Philippe Roch (Buwal): "Politik könne den Ausgleich zwi

The Future's Black

Philippe Roch (Buwal): "Politik könne den Ausgleich zwi

Beitrag von The Future's Black » 21. Dezember 2004 12:06

© Basler Zeitung; 21.12.2004; Seite 2


Mit Philippe Roch tritt ein Anwalt der Natur ab

Politik könne den Ausgleich zwischen Mensch und Umwelt nicht mehr leisten, sagt der Buwal-Direktor

THOMAS MÜLLER

Mit Buwal-Direktor Philippe Roch tritt einer der kantigsten Amtsdirektoren zurück. Der Biochemiker hat sich mit Verstand und Leidenschaft für die Umwelt eingesetzt - und eckte an.

Die Klimapolitik bildet die Klammer. 1992 begleitete Philippe Roch - eben aus dem WWF-Direktorium an die Spitze des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft gewählt - den damaligen Umweltminister Flavio Cotti an den Erdgipfel nach Rio de Janeiro. Cotti versprach dort, die Schweiz werde ihren CO2-Ausstoss senken. Das CO2-Gesetz, mit dem das nun rechtskräftig gewordene Kioto-Klimaprotokoll umgesetzt werden soll, war eines der Grossprojekte, welche das Buwal in der Ära Roch erfolgreich auf die politische Bühne gebracht hat. Die Idee für das Gesetz sei ihm bei einigen Bieren mit seiner damaligen Chefin Ruth Dreifuss gekommen, sagt er.

Danach schlitterte das Thema Umwelt in die politische Rezession. Immer wieder standen in den letzten Jahren das Buwal und auch Roch persönlich in starkem Gegenwind. Im Rahmen der Entlastungsprogramme setzte die bürgerliche Mehrheit im Bundesrat den Rotstift mit Lust und Freude immer wieder bei seinem Amt an, sicher auch, um sich für den einen oder anderen in ihrer Sicht wirtschaftsfeindlichen Entscheid Rochs zu rächen.

So wollte er der ETH Zürich verbieten, auf einem kleinen Beet einen Freisetzungsversuch durchzuführen. Departementschef Moritz Leuenberger pfiff ihn schliesslich zurück. Dafür verfügt die Schweiz heute über eines der strengsten Gentechnik-Gesetze. Knatsch mit dem ebenfalls im Departement Leuenberger beheimateten Bundesamt für Kommunikation gab es wegen der Verordnung über Handy-Strahlung, doch setzte Roch hier einen zehnfach strengeren Grenzwert - als von der WHO empfohlen - durch.

Besinnung. Mitte 2005, wenn die Nachfolge geregelt sein wird, tritt Roch ab - mit neuen Zielen vor Augen. Dann werde er seine Philosophie weiterentwickeln, sagte er gestern zur baz. In einer «Welt, deren Umwelt Konkurs geht», brauche es ein Netzwerk von Leuten, die sich auf eine neue Harmonie zwischen dem Menschen und der Natur besinnen. Politik, so wie sie heute betrieben werde, könne das nicht mehr leisten.