© Mittelland Zeitung; 08.09.2004
Baden Tabloid
Im Kampf durch den Dschungel der Mobilfunk-Wahrheiten
zur AZ vom 9.11. Wie lange wir das Handy am Ohr halten, und ob wir es für wirklich Dringendes brauchen, das bestimmt jeder selbst. Wenn mir aber eine Mobilfunkantenne vors Haus gestellt wird, so macht sie unsere Liegenschaft unverkäuflich und vervielfacht allenfalls unser Krebsrisiko, ohne dass wir es beeinflussen können. Meine einzige Möglichkeit ist also, diese Antenne zu bekämpfen. Nicht nur für mich, auch für die Schule, den Kindergarten, den Bächliweg, den Tennis- und Fussballplatz, überall da, wo wir in Wettingen leben. Nach dem Besuch von Internetseiten und nach vielen Anrufen merke ich - da kommt kein «Schwein» draus. Befürworter (B) sagt: Keine Angst, die Grenzwerte liegen in der Schweiz tiefer als in der EU. Der Gegner (G) sagt: Denkste: 5V/m an Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN) sind zu viel. Als solche gelten nur Schul-, Krankenzimmer, Wohn- und Schlafräume sowie ständig besetzte Arbeitsplätze in Innenräumen. B sagt: Keine Sorge, grundsätzlich erzeugen hochfrequente elektromagnetische Strahlen auf den Körper eine gewisse Erwärmung - die Risiken können aus wissenschaftlicher Sicht nicht eindeutig geklärt werden. Solange die Grenzwerte einer einzelnen Anlage eingehalten werden, wird nichts passieren. G sagt: Ab 1,2 V/m kommt es zu Lern-/Konzentrations-, Verhaltensstörungen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Blutdruckentgleisungen, Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Risiko für Leukämie, Hirntumore, 10 % mehr Fehlgeburten und die männlichen Spermien werden um einen Drittel reduziert. Sunrise sagt: Wir wollen nahe beim Kunden sein. B sagt: UMTS ist 31 x schneller als ein ISDN Gerät im Festnetz. Internetzugang, mobile, multimediale Video- und Datenanwendungen, mobile Bildtelefonie, Börsengeschäfte und Online-Reisebuchungen brauchen das. G sagt: UMTS ist noch nicht «getestet», wird das also ein Freilandversuch am Menschen? Vom BUWAL liest man: «Beim Mobilfunk aber war eine solche Dynamik im Spiel, dass die umfassende Risiko abklärung gar nicht möglich war.» Als Familie möchten wir nicht als Versuchskaninchen herhalten. Von «oben» ist keine Hilfe zu erwarten. Können wir durch Initiativen und Einsprachen den Bau weiterer Antennen verhindern? Es wäre angebracht, wenn der von uns gewählte Gemeinderat seine Pflicht ernst nehmen würde. Wenn dieser seine «Ufzgi» gemacht hätte, dann würde er die Gesundheit der Bevölkerung höher gewichten als die finanziellen Interessen eines einzelnen Wirtschaftszweiges. Mobilfunkanlagen gehören nicht in Wohnzonen, auch wenn dies die günstigste Variante für den Anbieter ist. Maria Rüfenacht, Wettingen
briefe an die az