"Mal abschalten"

The Future's Black

"Mal abschalten"

Beitrag von The Future's Black » 6. Dezember 2004 12:03

© Solothurner Zeitung / MLZ; 04.12.2004

Solothurn Zeitung

Kommentar

Mal abschalten

Fabian Gressly

Immer und überall erreichbar zu sein, ist in den letzten gut zehn Jahren zu einem unserer Grundbedürfnisse geworden. Das mag vielleicht eine unrühmliche Entwicklung sein, aber die Zahlen sprechen für sich: Nach Angaben aller drei Mobilkommunikationsanbieter der Schweiz - Swisscom, Sunrise und Orange - beanspruchen hierzulande über fünf Millionen Menschen ein Mobiltelefon. Das Bedürfnis mag von der Branche noch künstlich gefördert werden - flattern doch just auf Weihnachten wieder unzählige Prospekte in den Briefkasten. Aber es besteht noch ein weiterer Grund für die Entwicklung: Der Bundesrat hat den Netzbetreibern, die eine UMTS-Lizenz erworben haben, einen Auftrag erteilt: Bis Ende des Jahres müssen 50 Prozent der Bevölkerung Zugang zum neuen Netz haben. Die Stadt als Bewilligungsbehörde hat letztlich immer weniger Einfluss, sondern vollzieht die Vorgaben des Bundesrats.

Was die Mobilfunk-Strahlen anrichten, ist das eine. Die hohen, mächtigen Masten der Anlagen fallen auf. Der rasante Auf- und Ausbau der Funknetze sensibilisiert die Bevölkerung. Über schädliche Strahlung des Radioweckers neben dem Bett, der Stereoanlage neben der Polstergruppe, des schnurlosen Telefons, des Fernsehers oder des Computers aber machen wir uns keine Sorgen. Ebenso wenig wie über Fahrleitungen von Zügen oder Hochspannungsleitungen. Der hausgemachte Elektrosmog beeinträchtige unsere Gesundheit am meisten, mahnt der Experte des Kantons. Nur in Betrieb nehmen, was genutzt wird, wäre seine Devise. Das gilt für die Mobilfunk-Anbieter - und für uns alle.