Freie Sicht zu TV-Türmen

Mark

Freie Sicht zu TV-Türmen

Beitrag von Mark » 10. Dezember 2006 10:31

Ich habe in einer Broschüre gelesen, dass TV- und Radiosendeanlagen in wenigen Km. Entfernung (bei freier Sichtverbindung) genauso schlimm seien wie ein Handymasten im unmittelbarer Nähe. Stimmt das wirklich? Auch hat glaub ich Herr Jakob einmal beschrieben, dass jede Wand dazwischen die Strahlung um den Faktor 2 halbiert. Stimmt das in etwa so?

Wir leben hier in ca. 4 Km Entfernung zu einem solchen Masten mit einer Sendeleistung von ERP 40 KW (TV, Radio, Digital-TV) und freier Sicht. Wir haben sehr grosse Fenster, Backstein-Wände so dick wie Karton und stellen fest, dass die Leute hier zunehmend unruhig schlafen oder sonst kränkeln seit in 500 Meter Entfernung eine UMTS-Anlage (keine Sichtverbindung) errichtet worden ist. Könnte sein, dass es die Summe von allem ist, die Probleme bereiten.

Wie auch immer: bald werde ich wegziehen, werde dann keine Sicht mehr auf diesen TV-Turm haben, dafür einige kleinere Liegenschaften davor.

Frage: stimmt es tatsächlich, dass Isolation resp. Hindernisse (also Wände, Mauern, Häuser) davor die Strahlung jeweils pro Wand halbieren können? Merci!

unwichtig

Re: Freie Sicht zu TV-Türmen

Beitrag von unwichtig » 10. Dezember 2006 13:02

Ich denke so einfach ist es nicht mit HF, es können sich leicht hässliche Reflektionen an allen möglichen Hindernissen einstellen mit allen möglichen Effekten bis hin zur Verstärkung.

Glaube aber nicht unbedingt das der TV/Radio Sender so ein riesen Problem darstellt, das Teil steht ja sicher nicht erst seit gestern da und er sendet ja wohl keine gepulste HF, die für unseren Körper anscheinend besonders schlecht ist. Man hätte also schon länger Probleme sehen sollen? Aber wer weiß schon ganz genau was in dem ganzen Salat an Strahlung und durch Reflexionen und der Gleichen passiert oder besser wie reagiert unser Körper darauf?

Ich würde das ganze mal möglichst akribisch vermessen und einen Plan dazu machen. Messungen an verschiedenen Tagen/Uhrzeiten wiederholen. Wenn man direkte Quellen ausmachen kann und Sie halbwegs Konstant sind kann man u.U. von Verhältnis Mittelwert zu Peak auf die Art der Quellen schließen. Da sich die Frequenz der Pulsung durch das Verhältnis der Messwerte Werte verrät. Soviel glaube ich inzwischen zumindest raus gefunden zu haben. Alles rätseln bringt einen keinen Zentimeter nach vorne, wir haben eben kein Organ um HF sichtbar zu machen.

Krass ist das der mit Abstand größte Teil der gepulsten Strahlung anscheinend oft aus den eigenen vier Wänden oder von direkten Nachbarn stammt. So ist zumindest es bei mir, immerhin kann man dagegen leichter vorgehen. DECT Schrott zuerst entsorgen ansonsten kann man eh nicht viel messen. Bestürzt war ich das die angeblich abgeschirmte Mikrowelle die Strahlung nur so raus bläst.


Gruß

Hans-U. Jakob

Re: Freie Sicht zu TV-Türmen

Beitrag von Hans-U. Jakob » 10. Dezember 2006 17:56

Antwort an Mark:
Rein rechnerisch ergibt sich:
Der TV/Radio Sender mit 40kW ERP in 4km Entfernung belastet Sie mit 0.35V/m (Volt pro Meter)
Der UMTS-Sender mit 2kW ERP in 500m Entfernung belastet Sie
mit 0.63V/m
Diese Angaben gelten nur dann, wenn Sie bei beiden Sendern in der Hauptstrahlrichtung liegen und bei Ihnen in Richtung Sender ein Fenster offen ist und Sichtverbindung besteht.
Es können sich grosse Dämpungsfaktoren aus der Abweichung zur Hauptstrahlrichtung und aus der Gebäudedämpfung ergeben.
Alle Besserwisser können sich den Griff in Tasten sparen. Die rechnerischen Prognosen stammen aus den Formeln zu den Vollzugsbestimmungen des Bundes zur NISV.

unwichitg

Re: Freie Sicht zu TV-Türmen

Beitrag von unwichitg » 10. Dezember 2006 23:10

Wie lauten den die Formeln? Wieviel beträgt die Abschirmung bei geschlossenem Fenster? In dieser jahreszeit ist es eher unwahrscheinlich diese offen zu lassen, ausser man weiht die neue Sauna ein.

Mark

Danke, Herr Jakob

Beitrag von Mark » 11. Dezember 2006 07:24

Und was ist von diesem Wert zu halten? So, das übliche oder überdurchschnittlich für städtisches Gebiet? Jedenfalls werde ich am neuen Ort keine Sichtverbindung mehr zum TV-Sendeturm haben und auch sonst einige kleine Liegenschaften und Häuser davor haben. Jetzt hatte ich freie Sicht bei sehr grossen Fenstern (ganze Fensterfront 15 Meter lang vom Boden bis fast zur Decke), von Dämpfung wohl keine Spur. Bin froh, dass wir hier wegkommen, auch weil es sonst nicht mehr optimal ist. Uebrigens: zur UMTS-Antenne besteht auch jetzt keine Sichtverbindung, obwohl wir hier leicht höher liegen als die Antenne steht.

Hans-U. Jakob

Re: Danke, Herr Jakob

Beitrag von Hans-U. Jakob » 11. Dezember 2006 11:54

Die Belastung von Wohnungen durch Radio/TV-Sender beträgt in der Regel weniger als 10% von derjenigen durch Mobilfunktürme. Das Beispiel von Mark liegt auf der seltenen Seite, da Mobilfunktürme in der Regel weniger als 500m entfernt liegen und Radio/TV-Sender in der Regel weiter als 4km. Das ist alles bewieisbar und belegbar.
Besserwisser brauchen nicht in die Tasten zu greifen.
Doppelwandige Isolierglasfenster dämpfen in V/m gemessen etwa 3mal besser als Backsteinmauern.
Hans-U. Jakob

Denis

Interessant!

Beitrag von Denis » 11. Dezember 2006 13:48

Dass der Werkstoff Glas besser isolieren kann als kommune Backsteine ist auch noch interessant. Kommt sicher auf die Qualität an. Wenn man sieht, wie viele Liegenschaften noch alte Fensterli haben aus den 70er-Jahren, dann kann man die wohl nicht vergleichen mit den heutigen Doppelverglasungen. Mir persönlich sind kleinere Fenster auch lieber als diese Riesenflächen, auch wegen der Hitze- und Sonneneinwirkungen. Was die TV-Türme betrifft: von denen gibt es auch im Mittelland recht viele, wenn auch nicht vom Kaliber eines Bantigers. Wird interessant sein zu beobachten, ob die terrestrischen Sender dann tatsächlich bis in einigen Jahren abgestellt werden und voll auf Digital-TV gesetzt wird. Ich persönliche kenne weit und breit niemanden mehr, der via Antenne TV schaut.

Hans-U. Jakob

Re: Danke, Herr Jakob

Beitrag von Hans-U. Jakob » 11. Dezember 2006 13:54

Lieber Unwichtig
So unwichtig ist diese Formel gar nicht. Auf die Gefahr hin, einmal mehr sämtliche Besserwisser Westeuropas am Hals zu haben, wage ich es, diese hier bekanntzugeben.
Man nehme die abgestrahlte Sendeleistung in Watt ERP, dividiere durch die Distanz im Quadrat, dividiere nochmals durch die Richtungsdämpfung, dividiere nochmals durch die Gebäudedämpfung und ziehe aus der so erhaltenen Summe die Quadratwurzel und multipliziere das Ganze mit 7. Et voilà! Schon haben Sie die E-Feldstärke in Volt pro Meter am Immisionsort.
Die Distanz ist in Metern einzusetzen und beide Dämpfungsfaktoren als Zahl zwischen 1 und 31.62
Die Richtungsdämpfung, horizontal wie vertikal müssen Sie dem oder den Antenndiagrammen entnehmen und die dB in einen Faktor umrechnen.
Hans-U. Jakob

Forum-Administration

@ Unwichtig

Beitrag von Forum-Administration » 11. Dezember 2006 18:10

Wie bereits früher erwähnt, haben Poster im Gigaherz-Forum zur Sicherung vor Namensmissbrauch die Möglichkeit, ihre Postings mit einem dreistelligen Code ihrer Wahl zu kennzeichnen, der nur ihnen und der Forumsadministration bekannt ist und vor der Veröffentlichung gelöscht wird, wie dies bereits von vielen Stammpostern so gehandhabt wird.

Provokative oder beleidigende Inhalte werden jedoch unabhängig von Codes von der Veröffentlichung ausgeschlossen.

Eine die Gelegenheitsposter einschränkende Registrierung kann so vermieden werden.

Uli

Re: Freie Sicht auf ...

Beitrag von Uli » 12. Dezember 2006 09:16

@Mark
" ...dass die Leute hier zunehmend unruhig schlafen oder sonst kränkeln seit in 500 Meter Entfernung eine UMTS-Anlage (k e i n e
S i c h t v e r b i n d u n g ) errichtet worden ist."
und
"Uebrigens: zur UMTS-Antenne besteht auch jetzt k e i n e
S i c h t v e r b i n d u n g ,..."

Hallo,
was ich jetzt schreibe muss bei "Mark" zwar gar nicht zutreffen, aber ganz allgemein sollten wir auch alle in Betracht ziehen, dass uns die Sichtverbindung oft nur deshalb erspart bleibt, weil sich dazwischen Hausdächer mit Dachpfannen befinden. Wenn die Dachwohnungen nicht ausgebaut und bewohnt sind, gibt es dort auch
meistens keine Isolierung mit Aluminium-Dampfsperre.

Die Strahlung passiert Dachziegel/-pfannen aber ohne nennenswerte Dämpfung.

Schöne Grüße

Uli

Hans-U. Jakob

Re: Freie Sicht auf ...

Beitrag von Hans-U. Jakob » 12. Dezember 2006 17:05

An Denis:
Zeitgemässes Isolierglas ist ziemlich stark metallhaltig, deshalb die gute Dämpfung. Wegen den enthaltenen Metallen dunkeln diese Gläser auch den Lichteinfall etwas ab.
Dafür "seicht" es dann links und rechts der Fenster ganz schön brav durch die Backsteinmauern hindurch in die Wohnung hinein.
Im Mittelland draussen gibt es längstens keine analogen TV-Sender mehr. Die 100kW-Bratöfen sind alle auf den "Högern" oben.
Rigi, Uetliberg, Bantiger, San-Chrischona, Gibloux usw.
Oder hat mir noch jemand einen Geheimtipp, von wegen Mittelland?
Hans-U. Jakob

Denis

Danke

Beitrag von Denis » 12. Dezember 2006 19:32

Mit 'Mittelland' meinte ich natürlich schon Sendeanlagen auf den 'Högbern' oben, z.B. auf dem Engelberg bei Olten resp. Zofingen. Unten im Mittelland selber hab zuletzt vor ca. 10-15 Jahren bei Schönenwerd an der Aare eine merkwürdige, hohe Antenne gesehen, dort war die ganze Anlage eingezäunt, ich weiss nicht, ob die noch steht und was deren Verwendung war. Wollen wir dann sehen, ob die tatsächlich vorwärts machen mit der Abschaltung der analogen TV-Sender in den nächsten paar Jahren. Vielen Dank für die Ausführungen bezüglich Isolierglas. Das kann man gut beobachten, an Orten wo saniert worden ist, wirken die Gläser merklich dunkler (grünstichig) - aber eben, was nützt es, wenn es dann an den Rahmen reinzieht, reinseicht oder reinstrahlt. Erstaunlich: bis vor einigen Jahren war es das non-plus-ultra Attika-Wohnungen mit freier Stadtsicht zu haben. Dem ist offenbar nicht mehr so; eine Kollegin arbeitet bei einer Immobilienverwaltung und die sagte, dass in den letzten Jahren eher Parterre-Wohnungen oder Wohnungen in der Mitte von kleineren Mehrfamilienhäusern gefragt seien. Ebenfalls gäbe es bei Interessenten da und dort Fragen bezüglich der nächsten Sendemasten. Sie verweist dann immer auf diese Bakom-Karte, die man online abrufen kann. Offenbar ist da ein leises Umdenken im Gange. Was auch noch erwähnenswert ist: die Schwiegereltern eines guten Kollegen haben eine sehr schöne Eigentumswohnung, in die sie in den letzten 20 Jahren viel Geld und Herzblut investiert haben. Seit etwa 5 Jahren ist keine 80 Meter entfernt eine Handy-Sendeanlage der Swisscom auf dem Dach einer Garage aufgebaut worden. Die hat etwa die Höhe der Wohnung. Seither klagt die Frau über grosse Schmerzen im Hüftbereich, wo sie mal eine OP hatte und kann nicht mehr schlafen. Es kann sehr wohl sein, dass da ein Zusammenhang besteht. Dennoch bringt er es nicht übers Herz zu sagen, dass es was mit der Antenne zu tun haben könnte. Die würden das wohl nicht verkraften und würden die Wohnung wohl kaum aufgeben, ganz zu schweigen, dass es ev. zunehmend schwierig mit dem Verkauf werden könnte. Die Antenne wurde zu einem Zeitpunkt errichtet, wo das Thema noch nicht so gross in der Oeffentlichkeit diskutiert worden ist und wahrscheinlich haben die auch einen 20Jahres-Vertrag mit dem Garagisten dort abgeschlossen.

Antworten