Handys wirklich ungefährlich!?

Remo

Handys wirklich ungefährlich!?

Beitrag von Remo » 12. September 2006 08:44

Das Oltner Tagblatt, bekannt für seine Handy-Liebe, daselbst zwei Mega-Sender auf dem eigenen Dach, berichtet heute voller Freude:



WHO-Studie beweist: «Handys ungefährlich»

Krebs Mobiltelefone erhöhen das Krankheitsrisiko nicht


Auch bei unsachgemässem Gebrauch wird die Gesundheit von Handybenutzern nicht gefährdet. Das ist das Ergebnis einer von der WHO initiierten internationalen Studie.

JöRG ABERGER, AP

Selbst bei unsachgemässem Gebrauch gefährden Handys nicht die Gesundheit. Auch in der Nähe von Mobilfunkbasisstationen und Antennenmasten ist kein erhöhtes Krankheitsrisiko erkennbar. Das ergab eine internationale Studie, über die die Mainzer Wissenschafterin Maria Blettner gestern zum Auftakt der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Leipzig berichtete. Gleichwohl gebe es Menschen, die an scheinbar durch elektromagnetische Felder ausgelösten Beschwerden litten.

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte Studie wurde laut Blettner in 13 Ländern nach genau festgelegten Kriterien durchgeführt. In Deutschland nahmen 30 000 Menschen daran teil. «Momentan führen wir noch in 3000 Wohnungen Messungen zur Stärke der elektromagnetischen Felder durch», erklärte die Forscherin. Bereits jetzt könne man sagen, dass Handynutzer kein erhöhtes Krebsrisiko haben.

In Deutschland nutzen derzeit rund 60 Millionen Menschen Mobiltelefone. Die Gespräche laufen über mehr als 51 000 Basisstationen und rund 280 000 Antennen. «Die elektromagnetischen Felder sind übrigens am Handy selbst deutlich stärker als an einer Basisstation», betonte Blettner. Dennoch werde momentan eine weitere Studie ausgewertet, die der Frage nachgehe, ob es in der Nähe solcher Mobilfunkstationen eine Häufung von Leukämieerkrankungen bei Kindern gebe. Erste Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Beschwerden wegen Elektrosmog

Auch wenn es derzeit keinen unmittelbar nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Mobilfunk und Gesundheitsstörungen beim Menschen gebe, klage eine ganze Reihe von Menschen über Beschwerden, die sie dem Elektrosmog zuschrieben, sagte Blettner. So würden körperliche und geistige Erschöpfung auf die Sendemasten der Mobilfunkbetreiber zurückgeführt. «Dabei wissen die meisten Patienten nicht, ob sie in der Nähe einer solchen Anlage wohnen», betonte die Direktorin des Mainzer Universitätsinstituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik.

Nach wie vor machen sich die Menschen der Studie zufolge Sorgen um die Wirkung des Elektrosmogs. Dabei stellten die Forscher in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle fest: Norddeutsche seien im Hinblick auf elektromagnetische Felder weniger besorgt als Süddeutsche. Auch bei den vermeintlichen Erkrankungen durch Elektrosmog wurde dieser Unterschied festgestellt.

Einfache Vorbeugung ist möglich

Um die Restbelastung zu verringern, sollten sich Nutzer an ein paar wenige Hinweise halten. Laut Blettner senden Handys beim Gesprächsaufbau mit stärkerer Leistung. Deshalb werde die Belastung durch elektromagnetische Felder vermindert, wenn man das Gerät erst nach Zustandekommen der Verbindung ans Ohr halte. Auch durch Verwendung eines Headsets werde die Strahlenbelastung geringer. JE BESSER DER EMPFANG SEI, DESTO GERINGER SEI DIE SENDELEISTUNG DES GERäTS. IN GEBäUDEN ODER FAHRZEUGEN SEI DIE LEISTUNG STäRKER ALS IM FREIEN.

Evi

Re: Handys wirklich ungefährlich!?

Beitrag von Evi » 12. September 2006 09:51

Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Aussendung durch ap, die nicht nur im Oltner Tagblatt, sondern auch in anderen Schweizer Zeitungen mit 3 cm hohen Balkenüberschriften zu lesen ist.

Was wir von der WHO zu halten haben, nachdem diese jahrzehntelang durch den Tabakkonzern Philip Morris bestochen wurde und die Schädlichkeit des Passivrauchens leugnete, wissen wir zwar, auch um die zwielichtige Rolle von Mike Repacholi in der WHO, aber in der breiten Öffentlichkeit ist offenbar das, was die WHO schreibt, sakrosankt, wird immer noch geglaubt wie das Evangelium und der Katechismus.

Es muss eine unserer wichtigsten Aufgaben sein, diese Machenschaften aufzudecken. Eigentlich ist es grauenvoll, dass eine Weltgesundheitsorganisation, die sich für die Weltgesundheit einsetzen müsste, das genaue Gegenteil tut: nämlich durch gezielte Falschinformationen die Gesundheit der Menschen zu schädigen, gerade so, als hätte sie die Aufgabe, die Weltbevölkerung nicht zu schützen, sondern zu dezimieren.

Evi

Mo

Re: Handys wirklich ungefährlich!?

Beitrag von Mo » 12. September 2006 11:05

Aber genau das ist ja auch ein Problem! Zeitungen wie das Oltner Tagblatt sind längst im Verbund mit der MZ (Mittelland Zeitung), die übernehmen dann den überwiegenden Teil einfach so. Dann noch ein paar Seiten Lokales rein und basta. Die eigene Meinung der Zeitungen wird kleiner, da werden dann einfach massenweise Berichte der AP und andern Agenturen übernommen - samt Titelzeilen. Das ist eine schlechte Entwicklung für unsere Medien. Uebrigens der Online-BLICK ging auch darauf ein, immerhin zitierte er auch noch einen kritischen Forscher - das ist ja schon mal ein Fortschritt! Und er setzt erst noch ein Fragezeichen hinter seine Headline........

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Handy-Strahlung doch nicht gefährlich?

11.09.2006 | 22:25:56

LEIPZIG/ZÜRICH – Auch in der Nähe von Antennenmasten ist kein erhöhtes Krebssrisiko erkennbar. Das ergab eine Studie in Deutschland. Ein Schweizer Experte zweifelt allerdings.


Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO initiierte Studie wurde in 13 Ländern nach genau festgelegten Kriterien durchgeführt. In Deutschland nahmen 30´000 Menschen daran teil. «Momentan führen wir noch in 3000 Wohnungen Messungen zur Stärke der elektromagnetischen Felder durch», erklärte Wissenschaftlerin Maria Blettner. Bereits jetzt lässt sich aber nach ihren Angaben sagen, dass Handynutzer auch in der Nähe von Mobilfunkbasisstationen und Antennenmasten kein erhöhtes Krebsrisiko haben.

Ist die Angst vor gesundheitlichen Schädigungen von Handy-Dauerbenutzern also unbegründet? Albert von Däniken vom Schweizer Kompetenzzentrum für Elektrosmog will keine Entwarnung geben: «Es ist generell fragwürdig, wenn aufgrund einer einzelnen Untersuchung eine pauschale Äusserung gemacht wird», sagte er zu Blick Online. Der Experte betonte allerdings, dass er die betreffende Studie noch nicht kenne.

Ausserdem, so von Däniken, liege es in der Natur der Sache, dass ein Negativbeweis kaum je zu erbringen sei. Eine wissenschaftliche Untersuchung könne das Fehlen einer Wirkung nicht «beweisen». Sinnvoll sei deshalb nach wie vor, die Strahlung so gut als möglich zu reduzieren.

Selbst Blettner rät, trotz der neuen Erkenntnisse einfache Vorbeugemassnahmen zu treffen: Da Handys beim Gesprächsaufbau mit stärkerer Leistung senden, soll man das Gerät erst nach Zustandekommen der Verbindung ans Ohr halten. Auch durch Verwendung eines Headsets werde die Strahlenbelastung geringer.

Mo

Nachtrag BLICK

Beitrag von Mo » 12. September 2006 11:08

Der BLICK führt übrigens eine viel beachtete Leserbriefseite auf seinem Online-Portal, jeden Abend werden die Briefe veröffentlicht, da könnte man auch mal was schreiben, bisher war es auf jenen Seiten eher ein Tabu-Thema.

http://www.blick.ch/feedback/feedback

Wenn man lieber möchte, dass der Leserbrief ausschliesslich auf der Online-Plattform veröffentlicht wird und nicht auch zusätzlich im Print-BLICK, dann kann man das erwähnen.

open mind

Benennungen und Beeinflussungen... Nomen (non) est omen...

Beitrag von open mind » 12. September 2006 11:41

george orwell hat in seinem roman 1984 bereits eindrücklich aufgezeigt, dass in totalitären systemen die benennungen von einfluss nehmenden institutionen gezielt um 180 grad ins beruhigende verdreht wurden, so z. b.

ministerium für den frieden (für kriegsministerium)
ministerium für wahrheit (propaganda-ministerium)
usw.

da verwundert es doch eigentlich keinen mehr, dass in heutigen zeiten der 'totalitären schlacht um informationen und verdeckter bis offener bewusstseinsmanipulation'

eine WHO nicht zwangsläufig die gesundheit der menschen schützt, sondern streng genommen sich lediglich mit diesem thema beschäftigt.

angesichts der sich klar lebensfeindlich auswirkenden haltung des bundesrates und des BAG (bundesamt für? gesundheit...) in der frage der komplementärmedizin, ist auch unsere 'offene und demokratische' gesellschaft offenbar nicht vor solchen sich einschleichenden verwechslungen gefeit...


enttäuscht bin ich von der sog. vierten macht im staat: die journalisten recherchieren praktisch nichts mehr selber und haben wie die masse der berieselten aufgehört selber zu denken bzw. haben den mut verloren, allf. eigene gedanken in eine befruchtende, läuternde diskussion einzubringen, die uns aus diesem unsäglichen nebel langsam das nötige licht ins dunkel und den klaren blick brächte.


liebe grüsse
open mind

gesuana

Re: Benennungen und Beeinflussungen... Nomen (non) est omen.

Beitrag von gesuana » 12. September 2006 19:43

Der Journalismus geht qualitativ Richtung Uniformierung und Instrumentalisierung - ob das nun an der Mutlosigkeit der Berufsleute liegt oder an der Zwangslage per Verordnung von oben bleibt dahingestellt. Zudem spielen sich Journalisten immer mehr auf , aufgrund ihres Machtbewusstseins , vermute ich . Fehlende Auseinandersetzung mit den tieferen Schichten der Themen , dafür grosskotziger Formulierungsstil . Fällt mir immer schwerer , gute Artikel zu finden.
gesuana

Elisabeth Buchs

Zwei Studien

Beitrag von Elisabeth Buchs » 13. September 2006 20:05

Beim Lesen des Artikels im OT bin ich drüber gestolpert, ja halt, das tönt wie zwei Studien. Und so war es auch: Es handelt sich einerseits um die Interphone-Studie zu Hirntumoren bezüglich Handynutzung, anderseits geht es um die QUEBEB-Studie, die heute an einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie vorgestellt worden ist.

Weitere Zeitungsartikel zu diesem Thema:
http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland ... cnt=966714 (auch hier werden die beiden Studien vermengt)
http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=16087

Link zur Tagung der GMDS:
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)
www.gmds.de

Von dieser Studie mit dem Titel "Querschnittstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen" ist die Rede:
http://www.emf-forschungsprogramm.de/fo ... i_020.html
Hierzu gibt es einen Zwischenbericht zum Abschluss der Pilotphase
und einen Zwischenbericht zum Abschluss der Basiserhebung.

Prof. Dr. Maria Blettler der Uni Mainz ist sowohl bei Interphone wie bei der QUEBEB-Studie involviert.

Ich habe in diese beiden Zwischenberichte reingeschaut. Was mir aufgefallen ist:
30 000 Personen beteiligten sich an der Befragung.
Besorgnis wegen Antennen wird in der Studie stark einbezogen (wobei man hier bedenken sollte, wenn sich eine Besorgnis bei jemandem über längere Zeit als unbegründet herausstellt, versandet sie von selbst wieder).
32 % der Personen, die angaben, dass sie in der unmittelbaren Nähe einer Basisstation wohnen, dass sie stark oder mässig unter Konzentrationsstörungen leiden. In der Gruppe, die nicht angibt, in der Nähe einer BS zu wohnen, sind es nur 17 &. Für Schlaflosigkeit ergeben sich ganz ähnliche Unterschiede. Die Ergebnisse zeigen demnach zunächst rein deskriptiv eine knappe Verdoppelung der Beschwerdeprävalenzen in der Gruppe, die sich subjektiv durch BS-Nähe exponiert fühlt. Diese Ergebnisse sind natürlich in der Hauptstudie durch die Berücksichtigung von anderen Expositionsindikatoren und zusätzlichen Confoundern weiter zu analysieren und bewerten. (Mittels Confoundern und statistischer Glättung lässt sich wenn man will, einiges am Studienergebnis anpassen, hoffen wir, dass trotz der mir nicht gefallenden Sprüchen (gemäss Journalisten) von Prof. Blettler mit den stärkeren Handys und den fehlenden Beweisen Wissenschaft im richtigen Sinn betrieben wird.

Elisabeth Buchs

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