Muri-Gümligen: Swisscom plant auf Wohnhaus

The Future Is Black

Muri-Gümligen: Swisscom plant auf Wohnhaus

Beitrag von The Future Is Black » 1. April 2004 11:52

© Berner Zeitung; 31.03.2004; Seite 27b


Mobilfunkantennen in Muri-gümligen. Swisscom plant auf Wohnhaus

In Muri-Gümligen dürfen Mobilfunkanbieter keine Antennen mehr auf Gebäude der Gemeinde stellen. Sie müssen auf private Häuser ausweichen. Ein Projekt der Swisscom stösst nun auf Widerstand.

· Mirjam Messerli
«Wird die Natelantennen-Initiative angenommen, hat die Gemeinde keinen Einfluss auf die Planung mehr.» Was der Gemeinderat von Muri-Gümligen vor der Volksabstimmung vom 8. Februar befürchtete, scheint sich nun zu bewahrheiten. Gebäude der Gemeinde sind seither für die Mobilfunkanbieter weit gehend tabu (siehe auch Kasten). Swisscom, Orange und Sunrise müssen auf private Liegenschaften ausweichen.

Das Profil steht

Bereits regt sich Widerstand gegen ein solches Projekt: Auf einem Mehrfamilienhaus an der Thunstrasse 188 in Muri steht das Profil für eine Antenne. Errichten will sie die Swisscom, die ihre Anlagen auf dem Gemeindehaus und dem Werkhof nicht ausbauen darf. Weicht sie deshalb auf eine private Liegenschaft aus? «In diesem Fall nicht. Das Projekt bestand schon vor der Abstimmung», sagt Swisscom-Sprecher Willy Koch. Man habe aber das Baugesuch erst danach einreichen wollen.

«Mit Empörung» haben Bewohnerinnen und Bewohner des Kräyigen-Quartiers auf die Pläne der Swisscom reagiert. «Das Projekt wird auf massiven Widerstand stossen», künden sie in einer Mail an. Sie werfen die Frage auf, weshalb denn die Swisscom eine neue Antenne bauen wolle, wo es doch nur 200 Meter entfernt bereits einen Standort gebe. Im Industriegebiet Lückhale neben der Autobahn betreibt die Firma Orange eine Anlage. «Kann der Gemeinderat etwas gegen den Bau der neuen Antenne unternehmen?», fragen die Anwohner. Nach der Abstimmung habe die Exekutive versprochen, das Gespräch mit den Anbietern zu suchen.

Gemeinderat handelt

Das hat der Gemeinderat getan: «Wir haben die Swisscom gebeten, zu prüfen, ob sich ein gemeinsamer Standort mit der Firma Orange in der Lückhale realisieren liesse», sagte Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer gestern dieser Zeitung. Eine Koordination fordern könne der Gemeinderat nach der Annahme der Initiative nicht mehr. Man sei auf den Goodwill der Anbieter angewiesen.

«Wir werden das Gespräch mit Orange suchen», bestätigt Willy Koch. Vielleicht sei es aber nicht möglich, die bestehende Anlage in der Lückhale einfach zu erweitern. «Die Grenzwerte müssen eingehalten werden.»

Ein runder Tisch

Viel Spielraum hat der Gemeinderat von Muri-Gümligen nach der Annahme des Mobilfunkmoratoriums nicht mehr. «Wir tun jedoch, was in unserer Macht steht, um eine gewisse Koordination zu erreichen», sagt Gemeindepräsident Saxer. Ein erster Schritt ist eine Art runder Tisch mit den Mobilfunkfirmen. Die Delegation des Gemeinderats ist bestimmt worden: Hans Aeschbacher (SVP), Thomas Hanke (FDP) und Hans Rudolf Saxer (FDP) vertreten die Gemeinde. «Es geht darum, dass alle Beteiligten ihre Bedürfnisse auf den Tisch legen, und wir versuchen, eine möglichst gute Lösung für Muri zu finden», sagt Saxer. ·

Das moratorium

Zehn Jahre Denkpause

Am 8. Februar hat das Stimmvolk von Muri-Gümligen mit fast 57 Prozent einem Moratorium für Mobilfunkantennen zugestimmt. In den nächsten zehn Jahren dürfen Anlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden nur bis zu einer bestimmten Sendeleistung erweitert werden. Über Ausbauten und neue Mobilfunk-antennen befinden in dieser Zeit die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne.

Ausgenommen von diesen Vorschriften sind private Liegenschaften. Die Mobilfunkanbieter haben denn nach der Abstimmung auch angekündigt, dass sie für ihre Projekte auf Privathäuser ausweichen würden. mm

mips

Re: Muri-Gümligen: Swisscom plant auf Wohnhaus

Beitrag von mips » 1. April 2004 20:26

Das Beispiel Muri-Gümligen zeigt klar und deutlich das Demokratieverständnis der Mobilfunkbetreiber . Auch wenn eine Kommune sich klar für ein Antennenmoratorium ausspricht, fühlen sich die Betreibergesellschften nicht verpflichtet, sich diesem Volkswillen unterzuordnen und suchen nach Möglichkeiten, trotz diesem Entscheid ihr Mobilfunkangebot auszubauen. Solches Verhalten entbehrt jeglichen Demokratieverständnisses und Moral!

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