende der offiziellen Forschung zu athermischen Effekten den Untergang für die EMF-Geschädigten („Elektrosensiblen“)?
  • Ist der Beginn der Bestätigung von athermischen Effekten möglicherweise der Grund für den beabsichtigten Abbruch aller „offiziellen“ Forschung zu diesem Thema?
  • Ist das Ende der Forschung zu athermischen Effekten mit einem Rückfall ins Mittelalter zu vergleichen?
  • Ist es nicht zum langfristigen Vorteil der EMF-Geschädigten, wenn nicht mehr wöchentlich neue Studien der Verdünnungsstrategie (siehe viewtopic.php?p=46676#46676 , viewtopic.php?p=44176#44176 und viewtopic.php?p=45575#45575 ) publiziert werden?
  • Eröffnet sich nicht ein Neubeginn der Forschung, diesmal nicht mit dem Ziel, negative Ergebnisse zu erzeugen?
  • Was bedeutet es, wenn jetzt Lerchl Dinge verkündet, deren Verkündung früher die Aufgabe Repacholis war, wie eben Richtungsänderungen der weltweiten EMF-Forschung?

Wuff

Korrektur

Beitrag von Wuff » 1. März 2011 19:40

Im vierten Einzug hat sich ein Fehler eingeschlichen, er heisst richtig:

geänderte Passagen sind unterstrichen
  • Frick: Er hielt jeden seiner Probanden, die sich selbst als "elektrosensibel" bezeichneten, einschliesslich derjenigen, die unserer Einschätzung nach sehr wahrscheinlich echte "Elektrosensible" waren, für bloss vermeintlich "elektrosensibel". Er schloss daraus, dass anscheinend alle seiner Probanden, also sowohl ein Anteil bloss vermeintlicher als auch echte „Elektrosensible“ analog zum Pawlowschen Hund bedingt dazu konditioniert werden können, bereits durch die Ankündigung von Exposition zu Feldern Symptome zu entwickeln, sowie daraus, dass dabei Hirnareale in der Nähe von Arealen, die für Phobien zuständig sind, erregt werden, dass die EMF-Geschädigten an einer Phobie leiden könnten. Er zog daraus die Folgerung, durch kognitive Verhaltenstherapie könnte die gemäss der Meinung von Frick ausnahmslos falsche Überzeugung, „elektrosensibel“ zu sein, beseitigt werden. (siehe vor allem viewtopic.php?p=44986#44986 viewtopic.php?p=46592#46592 , viewtopic.php?p=46644#46644 , viewtopic.php?p=46473#46473 , viewtopic.php?p=48786#48786 , auch viewtopic.php?p=44176#44176 viewtopic.php?p=45809#45809 ).
Es ist nicht einfach, das Experiment und seine Probanden in zwei einfachen Sätzen zu beschreiben, weil nämlich
  • nach Fricks Überzeugung, die er ausdrücklich auf Repacholis WHO-Factsheet 296 gestützt hat, alle Probanden, die sich als "elektrosensibel" bezeichneten, nur vermeintlich "elektrosensibel" gewesen sein sollen, also keiner davon "echt elektrosensibel",
  • nach unserer Meinung, die sich auf Fricks Schilderungen zu den Probanden und auf seine Beschreibung ihrer Selektion stützt, mindestens ein grosser Teil der Probanden "echt elektrosensibel" war, und da
  • sowohl echte als auch bloss vermeintliche "Elektrosensible" auf den Anblick von Mobiltelefonen bedingt konditioniert werden können.
Um Fehlern von Studiendesigns und von Interpretationen durchgeführter Studien auf die Spur zu kommen, ist neben anderem eine Analyse der möglichen Eigenschaften der Probanden erforderlich. Eine solche Analyse erfordert genaues und mehrmaliges Lesen der entscheidenden Passagen von Studien. Diesen und ähnlichen Aufwand habe ich für eine Handvoll von Studien betrieben, die mir zufällig aufgefallen sind. Bei diesen allen fand ich gravierende Mängel. Für eine Extrapolation der sozusagen hundertprozentigen Fehlerquote auf die Tausenden von Bioelectromagnetics Studien ist die Anzahl der bisher analysierten Studien jedoch noch zu gering. Da aber viele Studien ähnlich konstruiert sind - beispielsweise gibt es circa 60 Strahlenwahrnehmungsstudien wie diejenige von Kaul -, ist eine grosse absolute Anzahl von Studien mit fehlerhaften oder dubiosen Studiendesigns gewiss.

Diesen Junkyard, gefüllt mit Hunderten und Tausenden von Schrottstudien, hat uns die Verdünnungsstrategie der an der Verneinung von EMF-Risiken interessierten Industrie hinterlassen. Da die Halbwertszeit des Wissens kurz ist, könnte man unter normalen wissenschaftlichen Umständen auf die Dekonstruktion aller dieser Studien verzichten, weil unter normalen Umständen gleichzeitig Besseres an die Stelle des Missratenen träte. Bioelectromagnetics ist aber kein normaler Wissenschaftszweig, denn sonst hätte Lerchl nicht einfach so verkünden können, dass die Forschung zu athermischen Effekten überhaupt eingestellt werde. Dieser Forschungsstopp verlängert die Halbwertszeit der vorhandenen Schrottstudien massiv. So müssen wohl doch die Studien, welche die wichtigsten Ecksteine des "Wissensgebäudes" über angeblich nicht existente und unmögliche athermische Effekte von EMF bilden, ausgewählt und zertrümmert werden.

Eva Weber
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Beitrag von Eva Weber » 1. März 2011 21:14

Wuff schreibt:

"Bedeutet das von Lerchl angekündigte offizielle Ende der offiziellen Forschung zu athermischen Effekten den Untergang für die EMF-Geschädigten ("Elektrosensiblen")?"

Ja, das glaube ich persönlich tatsächlich und zwar sogar ob geforscht wird oder nicht. Dies geht m.E. solange, bis die Bevölkerung massiv krank wird. Die einzig zählende Frage ist doch, besteht Krebsgefahr? Alles andere zählt nicht!

Prof. Lerchl als Leiter der SSK/NIS im IZgMF als Privatperson:
"Für mich ist das Thema "EHS" bis auf Weiteres ad acta gelegt."
http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=41574

Er gibt zwar auf die Frage in einem länger zurückliegenden Posting, ob sich denn ein Mitglied der Strahlenschutzkommission nicht etwas neutraler verhalten sollte, folgende Antwort: "..Da in diesem Land die Mitgliedschaft in einem Gremium nicht bedeutet, dass man als Privatperson nur noch die Meinung dieses Gremiums vertritt, habe ich für Ihre Äußerung wenig Verständnis." http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=32797

Dennoch glaube ich persönlich tatsächlich, dass er die als Privatperson für ihn geltende Meinung, "EHS sind kein Thema", in der SSK/NIS nicht anders vertreten wird.

Anders wäre dies doch gar nicht möglich, sonst wäre dies in meinen Augen ein Anzeichen für eine gespaltene Persönlichkeit und so etwas ist ja, wie man heute erfahren konnte, einem deutschen Minister nicht gut bekommen, nimmt es erst einmal den Anfang.

Ich bin tatsächlich immer mehr der Meinung, dass alles unternommen wird, um Menschen die unter EMF leiden im Namen des Strahlenschutzes und der WHO an die Wand zu drücken. Entsprechende ärztliche Fortbildung hat man m.E. bestens im Griff.

Ein Beweis hierfür sind mir wieder die Informationsveranstaltungen zur Einführung von LTE für Politiker, durchgeführt vom IZMF, dem gemeinnützigen Verein der Mobilfunkbetreiber, zusammen mit dem Referenten Dr. Otto von "Kinderumwelt" ebenfalls gemeinnützig, was wieder der Zuhörerschaft die Harmlosigkeit von Mobilfunkstrahlung vor Augen führen soll. Wenn jemand von "Kinderumwelt" spricht, dann muss es doch harmlos sein!!

Eva Weber

Wuff

[b]Mehr Licht ins Dunkel![/b]

Beitrag von Wuff » 4. März 2011 13:53

Mehr Licht ins Dunkel!

Nun äussert sich Lerchl im izg(?)mf-Forum selbst zu seiner Aussage, und versucht sie zu begründen. Dabei verweist er auf die WHO-Forschungsagenda 2006 ( http://whqlibdoc.who.int/publications/2 ... 48_eng.pdf ) und zitiert daraus einen einzigen von mehreren Abschnitten, den er aber sehr eigenwillig ausgelegt, und wenn ich schreibe „sehr“, dann meine ich das auch.

Zitat aus der WHO Forschungsagenda 2006: (Unterstreichung von Wuff)

"3.5 Mechanisms

The accepted health effects of RF field exposure are caused by temperature elevation; non-thermal effects are defined as bioeffects that are not caused by temperature elevation. H o w e v e r, in practice it is often difficult to assess whether temperature elevation has taken place. No alternative mechanism of interaction has been identified to date (Sheppard, Swicord & Balzano, 2008; Valberg, van Deventer & Repacholi, 2007).
No high-priority or other research needs were identified in the 2006 Research Agenda. A recent communication of research findings has reported that non-linear responses indicative of the possible demodulation of a modulated RF signal did not occur at around 1 GHz carrier frequencies in cells in vitro (Kowalczuk et al., 2009).

High-priority research needs
None identified.
Other research needs
None identified."


Dieses ist nur der Abschnitt, der sich ausschliesslich mit den athermischen Wirkmechanismen von hochfrequenten EMF befasst. Solange man die Existenz nicht-thermischer Effekte bestreitet, ist es müssig, sich mit deren Wirkmechanismen zu befassen. Diese Aussage in der Forschungsagenda zu den Wirkmechanismen verfälscht Lerchl in eine Aussage zu Effekten: (Unterstreichung durch Wuff)

"Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Effekten der Mobilfunkstrahlung momentan keinen weiteren Forschungsbedarf sieht.“
„Daher sind auch sogenannte Schutzmaßnahmen - etwa das Handy eingeschränkt zu benutzen oder gar sein Haus von einem Baubiologen gegen Strahlung abschirmen zu lassen - überflüssig. Verwenden wir unsere Sorge und Energie lieber in den Schutz vor echten Gesundheitsbedrohungen."

Weshalb ist Lerchls Aussage eine Verfälschung des Originals?
Weil die WHO-Forschungsagenda in Wirklichkeit auch hohe Prioritäten bei der Erforschung der der nicht-thermischen Effekte sieht, und zwar in den anderen Abschnitten als in dem von Lerchl zitierten, z.B. in Abschnitt 3.2 Studien an Menschen: Wenn hier mit hoher Priorität Studien mit Kindern gefordert werden, dann wohl bestimmt nicht solche mit Strahlenbelastungen, welche thermische Effekte an den Kinderhirnen verursachen. Diese Forschung wird mit Sicherheit im athermischen Bereich bleiben, etwas anderes hätte keine Chance auf Bewilligung.

Was hätte Lerchl richtig schreiben müssen?
Er hätte sinngemäss schreiben müssen: Die WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Wirkmechanismen der Mobilfunkstrahlung momentan keinen Forschungsbedarf sieht, und eben gerade nicht: “… zu nicht thermischen Effekten … “

Effekte und Wirkmechanismen voneinander unterscheiden zu können, ist in der Wissenschaft wichtig. Hätte Lerchl diese Unterscheidung gemacht, dann hätte er auch nicht folgern dürfen:
„Daher sind auch sogenannte Schutzmaßnahmen - etwa das Handy eingeschränkt zu benutzen oder gar sein Haus von einem Baubiologen gegen Strahlung abschirmen zu lassen - überflüssig. Verwenden wir unsere Sorge und Energie lieber in den Schutz vor echten Gesundheitsbedrohungen."

---------------------------------------------------

In izg(?)mf-Strang wird über meine mögliche Haltung zur Frage spekuliert, ob „A. Unangemessen alamierende Darstellung“ oder „B. Unangemessen entwarnende Darstellung“ schädlicher für die Menschen sei.

Ich meine: Jede unangemessene Darstellung ist falsch, und für keine Art von „unangemessen“ gibt es eine Berechtigung oder Entschuldigung.

Ich meine weiterhin: Die Fakten sind zuerst zu ermitteln, und daraus ist das Risiko zu ermessen.

Und aus meiner Erfahrung mit Studienkritiken erkenne ich: Bei der Ermittlung der Fakten zu biologischen Effekten von EMF werden von der Forschungsplanung (einschliesslich WHO-Forschungsagenda) über das Studiendesign bis zur Interpretation der Ergebnisse viel zu viele Fehler gemacht, als dass von einem gesicherten Stand des Wissens gesprochen werden könnte.

Wo man wenig weiss, da ist angemessene Vorsicht geboten.

Wuff

Mehr Licht ins Dunkel! / Korrigendum

Beitrag von Wuff » 6. März 2011 13:44

Mehr Licht ins Dunkel! - Korrigendum

Bedauerlicherweise hat sich im untenstehenden Abschnitt ein Fehler eingeschlichen, auf den aufmerksam zu machen Prof. Lerchl die Freundlichkeit hatte:

Richtig sollte es heissen "WHO-Forschungsagenda 2010", statt falsch "Forschungsagende 2006". Für die Leser sei daher der Beitrag wiederholt, mit korrigierten Datumsangaben zur WHO-Forschungsagenda, zu welcher aber der richtige Link gesetzt war.

Der Professor bezeichnet mich gerne als "Wissenschaftskritiker". Dieses kann vom Leser verstanden werden als ein Kritiker, der im Gebiet der Wissenschaft Kritiken schreibt, was ich gelten lasse. Wenn der Professor jedoch mit "Wissenschaftskritiker" meint, ich kritisiere die Wissenschaft als Methode, dann irrt er. Nichts macht so viel Spass wie Wissenschaft, aber immer unter der Voraussetzung, dass sie richtig ausgeführt und nicht manipuliert werde. Im anderen Fall jucken mich die Finger, solches zu kritisieren.


Korrigierte Version (Korrektur fett und rot)
  • Nun äussert sich Lerchl im izg(?)mf-Forum selbst zu seiner Aussage, und versucht sie zu begründen. Dabei verweist er auf die WHO-Forschungsagenda 2010 ( http://whqlibdoc.who.int/publications/2 ... 48_eng.pdf ) und zitiert daraus einen einzigen von mehreren Abschnitten, den er aber sehr eigenwillig ausgelegt, und wenn ich schreibe „sehr“, dann meine ich das auch.

    Zitat aus der WHO Forschungsagenda 2010: (Unterstreichung von Wuff)

    "3.5 Mechanisms

    The accepted health effects of RF field exposure are caused by temperature elevation; non-thermal effects are defined as bioeffects that are not caused by temperature elevation. H o w e v e r, in practice it is often difficult to assess whether temperature elevation has taken place. No alternative mechanism of interaction has been identified to date (Sheppard, Swicord & Balzano, 2008; Valberg, van Deventer & Repacholi, 2007).
    No high-priority or other research needs were identified in the 2006 Research Agenda. A recent communication of research findings has reported that non-linear responses indicative of the possible demodulation of a modulated RF signal did not occur at around 1 GHz carrier frequencies in cells in vitro (Kowalczuk et al., 2009).

    High-priority research needs
    None identified.
    Other research needs
    None identified."


    Dieses ist nur der Abschnitt, der sich ausschliesslich mit den athermischen Wirkmechanismen von hochfrequenten EMF befasst. Solange man die Existenz nicht-thermischer Effekte bestreitet, ist es müssig, sich mit deren Wirkmechanismen zu befassen. Diese Aussage in der Forschungsagenda zu den Wirkmechanismen verfälscht Lerchl in eine Aussage zu Effekten: (Unterstreichung durch Wuff)

    "Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Effekten der Mobilfunkstrahlung momentan keinen weiteren Forschungsbedarf sieht.“
    „Daher sind auch sogenannte Schutzmaßnahmen - etwa das Handy eingeschränkt zu benutzen oder gar sein Haus von einem Baubiologen gegen Strahlung abschirmen zu lassen - überflüssig. Verwenden wir unsere Sorge und Energie lieber in den Schutz vor echten Gesundheitsbedrohungen."

    Weshalb ist Lerchls Aussage eine Verfälschung des Originals?
    Weil die WHO-Forschungsagenda in Wirklichkeit auch hohe Prioritäten bei der Erforschung der der nicht-thermischen Effekte sieht, und zwar in den anderen Abschnitten als in dem von Lerchl zitierten, z.B. in Abschnitt 3.2 Studien an Menschen: Wenn hier mit hoher Priorität Studien mit Kindern gefordert werden, dann wohl bestimmt nicht solche mit Strahlenbelastungen, welche thermische Effekte an den Kinderhirnen verursachen. Diese Forschung wird mit Sicherheit im athermischen Bereich bleiben, etwas anderes hätte keine Chance auf Bewilligung.

    Was hätte Lerchl richtig schreiben müssen?
    Er hätte sinngemäss schreiben müssen: Die WHO hat kürzlich erklärt, dass sie zu nicht-thermischen Wirkmechanismen der Mobilfunkstrahlung momentan keinen Forschungsbedarf sieht, und eben gerade nicht: “… zu nicht thermischen Effekten … “

    Effekte und Wirkmechanismen voneinander unterscheiden zu können, ist in der Wissenschaft wichtig. Hätte Lerchl diese Unterscheidung gemacht, dann hätte er auch nicht folgern dürfen:
    „Daher sind auch sogenannte Schutzmaßnahmen - etwa das Handy eingeschränkt zu benutzen oder gar sein Haus von einem Baubiologen gegen Strahlung abschirmen zu lassen - überflüssig. Verwenden wir unsere Sorge und Energie lieber in den Schutz vor echten Gesundheitsbedrohungen."

    ---------------------------------------------------

    In izg(?)mf-Strang wird über meine mögliche Haltung zur Frage spekuliert, ob „A. Unangemessen alamierende Darstellung“ oder „B. Unangemessen entwarnende Darstellung“ schädlicher für die Menschen sei.

    Ich meine: Jede unangemessene Darstellung ist falsch, und für keine Art von „unangemessen“ gibt es eine Berechtigung oder Entschuldigung.

    Ich meine weiterhin: Die Fakten sind zuerst zu ermitteln, und daraus ist das Risiko zu ermessen.

    Und aus meiner Erfahrung mit Studienkritiken erkenne ich: Bei der Ermittlung der Fakten zu biologischen Effekten von EMF werden von der Forschungsplanung (einschliesslich WHO-Forschungsagenda) über das Studiendesign bis zur Interpretation der Ergebnisse viel zu viele Fehler gemacht, als dass von einem gesicherten Stand des Wissens gesprochen werden könnte.

    Wo man wenig weiss, da ist angemessene Vorsicht geboten.
Bemerkenswert ist und gerne zur Kenntnis genommen wird, dass der Schreibfehler bei der Jahreszahl das Einzige ist, was dem Professor an diesem Beitrag seinerseits kritikwürdig erscheint.

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