Triumph für die Anwohner! Widerstand lohnt sich!

M. Spreng

Triumph für die Anwohner! Widerstand lohnt sich!

Beitrag von M. Spreng » 10. April 2008 20:26

Tages-Anzeiger / 10.04.2008


Sunrise darf in Tagelswangen vorerst keine Mobilfunk- antenne bauen. Die Anwohner rekurrierten mit Erfolg

Tagelswangen. - Es ist ein Triumph für die Anwohner. Doch möglicherweise hält er nicht lange an. Vergangenen Herbst entschied das Verwaltungsgericht, dass die Baueingabe von Sunrise für eine Handyantenne in Tagelswangen Formfehler aufwies. Ans Licht gebracht hatte dies Anwohner Hansjörg Struchen. Seinen Rekurs gegen den geplanten Bau brachte Struchen bis vors Bundesgericht. Das stellte dann einen Verfahrensfehler fest und beauftragte wiederum das Verwaltungsgericht, sich der Sache anzunehmen. Struchen bekam Recht. Sunrise änderte die eingereichten Datenblätter während des Verfahrens ab. Dies ist laut Verwaltungsgericht nicht zulässig. Den Standort an sich bemängelte das Gericht nicht.

Mittlerweile hat Sunrise das Baugespann in Tagelswangen auf Wunsch der Gemeinde Lindau wieder abgebaut. Doch das Thema ist damit noch nicht vom Tisch. «Die Versorgungslücke in der Region Lindau besteht nach wie vor», sagt Sunrise-Sprecher Manfred Speckert. Zur Verbesserung der Empfangsqualität wolle Sunrise weiterhin eine bis zwei Anlagen in der Region realisieren. «Wie viele Standorte nötig sind, entscheiden die Topografie und das Kundenverhalten», sagt Speckert. Grundsätzlich sei er noch immer überzeugt, dass das Haus an der Tagelswanger Rietstrasse für eine Antenne geeignet wäre. Es habe die nötige Höhe, was einen optisch auffälligen Mast unnötig mache. Speckert ist sich bewusst, dass in einem solchen Fall erneut mit Widerstand zu rechnen wäre. «Selbstverständlich sind wir offen für Vorschläge für alternative Standorte und sind gerne zum Dialog mit Gemeinde und Bevölkerung bereit.»

Erneuter Streit ist vorprogrammiert

Dass Sunrise noch nicht klein beigibt, wundert Struchen nicht. «Dass ein Versorgungsengpass besteht, weiss ich. Es kommt auf das Projekt an, ob ich es bekämpfen werde.» Sicher sei jedoch, dass er sich dagegen wehren werde, sollte die Antenne wiederum in der Nähe seines Wohnhauses, des Kindergartens oder der Schule geplant sein. Und er scheue den erneuten Gang - wenn es sein müsse bis vor Bundesgericht - nicht, sagt Struchen.

Gemeindeschreiber Viktor Ledermann ist überrascht, dass Sunrise Lindau noch immer im Visier hat. Der Gemeinderat habe sich noch nicht mit dem Thema befasst. Ob die Gemeinde gegen eine Antenne ankämpfen werde, hänge mit den rechtlichen Möglichkeiten zusammen. Laut Ledermann orientiere man sich in Lindau an einem Merkblatt des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Dieses informiert Gemeinden über ihren Entscheidungsspielraum. Aus dem Merkblatt ist klar ersichtlich, dass Gemeinden bei der Standortwahl mitbestimmen können. Doch das Awel sagt auch klar, dass Funknetze nie fertig gestellt seien und sich dynamisch entwickelten.