„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen

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von Wuff » 8. Mai 2011 17:11

Nachdem wir in diesem Strang einige Sätze der Begleitstudie zu den Patientenbefragungen kritisch analysiert hatten, eröffneten wir einen neuen Strang zur Befragung der Ärzte durch das Begleitteam, siehe viewtopic.php?t=36239

Hier die Liste der bisherigen Stränge zum Thema:

(1) viewtopic.php?t=35817 : Dieser Strang ist unwichtig und wir können ihn vergessen, er wurde durch Spatenpauli und seine Gehilfen aus dem izg(?)mf gestört.

(2) viewtopic.php?t=35887 : Wie grundsätzlich jedermann Studienkritik betreiben kann.

(3) viewtopic.php?t=35935 : Zum allgemeinen Teil der Begleitstudie.

(4) viewtopic.php?t=36090 : Hier beginnt dieser Strang, der sich den Befragungen der Patienten widmete.

(5) viewtopic.php?t=36239 : Befragung der Ärzte

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen 7

von Wuff » 4. Mai 2011 13:23

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 7


Bevor wir uns in einem späteren Strang der Ärztebefragung zuwenden werden, listen wir einige Kritikpunkte speziell zu den drei Patientenbefragungen auf.

  • Das von Forschungsstiftung Mobilkommunikation beauftragte und bezahlte Begleitteam war in der Frage, ob EMF Gesundheit und Befinden beeinträchtigen können, in keiner Weise ergebnisoffen, im Gegenteil: Die Autoren der Begleitstudie verneinten jede Beeinträchtigung von Gesundheit und Befinden durch EMF.
  • Im sechsköpfigen Begleitteam gab es nicht einen einzigen Mediziner. Dennoch gelang es dem Team wohl, bei den Patienten und bei den Ärzten den falschen Anschein eines medizinischen Projekts zu erwecken.
  • Die Mehrheit der Fragen war zwar medizinischer Natur, die Befragungen dienten aber nicht der medizinischen Wissenschaft, sondern galten einem psychosozialen Thema.
  • Das Interesse der Autoren galt nicht der Frage, ob durch die Intervention der Ärzte den EMF-Patienten medizinisch geholfen werden könne, sondern der Frage, wie sich die Patienten danach fühlten.
  • Die aus den medizinischen Fragen in den Patientenbefragungen resultierenden Daten wurden weder explorativ noch schliessend, sondern ausschliesslich deskriptiv ausgewertet.
  • Die Autoren begründeten ihre Selbstbeschränkung auf deskriptive (rein darstellende) Statistik mit der geringen Patientenzahl. Eine niedrige Anzahl ist aber nur ein Verhinderungsgrund für die schliessende (Zusammenhänge bestätigende) Statistik. Explorative (Zusammenhänge vermutende und ermittelnde) Statistik wäre auch bei eher geringen Patientenzahlen möglich gewesen.
  • Die Frage wird in den Raum gestellt, ob der Ausschluss eines Fünftels der Patienten von der Auszählung der dritten Befragung wirklich unvermeidbar war.
  • Durch die Beschränkung auf eine rein deskriptive Darstellung ging das medizinisch Interessanteste verloren, denn Korrelationen von medizinischem Interesse (z.B. spezifische Beschwerden bei bestimmten Expositionen) wurden weder ermittelt noch gar bestätigt.
  • Die Autoren haben beispielsweise auch verpasst auszuwerten, welche Merkmale die plausiblen Fälle von Beeinträchtigung durch EMF im Vergleich zu den weniger plausiblen, zur Gesamtbevölkerung und zu Probanden anderer EMF-Studien aufweisen.
  • Die rein deskriptive Auswertung mündete auch noch in einer Diffamierung der EMF-Geschädigten, diese wurden nämlich von Dritten – ausdrücklich gestützt auf die Begleitstudie – kollektiv und pauschal als „psychisch angeschlagen“ diffamiert.
  • Diese Herabsetzung wäre nicht geschehen, wenn das bei den EMF-Geschädigten häufig festgestellte Krankheitsbild der Depression als solches benannt worden wäre, und nicht mit „psychisch“ umschrieben bzw. so umbenannt.
  • Bei richtiger Deklaration der Fälle von Depression wären diese als Stressfolgeerkrankung infolge Dauerstress’ durch die EMF-Belastung erkennbar geworden.
  • Durch die rein deskriptive Darstellung wird jedoch der Eindruck gestützt, als sei die Ursache der Symptome, welche von den Patienten der Ursache „EMF“ zugeschrieben werden, psychisches Angeschlagensein der Patienten.
  • Die Begleitstudie ist entgegen dem Anschein, den die Autoren zumindest in der Vorphase nicht zu vermeiden suchten, kein medizinisches, sondern ein soziologisches Projekt.
  • Das Autorenteam aus lauter Nichtmedizinern wäre für medizinische Diagnostik gar nicht kompetent gewesen, es war aber auch nicht fachlich kompetent zum Stellen medizinischer Fragen.
  • Die aus den Fragebogen gewonnenen Daten wurden nicht mit Methoden der medizinischen Wissenschaft (schliessende Statistik) interpretiert, sondern mit einer Methode der Marktforschung (Fokusgruppe).
  • Die Beschränkung der Auswertung auf deskriptive Statistik hatte denselben Effekt, als wären zahlreiche medizinische Daten dem Shredder überantwortet worden worden.
  • Das Begleitteam war an der physikalischen Noxe „EMF“ nur zum Schein interessiert, denn es ging von der Planung der Begleitstudie an von einer rein psychischen Ursache der Symptome aus.
  • Die bereits wegen Desinteresses an der Noxe „EMF“ ungenaue Erfassung der Felder wurde noch verschärft durch mangelhaftes Wissen des Begleitteams zur Physik der Felder.
  • So wurden denn hoch- und niederfrequente Felder, die jeweils unterschiedliche physikalische Einwirkungen auf die menschlichen Moleküle ausüben, fast beliebig vermengt.
  • Nachdem das Begleitteam Effekte von Feldern als Ursache von Symptomen überhaupt ausgeschlossen hatte, unterschied es auch nicht zwischen den Wirkungen von kurzzeitiger und langfristiger Strahlung. Kurzzeitige Strahlung bewirkt Stresssymptome, und langfristige Strahlenbelastung und Dauerstress verursachen Stress-Folgeerkrankungen.
  • Im Wohnumfeld der Patienten wurden Felder gemessen. Die Messungen der Felder erfolgten aber nicht ernsthaft, sondern zu verdeckten therapeutischen Zwecken. Den EMF-Opfern sollte im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie als Beweis dafür, dass (nicht thermische) Effekte unmöglich seien, die durchwegs unter den hohen (thermischen) Grenzwerten liegenden Messergebnisse vorgehalten werden.
  • Die Patienten glaubten, sie selbst und ihre Ärzte trügen zu einer wissenschaftlichen Arbeit bei, mit welcher der Einfluss von EMF auf Gesundheit untersucht würde. Weder die Patienten noch die Ärzte konnten ahnen, dass die „Forscher“ EMF bereits von vornherein als Ursache definitiv ausgeschlossen hatten, und dass nur noch das Gegenteil bewiesen werden sollte, nämlich dass EMF unwirksam seien, und dass bereits der Gedanke an einen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen zu therapieren sei.
  • Die von den Patienten berichteten Wirkungen von Exposition und Deexposition auf die Symptomentwicklung, welche ein sehr starker Hinweis auf EMF-Effekte sind, wurden zwar ausgezählt, aber inhaltlich ignoriert.
  • Wir wissen aus Erfahrung, dass Dinge, die fehlen, normalerweise nicht auffallen. Bei der Forschung zu Beeinträchtigungen von Gesundheit und Befinden bei EMF-Exposition fiel uns aber das Fehlen der Forschungsphase „Beobachtung“ auf. Wie wichtig diese Phase für die Forschung ist, wird hier gezeigt: viewtopic.php?p=45928#45928 .
  • Den Wissenschaftlern der Mobilfunkbranche ist die Bedeutung der ersten Forschungsphase selbstverständlich klar, sie stellen sie auch noch grafisch dar. Hier wurde ein Ablaufschema der Mobilfunker zur Forschung im izg(?)mf-Forum diskutiert, als es noch nicht zum reinen „ES“-Gegner-Forum verkommen war: http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=30014 und http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=30272 .
  • Als eine Untergruppe der Ärztevereinigung AefU ( http://www.aefu.ch/typo3/index.php?id=4436 ) angekündigt hatte, sie wolle sich EMF-Geschädigten widmen, bot die Forschungsstiftung Mobilkommunikation den Ärzten ihre wissenschaftliche Begleitung an, und die Übernahme von deklarierten Kosten in Höhe von mindestens CHF 100‘000 durch die Mobilfunkindustrie.
  • Entgegen dem erweckten Anschein handelte es sich beim Angebot der Autoren nicht um eine medizinisch-wissenschaftliche Unterstützung der Ärzte, sondern um den wahrscheinlich gelungenen Versuch, eine wahrscheinlich konkret geplante Forschungsphase 1 zu EMF ebenso konkret zu verhindern. Aus dem Projekt der Ärzte hätte eine Datenbank systematischer Kasuistiken zu EMF-Patienten von hoher Qualität entstehen können. Auf dieser Basis wäre qualitativ hoch stehende Forschung zu den Beeinträchtigungen von Gesundheit und Befinden durch alle möglichen Arten von EMF möglich geworden.
  • Bei den drei Patientenbefragungen wurden Daten gesammelt, die grundsätzlich durch die medizinische Wissenschaft auswertbar waren. Trotz geringer Patientenzahl wäre eine Auswertung explorativer Natur mögliche gewesen, explorativ im Sinne der Erstellung von Hypothesen zur den Effekten von EMF auf Gesundheit und Befinden von Menschen.

    Dazu, dass dieses nicht zustande kam, trug hauptsächlich bei:
    • Die Autoren, die von der an einem Nullresultat interessierten Industrie beauftragt und bezahlt wurden, haben drei Umfragen bei den Patienten der Netzärzte durchgeführt, aus welchen auch zahlreiche Antworten resultierten, die grundsätzlich für die medizinische Wissenschaft auswertbar waren.
    • Die Patienten und Ärzte wirkten wahrscheinlich ohne Entschädigung mit, weil sie einen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt der Medizin leisten wollten.
    • Die Ärzte haben möglicherweise auf eigene Erhebungen bei den Patienten verzichtet, weil sie wohl darauf vertrauten, die drei Umfragen des Begleitteams würden durch dieses medizinisch-wissenschaftlich ausgewertet.
    • Die medizinisch relevanten Rohdaten der Patientenumfragen wurden jedoch von den Autoren, die von der an einem negativen Ergebnis interessierten Industrie beauftragt und bezahlt wurden, nicht medizinisch-wissenschaftlich analysiert, sondern bloss ausgezählt und tabellarisch oder grafisch dargestellt.
    • Durch die rein deskriptive Aufbereitung sehen die Daten zwar interessant aus, sind aber für die medizinische Wissenschaft verloren.
    • Die Autoren haben auch eine explorative Analyse des von ihnen erhobenen und erfassten Datenmaterials unterlassen, weil sie die Möglichkeit von vornherein ausschlossen hatten, dass EMF die Ursache von Beeinträchtigungen von Gesundheit und Befinden sein dürften und könnten.
    • Aus Gründen des Datenschutzes können allein die Autoren die Daten bearbeiten, und zwar strikt anonymisiert, ein Abgleich mit den Krankengeschichten bzw. Kasuistiken wäre nicht erlaubt.
    • Die Autoren stellten den persönlichen Ärzten der befragten Patienten nur die Rohdaten der ersten von drei Umfragen zur Verfügung; die Ärzte erhielten somit nicht einmal ein Feedback zum Behandlungserfolg mit ihren eigenen Patienten.
    • Alle von den Patienten erhobenen Daten sind somit für die medizinische Wissenschaft verloren, und ein wichtiger Teil der erfassten Daten ist ebenfalls für die behandelnden Ärzte verloren.
    • Wenn die Ziele erreicht werden sollten, bereits die erste Forschungsphase zu EMF-Schädigung zu verhindern, und die Ärzte bei der Anamnese und eigenen Diagnostik zu behindern, dann wurden diese erreicht.
  • Zusammenfassung: Die Forschungsphase „Beobachtung“ zur medizinischen Erforschung von EMF-Schädigung wurde ein weiteres Mal hintertrieben. Die auswertbaren Patientendaten gelangten in die alleinige Verfügungsgewalt der von der Industrie bezahlten Autoren. Diese zeigten keine Motivation für eine wissenschaftliche Auswertung. Die rein deskriptive Aufbereitung der Daten bot bloss den Rohstoff für eine weitere Diffamierung und Psychiatrisierung der EMF-Geschädigten.
Was wir bis hier gesehen haben ist ein starkes Stück an Manipulation. Und es kommt noch mehr, und noch stärkerer Tobak. (Pfeifenrauchersmiley)

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen 6

von Wuff » 2. Mai 2011 19:28

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 6


Wir nehmen hier noch ein paar Sätze aus der Begleitstudie http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf kritisch unter die Lupe, und zwar zu den restlichen Resultaten der dritten Befragung der Patienten, die ein Jahr nach der ersten Konsultation erfolgte.
  • Begleitstudie Seite 45: [Zusammenfassung des Kritikers: Die Patienten schilderten noch zahlreiche von ihnen vorgenommene Änderungen in ihrem Umfeld, darunter zahlreiche mit Deexposition zu EMF.]

    Kommentar: Diese Änderungen sind - so wie sie in der Begleitstudie dargestellt werden - bloss von anekdotischem Interesse. Sie sind medizinisch völlig uninteressant, weil ihnen nicht gegenübergestellt wird, ob sich bei Deexposition und Abschirmung die Gesundheit verbessert oder verschlechtert hat. Solche Information kann überhaupt nicht aus der rein deskriptiven Statistik hervorgehen, auf die sich die Autoren der Begleitstudie beschränkt haben. Die Autoren haben zu den medizinisch interessierenden Fragen jegliche explorative und schliessende Statistik unterlassen. Wegen der Selbstbeschränkung auf ausschliesslich deskriptive Auswertung ist der Aufwand, der von den Patienten und Ärzten mit den Antworten auf die Befragungen geleistet wurde, für die medizinische Wissenschaft verloren.
  • Begleitstudie: „Tabelle 11 gibt einen Überblick über den eingeschätzten Nutzen des UMBN für verschiedene Patientengruppen. [...] Am ehesten profitierten Patienten, die etwas in ihrem Wohn- oder Arbeitsumfeld verändern konnten (p=0.08 )“

    Kommentar 1: Hier erblicken wir sogar eine Signifikanzangabe zu einer Korrelation, nämlich p=0.08, was bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur zufällig zustande gekommen ist, 8% beträgt. P=0.08 ist zwar höher bzw. weniger wahrscheinlich als die normalerweise gebrauchte Limite für „signifikant“ von p=0.05, die ihrerseits bloss eine willkürlich festgelegte Konvention ist. - Eine Signifikanzangabe kann nur erstellen, wer als Insider auf die Rohdaten zugreifen kann, und wer diese mit einer Statistik-Software bearbeiten kann, also nur die Autoren der Begleitstudie. Auch den Netzärzten stehen aus den Daten der Umfragen bei Ärzten und Patienten wohl nur die deskriptiv dargestellten Rohdaten zur Verfügung, und keine einzige medizinisch relevante Korrelation, - sonst hätten sie sich in der Fokusgruppe anders geäussert.

    Kommentar 2: Haben wir uns im letzten Beitrag angesichts der Angabe „p=0.08“ geirrt, als wir das Fehlen explorativer und schliessender statistischer Auswertung der Rohdaten beklagten? Analysieren wir doch kurz, was bei dieser bloss vereinzelten Angabe womit in Verbindung gesetzt wurde. Wie wir einige Zeilen weiter oben gesehen haben, waren viele Änderungen im Wohn- und Arbeitsumfeld der Patienten mit Deexposition verbunden. Die Auswertung könnte also eine Wirkung von Deexposition zu messen. Mit den Änderungen wird aber nur die subjektive Meinung über den Nutzen eines Programms statistisch in Verbindung gebracht, aber nicht die Veränderung des Gesundheitszustandes durch Deexposition, welche Ärzte, Patienten und echte Forscher viel mehr interessieren würde.

    Kommentar 3: Kann von aussen vielleicht auf Umwegen der gesundheitliche Effekt von Deexposition aus der deskriptiven Statistik ermittelt werden? Ist explorative Statistik auf solchen Umwegen möglich, wenngleich nur näherungsweise? Der abgefragte, subjektiv empfundene „Nutzen“ des Programms könnte ja seinerseits mit gesundheitlichen Verbesserungen korrelieren. Diese Vermutung liegt zwar nahe, ist aber reine Spekulation, denn der subjektiv empfundene Nutzen kann auch ein ganz anderer sein als Gesundung.

    Explorative und schliessende Statistik mit den Umfrageergebnissen der Begleitstudie können nur deren Veranstalter betreiben, welche im Besitz der Rohdaten sind. Ohne Zugriff auf alle Rohdaten der Begleitstudie kann von aussen keine explorative Statistik betrieben werden, und schon gar keine schliessende, d.h. Hypothesen bestätigende. Ohne Zugriff auf die Rohdaten kann von aussen – beispielsweise über einen Zusammenhang zwischen Deexposition und Gesundheit – nur spekuliert werden. Daran ändert auch die einzige Signifikanzangabe in der Begleitstudie – bedingt durch die geringe Teilnehmerzahl zwar nur p=0.08 – nichts.

    (Dieses ist die einzige Stelle der Begleitstudie mit einer Angabe einer Signifikanz, die vielleicht auch bloss erfolgte, um dem alten Diktum von der Ausnahme, welche die Regel bestätigt, Genüge zu tun.) 

    Wir werden uns weiter unten an den indirekt aus mehreren anderen Datensätzen hervorgehenden gesundheitlich positiven Effekt von Deexposition zu EMF erinnern, nämlich wenn später dennoch von Minderung der Exposition abgeraten wird.
  • Begleitstudie: „Patienten bei denen ein klarer zeitlicher und örtlicher Zusammenhang zwischen Beschwerden und Umwelteinfluss bestand konnten nicht mehr von der Beratungsstelle profitieren als Patienten bei denen die Beschwerden nicht unmittelbar im Zusammenhang der Exposition aufgetreten sind.“

    Kommentar 1: Es ist hier eine Korrelation angeführt. Sie scheint den Gesundheitszustand zu betreffen, ist aber in Wirklichkeit nur die Meinung zum Nutzen des Programms.

    Kommentar 2: Diese Korrelation bezieht sich auf eine Eigenschaft der Patienten, nämlich ob sie einen klaren örtlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen Exposition und Symptomen schildern konnten, also auch auf die Fähigkeit, sich zum unspezifisch erscheinenden Geschehen im eigenen Organismus klar auszudrücken. Unter den Voraussetzungen, dass diese Fähigkeit beim Patienten gegeben ist, und dass seine Schilderungen sachgerecht protokolliert werden, wäre “ein klarer zeitlicher und örtlicher Zusammenhang zwischen Beschwerden und Umwelteinfluss“ ein Indikator für die Plausibilität des Zusammenhangs. - Wir wissen nicht, wie diese Angabe im Einzelnen abgefragt wurde, so dass wir eine Plausibilität nur vermuten können.

    Was bedeutet die Korrelation? Wie bei der vorher kommentierten Korrelation wird bloss die subjektive Meinung der Patienten zu einem Programm mit etwas in Verbindung gebracht, hier mit einer Eigenschaft der Patienten in Verbindung.

    Kommentar 3: Bei der ersten Patientengruppe, bei der ein kausaler Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen wahrscheinlich plausibel ist, wäre aber nicht die Korrelation zu Meinungsfragen, sondern zu Fragen der Exposition und der Gesundheit von medizinischem Interesse gewesen, nämlich: „Welche konkreten Umwelteinflüsse verursachen welche Symptome?“ Diese Frage ist überhaupt jedes Mal eine der Schlüsselfragen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, EMF-Effekte zu erforschen. Aber dieses zu erforschen war nicht der von der finanzierenden Industrie gestellte Auftrag an die „Forscher“ bzw. an die Begleitgruppe. In medizinisch-wissenschaftlicher Hinsicht übten sich die Autoren in Minimalismus bzw. im Gehen mit Scheuklappen, sogar mit Augenbinde. Die Autoren waren allesamt Nichtmediziner, scheuten sich aber nicht, den Ärzten Diagnoseverfahren, Therapierichtlinien und medizinische „Erkenntnisse“ vorzugeben.

    Statt die Daten medizinisch auszuwerten, wurden den Patienten Wohlfühlfragen und Fragen zur Kommunikation gestellt, wie die folgende:
  • Begleitstudie: „Die Antworten auf die Frage, was die Patienten am schlechtesten an der umweltmedizinischen Beratung fanden, fielen sehr unterschiedlich aus. [...]Am besten hingegen fanden die meisten Patienten, dass sie ernst genommen wurden und dass Verständnis für ihr Problem gezeigt wurde, und dass man auf offene Ohren gestossen sei.“

    Kommentar: Wenn die Patienten gewusst hätten, was diejenige knappe Hälfte der Ärzte, welche an der Fokusgruppe teilnahm, später zum Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen äussern würde! Bevor die Patienten auf die Netzärzte stiessen, waren sie wahrscheinlich frustriert von der vorherigen Ablehnung und Leugnung ihrer Leiden durch die Schulmediziner, die sich ihre Information zu EMF nur bei Organisationen der Industrie wie Forum Mobil und Forschungsstiftung Mobilkommunikation sowie bei deren Ablegern in den Fakultäten holen können.
  • Begleitstudie: „Die Patienten hatten jedoch bei der Erst- und Nachbefragung einen ähnlichen Eindruck davon, ob die Ärzte die gleiche Meinung von der Ursache ihrer Gesundheitsbeschwerden hatten oder nicht (Abbildung 30). Sie hatten beide Male grundsätzlich das Gefühl, dass der Arzt eine ähnliche Meinung wie sie zu den Ursachen Ihrer Gesundheitsbeschwerden hatte.“

    Kommentar: Die Meinung der Patienten ist hier nicht explizit genannt, geht aber aus anderen Fragen hervor, nämlich dass sie EMF für die Ursache ihrer Beschwerden hielten. Warten wir einmal ab und sehen wir im übernächsten Strang, wie die Meinung der Ärzte gedreht hat.

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen 5

von Wuff » 1. Mai 2011 17:14

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 5



Ab hier befassen wir uns den Resultaten der dritten Befragung der Patienten, die ein Jahr nach der ersten Konsultation erfolgte. http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf
  • Begleitstudie: „Ein Jahr nach der ersten Konsultation wurden insgesamt 29 von den 36 Patienten, die den Erstfragebogen (Gesundheits- und Umweltfragebogen) ausgefüllt hatten, ein Nachbefragungsfragebogen zugeschickt. Bei sechs der restlichen sieben Patienten lag die Konsultation zum Zeitpunkt des Abschlusses der Datenerhebung noch weniger als ein Jahr zurück.“

    Kommentar: Als Zahlenangabe scheint das Datum ein objektives Ausschlusskriterium zu sein. Aber war es wirklich nicht möglich, dieses Fünftel der Patienten auch noch zu befragen bzw. deren Daten noch in die Auswertung münden zu lassen? Die statistische Power der Daten wäre dann grösser gewesen.
  • Begleitstudie: „Der allgemeine Gesundheitszustand war bei der Nachbefragung im Vergleich zur Erstbefragung tendenziell etwas schlechter geworden (Antwort auf die Frage “Wie würden Sie Ihren Gesundheitszustand im Allgemeinen beschreiben?“ – während der Gesundheitszustand bei 8 Personen (42%) gleich blieb, verbesserte er sich bei 3 (16%) und verschlechterte er sich bei 8 Personen (42%). [...] Alle diese kleinen Verbesserungen in den Mittelwerten der Scores sind statistisch nicht signifikant.“

    Kommentar: Die Aussagen wären etwas weniger insignifikant gewesen, wenn noch fünf weitere Personen an der Nachbefragung teilgenommen hätten, die nach dem Kriterium „Datum“ ausgeschlossen wurden.
  • Begleitstudie: „Auf die Frage, wie die Patienten ihren Gesundheitszustand im Vergleich zu vor einem Jahr einschätzen, als sie sich an das Beratungsnetz gewandt hatten [...] 6 (32%) gaben an, die Beschwerden seien fast verschwunden.“

    Kommentar: Der Verbesserung bei einem Drittel der Patienten steht eine Verschlechterung bei anderen Patienten gegenüber. Beim fraglichen Drittel waren die umweltbezogenen Beschwerden waren aber nur fast verschwunden, also bei keinem Patienten ganz. Dennoch wäre sehr interessant zu wissen, welche ergriffenen Massnahmen mit der Verbesserung des Gesundheitszustands korrelieren. Da aber, wie wir im letzten Beitrag gesehen haben, keine medizinischen Korrelationen veröffentlicht wurden, bleiben mögliche Zusammenhänge das Geheimnis der Autoren der Begleitstudie. Aus den deskriptiv ausgewerteten Daten bleibt der Eindruck hängen, „Elektrosensibilität“ sei ein Schicksalsschlag bzw. ein Einschnitt in die Gesundheitsentwicklung innerhalb des Lebenslaufs einer Minderheit, zu welchem selten von einer kurzfristigen gänzlichen Besserung berichtet wird.
  • Begleitstudie: „Auf die Frage, ob sie immer noch dieselbe Meinung von der Ursache ihrer Gesundheitsbeschwerden wie vor der umweltmedizinischen Beratung haben, gaben die Patienten mehrheitlich (10 Patienten; 53%) „vollkommen“ an. 5 (26%) glaubten eher derselben Meinung zu sein, 2 (11%) neutral und 2 (11%) glaubten eher nicht mehr der gleichen Meinung zu sein.“

    Kommentar: Vor der Beratung war die Meinung der meisten Patienten, ihre Beschwerden würden durch EMF verursacht. Die grosse Mehrheit der Patienten hat wohl auch trotz der Konsultationen bei den Netzärzten diese Meinung zu EMF als Ursache nicht geändert, wohl weil diese Patienten weiterhin einen Zusammenhang zwischen Expositionen zu EMF und jeweils eintretenden Beschwerden bemerkt haben. .
  • Begleitstudie: „Es fiel vielen Patienten schwer abzuschätzen, wie lange die umweltbezogenen Gesundheitsbeschwerden noch andauern würden (8 bzw. 9 Personen gaben keine Antwort oder kreuzten „weiss nicht“ an bei den beiden Befragungen, 5 davon an beiden Befragungen).“

    Kommentar: (Angesichts solcher Aussichtslosigkeit würde es nicht verwundern wenn die bereits oben kommentierte, unter EMF-Geschädigten stark verbreitete Depression aufrecht erhalten bliebe.)
  • Begleitstudie: „12 Personen (63%) gaben an, aufgrund der Beratung etwas in ihrer Wohnung oder dem Wohnumfeld oder Arbeitsumfeld verändert zu haben. 5 waren umgezogen bzw. hatten das Haus verkauft, 3 wechselten (zeitweise) den Schlafplatz, 4 verliessen/wechselten ihre Arbeitsstelle,“

    Kommentar: Wenn die 21%, welche wegen Elektrosmogs innerhalb nur eines Jahres die Stelle gewechselt haben, auf alle „Elektrosensiblen“ hochgerechnet werden, dann bedeutet das Schicksal „Elektrosensibilität“ wohl mindestens Hunderte persönlicher Katastrophen im betroffenen Teil der Bevölkerung.
(Wird fortgesetzt)

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragung 4

von Wuff » 28. April 2011 08:50

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 4

Wir kommen hier zu einer Stelle, an welcher ein Teil des zweiten Patientenfragebogens der Begleitstudie http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf mit dem Ärztefragebogen in Beziehung gesetzt wird.




Die folgende Frage wurde sinngemäss auch an die Ärzte gestellt.
  • Begleitstudie Seite 40: „Auf die Frage, ob sie glaubten, die gleiche Meinung von der Ursache ihrer Gesundheitsbeschwerden wie Ihr Arzt zu haben, waren 16 Patienten (70%) eher bis stark zuversichtlich, die selbe Meinung wie der Arzt zu haben und die restlichen 7 Patienten (30%)
    waren neutral oder unschlüssig (weiss nicht oder keine Antwort) (Tabelle 8 ). Bei den Ärzten waren die Antworten etwas heterogener, 57% glaubten, dass die Meinungen eher bis vollkommen übereinstimmen, 17% waren neutral und 26% glaubten eher bis überhaupt nicht, dass die Meinungen übereinstimmten.“


    Kommentar: Da wohl mindestens nahezu alle Patienten ihre Beschwerden auf EMF zurückführten, bedeutet „übereinstimmen“ im Klartext, dass EMF auch von den Ärzten für die Ursache gehalten werden. Bei circa 57% der Patienten war ihr Arzt der Meinung, es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen. Für eine knappe Mehrheit der Patienten hielten die Ärzte demnach EMF als schädigende Ursache der Beschwerden, bzw. als plausible Erklärung. Wir merken uns dieses Resultat, um es später mit den Ergebnissen der Fokusgruppe abzugleichen.
Hier die teilweise sozusagen spiegelverkehrte Frage an die Ärzte:
  • Begleitstudie Seite 41: „Gefragt zu den möglichen Ursachen der Beschwerden, schätzten die Ärzte bei 48% der Patienten das Ausmass des Einflusses der Umweltbelastung auf die Gesundheitsbeschwerden als plausibel bis gross ein.“ […] „Dabei waren die Ärzte bei 16 der Patienten (70%) überhaupt oder eher nicht der Meinung, dass somatische Erkrankungen einen grossen Einfluss auf die Gesundheitsbeschwerden hätten, bei nur 4 Patienten (25%) schätzten sie den Einfluss von somatischen Erkrankungen als eher gross ein.“ […] „Bei 7 Patienten (30%) wurde es als (eher) unwahrscheinlich eingeschätzt, dass psychische Belastungen die Gesundheitsbeschwerden (mit-)erklären können, bei 3 waren die Ärzte neutral oder wussten es nicht, und bei 13 Patienten (57%) wurde es als (eher) wahrscheinlich eingeschätzt.“

    Kommentar: Die Befragung der Ärzte gab ungefähr folgende Gewichtung der Ursachen der Beschwerden durch diese:
    • Umwelteinfluss EMF: circa 48%
    • körperliche Krankheiten: circa 25%
    • psychische Belastung: circa 57%.
    Mehrfachnennungen waren möglich. In ungefähr der Hälfte der Fälle hielten die Ärzte EMF aus eigener Anschauung bei diesen Patienten für eine plausible, alleinige oder mindestens wichtige Ursache der Beschwerden. Der hohe Wert für psychische Belastung wird nicht weiter analysiert. Einerseits ist der Einfluss der Psyche auf das körperliche Geschehen anerkannt, und andererseits kann auch die weiter oben angeführte, sehr starke „Durchseuchung“ der „Elektrosensiblen“ mit depressiven Erkrankungen als Folgeerkrankung zur EMF-Belastung interpretiert werden.

    Besonders bei komplexen Lagen ist es nicht immer einfach, Ursache und Wirkung auseinander zu halten:
    • Der a priori Ausschluss bestimmter ursächlicher Zusammenhänge ruft danach, dem Leser eine Ersatzursache als Erklärung anzubieten. Wer die physikalisch genau bestimmbaren EMF als Ursache für vermutete Gesundheitsstörungen a priori ausschliesst, der braucht eine möglichst wolkige Ersatz-Ursache, wozu sich in der Psychologie einige Mechanismen anbieten.
    • Es gibt auch Ursache-Wirkungs-Beziehungen in der Form des so genannten Teufelskreises (circulus vitiosus). Beim Teufelskreis ist nicht immer einfach zu ermitteln und zu unterschieden, was diesen in Gang gesetzt hat, und was ihn aufrechterhält. Entsteht eine Depression möglicherweise aus einer Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit, z.B. durch EMF? Hält die Depression möglicherweise davon ab, etwas gegen die Einwirkung einer Ursache zu unternehmen, z.B. gegen EMF? Gibt es noch Zwischenschritte, z.B. EMF als Ursache von Dauerstress, der erst die Depression verursacht?
    • Wo derart komplexe Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge mit stochastischen Elementen vorkommen, da können logische Kurzschlüsse leicht unbemerkt bleiben. Die grosse Häufigkeit von Depressionen bei „Elektrosensiblen“ kann entweder als Folge von EMF interpretiert werden, oder als Ursache der Überzeugung bei den Patienten, EMF seien gesundheitsschädigend.
    In diesem Fragenset wurden die Ärzte explizit nach der Plausibiltät des EMF-Einflusses auf die Gesundheit gefragt. Den Begriff „plausibel“ merken wir uns für den späteren Abgleich mit der Fokusgruppe.
Trotz ansatzweiser Darstellung von Korrelationen wurde auch bei dieser Fragenpaarung die Beschränkung auf deskriptive Statistik stark übertrieben. Jedermann hätte hier mindestens untersucht, in wie vielen Einzelfällen Übereinstimmung zwischen Arzt und Patient in der Frage nach der Ursache der Beschwerden herrschte.
  • Begleitstudie Seite 42: „Die Antworten der Patienten auf die Frage, ob Ihrer Meinung nach alle notwendigen Schritte oder Untersuchungen eingeleitet oder unternommen wurden, um ihnen zu helfen, korrelierten gut mit der Auffassung der Ärzte, die gleiche Vorstellung von den notwendigen nächsten Schritten zu haben.“

    Kommentar: Es fällt auf, dass die Autoren überhaupt einmal eine Korrelation komnentieren. Bei medizinischen Fragen unterlassen sie das. Das zeigt uns, dass die medizinischen Fragen blosses Beiwerk zu einer soziologischen Meinungsumfrage waren. Bei dieser reinen Meinungsfrage wurde eine Korrelation kommentiert, nämlich zwischen der Meinung der Ärzte und der Meinung der Patienten. Zu den auf Grund der Konsultation(en) eingeleiteten Schritten wurde nur die Meinung zu deren Notwendigkeit abgefragt.

    Der Effekt bzw. medizinische Nutzen der von den Ärzten eingeleiteten Schritte interessierte das Begleitteam anscheinend nicht, denn danach wurde offenbar auch nicht ansatzweise gefragt. Die Autoren sollten sich dann aber auch nicht wie in der Einleitung über das Fehlen evidenzbasierter Massnahmen beklagen, wie auf Seite 5 der Begleitstudie: („Damit können aus der bisherigen Forschung keine evidenzbasierten Massnahmen und Behandlungsansätze für Betroffene abgeleitet werden. Ohne solche Behandlungsrichtlinien („guidelines“) sind die ärztlichen Grundversorger mit diesen Fällen häufig überfordert.“
Bei den Befragungen der Patienten und der Ärzte wurden dem äusseren Anschein nach mehrheitlich medizinisch relevant erscheinende Fragen gestellt. Dieses erweckte bei den Ärzten und Patienten den falschen Eindruck einer medizinwissenschaftlichen Arbeit. Falsch war dieser Eindruck deshalb, weil die medizinisch relevanten Fragen nur deskriptiv ausgewertet wurden. Einzig Meinungsfragen wurden nach Korrelationen untersucht. Die Befragten unterlagen einer grossen Täuschung, denn der ganze Aufwand, den sich die Ärzte (und wohl auch die Patienten) mit den umfangreichen Fragebogen gemacht hatten, mündete nicht in eine medizinisch-wissenschaftliche Arbeit, sondern in eine Meinungsumfrage. Die vielen aus den Umfragen bei Patienten und Ärzten gewonnenen Daten wären grundsätzlich medizinisch auswertbar. Die Daten wurden aber bloss im Rohzustand (deskriptive Statistik) veröffentlicht. Die deskriptiv dargestellten Daten können auch durch Dritte nicht mit explorativer und schliessender Statistik erschlossen werden. Die rein deskriptive Darstellung lenkt davon ab, dass die Daten nicht wirklich ausgewertet wurden, sondern der Öffentlichkeit recht eigentlich vorenthalten wurden. Das Ergebnis wäre für die finanzierende Industrie gefährlich geworden, nämlich dass EMF Gesundheit und Befinden beeinträchtigen können.

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen

von Wuff » 27. April 2011 08:26

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 3


Wir sind hier beim zweiten Patientenfragebogen der Begleitstudie, Seite 31 von http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf .


Wir konzentrieren unser Augenmerk weiterhin darauf, wie die Autoren durch ihre Beschränkung auf die deskriptive / beschreibende Statistik medizinisch Augenfälliges ignorieren bzw. die Fragebogen nicht so auswerten, wie man sie auswerten könnte, nämlich nach möglichen Zusammenhängen. Die auf reine Deskription eingeschränkte Auswertung dieser umfangreichen Erhebung medizinischer Daten bedeutet, dass die Daten sozusagen als wertlose Halbfertigprodukte gelagert werden, und als Datenmüll vergammeln, während die möglichen Zusammenhänge unterdrückt werden. Statt der Mehrung medizinischen Wissens zu dienen, werden die halbrohen Daten von Dritten zur Diffamierung der EMF-geschädigten Patienten durch dubiose Personenkreise missbraucht, wie z.B. sinngemäss "Elektrosensible sind psychisch angeschlagen".

Dass kein einziger der sechs Studienautoren überhaupt Mediziner ist, ist den Autoren wohl ein willkommener Vorwand, sich nicht mit dem befassen zu müssen, was bei den Patienten unter EMF-Exposition geschieht.
  • Begleitstudie: „Die Patienten wurden gefragt, welche traumatischen Ereignisse sie während der 12 Monate vor der Befragung erlebt hatten.“

    Kommentar: Diese Frage wird normalerweise nicht einfach ohne Grund gestellt. Worauf diese Frage Antwort geben soll, haben die Autoren nicht einmal angedeutet, und sie haben sie auch nicht einmal in Verbindung zu anderen Fragen gesetzt. Die Beschränkung auf rein deskriptive Statistik wird hier auf die Spitze getrieben. Es hätte folgendes untersucht werden können:
    • Gibt es eine Korrelation von Trauma und Stresssymptomen oder Stressfolgeerkrankungen wie Depression?
    • Oder, wenn die Frage anders gestellt worden wäre, nämlich nach traumatischen Ereignissen vor Beginn einer „Elektrosensibilität“, gibt es eine Korrelation zwischen Trauma und dem Beginn von „Elektrosensibilität“?
    Vielleicht haben die Autoren für sich selbst oder für ihre Auftraggeber Korrelationen ermittelt, diese aber nicht veröffentlicht. Kein Aussenstehender kann solche aus den rein deskriptiv dargestellten Daten ermitteln, nur die an den Daten Berechtigten, und das sind möglicherweise nicht einmal die Ärzte. Der Verzicht auf Datenauswertung nach Zusammenhängen ist ein Skandal vor dem Hintergrund der kursierenden Theorie, dass der Beginn von „Elektrosensibilität“ mit traumatischen oder einschneidenden Erlebnissen der Patienten zusammenfalle.
  • Begleitstudie: „Die meisten Patienten waren der Meinung, dass ihr Leben „eher“ bis „sehr stark“ von den umweltbezogenen Gesundheitsbeschwerden beeinträchtigt wird.“

    Kommentar: Die Antworten zeigen die Intensität der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch EMF an. Auf Grund der starken gesundheitlichen Beeinträchtigung müssten EMF als gesundheitsschädigend betrachtet werden, und es müssten neben den thermischen Grenzwerten Grenzwerte für nicht thermische Effekte festgelegt werden. Das war nicht das erste Mal in dieser Studie und es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Autoren eindeutige Ergebnisse unkommentiert im Raum stehen lassen, welche als klares Anzeichen für die gesundheitsschädigende Wirkung von EMF hätten interpretiert werden müssen. Die Ergebnisse werden zwar weder verheimlicht noch gefälscht, sie werden aber mittels rein deskriptiver Statistikauswertung sozusagen sehenden Auges ignoriert, und mögliche Zusammenhänge werden unterdrückt.
  • Begleitstudie: „Auf die Frage, ob sich vor oder mit Beginn der Beschwerden in der Wohnung oder im Wohnumfeld etwas verändert habe, antworteten 25 (81%) mit „ja“. Dabei wurde am häufigsten eine neue Natelantenne in der Umgebung (11 Personen; 36%), andere EMF-Quellen (eigene oder von Nachbarn, z.B. W-LAN, Schnurlostelefon) (8 Personen; 26%) und/oder ein Umzug (5 Personen; 16%) genannt. Die gleiche Frage wurde bezüglich des Arbeitsumfeldes gestellt. Elf Personen (36%) gaben an, etwas habe sich vor oder mit Beginn ihrer Beschwerden in ihrem Arbeitsumfeld verändert“

    Kommentar: Änderungen im Wohnumfeld plus Änderungen im Arbeitsumfeld ergeben addiert 117%, also viel, sehr viel. Dieses müsste den Autoren zu denken und zu schreiben geben. Auch dieses Ergebnis wird nicht kommentiert sondern ignoriert. (Wir erfahren auch hier nicht, ob es auch Personen gab, bei denen weder zu Hause noch bei der Arbeit vor Beginn der Beschwerden eine EMF-Quelle dazu gekommen ist.)
  • Begleitstudie: „Ein Grossteil der Patienten (27; 87%) kann eine Minderung der Beschwerden feststellen, wenn sie der Umweltbelastung nicht ausgesetzt sind“

    Kommentar: Dieses ist ein klares Indiz für das Bestehen eines kausalen Zusammenhangs zwischen Exposition zu EMF und den Symptomen, vielleicht sogar das stärkste. Die Abwesenheit jeden Kommentars der Studienautoren fällt geradezu auf. Eine solche Häufung von Indizien würde unter normalen Umständen zu einem Schuldspruch für die EMF wegen Gesundheitsschädigung führen. Wir werden den Prozess verfolgen, mit welchem der Freispruch erfolgte.
  • Begleitstudie: „Die meisten können eine Minderung in den Ferien (20 Personen; 65%) oder ausserhalb des Hauses oder Arbeitsplatzes (17 Personen, 55%) feststellen; unter „anderes“ gaben viele an, fernab der Zivilisation oder im Wald/in der Natur keine Beschwerden zu haben.“

    Kommentar: Auch hier ergibt die Addition mehr als 100%, nämlich 120%, was sehr starkes Indiz für Kausalität ist. Wenn die Autoren noch die Zahl zu „viele“ von ausserhalb der Zivilisation offen legen würden, dann kämen wir vielleicht auf 170%. Die Additionen im Kommentar stammen nicht von den Autoren, sondern von Ihrem Kritiker. Dem kritischen Leser fällt auch hier auf, dass die Autoren nicht angeben, wie viele (möglicherweise keine?) Patienten keine Minderung bei Deexposition erfahren. Wir merkten uns diese Ignoranz gegenüber starken Indizien, damit wir unsere Erinnerung daran dort abzurufen können, wo die Autoren sich gegen Deexposition wenden.
  • Begleitstudie: „Alle Patienten empfanden mindestens eine Störung in ihrer Wohnung als lästig, im Durchschnitt waren es 3 Störungen. Am häufigsten genannt wurden Störungen durch elektromagnetische Felder (EMF)“

    Kommentar: Der Klammerausdruck bzw. die Erläuterung „EMF“ in der Klammer ist krass falsch, wenn gleich anschliessend auch „EMF von Hochspannungsleitungen“ genannt werden: Hochspannungsleitungen strahl keine „elektromagnetische Felder“ ab, sondern nur elektrische und magnetische. Das sind andere Felder als elektromagnetische, die auf andere Art und Weise auf die Moleküle in den menschlichen Zellen einwirken. Wir verweisen nochmals auf die grosse Bedeutung „Schärfe der Begriffe“ in der Wissenschaft, siehe viewtopic.php?p=58494#58484 .
  • Begleitstudie: „19 (61%) störten sich an Mobilfunkantennen, ebenfalls 19 Personen gaben „andere elektromagnetische Felder an, 13 (42%) störten sich an EMF von Schnurlostelefonen oder Handys und 7 (22%) an EMF von Hochspannungsleitungen“

    Kommentar: Die Häufigkeit von Mobilfunkantennen fällt mit 61% zwar auf; diese sind aber - über alle Feldquellen betrachtet - nicht die wichtigste, denn die Addition der anderen ergibt 135%.
  • Begleitstudie Seite 35: „Wenn die Patienten zu Hause das Fenster geschlossen halten, fühlten sie sich praktisch nicht (im Mittel 1.5 Punkte auf einer Skala von 0 (stört überhaupt nicht) bis 10 (stört unerträglich) vom Lärm von aussen gestört. Bei offenem Fenster wird durchschnittlich auf der gleichen Skala ein Wert von 2.9 angegeben; 4 Personen geben einen Wert von über 5 an.“

    Kommentar: Die Autoren verwenden nicht das Wort „Deexposition“, aber Deexposition zu Lärm ist anscheinend sehr wirksam. Warum wenden sie sich gegen Deexposition zu EMF? Um die Wirkungen von EMF leugnen zu können? Wer die Wirkungen von EMF leugnen will, der darf jedenfalls nicht zugeben, dass Deexposition zu EMF wirksam wäre.
  • Begleitstudie: „Am meisten Sorgen machten sich die Patienten über Mobilfunk-Sendeanlagen und die Benutzung von schnurlosen Festnetztelefonen (bei beiden gaben 26 Patienten (84%) „ziemliche“ oder „starke“ Sorgen an). Auch über die Benutzung von Handys und über Hochspannungsleitungen machten sich eine Mehrheit der Leute Sorgen (23 (74%) bzw. 21 (68%) gaben „ziemlich“ oder „stark“ an). Am wenigsten Sorgen machten sich die Leute über Teilnahme am Strassenverkehr, Verkehrslärm und UV-Strahlung. Dies ist in starkem Kontrast zu einer repräsentativen Befragung von ca. 2000 Schweizern, [...] wo die Umweltbesorgnis deutlich geringer war und sich die Teilnehmenden am meisten Sorgen wegen Luftverschmutzung und UV-Strahlen machten, jedoch Schnurlostelefone praktisch keine Besorgnis verursachten.“

    Kommentar: Diese Gegenüberstellung soll bei den Lesern der Begleitstudie wohl den Eindruck erwecken, als sei die Risikowahrnehmung der „elektromagnetisch Hypersensiblen“ völlig „ver-rückt“. Die Gefahren des Strassenverkehrs sind für alle, die keinen Unfall erlitten haben, bloss ein Risiko, eingetretene Gesundheitsstörungen durch Umwelteinflüsse sind hingegen ein bereits erlittener Schaden. Wenn der Schaden andauert, und wenn die Fortdauer unbestimmt ist, dann sind Sorgen zur Situation angebracht. Auch wenn das nicht die Absicht gewesen sein mag, diese Gegenüberstellung der Autoren ist sehr geeignet, die EMF-Geschädigten verächtlich zu machen. So kann jedenfalls nur schreiben, wer einen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen a proiri ablehnt, und damit die Aussagen der Betroffenen unwahr erscheinen lassen will.
  • Begleitstudie: „Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Vergleich der Expositionssituation der elektromagnetisch hypersensiblen Personen mit nicht-Sensiblen innerhalb der Qualifexstudie. Die grössten Unterschiede wurden dort nämlich für den Besitz von Schnurlostelefonen festgestellt. Während bei den nicht-Sensiblen rund 86% ein Schnurlostelefon besassen, war dieser Anteil bei den Elektrosensiblen nur etwa 70%. Dies deutet darauf hin, dass diesen Geräten von Betroffenen eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommt“

    Kommentar: Als ob die erhöhte Aufmerksamkeit nicht aus persönlichen Erfahrungen EMF-Geschädigter mit EMF bzw. mit DECT-Telefonen resultieren könnte! Wie ignorant kann man noch sein? Wie Karl Valentin, als er sinngemäss sagte: „Ich tu das so sehr nicht beachten, dass ich es gar nicht erst ignoriere!“? Kann dieser Unterschied partout nicht damit erklärt werden, dass diese Geräte tatsächlich bei einigen Personen unangenehme Symptome verursachen, wenn sogar tumbe Tiere Dinge meiden, mit denen sie unangenehme Erfahrungen gemacht haben?
  • Begleitstudie: „Interessanterweise lag aber der Anteil der Qualifex-Studienteilnehmenden, die sich sowohl bei der 2008er als auch bei der 2009er Erhebung als elektrosensibel bezeichneten deutlich geringer (4.6%). Das deutet darauf hin, dass bei einem Teil der Personen, diese Einschätzung transient ist.“

    Kommentar: Ist es nicht denkbar, dass nicht bloss die Einschätzung transient / vorübergehend sein könnte, sondern auch, dass die Reagibilität bei einigen Personen tatsächlich kommt und wieder verschwindet? Das wäre in der Medizin nichts Einzigartiges, denn auch bei Allergien kommt das vor.
  • Begleitstudie: „Der durchschnittliche Gebrauch eines Schnurlostelefons ist in Tabelle 7 aufgelistet. Die meisten Patienten (52%) benutzten nie ein Schnurlostelefon. [...]“

    Kommentar: Es werden statistische Angaben zur Nutzung vieler Arten von Geräten durch die Patienten gemacht. Die Autoren äussern weder dazu, dass viele Patienten nur auf einen Teil davon überhaupt empfindlich reagieren, noch dass in der modernen Welt der Elektronik kaum vollständig ausgewichen werden kann. Nach dem was wir bisher gelesen haben, überrascht es auch nicht, dass sie auch nicht in Erwägung ziehen, dass meidendes Verhalten ein Indiz für das Bestehen eines Zusammenhangs zwischen Exposition zu EMF und Beschwerden sein könnte.
  • Begleitstudie: „14 Patienten (45%) gaben an, zu Hause eine Abschirmvorrichtung gegen Elektrosmog zu benutzen. Dabei wurden häufig abschirmende Vorhänge/ Baldachine/ Storen oder Matten genannt. Andere genannte Abschirmvorrichtungen waren beispielsweise Abschirm-Chips fürs Mobiltelefon, ein Bodyguard“

    Kommentar: Chips etc. sind untaugliche Abschirm-Versuche, die nicht wirken können, und deren Anpreisung als Abschirmung einem Betrugsversuch gleichkommt. Chips als „Abschirmung“ zu bezeichnen ist völlig verkehrt, und hätte mindestens die Physiker unter den Autoren zu einem Veto veranlassen müssen.
  • Begleitstudie: „Obwohl dazu befragt, gaben viele Leute nicht an, ob sie die Abschirmvorrichtung als hilfreich beurteilen würden. Von den Personen, die etwas angegeben haben, empfand etwa die Hälfte die Vorrichtung als hilfreich und die andere Hälfte empfand sie als nicht hilfreich.“

    Kommentar: Wurde gefragt oder ausgewertet, welche Arten von Abschirmvorrichtung als nützlich beurteilt wurden? Betrügerische Mittel wie Chips wären mit Sicherheit Placebo. Wer wie die Autoren einen kausalen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen a priori ausschliesst, der wird aber sämtliche Abschirmmassnahmen nur als Placebo betrachten.
  • Begleitstudie: „19 Patienten (61%) hatten bereits einmal telefonischen oder brieflichen Kontakt zu einer Umweltfachstelle oder einer Umweltfachperson, alle (unter anderem) wegen
    elektromagnetischen Feldern. Bei 17 Personen (55%) wurde bereits einmal ein Hausbesuch
    durch eine Umweltfachperson durchgeführt.“


    Kommentar: Mit Hausbesuchen sind wohl Messungen gemeint. Wirtschaftlich betrachtet entspricht das einer Marktdurchdringung bei den „Elektrosensiblen“ durch die Baubiologie-Branche von 55%.

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen

von Wuff » 25. April 2011 08:34

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen 2


Wir setzen hier die kritische Analyse der Resultate aus den Patientenfragebögen fort. Wir sehen gleich, wie Selbstbeschränkung der Autoren der Begleitstudie auf die deskriptive / beschreibende Statistik benutzt wird, um Dinge ignorieren zu können bzw. unter den Teppich zu kehren, die bei einigermassen aufmerksamem Lesen auffallen müssten.
  • Begleitstudie: „Auf die Frage, welche Hauptbeschwerden die Betroffenen mit EMF / anderen Umwelteinflüssen in Verbindung brachten, nannten 11 Patienten (36%) als 1. Hauptbeschwerde Schlafstörungen oder Müdigkeit und 4 Patienten (13%) Kopfschmerzen. Auch im Basler umweltmedizinischen Beratungsprojekt waren Schlafstörungen die am häufigsten genannte Beschwerde bei den Personen, die EMF als Ursache vermuteten, gefolgt von Kopfschmerzen. [...]Wenn alle genannten Symptome berücksichtigt wurden, zählten insgesamt 19 Personen (61%) Schlafstörungen und 9 (29%) Kopfschmerzen zu ihren Hauptbeschwerden in Zusammenhang mit Umwelteinflüssen “

    Kommentar: Diese Beschwerden deuten auf neurologische oder neuroendokrine Pfade der Beeinträchtigung durch EMF.
  • Begleitstudie: „Die übrigen genannten Beschwerden waren sehr heterogen (Beispiele: Bluthochdruck, Verspannung/Muskulatur, Epilepsie).

    Kommentar: Im Zusammenhang mit EMF ist die Vielfalt von nicht spezifischen Symptomen, für welche verschiedenste Ursachen in Frage kommen können, nichts Neues. So wie von den Autoren unkommentiert in den Raum gestellt suggeriert das so etwas wie „Beschwerden haben keinen kausalen Zusammenhang mit EMF“. Die Autoren hätten schreiben können, dass EMF möglicherweise mit anderen Krankheitsursachen zusammenwirken, oder dass es beispielsweise mindestens für hoch- und niederfrequente Felder je unterschiedliche Ursache-Wirkungs-Ketten geben dürfte, - sie beschränken sich darauf, die Symptome zusammenhanglos in den Raum zu stellen.
  • Begleitstudie: „Rund die Hälfte der Patienten bezeichneten ihren Gesundheitszustand als gut bis ausgezeichnet (Abbildung 11). 5 Patienten (16%) schätzten ihren Gesundheitszustand als schlecht ein. Diese Einschätzung ist deutlich schlechter im Vergleich zu einer repräsentativen schweizerischen Bevölkerungsstichprobe [17], wo 87% ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gutbezeichneten. [...]Allerdings ist ein solcher Unterschied zu einer repräsentativen Stichprobe auch zu erwarten, da an der UMBN ausschliesslich Personen mit bestehenden Gesundheitsbeschwerden teilnahmen.[...]“

    Kommentar: Jeder andere Wissenschaftler hätte hier einen kausalen Zusammenhang zwischen EMF und dem Gesundheitszustand zumindest in Erwägung gezogen. Die Autoren beschränken sich auf die Bemerkung, dass sich nur Personen mit Gesundheitsbeschwerden an die Netzärzte gewandt hätten, ohne den Grund für diese anzugeben, nämlich EMF.
  • Begleitstudie Seite 24: „[...]Auch der psychische Gesundheitszustand (Abbildung 13) lag mit durchschnittlich 38.9 Punkten deutlich unterhalb den Europäischen (47.8 bis 52.9) Normen und dem Wert der Schweizerischen Befragung (46.3).“

    Kommentar: Rein deskriptiv in den Raum gestellt, suggeriert diese Angabe zum „psychischen Gesundheitszustand“ dem Leser, die EMF-Geschädigten seien eine Gruppe von Spinnern. Müsste man hier in Verbindung mit Abbildung 16 auf Seite 28 von http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf nicht an Depression als Folgeerkrankung von EMF-Belastung denken? Kann man so blind sein, das nicht zu erkennen? Liegt die Ignoranz des medizinisch Offensichtlichen darin begründet, dass kein einziger der sechs Mitautoren der Begleitstudie Mediziner ist?
  • Begleitstudie: „Der Gesundheitsfragebogen enthielt eine Liste von insgesamt 70 Symptomen (von Zerssen Liste) sowie weitere unspezifische Symptome. [...] Am häufigsten genannt (Angabe ‚ein bisschen’ bis ‚stark’) wurden Schlafstörungen, Müdigkeit und Energielosigkeit (alle 32 Patienten), Konzentrationsprobleme (29), rasche Erschöpfbarkeit (29 ), innere Gespanntheit (28 ), gedrückte Stimmung/Unlust (28 )[...]“

    Kommentar: Die einzelnen Symptome als solche mögen unspezifisch sein. Die Häufigkeit der Symptome ist klar überzufällig, auch unter Berücksichtigung, dass das Patientenkollektiv nur klein ist.
  • Begleitstudie: „[...] Kopfschmerzen (24), Ohrgeräusch (24), Probleme mit Kurzzeitgedächtnis (24), Schwindel/Gleichgewichtsstörungen (24). Die am häufigsten im Zusammenhang mit der Umweltbelastung genannten Symptome waren Müdigkeit , innere Gespanntheit und Energielosigkeit (90% der Patienten vermuteten einen Zusammenhang mit der Umweltbelastung), Schwindel/ Gleichgewichtsstörungen (83%), Kopfschmerzen (83%), Schlafstörungen (80%) und Konzentrationsprobleme (79% “

    Kommentar 1: Auch diese Symptome werden in anderen Erhebungen derart häufig in Verbindung mit EMF genannt, dass eine Korrelation (noch nicht notwendigerweise eine Kausalität) klar erscheint. Die eben genannten Symptome ergeben zusammen mit den weiter oben genannten Symptomen ein Bild, das als typisch, wenn nicht als spezifisch / kennzeichnend für EMF-Schädigung bezeichnet werden kann.

    Kommentar 2: Wurde nach Hochfrequenz- und Niederfrequenz-EMF-Immissionen differenziert? Wenn die von den Autoren sonst geübte Unschärfe der Begriffsverwendung in Betracht gezogen wird, dann wohl eher nicht.
  • Begleitstudie Seite 27: „Der Score für die Qualität des Schlafes wurde anhand von 4 Fragen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung berechnet. Es wird gefragt, wie oft die Leute schlecht einschlafen, einen unruhigen Schlaf haben und wie oft sie nachts mehrmals erwachen oder morgens zu früh erwachen.“

    Kommentar: Gab es eine Gegenüberstellung zur Art der EMF (Hochfrequenz / Niederfrequenz)?
  • Begleitstudie: „Im Patientenkollektiv lag der Punktwert zwischen 3 und 20 Punkten. 20 Personen (65%) litten an einer wesentlichen Depressivität (Punktwert über 10), wovon 16 (52%) von einem mittleren, 2 (7%) von einem ausgeprägten und 2 (7%) vom schwersten Ausmass betroffen“

    Kommentar: (Hier fällt spontan ein: Au weia! Den Patienten gute Besserung!) Wenn zwei Drittel eines Patientenkollektivs an einer „major depression“ leiden, und wenn dieses den Autoren nicht auffällt und keinen Kommentar wert ist, dann verwundert das doch sehr.
    • Jedem aufmerksamen Leser der Umfrageresultate fällt sofort die Häufigkeit des Auftretens von Depression auf. Selbst wenn das befragte Patientenkollektiv klein ist, kann das kaum Zufall sein.
    • Selbst Menschen mit nur minimaler Allgemeinbildung vermuten hier sofort, dass Depression ein spezifisches Symptom bei EMF-Exposition sein könnte.
    • Wer sich mit Stress befasst hat hat, der weiss, dass Depression ist eine Folgeerkrankung von Dauerstress ist, auch von physikalischem Stress wie Stress durch Strahlung.
    • Dauerstress und Depression können zu neurologischen Folgeschäden wie Abbau gewisser Hirnareale führen. Das ist in keiner Weise harmlos.
    Wir merken uns das, um uns dort wieder daran zu erinnern, wo behauptet wird, es existiere kein Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen.
(wird fortgesetzt)

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Patientenbefragungen

von Wuff » 24. April 2011 11:22

„Begleitstudie“ zum Beratungsnetz (4) Resultate Patientenbefragungen


In diesem Strang, der an den letzten Beitrag im Strang (3) zum allgemeinen Teil anschliesst, besprechen wir die durch Fragebögen bei den Patienten erhobenen Datensätze und ihre Aufbereitung sowie die Kommentierung durch die Autoren der Begleitstudie.
  • Begleitstudie Seite 15: „In Anbetracht der kleinen Stichprobengrösse wurden die Daten in erster Linie deskriptiv analysiert. “

    Kommentar: Die Zahl der vollständig ausgewerteten Patientenfragebögen war tatsächlich klein (siehe Darstellung auf Seite 17 der Begleitstudie):
    • Fragebogen vor 1. Konsultation: n=36
    • Fragebögen zusätzlich nach 1. Konsultation: n=29
    • Fragebögen 1 Jahr nach der 1. Konsultation: n=21
    Vor allem die letzte Zahl (n=21) ist zu klein, um auch noch Untergruppen zu bilden, deren Ergebnisse sich signifikant unterscheiden sollten. Aber selbst diese kleine Anzahl (n=21) war allemal ausreichend, um Tendenzen zu erkennen, mehr aber noch dort, wo nur der erste Fragebogen zurückgesandt wurde (n=36).

    Deskriptive Statistik bedeutet die Aufbereitung in Tabellen und Grafiken, aber nicht die Auswertung von Zusammenhängen; von Wikipedia etwas wissenschaftlicher ausgedrückt: "Die deskriptive Statistik verwendet keine stochastischen Modelle, so dass die dort getroffenen Aussagen nicht durch Fehlerwahrscheinlichkeiten abgesichert sind. Dies kann durch die Methoden der schließenden Statistik erfolgen, sofern die untersuchten Daten den dort unterstellten Modellannahmen genügen."

    An die deskriptive Statistik schliesst die explorative an. Wieder gemäss Wikipedia: "Die explorative (erkundende) Statistik hat darüber hinaus zum Ziel, bisher unbekannte Strukturen und Zusammenhänge in den Daten zu finden und hierdurch neue Hypothesen zu generieren."

    Die Hypothese der Begleitgruppe (und ihrer industriellen Auftraggeber) war offensichtlich, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen gebe. Folglich gab sich die Begleitgruppe mit der Beschreibung der Resultate der Befragungen zufrieden, ohne ihr alternatives Erklärungsmodell näher zu begründen.

    Wir aber werden nachfolgend die Resultate auch explorativ analysieren, d.h. prüfen, ob und wie sie die Hypothese, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen gebe. Wir werden Interessantes finden ...

    Wegen der wie erwähnt kleinen Stichprobengrösse, aber vor allem weil uns die Detaildaten für Auszählungen nach bestimmten Merkmalen fehlen, können wir nicht bis zur schliessenden Statistik kommen; zu dieser wiederumg Wikipedia: "Diese auf Stichprobendaten beruhenden Hypothesen können dann im Rahmen der schließenden Statistik mittels wahrscheinlichkeitstheoretischer Methoden auf ihre Allgemeingültigkeit untersucht werden."

    Wir können hier nur schreiben, was man nach welche Merkmalen hätte auszählen können.

    Voraussetzung für statistisch gesicherte Aussagen zum kausalen Zusammenhang zwischen EMF und Symptomen wäre also eine wesentlich grössere Anzahl Patienten, die von systematisch von wissenschaftlich interessierten Ärzten untersucht werden.
  • Begleitstudie: „Ein Teil der Fragen wurde aus anderen Studien übernommen und die Ergebnisse wurden dann jeweils mit den entsprechenden Gruppen verglichen. “

    Kommentar: Bei Verwendung gleich lautender Fragen können die mit den Fragebögen ermittelten Häufigkeiten und Ausprägungen von Eigenschaften der Patienten mit anderen Patientenkollektiven und mit einem Bevölkerungsdurchschnitt verglichen werden. Wie alles, was im Prinzip gut ist, kann auch diese Methode missbraucht werden. Die Begleitstudie wurde denn auch prompt für diskriminierende und herabsetzende Aussagen in der Art von „Elektrosensible sind psychisch angeschlagen“ verwendet.
  • Begleitstudie Seite 18: „Die 185 Patienten, die sich bei der telefonischen Anlaufstelle meldeten [...] Im Durchschnitt betrug für Frau Dr. Steiner die mittlere Bearbeitungsdauer pro Person, die mit der telefonischen Anlaufstelle Kontakt aufnahm, 88 Minuten. “

    [Kommentar]: Dieses bedeutet wohl 273 Stunden Bearbeitungsdauer, ein grosser Aufwand, der vermutlich nicht adäquat bzw. nicht zum vollen Arzttarif entschädigt wurde. Chapeau!
  • Begleitstudie: „72% der Patienten waren Frauen. “

    Kommentar: Prima vista scheinen Frauen anfälliger auf EMF-Beschwerden zu sein. Gibt das Hinweise auf einen möglichen Wirkmechanismus?
  • Begleitstudie: „22% hatten einen Universitätsabschluss, 26% hatten einen Abschluss auf Maturitätsniveau oder eine höhere Berufsausbildung (z.B. Meisterdiplom, Fachhochschule)“

    Kommentar: Angesichts der vergleichsweise niedrigen Maturanden- bzw. Abiturienten- und Hochschulquoten in der Schweiz deutet das auf wohl überdurchschnittliche Intelligenz der teilnehmenden Patienten. Ist es plausibel, dass sämtliche dieser Personen ausnahmslos irren, wenn sie zu Beeinträchtigungen bei Exposition zu EMF ebendiese EMF für die Ursache halten, wie die Autoren am Ende ihrer Studie sinngemäss urteilen werden?
  • Begleitstudie Seite 21: „[...] dabei wurden von 142 der Patienten (79%) hochfrequente elektromagnetische Strahlungsquellen genannt (z.B. Mobilfunkbasisstationen, Funktelefone) und bei 80 Anfragen (44%) niederfrequente elektromagnetische Quellen (z.B. Hochspannungsleitungen, [...]“

    Kommentar: Hochspannungsleitungen strahlen nicht elektromagnetische Felder ab, sondern elektrische und magnetische ( http://www2.ifh.ee.ethz.ch/~pascal/Hochspann/ ). Bei einem solchen Umgang mit der Einflussgrösse kommt fast zwangsläufig der Gedanke auf, dass den Autoren die Einflussgrösse in Wirklichkeit egal war, wenn sie nur - den Erwartungen der Auftraggeber gemäss - ihr Vorurteil bekräftigen konnten, EMF seien harmlos. Der Übergang von elektrischen und magnetischen Feldern zu elektromagnetischen liegt bei circa 40 kHz.
  • Begleitstudie: „[...] elektrische Geräte) (Mehrfachnennungen möglich). “

    Kommentar: Viele elektrische Geräte strahlen weit unter 40 kHz. War die begriffliche Unschärfe bei der Einflussgrösse ( viewtopic.php?p=58484#58484 ) in Gleichgültigkeit, Unfähigkeit oder Absicht begründet? Alle drei Varianten würden ein schlechtes Licht auf die Autoren werfen. Wenn möglicherweise Absicht zu Grunde lag, dann welche? Sollte davon abgelenkt werden, dass die Exposimeter nur hochfrequente elektromagnetische Felder erfassen konnten? ( http://www.mobile-research.ethz.ch/var/ ... t_2011.pdf Seite 12 Tabelle 1) Oder taten sie das, weil bei Hochfrequenz im Mikrowellenbereich der „Beweis“ der Nichtexistenz von biologischen Effekten unterhalb der thermisch bestimmten Grenzwerte viel einfacher darzustellen ist als bei niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern?
  • Begleitstudie: “Am häufigsten wurden Schlafstörungen (41%) und Kopfschmerzen (23%) genannt (Abbildung 10). Bei den 163 Patienten, die ihre Symptome auf hoch- oder niederfrequente elektromagnetische Felder (EMF) [...]“

    Kommentar: Sind mit niederfrequenten elektromagnetischen Feldern die niedrigsten dieser Art, ab circa 40 kHz gemeint, d.h. beispielsweise Sparlampen? Oder schliesst die Ausdrucksweise auch niederfrequente Felder ein, d.h. elektrische und magnetische Felder unter circa 40 kHz? Bei der Unschärfe der Begriffsverwendung durch die der Autoren erscheint alles möglich.
  • Begleitstudie:“ [...] zurückführten, war der Anteil an Personen mit Schlafstörungen sogar etwas höher (48%). Es wurde eine sehr breite Palette an Symptomen genannt, unter „andere Symptome“ wurden z.B. Augenentzündung, Epilepsie, Asthma oder Schmerzen an Händen und Füssen erwähnt. “

    Kommentar: Hier hätte versucht werden können, Korrelationen bestimmter Feldquellen mit bestimmten Symptomen zu finden. Hier umfasste die Grundgesamtheit immerhin 155 Personen. Aber das interessierte die Autoren offenbar nicht.
  • Begleitstudie: „2 Personen (39%) nannten ausschliesslich hochfrequente Quellen (z.B. Mobilfunkantennen), 2 (7%) ausschliesslich niederfrequente Quellen (z.B. Eisenbahnlinien, Hochspannungsleitungen, elektrische Geräte) und 17 (55%) nieder- und hochfrequente Quellen“

    Kommentar: Immerhin 62% nannten mindestens auch niederfrequente Feldquellen! Die Frage stellt sich hier nochmals und verschärft: Warum wurden nur Hochfrequenz-Exposimeter eingesetzt?
  • Begleitstudie Seite 23: „Um Aussagen über eine möglichst homogene Gruppe machen zu können, wird im Folgenden nur noch auf die 32 Patienten eingegangen, die ihre Beschwerden mit elektromagnetischen Feldern in Verbindung bringen.“

    Kommentar: (Aus dem Zusammenhang müssen wir annehmen, dass die Autoren in ihrem Begriff „elektromagnetische Felder“ auch elektrische und magnetische Felder einschlossen.) Zu immerhin 31 EMF-Patienten lagen Fragebögen sowohl vom Patient und als auch vom Arzt vor. Das sind fast doppelt so viele als die 17, zu denen auch die zweiten Fragebogen retourniert wurden. Von den 31 bzw. 32 hätten auch Auswertungen erstellt werden können, welche die genannten Symptomen den wichtigsten EMF-Quellen zuordnen, und aus denen möglicherweise Anzeichen für Wirkungsketten erkennbar gewesen wären. Warum wurde das nicht getan? Das war zwar nicht das Ziel der Begleitstudie, es könnte aber die wissenschaftlich interessierten unter den Ärzten interessiert haben. Uns hätte es jedenfalls interessiert.
(wird fortgesetzt)

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