© Die Südostschweiz; 24.09.2004; Seite 7
Sieg im Kampf gegen den Bund
St. Gallenkappel verbannt SBB-Stromleitung aus dem Siedlungsgebiet
Erfolgreicher Widerstand der Gemeinde St. Gallenkappel und ihrer Einwohner: Die Trasseeführung der neuen SBB-Stromleitung Rapperswil-Ricken - erst mitten durch das Dorf geplant - führt nun nördlich daran vorbei.
c von marc holdener
Hochspannungsleitungen waren schon vor der jüngsten Diskussion um den Elektrosmog stark umstritten. Das leise Surren weckt Unbehagen und verursacht bei sensiblen Personen latente Beschwerden. Wo also Leitungen neu erstellt oder bestehende verstärkt werden sollen, ist mit Widerstand zu rechnen. Entsprechend lang sind die Realisierungsfristen.
Bereits im Jahr 2000 haben die Bundesämter für Energie und Raumplanung den Entwurf zum Sachplan Übertragungsleitungen (Sül) vorgelegt (siehe Box). Aus dem Kanton St. Gallen sind zwei konkrete Projekte aufgeführt, eines davon betrifft das Linthgebiet: der Umbau der SBB-Leitung Rapperswil-Ricken von 66 auf 132 Kilovolt. Die Beurteilung dieses Vorhabens anhand von Nutzkriterien zeigte, dass der Ersatz der heutigen 66kv-Leitung durch eine 132kv-Verbindung für die Bahnstromversorgung bezüglich Austausch (Energiewirtschaft), Netzsicherheit und Verfügbarkeit (Versorgungssicherheit) sowie Netzoptimierung einen hohen Nutzen aufweisen würde. Weiter wurde beurteilt, dass mit dem Umbauprojekt zudem eine Ringversorgung realisiert werden könnte, welche das Rückgrat der Bahnstromversorgung in der Ostschweiz bilden würde.
Auf Konflikte eingegangen
Im Februar 2000 wurde der Sachplanentwurf in ein breites Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren gegeben. Bis Ende Mai 2000 gingen 2200 Stellungnahmen ein. Davon kamen 380 aus dem Kanton St. Gallen. Opposition gab es vor allem aus St.Gallenkappel, wo die neue Leitung mitten durch den Dorfkern führen würde. Vorwiegend Privatpersonen fürchteten eine Beeinträchtigung der Landschaft, ihrer Grundstücke und vor allem ihrer Gesundheit. In der Zwischenzeit wurde das Projekt Rapperswil-Ricken überarbeitet, wobei insbesondere auf die erwähnten Konflikte eingegangen wurde. Im neuen Dossier wurden zwei Grundvarianten einander gegenüber gestellt: ein Umbau, der weitgehend dem bestehenden Trassee folgt, sowie ein Neubau durch Zusammenlegung mit der NOK-Leitung Grynau-Winkeln.
Die Bewertung beider Projekte ergab, dass die Variante «Zusammenlegung» starke umweltbelastende Eingriffe zur Folge hätte. Mehrere Flachmoore müssten überquert, neue Fundamente für höhere und massivere Masten gebaut werden. Dies wiederum bedürfte zusätzlicher Waldschneisen und Waldniederhaltungen. Da es sich um unterschiedliche Leitungen handelt - Bahnversorgung und Allgemeinversorgung - wären zudem im Fall von Unterhalt und Panne grössere betriebliche Risiken in Kauf zu nehmen.
In Anbetracht dieser negativen Schutz- und Betriebsaspekte empfahlen Vertreter von Bund, Kanton St. Gallen, Projektant und Umweltorganisationen diese Variante nicht weiter zu verfolgen und sich auf das Stammprojekt entlang dem bestehenden Trassee zu konzentrieren.
Klarheit über Trasseeführung
Auch dieses Projekt ist nun laufend optimiert worden. Eine Begehung im April dieses Jahres hat Klarheit über die grobe Trasseeführung in der umstrittenen Zone in St. Gallenkappel gebracht. Begleitgruppe und Gemeindevertreter kamen zur Ansicht, die Variante mit der Verlegung der Leitung aus dem Dorfkern weiter zu verfolgen und die Optimierung der Detailprojektierung anzustreben. Dazu gehört insbesondere die Prüfung der Einhaltung der Verordnung über nicht ionisierende Strahlung (Nis) im Quartier Holz.
Ziel der jetzigen Projekteingabe ist der Festsetzungsentscheid der Raumplanungsverordnung. Die Festsetzung bedeutet, dass wichtige Konfliktpunkte geklärt oder zumindest Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Das Leitungsprojekt befand sich bis zum 23. September in der Ämterkonsultation. Noch bis am 1. Oktober findet die nach Raumplanungsgesetz erforderliche Anhörung und Mitwirkung des Kantons St. Gallen statt.
Gegen Bund gekämpft
«Die vielen Unterschriften aus unserer Gemeinde führten dazu, dass die neue Leitung nun ums Dorf herum geplant ist», sagt Heribert Hubatka, Gemeindepräsident von St.Gallenkappel. Von allen Übeln sei dies nun die beste Lösung. Mit der neuen Linienführung leben kann auch Roger Wüthrich, einer der vehementesten Gegner des alten Projekts. «Wenn man bedenkt, dass wir immerhin gegen den Bund anzukämpfen hatten, dann werte ich unsere Intervention als Erfolg», sagt Wüthrich. Einzig über die Nis-Verordnung gäbe es noch ein paar Unklarheiten.
Die Beurteilung dieses Projekts, anhand von Schutzkriterien zeigte, dass die punktuelle Trasseeverschiebung in St.Gallenkappel nötig war, um den Schutz der Bevölkerung und der Landschaft bestmöglichst zu gewährleisten.
Tangiert von der neuen Leitung ist auch die Gemeinde Eschenbach. Dort wird ebenfalls mit einer Variantenführung eine Optimierung der Wohn- und Gewerbezone angestrebt.
Ebenfalls betroffen sind die Gemeinden Rapperswil und Jona. In diesen konnten dank unterirdischer Leitungsführung die siedlungsmässigen Konflikte aber weitgehend entschärft werden.
Sachplan Übertragungsleitung
mho.- Hochspannungsleitungen sind unentbehrlich für die Stromversorgung. Sie belasten jedoch die Umwelt, besonders das Landschaftsbild. Ihre Zahl muss deshalb durch Bündelung mit anderen Leitungen beschränkt und die Linienführung opitimiert werden. Beides ermöglicht der Sachplan Übertragungsleitungen (Sül), der bereits im Jahre 2000 in eine breite Vernehmlassung ging. Der Sachplan umfasst 63 Ausbauvorhaben. Einige davon sind bereits verwirklicht worden.
Sül verschaffte eine Gesamtsicht des bestehenden und geplanten Höchstspannungsnetzes der Schweiz. Die Ausbauvorhaben wurden nach drei Hauptaspekten beurteilt: Bedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft, bestgeeigneter Korridor für die Linienführung sowie Konflikte, die aus unterschiedlichen Ansprüchen an den Landschaftsraum hervorgingen. Der Sül wurde federführend durch das Bundesamt für Energie erarbeitet.
Zu grossen Bedenken Anlass gab die von Hochspannungsleitungen ausgehende nichtionisierende Strahlung (sogenannter Elektrosomog) und deren Einfluss auf Mensch und Umwelt. Die überwiegende Mehrheit der Kantone, zahlreiche Umweltorganisationen und das BUWAL verlangen die zwingende Einhaltung der Normen gemäss Verordnung über den Schutz vor Elektrosmog.
Sieg im Kampf gegen den Bund. St. Gallenkappel verbannt SBB-
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Heinz Merkle
Re: Sieg im Kampf gegen den Bund. St. Gallenkappel verbannt
St.Gallenkappel --- Antennenstandort Wo ?
Wenn man die Standortkarte des Buwal konsultiert, findet man den blauen Punkt mitten im Dorf.
Wenn man durchs Dorf geht sucht man allerdings vergebens nach der Antenne -- ein Gastwirt hat mir dann das Rätsel gelöst ! Sie ist im Kirchturm versteckt. wenn man ganz genau hinschaut, kann man eine Ecke des Strahlergehäuses erkennen.
Widerstand -- ? liegt nicht drin , ich habe ein Geschäft und kann mir nicht erlauben
Kundschaft zu verlieren. Ich für mich, sagte er , kann nur hoffen , dass sich bei mir und/oder meiner Frau sich keine Sensibilität entwickelt, das wäre dann allerdings sehr lästig.
Hoffen wir für ihn dass er gesund bleiben kann.
Wenn man die Standortkarte des Buwal konsultiert, findet man den blauen Punkt mitten im Dorf.
Wenn man durchs Dorf geht sucht man allerdings vergebens nach der Antenne -- ein Gastwirt hat mir dann das Rätsel gelöst ! Sie ist im Kirchturm versteckt. wenn man ganz genau hinschaut, kann man eine Ecke des Strahlergehäuses erkennen.
Widerstand -- ? liegt nicht drin , ich habe ein Geschäft und kann mir nicht erlauben
Kundschaft zu verlieren. Ich für mich, sagte er , kann nur hoffen , dass sich bei mir und/oder meiner Frau sich keine Sensibilität entwickelt, das wäre dann allerdings sehr lästig.
Hoffen wir für ihn dass er gesund bleiben kann.